Aggressives Verhalten nimmt zu: Distanzunterricht wirkt sich auf Schüler aus Kirsten Tirre Ein Jahr Schule inmitten der Pandemie. Wie hat sich das ausgewirkt? Jörg Rümpel: Überwiegend nachteilig. Es sind Rückstände beim Lernstoff entstanden. Seitdem der Wechselunterricht stattfindet, mussten wir den differenzierten Unterricht in den Kursen aufgeben und im Klassenverband unterrichten. Die individuelle Förderung kann damit nicht mehr so intensiv betrieben werden. Auch die persönliche Unterstützung und Beratung durch die Lehrer wird weniger. Jetzt haben die Kinder häufiger Unterricht bei Lehrern, die sie sonst nicht haben. Der Lernstoff wird zwar abgestimmt, aber die persönliche Beziehung ist eine andere. Und wie auf das Kollegium? Wir haben einige Lehrkräfte die seit März 2020 aufgrund gesundheitlicher Risiken freigestellt sind. Diese Kollegen mache seit einem Jahr nur Distanzunterricht. Der fehlende Präsenz-Unterricht wird von Kollegen in Vertretung aufgefangen. Distanzunterricht mit MS-Teams, das sagem meine Kollegen deutlich, ist mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Denn alle Schüler sollen eine Rückmeldung auf die eingereichten Lösungen erhalten. Wir haben es für den aktuellen Wechselunterricht so geregelt, dass im Präsenz-Unterricht Aufgaben und Materialien für zu Hause zur Verfügung gestellt werden und die Auswertung in Präsenz stattfindet. So müssen die Lehrer nicht noch jedem Kind per Video ein Feedback geben. Das ist zeitlich nicht zu leisten. Auch mit der Arbeitsbelastung der Lehrkräfte muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Die Digitalisierung hat den Nachteil, dass die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt. Man bekommt schon mal eine Schüleranfrage abends um 21 Uhr. Deshalb haben wir feste Distanzsprechzeiten eingerichtet. Haben die Leistungen der Schüler gelitten? Zum Teil ist es zu besseren Ergebnissen gekommen, weil die Kriterien der Situation angepasst wurden. Wir dürfen jetzt auch Leistungen bewerten, die zu Hause erbracht wurden. Den Abschlussschülern hilft weiter, dass sie wichtige Kompetenzen wie eigenständiges Arbeiten und Organisationsfähigkeit erworben haben. Kinder, die gute Ansätze ausbauen konnten, kommen sehr gut zurecht. Es gibt sogar Schüler, die im Distanzunterricht besser lernen und bessere Noten bei Klassenarbeiten erzielen. Die Schüler allerdings mit Unterstützungsbedarf, die saßen jetzt alleine zu Hause und haben Rückstände aufgebaut, die zu schlechten Noten führen. Das Schulministerium hat angekündigt, dass es zu den Sommerferien Nachprüfungen geben soll, damit schlechte Leistungen durch eine Prüfung kompensiert werden können. Wie haben Sie den Wechselunterricht organisiert? Wir haben uns für tageweisen Wechselunterricht entschieden. Denn beim wochenweisen Wechsel kann ein Kind im Distanzunterricht abtauchen. Es kommt nicht zeitig aus dem Bett, nimmt nicht an den Videokonferenzen teil, gibt die Aufgaben nicht rechtzeitig ab. Vor den Sommerferien haben wir mit Wochenplänen gearbeitet, weil wir annahmen, die Schüler könnten sich ihre Arbeit passend einteilen. Viele schaffen das aber nicht. Deshalb müssen die Aufgaben jetzt täglich abgegeben werden. Um 7.45 Uhr werden Aufgaben gestellt, die nachmittags fertig sein müssen. Das hat geholfen. Wie haben sich die fehlenden Sozialkontakte ausgewirkt? Wir haben insbesondere nach den Sommerferien 2020 in den jüngeren Jahrgängen mehr aggressives Verhalten festgestellt. Wir hatten den Eindruck, dass fehlende Kompensationsmöglichkeiten wie Sport- und Vereinsaktivitäten, Kino und andere Hobbys der Grund waren und sich dadurch Emotionen aufgestaut haben, die sich in der Schule entladen haben. Aktuell beobachten wir das nicht mehr so, da wieder Vereins-Sport bei den unter 14-Jährigen möglich ist und sie sich nachmittags auf dem Sportplatz austoben können. Wir stellen auch fest, dass Kinder und auch die Jugendlichen aus den höheren Jahrgangsstufen teilweise sehr still geworden sind. Sie sind nicht mehr so aktiv und lebendig, wie wir das vorher kannten. Einige geben keine Antwort über MS Teams oder den Chat und drücken sogar die Lehrkraft weg, wenn sie anruft. Wir befürchten, dass wir diese Kinder verlieren. Teilweise haben wir unsere Sozialpädagoginnen zu den Kindern nach Hause geschickt, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ist ihnen das gelungen? Zum Teil. Die Anforderungen an unsere Schulsozialarbeit mit ihren 1,5 Stellen sind so hoch geworden, dass wir nicht mehr alle Situationen aufgreifen können. Der Anteil derjenigen, die sich an die Schulsozialarbeit wenden, weil sie sich antriebslos und depressiv fühlen und in der