Bad Oeynhausener Gastronomie legt mäßigen Neustart hin Nicole Sielermann Bad Oeynhausen (nw). Seit einer Woche dürfen die Gaststätten unter Auflagen wieder öffnen. So voll wie vor der Corona-Krise ist es in Kneipen und Restaurants aber noch lange nicht, trotzdem sind die Gastronomen verhaltenoptimistisch. Sie hoffen zudem auf einen baldigen Anstieg der Gästezahlen und weitere Lockerungen. Ein Bummel durch die Bad Oeynhausen Gastrolandschaft. Bierhaus Brösel Wie es läuft? Bei der Antwort auf diese Frage benutzt Ralf Neumann das Wort mit „Sch“. „Sieh Dich um“, fügt er an und zeigt in die Runde. Leer. Kein einziger Tisch besetzt. Dafür sieht es draußen besser aus. Dort hat im kleinen Biergarten nahezu jeder Tisch seine Gäste gefunden. Im Inneren hängt über der Theke Plastikschutz, die Tische im Bierhaus stehen deutlich weiter auseinander und Schilder weisen die Gäste auf das richtige Verhalten hin. Maske auf beim Betreten und Verlassen, beim Gang zur Toilette, Hände desinfizieren, Name und Adresse in die Liste schreiben und nicht mehr als zweiverschiedene Familien pro Tisch. „Stehen ist verboten, jeder Gast braucht einen Sitzplatz“, erklärt Ralf Neumann. Für viele – vor allem Stammgäste – macht das den Besuch im Brösel unattraktiv. Auch wenn der eine oder andere einmal seine Nase gezeigt hat. Von den üblichen Besuchen in der Kneipe aber sind auch diese noch weit entfernt. „Es läuft noch nicht wirklich gut“, winkt Neumann ab. Eine gute Woche hat er inzwischen geöffnet, die Gästezahlen sind übersichtlich. Auch am Wochenende. „Wir hatten den Keller vorbereitet, weil wir mit der Jugend gerechnet haben – aber die sind ebenfalls weggeblieben.“ Auf nicht einmal 50 Prozent ihres sonstigen Umsatzes kommen die beiden Inhaber Ralf Neumann und Jens Bettin. „Wir brauchen wenigstens so viel, dass wir Nebenkosten und Miete abdecken können. Auch wenn dann für uns nicht mehr groß was übrig bleibt“, überlegt Ralf Neumann. Zwei Monate, so schätzt er, würden sie noch mit diesen Umsätzen überstehen. Mehr gehe nach den zwei vergangenen Monaten, in denen komplett geschlossen war, nicht. „Warten wir mal die kommenden zwei Wochen ab“, sagt er. Möglicherweise gebe es nach Pfingsten ja weitere Lockerungen. Und vielleicht finde ja noch der eine oder andere den Weg in die Kneipe. „Die langen Brösel-Abend werden wiederkommen“, zeigt sich Neumann optimistisch. Pizzeria Piazza Dass es so wird wie vor Corona, als die Gäste vor der Tür oder an der Theke auf einen freien Tisch gewartet haben – das wird noch lange dauern, sagt Antonio Scarcella. „Davon können wir derzeit nur träumen.“ Seit 39 Jahren führt er zusammen mit seinem Bruder die Pizzeria „Piazza“ im Hohenzollernhof und wartet derzeit auf weitere Lockerungen der Regierung. „Wir haben sehr viele Stammgäste – aber 50 Prozent von ihnen haben noch Angst zu kommen“, bilanziert „Nino“ Scarcella. 27 Tische hat er im Restaurant, belegen darf er zwölf. Draußen kommen noch einmal neun, statt 24 hinzu. Auf etwa 50 Prozent des sonstigen Umsatzes hofft der Gastronom. „Das wäre besser als nichts. Dann könnten wir wenigstens die Kosten decken.“ Namen und Adresse der Gäste braucht der Wirt, serviert wird mit Maske: „Das ist nichts zum Wohlfühlen“, winkt Scarcella ab. 100 Prozent des Umsatzes – davon hat sich der Italiener längst verabschiedet. „70 wären schon schön“, sagt er. Weiß aber auch, dass das wohl erst mit weiteren Lockerungen einhergehen wird. „Das wird uns noch lange begleiten.“ Die Gäste, die den Weg zum Italiener finden, genießen es, von zu Hause rauszukommen. „Viele sind froh, mal wieder was anderes zu sehen“, hat Scarcella erfahren. Er hofft für die nächsten Wochen auf gutes Wetter: „Die Tische draußen braucht es einfach für den Umsatz.“ Denn zwölf Tische drinnen, an denen so manches Mal jeweils nur zwei Gäste sitzen, bringen nur minimales Geld in die Kasse. „Ich habe vorerst auch weiterhin zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit“, sagt Scarcella. El Sombrero Übersichtlich ist es an diesem Abend auch im mexikanischen Restaurant „El Sombrero“ an der Mindener Straße. Seit einer Woche ist wieder geöffnet, vorher hat das Team um Serviceleiter Juan Marquez zwei Wochen lang Speisenzum Mitnehmen angeboten. Damit wenigstens einige Euro in der Kasse landeten. „Am Wochenende war es so voll, dass alles belegt war“, erzählt Marquez. Auch im „El Sombrero“ stehen die Tisch luftiger, dürfen nur Personen aus maximal zwei Haushalten Platz nehmen. „Viele Gäste sind unsicher, haben Angst und bleiben weg.“ Als die Corona-Krise kam, haben sich Juan Marquez und sein Team als Erntehelfer auf Spargelhöfen beworben, um wenigstens etwas zu tun zu haben: „Genommen hat uns keiner“,sagt er. Deshalb sei er nun froh, überhaupt wieder arbeiten zu können. Die Unplanbarkeit der Restaurantgäste sind es derzeit, die Juan Marquez Kopfzerbrechen bereiten. „Wir müssen uns bevorraten – wissen aber überhaupt nicht, wie viele, an welchen Tagen vielleicht doch kommen. Da besteht die Gefahr wegwerfen zu müssen und dadurch noch mehr Verlust zu machen.“ Denn die spontanen Gäste sind es, die fehlen. Die, die nach dem Besuch der Bali-Therme eingekehrt sind. Oder vorm Kinobesuch zum Essen kamen. „Wer sich noch nicht zu uns reintraut, kann gerne Essen zum Abholen bestellen“, wirbt Marquez deshalb. Hotelrestaurant Stickdorn Weil Gastronomie Gastfreundschaft bedeute und die wiederum von Emotionen lebe sowie vom Genießen mit allen Sinnen, bleibe das Restaurant im Hotel Stickdorn vorerst geschlossen: „Und all das ist mit den Corona-Beschränkungen nicht möglich“, sagt Nele Kirchner vom Hotel Stickdorn. Auch sei die telefonische Nachfrage für Tischreservierungen noch zurückhaltend. „Die Gäste haben Angst und Bedenken.“ Trotzdem arbeite man hinter den Kulissen an einem neuen Betriebskonzept mit veränderten Hygienestandards.

