Bad Oeynhausen: Wohin mit dem ZOB? Neubau ist eine Option Nicole Sielermann Bad Oeynhausen. Der ZOB platzt aus allen Nähten. Mehr Busse lassen sich derzeit nicht unterbringen. Schon jetzt herrscht vor allem an der Südseite Gedränge. Die Folge: "Viele Busfahrer suchen sich andere Plätze, die Kunden finden ihre Linien nicht", bringt es Thorsten Brandt vom Planungsbüro Hahm auf den Punkt. "Der Busbahnhof ist ausgereizt." Abhilfe könnte nur eine bauliche Veränderung bringen - oder aber ein kompletter Neubau des zentralen Omnibusbahnhofes an der Kanalstraße. Im Ausschuss für Stadtentwicklung bekamen die Mitglieder neben den vorhandenen Defiziten deshalb auch vier Skizzen vom möglichen neuen Standort gezeigt. Die allerdings lassen Details und vor allem Kosten vermissen. In den kommenden Wochen sollen die Vorschläge in den Fraktionen beraten werden. Vor zweieinhalb Jahren war das erste Mal die Idee aufgekommen, den ZOB zu verlegen. Damals veranschlagte Kosten: rund fünf Millionen Euro. Neubau ist möglich Seit Januar arbeitet das Büro Sweco an den Plänen für den neuen Busbahnhof. Doch im Gepäck hatte Michael Brinschwitz am Donnerstagabend lediglich vier große Skizzen. Preise oder Details wie machbare Anbindungen an die derzeit noch vierspurige Kanalstraße kamen darin nicht vor. Trotzdem hat Sweco einen ganz klaren Favoriten ausgemacht: die Maximalvariante. Diese Variante eins beinhaltet einen kompletten Neubau des ZOBs an der Kanalstraße plus Fernbushaltestelle. Der jetzige Standort soll dann als Stadtplatz gestaltet werden. Als Eingang zur Stadt. Der neue Busbahnhof soll dann zwölf Stellplätze, Gastronomie, Kiss & Ride sowie ein Servicegebäude bekommen. Zusätzlich gibt es einen Taxistand. Für diese Variante aber braucht es einen Durchstich durch den Bahndamm - und die Anbindung an die Bahnhofshalle. Zur vollen Stunde treffen sich neun Linien Die Variante zwei ähnelt der Variante eins - lediglich die Fernbushaltestelle wurde weiter gen Osten verschoben und liegt dabei neben dem Busbahnhof. Bei der Variante drei wird der jetzige ZOB zur Fernbushaltestelle, der neue würde an der Kanalstraße gebaut. Und die Variante vier, die, die das Büro Sweco gar nicht in Erwägung zieht, ist die Ist-Variante. "Da würde die Fernbushaltestelle an die Kanalstraße verlegt, der alte ZOB beibehalten und der Grüngürtel zum Siel zum Beispiel durch einen Fitnessparcours aufgewertet", schildert Michael Brinschwitz. Einen Durchstich braucht diese Variante nicht, ihr genügen die Neugestaltung der beiden vorhandenen Unterführungen sowie eine Freitreppe. "Das ist die Minimalvariante", betont der Planer. Viele kleine Baustellen 110 Meter lang und 25 Meter breit ist der jetzige ZOB an der Herforder Straße. Er bietet sechs Bussteige, einen Warteraum mit 33 Plätzen, ist aber nicht barrierefrei. Und er ist für die Busse zu eng. Zumal, wenn sich zur vollen Stunde neun Linien dort treffen. "Gerade im Innenbereich bekommen die Busfahrer Probleme beim Rangieren, ein Gelenkbus kann dort gar nicht erst parken", erklärt Thorsten Brandt in seinem Vortrag. Er hat im Auftrag der Stadt die Leistungsfähigkeit des jetzigen Busbahnhofes untersucht und stellt klar: "Den würde man heute anders bauen. Aber der Fixpunkt Eingang Tiefgarage macht eine Flexibilität unmöglich. Sie brauchen an dieser Stelle immer den Zugang nach unten." In seinen Augen müsste man den ZOB anfassen und umbauen. "Es sind viele kleine Baustellen, die sich summieren. Aber das kann man hinbekommen", ist er zuversichtlich. Die Kapazität aber lässt sich durch Umbauten nicht wirklich erhöhen. "Nur der Komfort, die Qualität." Thorsten Brandt weiß aber auch: "Für weitere neue Linien ist kein Platz mehr." Maximal Sprinter könnten noch irgendwo dazwischen passen. "Wenn die Menge so bleibt - dann lässt sich das durchaus modern gestalten", ist Brandt überzeugt. "Außerhalb der sozialen Kontrolle" Dafür würde sich auch Dirk Büssing (CDU) aussprechen. Seine Partei hatte die Untersuchung vergangenes Jahr im ASE beantragt: "Weil wir uns nur schwer einen ZOB außerhalb der sozialen Kontrolle vorstellen können. Ein Busbahnhof gehört zentral in die Stadt - aber natürlich nicht in der Form", erklärt Büssing. Er brachte eine Einbahnstraßenregelung für den Teilbereich der Herforder Straße ins Spiel: "Dann könnte man noch eine Spur mit zum ZOB nehmen." Und Olaf Winkelmann (SPD) plant mit noch mehr Buslinien: "Dann aber am anderen Standort." Am liebsten jenseits der Bahn an der Kanalstraße. Das aber zöge auch eine Umgestaltung im Sültebusch nach sich. "Für alle Varianten müssen die Parkplätze im Sültebusch neu geordnet, die Wege anders angelegt werden, um barrierefrei zum Busbahnhof und in den Siel zu kommen. "Und um den Radschnellweg anzubinden", erklärt Michael Brinschwitz, zuständig für die Skizzen des möglichen neuen ZOB. Bei seiner Befragung haben 90 Bad Oeynhausener mitgemacht. Eine Standort-Präferenz haben sie nicht. Aber viel Kritik am alten ZOB. Skizzen ohne Details Dabei geht es vor allem um die Sicherheit, die Drogenszene, die Pflege, Kurzzeitparkplätze oder fehlenden Komfort. Aber auch digitale Anzeigetafeln, bessere Beleuchtung für die Sicherheit oder überdachte Wartebereiche gehören zu den Wünschen. Ob es die auch am neuen ZOB geben würde - das lässt Brinschwitz offen. "Das sind nur Vorplanungen. Skizzen. Ohne Details", erklärt er. Und kann deshalb auch die Frage von Kathrin Heyne (SPD) nicht beantworten. Sie wollte wissen, wie ein möglicher neuer Busbahnhof an die Kanalstraße angebunden wird. "Können die Busse aus beiden Richtungen einbiegen? Können sie queren? Wird es einen Linksabbieger geben, eine Ampel?" Die Antwort blieb offen. Nur so viel: "Ein Übergang in den Siel und zum Bad ist an dieser Stelle nicht geplant", so Michael Brinschwitz.