Lockdown-Phase Ängste entwickelt haben, ist enorm gestiegen. Wir haben sogar Schüler, die sich in klinische psychiatrische Behandlung begeben haben. Die Probleme können durch unsere Schulsozialarbeit nur begrenzt aufgefangen werden, obwohl wir schon die Beratungslehrer und Stufenleiter mit einbinden. Schule ist im Moment ganz anders, weil Feierlichkeiten oder Klassen- und Abschlussfahrten nicht stattfinden können. Da geht vieles verloren, was man an schönen Erinnerungen an die Schulzeit mitnimmt. Ein großer Vorteil ist daher, dass es den Wechselunterricht gibt. Der Präsenzunterricht hat eine enorme Bedeutung für das seelische Gleichgewicht der Kinder. Wir sollten daher mit allen vertretbaren Mitteln versuchen die Schule offen zu halten, solange es die Infektionslage zulässt. Dazu gehören auch Schnelltests. Was uns auch sehr helfen würde, wäre eine Impfperspektive auch für die Lehrer der weiterführenden Schulen. Mancher Experte spricht von einer verlorenen Generation. Stimmen Sie dem zu? Ich finde das zu populistisch formuliert. Die Schulabschlüsse werden so ausfallen, wie wir es gewohnt sind. Zum anderen brauchen die Betriebe die Jugendlichen. Zur Zeit bleiben Ausbildungsplätze eher offen, als dass es einen Bewerberüberhang gibt. Natürlich findet jetzt vieles an Lernen anders als gewohnt statt, aber was jetzt an Sozialisation, Improvisation, Erfahrungen und Kompetenzen zur Lösung von Problemen gesammelt wird, kann man später im Betrieb gut nutzen. Von daher bin ich nicht so pessimistisch. Bildung und Erziehung bis die Menschen erwachsen sind, ist ein Marathonlauf. Jetzt fehlen uns einige wenige Kilometer daran. Am Ende wird das keine so große Rolle spielen, da bin ich überzeugt. Natürlich unter der Voraussetzung, dass im nächsten Schuljahr wieder normales Schulleben stattfindet. Sonst werden doch die negativen Aspekte überwiegen. Wie gut sahen Sie sich auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie vorbereitet? Wir haben schon letztes Jahr ein Team gebildet, das den Organisationsrahmen wöchentlich überprüft und weiterentwickelt hat. Unterstützt durch das Schulministerium wurden wir kaum. Die Vorgaben waren sehr vage und letztlich hieß es meistens, die Schulen müssen vor Ort entscheiden. Das wir eine gut funktionierende Lernsoftware gefunden haben, verdanken wir der Einsatzbereitschaft und Kreativität unseres Kollegiums. Das Land hätte lieber Logineo NRW installiert, aber das war für uns keine Alternative, weil zu Beginn der Pandemie entscheidende Tools wie ein Video-Tool nicht zur Verfügung standen, das gibt es erst seit Februar 2021. Wenn wir uns darauf verlassen hätten, hätten wir den Distanzunterricht nicht hinbekommen. Wie sah es mit der technischen Ausstattung aus? Wir haben den Bedarf nach Endgeräten vor den Sommerferien 2020 abgefragt und es gab etwa 150 Kinder und Jugendliche, die diesen hatten. Den konnten wir größtenteils mit Leihgeräten decken, die wir seit Jahren im Unterricht nutzen. Aus dem Sofortprogramm "Digitalpakt" des Landes haben wir im Februar 160 Endgeräte erhalten, die wir verleihen. Einen Engpass können wir jetzt ausschließen. Wo hätten Sie sich mehr Unterstützung gewünscht? Bei den Leihgeräten ebenso wie bei der Einrichtung neuer Software oder den pädagogischen Netzen. Das haben alles Lehrer bei uns gemacht. Wir bräuchten jemanden, der als IT-Administrator für die Schulen Probleme auf technischer Ebene löst. Helfen würde ein schneller und massiver Abbau an Bürokratie. Beim Digitalpakt werden die Gelder nicht abgerufen, weil das Antragsverfahren so aufgebläht ist. Ich würde mir auch wünschen, dass wir einmal als Schulleitungen inhaltlich befragt würden, wie unsere Vorstellungen und Vorschläge aussehen. Man bekommt den Eindruck, dass die Leute, die uns die Vorgaben machen, die Wirklichkeit und Organisationszwänge von Schule nicht kennen. Gibt es Erfahrungen aus der Pandemie, die Sie für die Zukunft mitnehmen können? Viele waren begeistert von den digitalen Möglichkeiten, die sich auftaten. In sehr kurzer Zeit konnten ganz neue Unterrichtsformen umgesetzt werden. Ich bin von daher im Großen und Ganzen mit der Art unseres Distanzlernens zufrieden. Das wird auch von Eltern und Schülern so widergespiegelt. Gleichwohl bleibt die Aussage gültig, selbst der beste Distanzunterricht ist dem Präsenzunterricht nicht gleichwertig. Das hat diese Phase auch gezeigt. Eine Zukunftsvision vom Lernen am Bildschirm ohne Schulgebäude schätze ich als ungeeignet ein. Das soziale Miteinander im Klassenraum ist durch Digitalisierung nicht zu ersetzen. Auch das ist eine Erfahrung, die meine Kollegen und ich in die Zukunft mitnehmen werden.