Bad Oeynhausener Gastronomie legt mäßigen Neustart hin

Antonio Scarcella muss in seinem italienischen Restaurant „Piazza“ viele Tisch frei lassen. © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen (nw). Seit einer Woche dürfen die Gaststätten unter Auflagen wieder öffnen. So voll wie vor der Corona-Krise ist es in Kneipen und Restaurants aber noch lange nicht, trotzdem sind die Gastronomen verhaltenoptimistisch. Sie hoffen zudem auf einen baldigen Anstieg der Gästezahlen und weitere Lockerungen. Ein Bummel durch die Bad Oeynhausen Gastrolandschaft.

Bierhaus Brösel

Wie es läuft? Bei der Antwort auf diese Frage benutzt Ralf Neumann das Wort mit „Sch“. „Sieh Dich um“, fügt er an und zeigt in die Runde. Leer. Kein einziger Tisch besetzt. Dafür sieht es draußen besser aus. Dort hat im kleinen Biergarten nahezu jeder Tisch seine Gäste gefunden. Im Inneren hängt über der Theke Plastikschutz, die Tische im Bierhaus stehen deutlich weiter auseinander und Schilder weisen die Gäste auf das richtige Verhalten hin. Maske auf beim Betreten und Verlassen, beim Gang zur Toilette, Hände desinfizieren, Name und Adresse in die Liste schreiben und nicht mehr als zweiverschiedene Familien pro Tisch. „Stehen ist verboten, jeder Gast braucht einen Sitzplatz“, erklärt Ralf Neumann. Für viele – vor allem Stammgäste – macht das den Besuch im Brösel unattraktiv. Auch wenn der eine oder andere einmal seine Nase gezeigt hat. Von den üblichen Besuchen in der Kneipe aber sind auch diese noch weit entfernt. „Es läuft noch nicht wirklich gut“, winkt Neumann ab. Eine gute Woche hat er inzwischen geöffnet, die Gästezahlen sind übersichtlich. Auch am Wochenende. „Wir hatten den Keller vorbereitet, weil wir mit der Jugend gerechnet haben – aber die sind ebenfalls weggeblieben.“

Brösel-Wirt Ralf Neumann hofft, dass die Bad Oeynhausener wieder mutiger werden und der Kneipe einen Besuch abstatten. Fotos: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Brösel-Wirt Ralf Neumann hofft, dass die Bad Oeynhausener wieder mutiger werden und der Kneipe einen Besuch abstatten. Fotos: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann

Auf nicht einmal 50 Prozent ihres sonstigen Umsatzes kommen die beiden Inhaber Ralf Neumann und Jens Bettin. „Wir brauchen wenigstens so viel, dass wir Nebenkosten und Miete abdecken können. Auch wenn dann für uns nicht mehr groß was übrig bleibt“, überlegt Ralf Neumann. Zwei Monate, so schätzt er, würden sie noch mit diesen Umsätzen überstehen. Mehr gehe nach den zwei vergangenen Monaten, in denen komplett geschlossen war, nicht. „Warten wir mal die kommenden zwei Wochen ab“, sagt er. Möglicherweise gebe es nach Pfingsten ja weitere Lockerungen. Und vielleicht finde ja noch der eine oder andere den Weg in die Kneipe. „Die langen Brösel-Abend werden wiederkommen“, zeigt sich Neumann optimistisch.