Bad Oeynhausen: Wohin mit dem ZOB? Neubau ist eine Option

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Bad Oeynhausen zeigt die Enge an der Innenseite. © Jürgen Krüger

Bad Oeynhausen. Der ZOB platzt aus allen Nähten. Mehr Busse lassen sich derzeit nicht unterbringen. Schon jetzt herrscht vor allem an der Südseite Gedränge. Die Folge: "Viele Busfahrer suchen sich andere Plätze, die Kunden finden ihre Linien nicht", bringt es Thorsten Brandt vom Planungsbüro Hahm auf den Punkt. "Der Busbahnhof ist ausgereizt." Abhilfe könnte nur eine bauliche Veränderung bringen - oder aber ein kompletter Neubau des zentralen Omnibusbahnhofes an der Kanalstraße.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung bekamen die Mitglieder neben den vorhandenen Defiziten deshalb auch vier Skizzen vom möglichen neuen Standort gezeigt. Die allerdings lassen Details und vor allem Kosten vermissen. In den kommenden Wochen sollen die Vorschläge in den Fraktionen beraten werden. Vor zweieinhalb Jahren war das erste Mal die Idee aufgekommen, den ZOB zu verlegen. Damals veranschlagte Kosten: rund fünf Millionen Euro.

Neubau ist möglich

Diese Skizze zeigt die Variante mit der Komplettverlegung des ZOB an die Kanalstraße. - © Sweco Bremen
Diese Skizze zeigt die Variante mit der Komplettverlegung des ZOB an die Kanalstraße. - © Sweco Bremen

Seit Januar arbeitet das Büro Sweco an den Plänen für den neuen Busbahnhof. Doch im Gepäck hatte Michael Brinschwitz am Donnerstagabend lediglich vier große Skizzen. Preise oder Details wie machbare Anbindungen an die derzeit noch vierspurige Kanalstraße kamen darin nicht vor. Trotzdem hat Sweco einen ganz klaren Favoriten ausgemacht: die Maximalvariante.

Diese Variante eins beinhaltet einen kompletten Neubau des ZOBs an der Kanalstraße plus Fernbushaltestelle. Der jetzige Standort soll dann als Stadtplatz gestaltet werden. Als Eingang zur Stadt. Der neue Busbahnhof soll dann zwölf Stellplätze, Gastronomie, Kiss & Ride sowie ein Servicegebäude bekommen. Zusätzlich gibt es einen Taxistand. Für diese Variante aber braucht es einen Durchstich durch den Bahndamm - und die Anbindung an die Bahnhofshalle.

