Angsträume für Frauen in Bad Oeynhausen: Was dagegen getan werden kann Nicole Sielermann Bad Oeynhausen. Oftmals ist es nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das vermutlich viele Frauen kennen, wenn sie abends alleine im Dunkeln unterwegs sind. Vom Bus die letzten Meter nach Hause laufen, mit dem Fahrrad unbekümmert die Abkürzung durch den Siel nehmen oder die abendliche Joggingrunde ohne Angst im Nacken antreten - sich sicher zu fühlen, wünscht sich wohl jeder. Ganz besonders Frauen und Mädchen. Doch es gibt in jeder Stadt Flecken, die Frauen meiden - oder nur ungern allein im Dunkeln passieren. Auch Bad Oeynhausen hat solche Angsträume. "Siel, Bahnhof, Sültebusch, eventuell Kurpark", zählt Birgit Thinnes auf. Die Kriminalhauptkommissarin des Kriminalkommissariats Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Minden-Lübbecke hat viele Rückmeldungen bekommen. Hinzu kommen Vorfälle, wie jüngst in Großbritannien, wo eine junge Frau auf dem nächtlichen Nachhauseweg verschwand. Seitdem schildern in den sozialen Netzwerken tausende Frauen ihre Befürchtungen, wenn sie abends alleine unterwegs sind. Doch wie ist die Situation eigentlich in Bad Oeynhausen? "Irgendetwas hat jede Frau, jedes junge Mädchen schon mal erlebt. Dumme Sprüche, Anmachen, Beleidigungen oder sogar Belästigungen und Übergriffe", weiß Birgit Thinnes. "Jeder Frau hatte wohl schon mal Angst in einer Situation." Doch die wenigsten erstatten Anzeige: Weil sie die Vorfälle als nicht-meldenswert empfinden. "Es ist ja nichts passiert", bekommt Birgit Thinnes dann oft zu hören. Sie rät aber: "Anzeige erstatten. Nur so bekommen wir Kenntnis und können reagieren." Wer sich scheut, Vorfälle anzuzeigen, könne erst einmal den niederschwelligen Weg über die Beratungsstelle der Polizei nehmen: "Ein Anruf bei uns und wir können drüber sprechen." Wenn sich tatsächlich eine Straftat dahinter verberge, könne immer noch gemeinsam über eine Anzeige nachgedacht werden. "Für uns als Polizei ist es gut, solche Angsträume der Frauen zu kennen. Dann können wir handeln. Auch präventiv", erklärt Thinnes. Zum Beispiel im Rahmen der städtebaulichen Kriminalprävention: "Gemeinsam mit der Stadt können wir dann klären, was dort zu verändern ist." "Zu Hause bleiben ist keine Lösung" In Bad Oeynhausen selbst gibt es keine massiven Übergriffe, keine Schwerpunkte, an denen Frauen belästigt werden. "Trotzdem ist an bestimmten Stellen im Stadtgebiet die Angst da." Denn ein Gefühl habe nichts damit zu tun, dass tatsächlich etwas passiere. "Es sind eher die Umstände, die Angst auslösen. Müll, Geruch, Dunkelheit, Personen, die dort rumlungern", zählt die Fachfrau auf. "Das alles zusammen macht die Kriminalitätsfurcht aus." Während die eine Gruppe Frauen rational mit "Augen zu und durch" reagiere, komme bei andere die Vermeidungsangst. "Bloß nicht zuhause bleiben - das ist definitiv keine Lösung", winkt Birgit Thinnes vehement ab. "Solche Tipps von Außenstehenden sind wenig hilfreich", betont sie. Zumal die eigene Wohnung für Frauen oftmals unsicherer ist, als die Straße. Stichwort häusliche Gewalt. "Jede Frau, jedes Mädchen hat das Recht, sich in der Stadt frei und ohne Angst zu bewegen." Statt Mädchen und Frauen zu Hause einzusperren, rät Birgit Thinnes: "Mütter müssen mit ihren Söhnen sprechen. Sie sensibilisieren und ihnen erklären, dass Männer durch dumme Sprüche und Anmachen nicht attraktiver werden. Sie sollten ihnen erklären, dass solche Sprüche beim anderen Geschlecht nicht gut ankommen." Die verbale sexuelle Belästigung, das Reduzieren auf Körper und Geschlecht, sorge für Angstgefühle: "Dann entsteht oftmals das Kopfkino - bis hin zur Vergewaltigung." Junge Männer werden häufiger Opfer auf der Straße Viele Umfragen in deutschen Städten haben in den vergangenen Monaten immer wieder gezeigt, dass sich Frauen und Mädchen "auf der Straße" mit Abstand am unsichersten fühlen. Darauf folgen in allen Städten die Ortskategorien "öffentliche Verkehrsmittel" und "Grünanlagen". Die am häufigsten genannten Gründe für ein unsicheres Gefühl sind dabei Begegnungen mit Personengruppen, die Alkohol oder Drogen konsumieren, zudem schlecht beleuchtete Wege und Parks sowie einsame Gegenden, in denen Hilfe im Notfall fehlen würde. Dabei sind, so zeigt es die Statistik der Kriminalpolizei, Frauen gar nicht häufiger das Opfer auf den Straßen: "Sie werden selten überfallen. Als junger Mann muss ich dagegen eher mit Überfällen rechnen, da ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass mir nachts auf der Straße etwas passiert", weiß Thinnes. "Trotzdem haben Frauen deutlich mehr Angst." Was kann helfen, Frauen die nächtliche Angst zu nehmen? "Es gibt zum Beispiel das Heimweg-Telefon oder aber ich telefonieren mit einer Bekannten oder einem Bekannten, wenn ich auf solchen Angstwegen unterwegs bin", rät Birgit Thinnes. "Das gibt Sicherheit." Auch Selbstschutzmaßnahmen, wie ein griffbereiter Schlüsselbund, können Sicherheit geben. "Wege wählen, die beleuchteter sind, die belebter sind, wo man im Zweifelsfall schnell Hilfe bekommen kann. Niemals mit Kopfhörern im Ohr laufen. Und natürlich schreien. Das ist immer noch die wichtigste Waffe bei einem Übergriff", rät Birgit Thinnes. Weil Letzteres oftmals nicht auf Kommando klappt, sollte das trainiert werden. "Ich kann die Selbstbehauptungskurse der Polizei empfehlen. Dort wird einiges gezeigt, wie ich mich aus brenzligen Situationen retten kann", rät Birgit Thinnes Frauen und Mädchen. Denn jede Frau habe das Recht, sich immer Falle eines Angriffes zu wehren. Informationen dazu gibt es unter www.pspv.de.

