Als die Jungfrau auf dem Luttenberg erschien 1000-jähriges Bestehen: Herforder Kirchengründung geht auf erste Marienvision nördlich der Alpen zurück Herford (epd). Die Jungfrau Maria hat in der Marienkirchengemeinde Stiftberg in Herford eine größere Bedeutung, als es in der evangelischen Kirche üblich ist. Die Gründung der Kirche vor 1000 Jahren geht auf die erste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen zurück. Zum Jubiläum "1000 Jahre Stift Berg" hat die Gemeinde mit dem örtlichen Geschichtsverein und weiteren Beteiligten nun ein Festprogramm mit Gottesdiensten, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen gestartet. Höhepunkt ist im Juni eine große Festwoche mit Visionsumzug. Dabei soll auch die Marienerscheinung nachgespielt werden.Die Visionsgeschichte soll sich den Angaben nach an einem 19. Juni ereignet haben. Der Legende nach soll vor mehr als 1000 Jahren, vermutlich um das Jahr 940 herum, die Jungfrau Maria einem armen Mann auf dem Luttenberg vor Herford erschienen sein. Maria habe dem Bettler oder Hirten eine Botschaft für die Äbtissin des damaligen Reichsklosters unten in der Stadt mitgeteilt. Die Stiftsdamen wurden demnach ermahnt, ein gottgefälligeres Leben zu führen und sich wieder stärker auf das klösterliche Leben zu besinnen.Als Zeichen der Wahrhaftigkeit ihrer Erscheinung versprach die Jungfrau dem verängstigten Mann, der Äbtissin und ihrem Gefolge in Gestalt einer weißen Taube auf einem Kreuz zu erscheinen, das er aus zwei Ästen fertigen und auf dem Berg aufstellen sollte. Die Stiftsdamen glaubten dem Mann zuerst nicht, gingen aber selbst auf den Berg und fanden das Kreuz, auf dem eine weiße Taube saß.Die damalige Äbtissin Gotesda (1001-1040) ließ an der Stelle der Marienerscheinung etwa 50 Jahre später, im Jahr 1011, eine romanische Kirche bauen: das Stift Berg für Töchter des niederen Adels. 1325 wurde das fertiggestellte Gotteshaus geweiht. Ab 1290 wurde der Sakralbau zur gotischen Marienkirche Stift Berg erweitert. Die westfälische Hallenkirche hat einem blockartig-monumentalen Baukörper, aus dem nach Osten der Chor, nach Westen der Turm herausspringen. Strebepfeiler und Maßwerkfenster gliedern die Wände, Giebel der Quersatteldächer des Langhauses sind mit Fialen und Maßwerkkreuzen geschmückt. Der dreigliedrige, gotische Ziergiebel gilt als reichster Mariengiebel Westfalens.Seit 1548 ist sie evangelische Pfarrkirche. Der zuständige Pfarrer Matthias Storck empfindet es als besondere Aufgabe, heute in der Kirche mit ihrer besonderen Ausstrahlung arbeiten zu dürfen. Es sei es für ihn als Protestant nicht schwierig, "mit diesem Wunder der Marienerscheinung zu leben", sagt Storck. Das eigentliche Wunder sei für ihn aber die wunderschöne Kirche selbst. Der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) soll sie als "eine der schönsten gotischen Kirchen Westfalens" bezeichnet haben.Im Mittelalter war die Herforder Marienkirche eine bedeutende Wallfahrtskirche und damit Anlaufstelle für Kranke und Siechende. "Die Kirche hat früher voller Krücken gehangen, weil Leute gesagt haben: Ich bin hier geheilt worden", erzählt Udo Tielking, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Johannes Baptist in Herford.Besondere Kräfte wurden einem Baum an der Kirche zugesprochen. Er soll aus den Kreuz-Ästen gewachsen sein, die der Bettler an die Stelle steckte, an dem ihm Maria erschienen war. "Die Leute haben diesen Baum im Mittelalter als Arzneimittel benutzt, haben sich Stücke abgeschnitten und die Späne zwischen die Zähne gelegt, um die Zahnschmerzen zu beheben", erläutert Tielking. Reste des Baumstumpfes werden bis heute im Tabernakel des Hochaltars der Marienkirche aufbewahrt.Mit der Reformation im 16. Jahrhundert endeten die Wallfahrten ins evangelische Herford. Übrig blieb ein Jahrmarkt, aus dem sich später eine Kirmes entwickelte, die jährliche stattfindende "Herforder Vision". Sie ist den Angaben nach eines der ältesten deutschen Volksfeste, die ihren Ursprung in einem kirchlichen Ereignis haben.In den 1950er Jahren besann sich die katholische Kirche auf die Bedeutung der Vision und belebte die Pilgerfahrten wieder. Mittlerweile gibt es jedes Jahr im September eine Dekanatswallfahrt. Das Jubiläumsjahr wollen Kirchen und der Geschichtsverein in Herford nutzen, um die Botschaft der Marienvision in die heutige Zeit zu übersetzen und die Marienkirche Stiftberg auch kirchenfernen Menschen näher zu bringen.www.marienkirche-herford. de und www.geschichtsverein-herford. de

Als die Jungfrau auf dem Luttenberg erschien

Herford (epd). Die Jungfrau Maria hat in der Marienkirchengemeinde Stiftberg in Herford eine größere Bedeutung, als es in der evangelischen Kirche üblich ist. Die Gründung der Kirche vor 1000 Jahren geht auf die erste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen zurück.

