Aufruhr gegen die ICE-Bahnschnellstrecke durch Bad Oeynhausen Jörg Stuke Bad Oeynhausen/Auetal (nw). Der Tisch ist groß, der Plan ist größer. Aber es ist ja auch ein großes Projekt. Gute drei Meter dürfte das Kartenwerk messen, das Hendrik Steg, Vorsitzender der Bürgerinitiative im niedersächsischen Auetal, ausbreitet. Rote Linien markieren, worum es geht: die Pläne für eine neue Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld, auf der ICE-Züge künftig mit 300 Stundenkilometern unterwegs sein könnten. Eine der Trassenvarianten könnte auch durch Bad Oeynhausen führen. Das Kartenwerk der Bürgerinitiative Auetal beruht allerdings vor allem auf Vermutungen. "Es ist eine Karte der Verzweiflung", sagt die zweite Vorsitzende Claudia Grimm. "Denn wir bekommen einfach keinerlei konkrete Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium." Sicher ist aber: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke ist Bestandteil des „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetzes", das Ende Januar im Bundestag von der GroKo beschlossen wurde und seit dem 1. April in Kraft ist. Die Sozialdemokraten Stefan Schwartze (Herford), Achim Post (Minden), Wiebke Esdar (Bielefeld) und Marja-Liisa Völlers (Nienburg) stimmten dagegen. Das Gesetz soll dazu beitragen, dass wichtige Verkehrsprojekte in Deutschland schneller umgesetzt werden können. Fixpunkt der Planung ist der Deutschlandtakt Während die SPD-Bundestagsabgeordneten aus der Region diese Pläne für eine Neubaustrecke ablehnen und weiterhin den Ausbau der bestehenden Strecke auf durchgehend vier Gleise fordern, sehen Rainer Engel von „Pro Bahn" und Thomas Dippert, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), in dem Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke vor allem Vorteile - gerade auch für Bad Oeynhausen. Dippert und Engel hatten im Gespräch mit der NW berichtet, dass sie von zwei Trassen-Varianten Kenntnis hätten: Die eine würde aus Richtung Hannover gesehen ab Auetal weitgehend im Tunnel auf Vlotho zu und dann um Bad Salzuflen herum gen Bielefeld führen. Die andere würde zwischen der bestehenden Bahnbrücke und der Autobahnbrücke mit einer neuen Brücke über die Weser geführt und dann in Bad Oeynhausen auf die bestehende alte Nordbahnstrecke eingefädelt. Diese Strecke wäre zwar länger, aber auch deutlich günstiger. Die Kosten für einen kompletten Neubau zwischen Hannover und Bielefeld hatte Stefan Schwartze auf mindestens zehn Milliarden Euro geschätzt. Genau diese beiden Varianten haben auch die Auetaler in ihren Karten skizziert. Bei allen Unsicherheiten im Detail sind sie sicher, dass es auf eine dieser Lösungen hinauslaufen würde. Denn es gibt doch ein paar bereits bekannte Fixpunkte, die der Planung zugrunde liegen. Da ist ganz vorneweg der Deutschlandtakt 2030, an dem sich alle Pläne zum Netzausbau der Bahn orientieren müssen. Der Grundgedanke: Ähnlich wie bei Bus- oder Straßenbahnen sollen die ICE-Züge an den Knotenpunkten immer zur gleichen Zeit abfahren, und das im Stunden- oder gar Halbstunden-Takt. "Wir wundern uns, dass man aus Bad Oeynhausen nichts hört" Aus dieser Vorgabe ergibt sich offenbar auch aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums die Notwendigkeit, die Fahrtzeit des ICE zwischen Hannover und Bielefeld von heute 49 Minuten auf 31 Minuten zu verkürzen. Dazu müssten die Züge mit 300 Stundenkilometern in der Spitze fahren, wofür wiederum eine neue Bahnstrecke gebaut werden müsste. "Die müsste Kurvenradien von mindestens vier Kilometern haben und dürfte keine Steigungen über 1,2 Prozent beinhalten", sagt Steg. Diese Grundannahmen führte er mit den topographischen Daten des Geländes zwischen Hannover und Bielefeld zusammen - und kam so auf eine mögliche Streckenführung. Für Steg und seine Mitstreiterinnen ist klar: "Die Strecke kann nur bei uns durchs Auetal führen." "Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke - das ist ein Lärmmonster und ein ungeheurer Bau - wie eine zweite Autobahn", sagt Christine Gödecke, dritte Vorsitzende der Bürgerinitiative. Sie fürchtet: "Wenn die Strecke kommt, ist unser Tal tot." Deshalb sei die Betroffenheit im Auetal groß. Von den 6.000 Einwohnern der Gemeinde sind 550 Mitglieder der Bürgerinitiative. Auch von den Kommunalpolitikern gebe es Unterstützung. So habe Jörg Farr, Landrat des Kreises Schaumburg, eigens eine Lenkungsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Thema Bahnschnellstrecke befasse, berichtet Steg. "Wir wundern uns, dass das in Bad Oeynhausen bei den Bürgern offenbar noch kein Thema ist", sagt Claudia Grimm. "Was zunehmen wird, ist der Güterverkehr" "Ich glaube, sobald konkrete Pläne auf dem Tisch liegen, wird das auch für Bad Oeynhausen ein Thema", sagt Stefan Schwartze. Denn so sicher wie im Auetal liegt die Sache für Bad Oeynhausen nicht. Möglich, dass die Strecke schon vor Vlotho gen Bad Salzuflen abzweigt und die Kurstadt gar nicht kreuzt. Hendrik Steg hält das für die wahrscheinlichere Variante, Rainer Engel glaubt eher an die Führung der Strecke durch Bad Oeynhausen. Das Bundesverkehrsministerium hatte im April auf Nachfrage der NW mitgeteilt, dass "erst mit Fertigstellung des abschließenden Gutachterentwurfs gegen Mitte des Jahres" konkrete Streckenvarianten erarbeitet und vorgestellt werden könnten. Engel und Dippert sind im übrigens auch davon überzeugt, dass die Neubaustrecke gerade für Bad Oeynhausen Vorteile bringen würde. Denn wenn die ICE auf der neuen Strecke fahren, würde die alte entlastet. Hier könnten dann Regionalzüge schneller und pünktlicher fahren und wieder mehr Intercity-Züge in Bad Oeynhausen halten, so Engels Annahme. Daran aber glaubt die Bürgerinitiative im Auetal nicht. "Was nach dem Bau einer Schnellstrecke auf der alten Strecke vor allem zunehmen wird, ist der Güterverkehr", sagt Claudia Grimm. Nähere Informationen über die Initiative gibt es im Internet auf der Seite bi-auetal\.de.