Angsträume für Frauen in Bad Oeynhausen: Was dagegen getan werden kann

Auch die Unterführungen in den Siel und zum Sültebusch sind sogenannte Angsträume für Frauen. Auch wenn selten etwas passiert - ein mulmiges Gefühl wandert oftmals mit. © Lino Mirgeler

Bad Oeynhausen. Oftmals ist es nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das vermutlich viele Frauen kennen, wenn sie abends alleine im Dunkeln unterwegs sind. Vom Bus die letzten Meter nach Hause laufen, mit dem Fahrrad unbekümmert die Abkürzung durch den Siel nehmen oder die abendliche Joggingrunde ohne Angst im Nacken antreten - sich sicher zu fühlen, wünscht sich wohl jeder. Ganz besonders Frauen und Mädchen. Doch es gibt in jeder Stadt Flecken, die Frauen meiden - oder nur ungern allein im Dunkeln passieren.

Auch Bad Oeynhausen hat solche Angsträume. "Siel, Bahnhof, Sültebusch, eventuell Kurpark", zählt Birgit Thinnes auf. Die Kriminalhauptkommissarin des Kriminalkommissariats Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Minden-Lübbecke hat viele Rückmeldungen bekommen. Hinzu kommen Vorfälle, wie jüngst in Großbritannien, wo eine junge Frau auf dem nächtlichen Nachhauseweg verschwand. Seitdem schildern in den sozialen Netzwerken tausende Frauen ihre Befürchtungen, wenn sie abends alleine unterwegs sind. Doch wie ist die Situation eigentlich in Bad Oeynhausen?

"Irgendetwas hat jede Frau, jedes junge Mädchen schon mal erlebt. Dumme Sprüche, Anmachen, Beleidigungen oder sogar Belästigungen und Übergriffe", weiß Birgit Thinnes. "Jeder Frau hatte wohl schon mal Angst in einer Situation." Doch die wenigsten erstatten Anzeige: Weil sie die Vorfälle als nicht-meldenswert empfinden. "Es ist ja nichts passiert", bekommt Birgit Thinnes dann oft zu hören. Sie rät aber: "Anzeige erstatten. Nur so bekommen wir Kenntnis und können reagieren." Wer sich scheut, Vorfälle anzuzeigen, könne erst einmal den niederschwelligen Weg über die Beratungsstelle der Polizei nehmen: "Ein Anruf bei uns und wir können drüber sprechen." Wenn sich tatsächlich eine Straftat dahinter verberge, könne immer noch gemeinsam über eine Anzeige nachgedacht werden. "Für uns als Polizei ist es gut, solche Angsträume der Frauen zu kennen. Dann können wir handeln. Auch präventiv", erklärt Thinnes. Zum Beispiel im Rahmen der städtebaulichen Kriminalprävention: "Gemeinsam mit der Stadt können wir dann klären, was dort zu verändern ist."

