Aus alt mach neu: Bückeburger restauriert 51 Jahre alten Wohnwagen Malina Reckordt Bückeburg. Der Wohnwagen von Alex Mittmann ist historisch, in diesem Jahr genau 51 Jahre alt. Durch Zufall hat Alex Mittmann den Knaus Monsun vor einem Jahr in einem Verkaufsportal entdeckt und für 600 Euro einem Petershäger abgekauft. „Mittlerweile wird für ähnliche Modelle deutlich mehr Geld verlangt, weil Camping in diesem Jahr so beliebt ist", meint der 30-Jährige. Also hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den in die Jahre gekommenen Wohnwagen wieder fit zu machen. Im ersten Schritt wurde der Wagen komplett ausgeräumt und eine Bestandsaufnahme gemacht. „Die Küche war vergammelt, in der Dachhaube war ein Loch und die Elektrik musste erneuert werden", erklärt Mittmann. Für sein Alter sei der Wagen dennoch in einem guten Zustand gewesen. Der gelernte Dachdecker hat sich die Fähigkeiten für die Renovierung selbst beigebracht. Vor einigen Jahren hat er einen VW Käfer – künftiges Zugfahrzeug des Wohnwagens – komplett zerlegt und erfolgreich restauriert. So kennt er sich nun grob in Sachen KFZ-Technik und Mechanik aus. In den vergangenen Monaten hat Mittmann viel Zeit in seiner Werkstatt, einem ehemaligen Hühnerstall, verbracht und ist inzwischen ein gutes Stück vorangekommen. Die Holzmöbel hat er abgeschliffen und neu gestrichen – in schieferblau und creme-weiß. Den alten Teppichboden hat er durch einen Vinyl-Boden in Holzoptik ersetzt. „Bei der Verlegung hat mir ein Freund geholfen, da ich das faltenfrei bestimmt nicht geschafft hätte", sagt der Bückeburger. Auch den Außenlack und die Fenster hat er wieder auf Vordermann gebracht. „Das Polieren hat ewig gedauert, aber jetzt kann man sich fast schon spiegeln" sagt Alex Mittmann und lacht. Risse in den Fenstern hat er mit einem speziellen Kleber gefixt. „Es muss nicht alles perfekt sein, das Fahrzeug ist alt und ein Gebrauchsgegenstand", meint Mittmann. Die alten Polster im für die 70er Jahre typisch bunten Stil und die Rüschen-Gardinen sind verschwunden. Stattdessen gibt es nun leuchtend blaue Polster für die beiden Sitzecken. Beide Sitzecken kann man zu Schlafplätzen umbauen, die im hinteren Bereich für zwei Erwachsene, im vorderen Bereich für ein Kind. „Der Wohnwagen soll einen modernen Touch bekommen, kombiniert mit ein paar alten Elementen", so Mittmann. Die neuen Kabel – ummantelt mit Stoff – werden in der Aufputz-Technik an der Wand verlegt. Und als Lichtschalter hat er sich für Bakelit-Schalter entschieden. Weil Alex Mittmann nicht prüfen kann, ob die alten Kabel Brüche haben und somit defekt sind, hat er die alten Kabel „tot gelegt" und sie in der Verkleidung gelassen. „Anders ist es nicht möglich, sonst hätte ich den Wohnwagen so gut wie komplett auseinanderbauen müssen." Bis er mit dem Wohnwagen losziehen kann, fehlt außerdem noch eine Küche. Die sucht er momentan in Verkaufsportalen. „Ich hätte gerne eine originale Knaus-Küche, aber bis ich die in einem guten Zustand finde, kann es noch dauern", so Mittmann. Ein Badezimmer gibt es in dem Wohnwagen nicht, denn sonst wäre der Wohnwagen größer und schwerer geworden. „Der Wohnwagen hat ein Gewicht von 650 Kilogramm Gesamtmasse, maximal 800 Kilogramm darf der Käfer ziehen", erklärt der 30-Jährige. Damit der VW Käfer den Wohnwagen später ziehen kann und auch längere Fahrten übersteht, hat Alex Mittmann im Käfer zwei Anzeigen eingebaut, um den Öldruck und die Öltemperatur während der Fahrt kontrollieren zu können. „So kann ich während der Fahrt den Motor im Blick behalten." Denn geplant seien auf jeden Fall nicht nur Kurztrips, sondern auch längere Fahrten über die Autobahn. Seine Erfahrungen aus der Wohnwagen-Restauration gibt Alex Mittmann übrigens weiter. Während der Restauration läuft fast immer die Kamera, Mittmann erklärt sein Vorgehen Schritt für Schritt und lädt die Videos anschließend bei YouTube hoch. Andere Nutzer würden sich mittlerweile bei ihm nach Tipps erkundigen. „Das macht mich schon ein bisschen stolz", sagt Mittmann. Geschnitten werden die Videos künftig übrigens im werkstatteigenen Studio. Das und ein Aufenthaltsraum sind momentan noch in Arbeit. Die Kosten für das Projekt halten sich in Grenzen. Bislang hat er für das Material 500 Euro bezahlt. Mittmann schätzt, dass die Materialausgaben am Ende bei rund 1.000 Euro liegen. „Aus der Camping-Szene weiß ich, dass viele deutlich mehr Geld für solche Projekte in die Hand nehmen."

Aus alt mach neu: Bückeburger restauriert 51 Jahre alten Wohnwagen

Zwei historische Fahrzeue hat Alex Mittmann aus Bückeburg restauriert. Der 37 Jahre alte VW Käfer ist bereits wieder fit für die Straße. Bei dem 51 Jahre alten Knaus Monsun stehen noch letzte Feinheiten an, bis man damit wieder campen kann. MT-Fotos (2): Malina Reckordt

Bückeburg. Der Wohnwagen von Alex Mittmann ist historisch, in diesem Jahr genau 51 Jahre alt. Durch Zufall hat Alex Mittmann den Knaus Monsun vor einem Jahr in einem Verkaufsportal entdeckt und für 600 Euro einem Petershäger abgekauft. „Mittlerweile wird für ähnliche Modelle deutlich mehr Geld verlangt, weil Camping in diesem Jahr so beliebt ist", meint der 30-Jährige.

Also hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den in die Jahre gekommenen Wohnwagen wieder fit zu machen. Im ersten Schritt wurde der Wagen komplett ausgeräumt und eine Bestandsaufnahme gemacht. „Die Küche war vergammelt, in der Dachhaube war ein Loch und die Elektrik musste erneuert werden", erklärt Mittmann. Für sein Alter sei der Wagen dennoch in einem guten Zustand gewesen.

Der gelernte Dachdecker hat sich die Fähigkeiten für die Renovierung selbst beigebracht. Vor einigen Jahren hat er einen VW Käfer – künftiges Zugfahrzeug des Wohnwagens – komplett zerlegt und erfolgreich restauriert. So kennt er sich nun grob in Sachen KFZ-Technik und Mechanik aus.

In den vergangenen Monaten hat Mittmann viel Zeit in seiner Werkstatt, einem ehemaligen Hühnerstall, verbracht und ist inzwischen ein gutes Stück vorangekommen. Die Holzmöbel hat er abgeschliffen und neu gestrichen – in schieferblau und creme-weiß. Den alten Teppichboden hat er durch einen Vinyl-Boden in Holzoptik ersetzt. „Bei der Verlegung hat mir ein Freund geholfen, da ich das faltenfrei bestimmt nicht geschafft hätte", sagt der Bückeburger. Auch den Außenlack und die Fenster hat er wieder auf Vordermann gebracht. „Das Polieren hat ewig gedauert, aber jetzt kann man sich fast schon spiegeln" sagt Alex Mittmann und lacht. Risse in den Fenstern hat er mit einem speziellen Kleber gefixt. „Es muss nicht alles perfekt sein, das Fahrzeug ist alt und ein Gebrauchsgegenstand", meint Mittmann.

Viel Holz, Polster und Gardinen im 70er-Jahre-Stil: So sah der Wohnwagen aus, als Alex Mittmann ihn gekauft hat.
Viel Holz, Polster und Gardinen im 70er-Jahre-Stil: So sah der Wohnwagen aus, als Alex Mittmann ihn gekauft hat.

Die alten Polster im für die 70er Jahre typisch bunten Stil und die Rüschen-Gardinen sind verschwunden. Stattdessen gibt es nun leuchtend blaue Polster für die beiden Sitzecken. Beide Sitzecken kann man zu Schlafplätzen umbauen, die im hinteren Bereich für zwei Erwachsene, im vorderen Bereich für ein Kind. „Der Wohnwagen soll einen modernen Touch bekommen, kombiniert mit ein paar alten Elementen", so Mittmann. Die neuen Kabel – ummantelt mit Stoff – werden in der Aufputz-Technik an der Wand verlegt. Und als Lichtschalter hat er sich für Bakelit-Schalter entschieden. Weil Alex Mittmann nicht prüfen kann, ob die alten Kabel Brüche haben und somit defekt sind, hat er die alten Kabel „tot gelegt" und sie in der Verkleidung gelassen. „Anders ist es nicht möglich, sonst hätte ich den Wohnwagen so gut wie komplett auseinanderbauen müssen."

Durch den neuen Anstrich und die hellen Polster wirkt der Wohnwagen nun deutlich moderner. Fotos (2): privat
Durch den neuen Anstrich und die hellen Polster wirkt der Wohnwagen nun deutlich moderner. Fotos (2): privat

Bis er mit dem Wohnwagen losziehen kann, fehlt außerdem noch eine Küche. Die sucht er momentan in Verkaufsportalen. „Ich hätte gerne eine originale Knaus-Küche, aber bis ich die in einem guten Zustand finde, kann es noch dauern", so Mittmann. Ein Badezimmer gibt es in dem Wohnwagen nicht, denn sonst wäre der Wohnwagen größer und schwerer geworden. „Der Wohnwagen hat ein Gewicht von 650 Kilogramm Gesamtmasse, maximal 800 Kilogramm darf der Käfer ziehen", erklärt der 30-Jährige.

Damit der VW Käfer den Wohnwagen später ziehen kann und auch längere Fahrten übersteht, hat Alex Mittmann im Käfer zwei Anzeigen eingebaut, um den Öldruck und die Öltemperatur während der Fahrt kontrollieren zu können. „So kann ich während der Fahrt den Motor im Blick behalten." Denn geplant seien auf jeden Fall nicht nur Kurztrips, sondern auch längere Fahrten über die Autobahn.

Seine Erfahrungen aus der Wohnwagen-Restauration gibt Alex Mittmann übrigens weiter. Während der Restauration läuft fast immer die Kamera, Mittmann erklärt sein Vorgehen Schritt für Schritt und lädt die Videos anschließend bei YouTube hoch. Andere Nutzer würden sich mittlerweile bei ihm nach Tipps erkundigen. „Das macht mich schon ein bisschen stolz", sagt Mittmann. Geschnitten werden die Videos künftig übrigens im werkstatteigenen Studio. Das und ein Aufenthaltsraum sind momentan noch in Arbeit.

Die Kosten für das Projekt halten sich in Grenzen. Bislang hat er für das Material 500 Euro bezahlt. Mittmann schätzt, dass die Materialausgaben am Ende bei rund 1.000 Euro liegen. „Aus der Camping-Szene weiß ich, dass viele deutlich mehr Geld für solche Projekte in die Hand nehmen."

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