Aggressives Verhalten nimmt zu: Distanzunterricht wirkt sich auf Schüler aus

Die Corona-Zeit hat Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler. © (Symbolbild): Pixabay

Ein Jahr Schule inmitten der Pandemie. Wie hat sich das ausgewirkt?

Jörg Rümpel: Überwiegend nachteilig. Es sind Rückstände beim Lernstoff entstanden. Seitdem der Wechselunterricht stattfindet, mussten wir den differenzierten Unterricht in den Kursen aufgeben und im Klassenverband unterrichten. Die individuelle Förderung kann damit nicht mehr so intensiv betrieben werden. Auch die persönliche Unterstützung und Beratung durch die Lehrer wird weniger. Jetzt haben die Kinder häufiger Unterricht bei Lehrern, die sie sonst nicht haben. Der Lernstoff wird zwar abgestimmt, aber die persönliche Beziehung ist eine andere.

Jörg Rümpel leitet die Gesamtschule Hüllhorst. - © GS Hüllhorst
Jörg Rümpel leitet die Gesamtschule Hüllhorst. - © GS Hüllhorst

Und wie auf das Kollegium?

Wir haben einige Lehrkräfte die seit März 2020 aufgrund gesundheitlicher Risiken freigestellt sind. Diese Kollegen mache seit einem Jahr nur Distanzunterricht. Der fehlende Präsenz-Unterricht wird von Kollegen in Vertretung aufgefangen. Distanzunterricht mit MS-Teams, das sagem meine Kollegen deutlich, ist mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Denn alle Schüler sollen eine Rückmeldung auf die eingereichten Lösungen erhalten. Wir haben es für den aktuellen Wechselunterricht so geregelt, dass im Präsenz-Unterricht Aufgaben und Materialien für zu Hause zur Verfügung gestellt werden und die Auswertung in Präsenz stattfindet.

So müssen die Lehrer nicht noch jedem Kind per Video ein Feedback geben. Das ist zeitlich nicht zu leisten. Auch mit der Arbeitsbelastung der Lehrkräfte muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Die Digitalisierung hat den Nachteil, dass die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt. Man bekommt schon mal eine Schüleranfrage abends um 21 Uhr. Deshalb haben wir feste Distanzsprechzeiten eingerichtet.

Haben die Leistungen der Schüler gelitten?