Aufruhr gegen die ICE-Bahnschnellstrecke durch Bad Oeynhausen

Hendrik Steg (v.l.), Claudia Grimm und Christine Gödecke bilden den Vorstand des 550 Mitglieder starken Vereins. Die Bürgerinitiative Auetal will den Neubau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Bielefeld verhindern. © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen/Auetal (nw). Der Tisch ist groß, der Plan ist größer. Aber es ist ja auch ein großes Projekt. Gute drei Meter dürfte das Kartenwerk messen, das Hendrik Steg, Vorsitzender der Bürgerinitiative im niedersächsischen Auetal, ausbreitet. Rote Linien markieren, worum es geht: die Pläne für eine neue Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld, auf der ICE-Züge künftig mit 300 Stundenkilometern unterwegs sein könnten. Eine der Trassenvarianten könnte auch durch Bad Oeynhausen führen.

Das Kartenwerk der Bürgerinitiative Auetal beruht allerdings vor allem auf Vermutungen. "Es ist eine Karte der Verzweiflung", sagt die zweite Vorsitzende Claudia Grimm. "Denn wir bekommen einfach keinerlei konkrete Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium." Sicher ist aber: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke ist Bestandteil des „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetzes", das Ende Januar im Bundestag von der GroKo beschlossen wurde und seit dem 1. April in Kraft ist. Die Sozialdemokraten Stefan Schwartze (Herford), Achim Post (Minden), Wiebke Esdar (Bielefeld) und Marja-Liisa Völlers (Nienburg) stimmten dagegen. Das Gesetz soll dazu beitragen, dass wichtige Verkehrsprojekte in Deutschland schneller umgesetzt werden können.

Fixpunkt der Planung ist der Deutschlandtakt

Zwei mögliche Trassen für den Neubau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Bielefeld sieht die Bürgerintiative Auetal - ebenso wie der Fahrgastverband "Pro Bahn" und der Verkehrsclub Deutschland: Die eine Variante führt über Vlotho und Bad Salzuflen (untere rote Linie), die andere mitten durch Bad Oeynhausen. Die blaue Linie markiert die bestehende Nordbahnstrecke. - © Jörg Stuke
Zwei mögliche Trassen für den Neubau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Bielefeld sieht die Bürgerintiative Auetal - ebenso wie der Fahrgastverband "Pro Bahn" und der Verkehrsclub Deutschland: Die eine Variante führt über Vlotho und Bad Salzuflen (untere rote Linie), die andere mitten durch Bad Oeynhausen. Die blaue Linie markiert die bestehende Nordbahnstrecke. - © Jörg Stuke

Während die SPD-Bundestagsabgeordneten aus der Region diese Pläne für eine Neubaustrecke ablehnen und weiterhin den Ausbau der bestehenden Strecke auf durchgehend vier Gleise fordern, sehen Rainer Engel von „Pro Bahn" und Thomas Dippert, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), in dem Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke vor allem Vorteile - gerade auch für Bad Oeynhausen. Dippert und Engel hatten im Gespräch mit der NW berichtet, dass sie von zwei Trassen-Varianten Kenntnis hätten: Die eine würde aus Richtung Hannover gesehen ab Auetal weitgehend im Tunnel auf Vlotho zu und dann um Bad Salzuflen herum gen Bielefeld führen. Die andere würde zwischen der bestehenden Bahnbrücke und der Autobahnbrücke mit einer neuen Brücke über die Weser geführt und dann in Bad Oeynhausen auf die bestehende alte Nordbahnstrecke eingefädelt. Diese Strecke wäre zwar länger, aber auch deutlich günstiger. Die Kosten für einen kompletten Neubau zwischen Hannover und Bielefeld hatte Stefan Schwartze auf mindestens zehn Milliarden Euro geschätzt.