Zur vollen Stunde treffen sich neun Linien

Die Variante zwei ähnelt der Variante eins - lediglich die Fernbushaltestelle wurde weiter gen Osten verschoben und liegt dabei neben dem Busbahnhof. Bei der Variante drei wird der jetzige ZOB zur Fernbushaltestelle, der neue würde an der Kanalstraße gebaut.

Und die Variante vier, die, die das Büro Sweco gar nicht in Erwägung zieht, ist die Ist-Variante. "Da würde die Fernbushaltestelle an die Kanalstraße verlegt, der alte ZOB beibehalten und der Grüngürtel zum Siel zum Beispiel durch einen Fitnessparcours aufgewertet", schildert Michael Brinschwitz. Einen Durchstich braucht diese Variante nicht, ihr genügen die Neugestaltung der beiden vorhandenen Unterführungen sowie eine Freitreppe. "Das ist die Minimalvariante", betont der Planer.

Viele kleine Baustellen

110 Meter lang und 25 Meter breit ist der jetzige ZOB an der Herforder Straße. Er bietet sechs Bussteige, einen Warteraum mit 33 Plätzen, ist aber nicht barrierefrei. Und er ist für die Busse zu eng. Zumal, wenn sich zur vollen Stunde neun Linien dort treffen. "Gerade im Innenbereich bekommen die Busfahrer Probleme beim Rangieren, ein Gelenkbus kann dort gar nicht erst parken", erklärt Thorsten Brandt in seinem Vortrag.

Er hat im Auftrag der Stadt die Leistungsfähigkeit des jetzigen Busbahnhofes untersucht und stellt klar: "Den würde man heute anders bauen. Aber der Fixpunkt Eingang Tiefgarage macht eine Flexibilität unmöglich. Sie brauchen an dieser Stelle immer den Zugang nach unten." In seinen Augen müsste man den ZOB anfassen und umbauen. "Es sind viele kleine Baustellen, die sich summieren. Aber das kann man hinbekommen", ist er zuversichtlich. Die Kapazität aber lässt sich durch Umbauten nicht wirklich erhöhen. "Nur der Komfort, die Qualität." Thorsten Brandt weiß aber auch: "Für weitere neue Linien ist kein Platz mehr." Maximal Sprinter könnten noch irgendwo dazwischen passen. "Wenn die Menge so bleibt - dann lässt sich das durchaus modern gestalten", ist Brandt überzeugt.

"Außerhalb der sozialen Kontrolle"

Dafür würde sich auch Dirk Büssing (CDU) aussprechen. Seine Partei hatte die Untersuchung vergangenes Jahr im ASE beantragt: "Weil wir uns nur schwer einen ZOB außerhalb der sozialen Kontrolle vorstellen können. Ein Busbahnhof gehört zentral in die Stadt - aber natürlich nicht in der Form", erklärt Büssing. Er brachte eine Einbahnstraßenregelung für den Teilbereich der Herforder Straße ins Spiel: "Dann könnte man noch eine Spur mit zum ZOB nehmen." Und Olaf Winkelmann (SPD) plant mit noch mehr Buslinien: "Dann aber am anderen Standort." Am liebsten jenseits der Bahn an der Kanalstraße.

Das aber zöge auch eine Umgestaltung im Sültebusch nach sich. "Für alle Varianten müssen die Parkplätze im Sültebusch neu geordnet, die Wege anders angelegt werden, um barrierefrei zum Busbahnhof und in den Siel zu kommen. "Und um den Radschnellweg anzubinden", erklärt Michael Brinschwitz, zuständig für die Skizzen des möglichen neuen ZOB. Bei seiner Befragung haben 90 Bad Oeynhausener mitgemacht. Eine Standort-Präferenz haben sie nicht. Aber viel Kritik am alten ZOB.

Skizzen ohne Details

Dabei geht es vor allem um die Sicherheit, die Drogenszene, die Pflege, Kurzzeitparkplätze oder fehlenden Komfort. Aber auch digitale Anzeigetafeln, bessere Beleuchtung für die Sicherheit oder überdachte Wartebereiche gehören zu den Wünschen. Ob es die auch am neuen ZOB geben würde - das lässt Brinschwitz offen. "Das sind nur Vorplanungen. Skizzen. Ohne Details", erklärt er. Und kann deshalb auch die Frage von Kathrin Heyne (SPD) nicht beantworten.

Sie wollte wissen, wie ein möglicher neuer Busbahnhof an die Kanalstraße angebunden wird. "Können die Busse aus beiden Richtungen einbiegen? Können sie queren? Wird es einen Linksabbieger geben, eine Ampel?" Die Antwort blieb offen. Nur so viel: "Ein Übergang in den Siel und zum Bad ist an dieser Stelle nicht geplant", so Michael Brinschwitz.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales