Aus Nasenbär soll Brummbär werden Bielefelder Präsident der Hells Angels zieht vor Gericht / Sechs "Treibjagd"-Passagen geschwärzt Von Susanne Barth und Silke Burmester Bielefeld (nw). Für mächtig Furore sorgt das Enthüllungsbuch "Treibjagd - Vom Cop zum Outlaw" des Ex-Polizisten Tim K. aus Detmold. Erst im November wird es vom Berliner Stattverlag verlegt, schon jetzt ziehen Beteiligte dagegen vor Gericht. So auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels, Jörg M. Er beantragt vor dem Bielefelder Landgericht eine einstweilige Verfügung. Denn M. sieht sich in dem Enthüllungsbuch verunglimpft.Während Tim K. "unschuldig" im Gefängnis sitzt, schreibt er dieses Buch. "Für mich war es eine Art Psychotherapie", sagt der Autor. Von seinem Leben zwischen den Fronten schreibt der 37-Jährige. Seine Geschichte handelt von falschen Engeln, rechtsbeugenden Staatsdienern, von Lügen und Verrat. Es ist die Geschichte eines Ex-Polizisten, der sich zur Hells-Angels-Welt hingezogen fühlt und gegen das SEK sowie einzelne Höllenengel zu Felde zieht.Auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels kommt in dem Buch vor. Er soll ein V-Mann der Bielefelder Polizei sein. Tim K. versucht Beweise zu sammeln, um Jörg M. zu enttarnen. "Von dieser Lüge" fühlt sich der Hells Angel in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Auch dass er mit John M. abgekürzt oder als Nasenbär betitelt wird, sieht er als persönliche Verletzung."Das Buch ist vollgestopft mit Verdächtigungen. Im Grunde müsste man es ganz verbieten", sagt sein Rechtsanwalt Christoph Franke. Dass der Stattverlag das Buch vom Markt nimmt, erreicht Franke jedoch nicht. Dennoch ist es für ihn "genauso gelaufen, wie wir es haben wollten". Denn mit dem Vergleich wollte der Kläger schnellstmöglich einen Unterlassungsantrag erreichen.5000 Exemplare der ersten Auflage sind bereits verkauft und auch die zweite Auflage steht schon in den Regalen der Buchhandlungen. "Wir haben davon noch rund 1000 Bücher im Lager", sagt Stoeger. In diesen Exemplaren müssen aufgrund des Vergleichs sechs Passagen geschwärzt werden. In den Abschnitten der Seiten 77, 95, 113, 114, 126 und 378 ist der Kläger so deutlich für den Leser erkennbar und als V-Mann der Polizei verunglimpft, dass sie in den noch übrigen Exemplaren geschwärzt werden müssen und in den neuen Auflagen verändert werden sollen. Richter Alexander Pahnke sagt, dass die Stellen als "bloße Meinungsäußerung" erkennbar sein müssen.Doch das ist noch nicht alles: Das Bild von M. im zweiten Fotoalbum muss verpixelt werden, sein Spitzname "Nasenbär" sowie die Abkürzung John M. sollen verändert werden und auch Bielefeld im Zusammenhang zum Höllenengel muss künftig mit B. abgekürzt werden. Trotz der Änderungen sind der Autor und der Gesellschafter des Stattverlags, Jörg-Ulrich Stoeger, mit dem Vergleich zufrieden. "Für uns ist es optimal verlaufen", sagt Stoeger nach dem Gerichtstermin. "Wir als Verlag bekommen noch nicht mal ein Ordnungsgeld". Tim K. geht noch weiter und spricht von einem Gefallen: "Dadurch kurbelt er doch unsere Werbung an."

Aus Nasenbär soll Brummbär werden

Bielefeld (nw). Für mächtig Furore sorgt das Enthüllungsbuch "Treibjagd - Vom Cop zum Outlaw" des Ex-Polizisten Tim K. aus Detmold. Erst im November wird es vom Berliner Stattverlag verlegt, schon jetzt ziehen Beteiligte dagegen vor Gericht.

Eine "wahre" Geschichte: Der Ex-Polizist Tim K. (l.) zeigt im Landgerichtssaal sein Enthüllungsbuch "Treibjagd". - © Foto: Weische
Eine "wahre" Geschichte: Der Ex-Polizist Tim K. (l.) zeigt im Landgerichtssaal sein Enthüllungsbuch "Treibjagd". - © Foto: Weische

So auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels, Jörg M. Er beantragt vor dem Bielefelder Landgericht eine einstweilige Verfügung. Denn M. sieht sich in dem Enthüllungsbuch verunglimpft.

Während Tim K. "unschuldig" im Gefängnis sitzt, schreibt er dieses Buch. "Für mich war es eine Art Psychotherapie", sagt der Autor. Von seinem Leben zwischen den Fronten schreibt der 37-Jährige. Seine Geschichte handelt von falschen Engeln, rechtsbeugenden Staatsdienern, von Lügen und Verrat. Es ist die Geschichte eines Ex-Polizisten, der sich zur Hells-Angels-Welt hingezogen fühlt und gegen das SEK sowie einzelne Höllenengel zu Felde zieht.

Auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels kommt in dem Buch vor. Er soll ein V-Mann der Bielefelder Polizei sein. Tim K. versucht Beweise zu sammeln, um Jörg M. zu enttarnen. "Von dieser Lüge" fühlt sich der Hells Angel in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Auch dass er mit John M. abgekürzt oder als Nasenbär betitelt wird, sieht er als persönliche Verletzung.

"Das Buch ist vollgestopft mit Verdächtigungen. Im Grunde müsste man es ganz verbieten", sagt sein Rechtsanwalt Christoph Franke. Dass der Stattverlag das Buch vom Markt nimmt, erreicht Franke jedoch nicht. Dennoch ist es für ihn "genauso gelaufen, wie wir es haben wollten". Denn mit dem Vergleich wollte der Kläger schnellstmöglich einen Unterlassungsantrag erreichen.

5000 Exemplare der ersten Auflage sind bereits verkauft und auch die zweite Auflage steht schon in den Regalen der Buchhandlungen. "Wir haben davon noch rund 1000 Bücher im Lager", sagt Stoeger. In diesen Exemplaren müssen aufgrund des Vergleichs sechs Passagen geschwärzt werden. In den Abschnitten der Seiten 77, 95, 113, 114, 126 und 378 ist der Kläger so deutlich für den Leser erkennbar und als V-Mann der Polizei verunglimpft, dass sie in den noch übrigen Exemplaren geschwärzt werden müssen und in den neuen Auflagen verändert werden sollen. Richter Alexander Pahnke sagt, dass die Stellen als "bloße Meinungsäußerung" erkennbar sein müssen.

Doch das ist noch nicht alles: Das Bild von M. im zweiten Fotoalbum muss verpixelt werden, sein Spitzname "Nasenbär" sowie die Abkürzung John M. sollen verändert werden und auch Bielefeld im Zusammenhang zum Höllenengel muss künftig mit B. abgekürzt werden. Trotz der Änderungen sind der Autor und der Gesellschafter des Stattverlags, Jörg-Ulrich Stoeger, mit dem Vergleich zufrieden. "Für uns ist es optimal verlaufen", sagt Stoeger nach dem Gerichtstermin. "Wir als Verlag bekommen noch nicht mal ein Ordnungsgeld". Tim K. geht noch weiter und spricht von einem Gefallen: "Dadurch kurbelt er doch unsere Werbung an."

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