Detailansicht: Der dreigliedrige Ziergiebel der gotischen Kirche gilt als reichster Mariengiebel Westfalens.
Detailansicht: Der dreigliedrige Ziergiebel der gotischen Kirche gilt als reichster Mariengiebel Westfalens.

Zum Jubiläum "1000 Jahre Stift Berg" hat die Gemeinde mit dem örtlichen Geschichtsverein und weiteren Beteiligten nun ein Festprogramm mit Gottesdiensten, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen gestartet. Höhepunkt ist im Juni eine große Festwoche mit Visionsumzug. Dabei soll auch die Marienerscheinung nachgespielt werden.

1000-jährige Geschichte: Die Gründung der Marienkirche Stiftberg auf dem Luttenberg nahe der Herforder Altstadt geht auf die erste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen zurück. - © Fotos: epd
1000-jährige Geschichte: Die Gründung der Marienkirche Stiftberg auf dem Luttenberg nahe der Herforder Altstadt geht auf die erste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen zurück. - © Fotos: epd

Die Visionsgeschichte soll sich den Angaben nach an einem 19. Juni ereignet haben. Der Legende nach soll vor mehr als 1000 Jahren, vermutlich um das Jahr 940 herum, die Jungfrau Maria einem armen Mann auf dem Luttenberg vor Herford erschienen sein. Maria habe dem Bettler oder Hirten eine Botschaft für die Äbtissin des damaligen Reichsklosters unten in der Stadt mitgeteilt. Die Stiftsdamen wurden demnach ermahnt, ein gottgefälligeres Leben zu führen und sich wieder stärker auf das klösterliche Leben zu besinnen.

Als Zeichen der Wahrhaftigkeit ihrer Erscheinung versprach die Jungfrau dem verängstigten Mann, der Äbtissin und ihrem Gefolge in Gestalt einer weißen Taube auf einem Kreuz zu erscheinen, das er aus zwei Ästen fertigen und auf dem Berg aufstellen sollte. Die Stiftsdamen glaubten dem Mann zuerst nicht, gingen aber selbst auf den Berg und fanden das Kreuz, auf dem eine weiße Taube saß.

Die damalige Äbtissin Gotesda (1001-1040) ließ an der Stelle der Marienerscheinung etwa 50 Jahre später, im Jahr 1011, eine romanische Kirche bauen: das Stift Berg für Töchter des niederen Adels. 1325 wurde das fertiggestellte Gotteshaus geweiht. Ab 1290 wurde der Sakralbau zur gotischen Marienkirche Stift Berg erweitert. Die westfälische Hallenkirche hat einem blockartig-monumentalen Baukörper, aus dem nach Osten der Chor, nach Westen der Turm herausspringen. Strebepfeiler und Maßwerkfenster gliedern die Wände, Giebel der Quersatteldächer des Langhauses sind mit Fialen und Maßwerkkreuzen geschmückt. Der dreigliedrige, gotische Ziergiebel gilt als reichster Mariengiebel Westfalens.

Seit 1548 ist sie evangelische Pfarrkirche. Der zuständige Pfarrer Matthias Storck empfindet es als besondere Aufgabe, heute in der Kirche mit ihrer besonderen Ausstrahlung arbeiten zu dürfen. Es sei es für ihn als Protestant nicht schwierig, "mit diesem Wunder der Marienerscheinung zu leben", sagt Storck. Das eigentliche Wunder sei für ihn aber die wunderschöne Kirche selbst. Der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) soll sie als "eine der schönsten gotischen Kirchen Westfalens" bezeichnet haben.

Im Mittelalter war die Herforder Marienkirche eine bedeutende Wallfahrtskirche und damit Anlaufstelle für Kranke und Siechende. "Die Kirche hat früher voller Krücken gehangen, weil Leute gesagt haben: Ich bin hier geheilt worden", erzählt Udo Tielking, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Johannes Baptist in Herford.

Besondere Kräfte wurden einem Baum an der Kirche zugesprochen. Er soll aus den Kreuz-Ästen gewachsen sein, die der Bettler an die Stelle steckte, an dem ihm Maria erschienen war. "Die Leute haben diesen Baum im Mittelalter als Arzneimittel benutzt, haben sich Stücke abgeschnitten und die Späne zwischen die Zähne gelegt, um die Zahnschmerzen zu beheben", erläutert Tielking. Reste des Baumstumpfes werden bis heute im Tabernakel des Hochaltars der Marienkirche aufbewahrt.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert endeten die Wallfahrten ins evangelische Herford. Übrig blieb ein Jahrmarkt, aus dem sich später eine Kirmes entwickelte, die jährliche stattfindende "Herforder Vision". Sie ist den Angaben nach eines der ältesten deutschen Volksfeste, die ihren Ursprung in einem kirchlichen Ereignis haben.

In den 1950er Jahren besann sich die katholische Kirche auf die Bedeutung der Vision und belebte die Pilgerfahrten wieder. Mittlerweile gibt es jedes Jahr im September eine Dekanatswallfahrt. Das Jubiläumsjahr wollen Kirchen und der Geschichtsverein in Herford nutzen, um die Botschaft der Marienvision in die heutige Zeit zu übersetzen und die Marienkirche Stiftberg auch kirchenfernen Menschen näher zu bringen.

www.marienkirche-herford. de und www.geschichtsverein-herford. de

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