Aus Klärschlamm wird Strom in Bückeburg Leonhard Behmann Bückeburg (szlz). Die Freude ist Rainer Klenke gestern Vormittag anzusehen. Mit einem erleichterten Lächeln im Gesicht kann der Leiter des Abwasserbetriebes gemeinsam mit Bürgermeister und Ausschussmitgliedern den Spatenstich für den Bau des Faulturmes machen. Nach sechs Jahren Beratung und Planung geht es endlich los. Der Beginn des 4,14 Millionen Euro teuren Projektes hatte sich in der Vergangenheit immer wieder verschoben. Eigentlich sollte es schon längst abgeschlossen sein. Nun rollen die Bagger. Für den Bau des Fundamentes des Behälters ist bereits schweres Gerät in Stellung gebracht worden und die vorbereitenden Arbeiten laufen auf Hochtouren. Für die Realisierung des Millionenprojektes sind neben dem Bau des Turmes auch weitere Bauarbeiten auf dem Gelände notwendig. So muss das Regenklärbecken zu einem Vorklärbecken umgebaut werden. Bis zuletzt habe es als Rückhaltebecken bei Starkregenereignissen gedient, erklärt der Abwasserbetriebsleiter. Das Becken, das in die Jahre gekommen und marode ist, muss derzeit aufwendig saniert werden. „An manchen Stellen guckte schon die Stahlbewehrung raus, waren die Steine zu sehen“, sagt Klenke. Arbeiter haben das Becken nun gereinigt und eine neue Schicht Putz aufgespritzt. Damit in dem Becken in Zukunft aber das Abwasser vorgeklärt werden kann, sind noch weitere Umbauarbeiten nötig. Unter anderem muss neue Technik eingebaut werden. Gleichzeitig laufen neben dem Primärklärbecken die Arbeiten für ein neues Schlammpumpwerk. „Es wird den Schlamm aus dem Vorklärbecken über Rohre zum Faulturm auf der anderen Seite des Geländes pumpen“, erklärt Klenke den Plan. Im nächsten Jahr soll damit begonnen werden, dass Maschinenhaus des Blockheizkraftwerkes sowie einen sogenannten Schlammeindicker zu bauen. Ziel des Projektes sei es, den Betrieb der Kläranlage „unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten zukunftsfähiger zu machen“, erklärt Bürgermeister Reiner Brombach. Die Zahlen, mit denen gerechnet wird, sind groß. Laut einem Gutachten sollen durch die sogenannte anaerobe Schlammstabilisation die CO2-Emissionen um zirka 664 Tonnen pro Jahr verringert werden. Gleichzeitig – so der Plan – soll sich der Strombedarf der Kläranlage um zirka 110 000 Kilowattstunden pro Jahr verringern. Das Prinzip des Faulturmes funktioniert ähnlich wie bei einer Biogasanlage. In die zukünftige Anlage soll Klärschlamm eingeleitet werden, der dort vor sich hin fault. Dadurch entstehen leicht brennbare Faulgase. In einem Blockheizkraftwerk wird dann aus dem Klärgas Strom produziert. „Wir werden dadurch rund 465 000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. „Das bedeutet eine Ersparnis beim Stromverbrauch von 15 Prozent“, rechnet Bürgermeister Brombach vor. Der Millionen-Bau soll Geld sparen. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten für den Stromverbrauch der Kläranlage sowie der Pumphäuser auf 218 000 Euro. Klenke geht davon aus, dass durch den Faulturm 40 Prozent des benötigten Stromes im eigenen Kraftwerk produziert werden kann. Damit würden die Abwasserbetriebe bei Stromkosten von 218 000 Euro mehr als 80 000 Euro einsparen. Gleichzeitig sei es aber auch Ziel, die Klärschlammenge von etwa 2800 Tonnen pro Jahr um 1000 Tonnen pro Jahr zu senken. Ein erstes Etappenziel ist bereits erreicht. Die Leerrohre für Stromkabel, Abwasserrohre und Technikleitungen sind bereits in den letzten Wochen verlegt worden. Jetzt werden die Schächte wieder mit Sand und Schotter zugeschüttet. Auch von der Stelle, wo das Blockheizkraftwerk gebaut werden soll, wurden Kabel zum alten Teil der Kläranlage geführt. Im Oktober 2021 soll die Anlage betriebsbereit sein – „wenn alles glatt läuft“, sagt Klenke. Ein harter Winter oder das Coronavirus könnten die Arbeiten verzögern.