Die Bürgerinitiative Auetal zeigt in der Region um Bad Eilsen deutliche Präsenz. - © Jörg Stuke
Die Bürgerinitiative Auetal zeigt in der Region um Bad Eilsen deutliche Präsenz. - © Jörg Stuke

Genau diese beiden Varianten haben auch die Auetaler in ihren Karten skizziert. Bei allen Unsicherheiten im Detail sind sie sicher, dass es auf eine dieser Lösungen hinauslaufen würde. Denn es gibt doch ein paar bereits bekannte Fixpunkte, die der Planung zugrunde liegen. Da ist ganz vorneweg der Deutschlandtakt 2030, an dem sich alle Pläne zum Netzausbau der Bahn orientieren müssen. Der Grundgedanke: Ähnlich wie bei Bus- oder Straßenbahnen sollen die ICE-Züge an den Knotenpunkten immer zur gleichen Zeit abfahren, und das im Stunden- oder gar Halbstunden-Takt.

"Wir wundern uns, dass man aus Bad Oeynhausen nichts hört"

Aus dieser Vorgabe ergibt sich offenbar auch aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums die Notwendigkeit, die Fahrtzeit des ICE zwischen Hannover und Bielefeld von heute 49 Minuten auf 31 Minuten zu verkürzen. Dazu müssten die Züge mit 300 Stundenkilometern in der Spitze fahren, wofür wiederum eine neue Bahnstrecke gebaut werden müsste. "Die müsste Kurvenradien von mindestens vier Kilometern haben und dürfte keine Steigungen über 1,2 Prozent beinhalten", sagt Steg. Diese Grundannahmen führte er mit den topographischen Daten des Geländes zwischen Hannover und Bielefeld zusammen - und kam so auf eine mögliche Streckenführung. Für Steg und seine Mitstreiterinnen ist klar: "Die Strecke kann nur bei uns durchs Auetal führen."

"Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke - das ist ein Lärmmonster und ein ungeheurer Bau - wie eine zweite Autobahn", sagt Christine Gödecke, dritte Vorsitzende der Bürgerinitiative. Sie fürchtet: "Wenn die Strecke kommt, ist unser Tal tot." Deshalb sei die Betroffenheit im Auetal groß. Von den 6.000 Einwohnern der Gemeinde sind 550 Mitglieder der Bürgerinitiative. Auch von den Kommunalpolitikern gebe es Unterstützung. So habe Jörg Farr, Landrat des Kreises Schaumburg, eigens eine Lenkungsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Thema Bahnschnellstrecke befasse, berichtet Steg. "Wir wundern uns, dass das in Bad Oeynhausen bei den Bürgern offenbar noch kein Thema ist", sagt Claudia Grimm.

"Was zunehmen wird, ist der Güterverkehr"

"Ich glaube, sobald konkrete Pläne auf dem Tisch liegen, wird das auch für Bad Oeynhausen ein Thema", sagt Stefan Schwartze. Denn so sicher wie im Auetal liegt die Sache für Bad Oeynhausen nicht. Möglich, dass die Strecke schon vor Vlotho gen Bad Salzuflen abzweigt und die Kurstadt gar nicht kreuzt. Hendrik Steg hält das für die wahrscheinlichere Variante, Rainer Engel glaubt eher an die Führung der Strecke durch Bad Oeynhausen. Das Bundesverkehrsministerium hatte im April auf Nachfrage der NW mitgeteilt, dass "erst mit Fertigstellung des abschließenden Gutachterentwurfs gegen Mitte des Jahres" konkrete Streckenvarianten erarbeitet und vorgestellt werden könnten.

Engel und Dippert sind im übrigens auch davon überzeugt, dass die Neubaustrecke gerade für Bad Oeynhausen Vorteile bringen würde. Denn wenn die ICE auf der neuen Strecke fahren, würde die alte entlastet. Hier könnten dann Regionalzüge schneller und pünktlicher fahren und wieder mehr Intercity-Züge in Bad Oeynhausen halten, so Engels Annahme. Daran aber glaubt die Bürgerinitiative im Auetal nicht. "Was nach dem Bau einer Schnellstrecke auf der alten Strecke vor allem zunehmen wird, ist der Güterverkehr", sagt Claudia Grimm.

Nähere Informationen über die Initiative gibt es im Internet auf der Seite bi-auetal\.de.

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