"Zu Hause bleiben ist keine Lösung"

In Bad Oeynhausen selbst gibt es keine massiven Übergriffe, keine Schwerpunkte, an denen Frauen belästigt werden. "Trotzdem ist an bestimmten Stellen im Stadtgebiet die Angst da." Denn ein Gefühl habe nichts damit zu tun, dass tatsächlich etwas passiere. "Es sind eher die Umstände, die Angst auslösen. Müll, Geruch, Dunkelheit, Personen, die dort rumlungern", zählt die Fachfrau auf. "Das alles zusammen macht die Kriminalitätsfurcht aus." Während die eine Gruppe Frauen rational mit "Augen zu und durch" reagiere, komme bei andere die Vermeidungsangst. "Bloß nicht zuhause bleiben - das ist definitiv keine Lösung", winkt Birgit Thinnes vehement ab. "Solche Tipps von Außenstehenden sind wenig hilfreich", betont sie. Zumal die eigene Wohnung für Frauen oftmals unsicherer ist, als die Straße. Stichwort häusliche Gewalt. "Jede Frau, jedes Mädchen hat das Recht, sich in der Stadt frei und ohne Angst zu bewegen."

Statt Mädchen und Frauen zu Hause einzusperren, rät Birgit Thinnes: "Mütter müssen mit ihren Söhnen sprechen. Sie sensibilisieren und ihnen erklären, dass Männer durch dumme Sprüche und Anmachen nicht attraktiver werden. Sie sollten ihnen erklären, dass solche Sprüche beim anderen Geschlecht nicht gut ankommen." Die verbale sexuelle Belästigung, das Reduzieren auf Körper und Geschlecht, sorge für Angstgefühle: "Dann entsteht oftmals das Kopfkino - bis hin zur Vergewaltigung."

Junge Männer werden häufiger Opfer auf der Straße

Viele Umfragen in deutschen Städten haben in den vergangenen Monaten immer wieder gezeigt, dass sich Frauen und Mädchen "auf der Straße" mit Abstand am unsichersten fühlen. Darauf folgen in allen Städten die Ortskategorien "öffentliche Verkehrsmittel" und "Grünanlagen". Die am häufigsten genannten Gründe für ein unsicheres Gefühl sind dabei Begegnungen mit Personengruppen, die Alkohol oder Drogen konsumieren, zudem schlecht beleuchtete Wege und Parks sowie einsame Gegenden, in denen Hilfe im Notfall fehlen würde. Dabei sind, so zeigt es die Statistik der Kriminalpolizei, Frauen gar nicht häufiger das Opfer auf den Straßen: "Sie werden selten überfallen. Als junger Mann muss ich dagegen eher mit Überfällen rechnen, da ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass mir nachts auf der Straße etwas passiert", weiß Thinnes. "Trotzdem haben Frauen deutlich mehr Angst."

Was kann helfen, Frauen die nächtliche Angst zu nehmen? "Es gibt zum Beispiel das Heimweg-Telefon oder aber ich telefonieren mit einer Bekannten oder einem Bekannten, wenn ich auf solchen Angstwegen unterwegs bin", rät Birgit Thinnes. "Das gibt Sicherheit." Auch Selbstschutzmaßnahmen, wie ein griffbereiter Schlüsselbund, können Sicherheit geben. "Wege wählen, die beleuchteter sind, die belebter sind, wo man im Zweifelsfall schnell Hilfe bekommen kann. Niemals mit Kopfhörern im Ohr laufen. Und natürlich schreien. Das ist immer noch die wichtigste Waffe bei einem Übergriff", rät Birgit Thinnes. Weil Letzteres oftmals nicht auf Kommando klappt, sollte das trainiert werden. "Ich kann die Selbstbehauptungskurse der Polizei empfehlen. Dort wird einiges gezeigt, wie ich mich aus brenzligen Situationen retten kann", rät Birgit Thinnes Frauen und Mädchen. Denn jede Frau habe das Recht, sich immer Falle eines Angriffes zu wehren.

Informationen dazu gibt es unter www.pspv.de.

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