Pizzeria Piazza

Dass es so wird wie vor Corona, als die Gäste vor der Tür oder an der Theke auf einen freien Tisch gewartet haben – das wird noch lange dauern, sagt Antonio Scarcella. „Davon können wir derzeit nur träumen.“ Seit 39 Jahren führt er zusammen mit seinem Bruder die Pizzeria „Piazza“ im Hohenzollernhof und wartet derzeit auf weitere Lockerungen der Regierung. „Wir haben sehr viele Stammgäste – aber 50 Prozent von ihnen haben noch Angst zu kommen“, bilanziert „Nino“ Scarcella. 27 Tische hat er im Restaurant, belegen darf er zwölf. Draußen kommen noch einmal neun, statt 24 hinzu. Auf etwa 50 Prozent des sonstigen Umsatzes hofft der Gastronom. „Das wäre besser als nichts. Dann könnten wir wenigstens die Kosten decken.“ Namen und Adresse der Gäste braucht der Wirt, serviert wird mit Maske: „Das ist nichts zum Wohlfühlen“, winkt Scarcella ab. 100 Prozent des Umsatzes – davon hat sich der Italiener längst verabschiedet. „70 wären schon schön“, sagt er. Weiß aber auch, dass das wohl erst mit weiteren Lockerungen einhergehen wird. „Das wird uns noch lange begleiten.“ Die Gäste, die den Weg zum Italiener finden, genießen es, von zu Hause rauszukommen. „Viele sind froh, mal wieder was anderes zu sehen“, hat Scarcella erfahren. Er hofft für die nächsten Wochen auf gutes Wetter: „Die Tische draußen braucht es einfach für den Umsatz.“ Denn zwölf Tische drinnen, an denen so manches Mal jeweils nur zwei Gäste sitzen, bringen nur minimales Geld in die Kasse. „Ich habe vorerst auch weiterhin zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit“, sagt Scarcella.

El Sombrero

Übersichtlich ist es an diesem Abend auch im mexikanischen Restaurant „El Sombrero“ an der Mindener Straße. Seit einer Woche ist wieder geöffnet, vorher hat das Team um Serviceleiter Juan Marquez zwei Wochen lang Speisenzum Mitnehmen angeboten. Damit wenigstens einige Euro in der Kasse landeten. „Am Wochenende war es so voll, dass alles belegt war“, erzählt Marquez. Auch im „El Sombrero“ stehen die Tisch luftiger, dürfen nur Personen aus maximal zwei Haushalten Platz nehmen. „Viele Gäste sind unsicher, haben Angst und bleiben weg.“

Als die Corona-Krise kam, haben sich Juan Marquez und sein Team als Erntehelfer auf Spargelhöfen beworben, um wenigstens etwas zu tun zu haben: „Genommen hat uns keiner“,sagt er. Deshalb sei er nun froh, überhaupt wieder arbeiten zu können. Die Unplanbarkeit der Restaurantgäste sind es derzeit, die Juan Marquez Kopfzerbrechen bereiten. „Wir müssen uns bevorraten – wissen aber überhaupt nicht, wie viele, an welchen Tagen vielleicht doch kommen. Da besteht die Gefahr wegwerfen zu müssen und dadurch noch mehr Verlust zu machen.“ Denn die spontanen Gäste sind es, die fehlen.

Die, die nach dem Besuch der Bali-Therme eingekehrt sind. Oder vorm Kinobesuch zum Essen kamen. „Wer sich noch nicht zu uns reintraut, kann gerne Essen zum Abholen bestellen“, wirbt Marquez deshalb.

Hotelrestaurant Stickdorn

Weil Gastronomie Gastfreundschaft bedeute und die wiederum von Emotionen lebe sowie vom Genießen mit allen Sinnen, bleibe das Restaurant im Hotel Stickdorn vorerst geschlossen: „Und all das ist mit den Corona-Beschränkungen nicht möglich“, sagt Nele Kirchner vom Hotel Stickdorn. Auch sei die telefonische Nachfrage für Tischreservierungen noch zurückhaltend. „Die Gäste haben Angst und Bedenken.“ Trotzdem arbeite man hinter den Kulissen an einem neuen Betriebskonzept mit veränderten Hygienestandards.

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