Aus Klärschlamm wird Strom in Bückeburg

Spatenstich für den Faulturm – Bürgermeister Reiner Brombach (von links), Rainer Klenke, Leiter des Abwasserbetriebes, sowie Michael Pohl (stellv. Vorsitzender Abwasser-Betriebsausschuss) und der Ausschussvorsitzende Jens Meier freuen sich, dass es losgeht. Foto: Leonhard Behmann © m

Bückeburg (szlz). Die Freude ist Rainer Klenke gestern Vormittag anzusehen. Mit einem erleichterten Lächeln im Gesicht kann der Leiter des Abwasserbetriebes gemeinsam mit Bürgermeister und Ausschussmitgliedern den Spatenstich für den Bau des Faulturmes machen. Nach sechs Jahren Beratung und Planung geht es endlich los. Der Beginn des 4,14 Millionen Euro teuren Projektes hatte sich in der Vergangenheit immer wieder verschoben.

Eigentlich sollte es schon längst abgeschlossen sein. Nun rollen die Bagger. Für den Bau des Fundamentes des Behälters ist bereits schweres Gerät in Stellung gebracht worden und die vorbereitenden Arbeiten laufen auf Hochtouren. Für die Realisierung des Millionenprojektes sind neben dem Bau des Turmes auch weitere Bauarbeiten auf dem Gelände notwendig. So muss das Regenklärbecken zu einem Vorklärbecken umgebaut werden. Bis zuletzt habe es als Rückhaltebecken bei Starkregenereignissen gedient, erklärt der Abwasserbetriebsleiter. Das Becken, das in die Jahre gekommen und marode ist, muss derzeit aufwendig saniert werden. „An manchen Stellen guckte schon die Stahlbewehrung raus, waren die Steine zu sehen“, sagt Klenke. Arbeiter haben das Becken nun gereinigt und eine neue Schicht Putz aufgespritzt. Damit in dem Becken in Zukunft aber das Abwasser vorgeklärt werden kann, sind noch weitere Umbauarbeiten nötig. Unter anderem muss neue Technik eingebaut werden.

Gleichzeitig laufen neben dem Primärklärbecken die Arbeiten für ein neues Schlammpumpwerk. „Es wird den Schlamm aus dem Vorklärbecken über Rohre zum Faulturm auf der anderen Seite des Geländes pumpen“, erklärt Klenke den Plan. Im nächsten Jahr soll damit begonnen werden, dass Maschinenhaus des Blockheizkraftwerkes sowie einen sogenannten Schlammeindicker zu bauen.

Ziel des Projektes sei es, den Betrieb der Kläranlage „unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten zukunftsfähiger zu machen“, erklärt Bürgermeister Reiner Brombach. Die Zahlen, mit denen gerechnet wird, sind groß. Laut einem Gutachten sollen durch die sogenannte anaerobe Schlammstabilisation die CO2-Emissionen um zirka 664 Tonnen pro Jahr verringert werden.

Gleichzeitig – so der Plan – soll sich der Strombedarf der Kläranlage um zirka 110 000 Kilowattstunden pro Jahr verringern. Das Prinzip des Faulturmes funktioniert ähnlich wie bei einer Biogasanlage. In die zukünftige Anlage soll Klärschlamm eingeleitet werden, der dort vor sich hin fault. Dadurch entstehen leicht brennbare Faulgase. In einem Blockheizkraftwerk wird dann aus dem Klärgas Strom produziert. „Wir werden dadurch rund 465 000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. „Das bedeutet eine Ersparnis beim Stromverbrauch von 15 Prozent“, rechnet Bürgermeister Brombach vor. Der Millionen-Bau soll Geld sparen. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten für den Stromverbrauch der Kläranlage sowie der Pumphäuser auf 218 000 Euro. Klenke geht davon aus, dass durch den Faulturm 40 Prozent des benötigten Stromes im eigenen Kraftwerk produziert werden kann. Damit würden die Abwasserbetriebe bei Stromkosten von 218 000 Euro mehr als 80 000 Euro einsparen. Gleichzeitig sei es aber auch Ziel, die Klärschlammenge von etwa 2800 Tonnen pro Jahr um 1000 Tonnen pro Jahr zu senken.

Ein erstes Etappenziel ist bereits erreicht. Die Leerrohre für Stromkabel, Abwasserrohre und Technikleitungen sind bereits in den letzten Wochen verlegt worden. Jetzt werden die Schächte wieder mit Sand und Schotter zugeschüttet. Auch von der Stelle, wo das Blockheizkraftwerk gebaut werden soll, wurden Kabel zum alten Teil der Kläranlage geführt.

Im Oktober 2021 soll die Anlage betriebsbereit sein – „wenn alles glatt läuft“, sagt Klenke. Ein harter Winter oder das Coronavirus könnten die Arbeiten verzögern.

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