Zum Teil ist es zu besseren Ergebnissen gekommen, weil die Kriterien der Situation angepasst wurden. Wir dürfen jetzt auch Leistungen bewerten, die zu Hause erbracht wurden. Den Abschlussschülern hilft weiter, dass sie wichtige Kompetenzen wie eigenständiges Arbeiten und Organisationsfähigkeit erworben haben. Kinder, die gute Ansätze ausbauen konnten, kommen sehr gut zurecht.

Es gibt sogar Schüler, die im Distanzunterricht besser lernen und bessere Noten bei Klassenarbeiten erzielen. Die Schüler allerdings mit Unterstützungsbedarf, die saßen jetzt alleine zu Hause und haben Rückstände aufgebaut, die zu schlechten Noten führen. Das Schulministerium hat angekündigt, dass es zu den Sommerferien Nachprüfungen geben soll, damit schlechte Leistungen durch eine Prüfung kompensiert werden können.

Wie haben Sie den Wechselunterricht organisiert?

Wir haben uns für tageweisen Wechselunterricht entschieden. Denn beim wochenweisen Wechsel kann ein Kind im Distanzunterricht abtauchen. Es kommt nicht zeitig aus dem Bett, nimmt nicht an den Videokonferenzen teil, gibt die Aufgaben nicht rechtzeitig ab. Vor den Sommerferien haben wir mit Wochenplänen gearbeitet, weil wir annahmen, die Schüler könnten sich ihre Arbeit passend einteilen. Viele schaffen das aber nicht. Deshalb müssen die Aufgaben jetzt täglich abgegeben werden. Um 7.45 Uhr werden Aufgaben gestellt, die nachmittags fertig sein müssen. Das hat geholfen.

Wie haben sich die fehlenden Sozialkontakte ausgewirkt?

Wir haben insbesondere nach den Sommerferien 2020 in den jüngeren Jahrgängen mehr aggressives Verhalten festgestellt. Wir hatten den Eindruck, dass fehlende Kompensationsmöglichkeiten wie Sport- und Vereinsaktivitäten, Kino und andere Hobbys der Grund waren und sich dadurch Emotionen aufgestaut haben, die sich in der Schule entladen haben. Aktuell beobachten wir das nicht mehr so, da wieder Vereins-Sport bei den unter 14-Jährigen möglich ist und sie sich nachmittags auf dem Sportplatz austoben können.

Wir stellen auch fest, dass Kinder und auch die Jugendlichen aus den höheren Jahrgangsstufen teilweise sehr still geworden sind. Sie sind nicht mehr so aktiv und lebendig, wie wir das vorher kannten. Einige geben keine Antwort über MS Teams oder den Chat und drücken sogar die Lehrkraft weg, wenn sie anruft. Wir befürchten, dass wir diese Kinder verlieren. Teilweise haben wir unsere Sozialpädagoginnen zu den Kindern nach Hause geschickt, um den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Ist ihnen das gelungen?

Zum Teil. Die Anforderungen an unsere Schulsozialarbeit mit ihren 1,5 Stellen sind so hoch geworden, dass wir nicht mehr alle Situationen aufgreifen können. Der Anteil derjenigen, die sich an die Schulsozialarbeit wenden, weil sie sich antriebslos und depressiv fühlen und in der Lockdown-Phase Ängste entwickelt haben, ist enorm gestiegen. Wir haben sogar Schüler, die sich in klinische psychiatrische Behandlung begeben haben. Die Probleme können durch unsere Schulsozialarbeit nur begrenzt aufgefangen werden, obwohl wir schon die Beratungslehrer und Stufenleiter mit einbinden.

Schule ist im Moment ganz anders, weil Feierlichkeiten oder Klassen- und Abschlussfahrten nicht stattfinden können. Da geht vieles verloren, was man an schönen Erinnerungen an die Schulzeit mitnimmt. Ein großer Vorteil ist daher, dass es den Wechselunterricht gibt. Der Präsenzunterricht hat eine enorme Bedeutung für das seelische Gleichgewicht der Kinder. Wir sollten daher mit allen vertretbaren Mitteln versuchen die Schule offen zu halten, solange es die Infektionslage zulässt. Dazu gehören auch Schnelltests. Was uns auch sehr helfen würde, wäre eine Impfperspektive auch für die Lehrer der weiterführenden Schulen.

Mancher Experte spricht von einer verlorenen Generation. Stimmen Sie dem zu?

Ich finde das zu populistisch formuliert. Die Schulabschlüsse werden so ausfallen, wie wir es gewohnt sind. Zum anderen brauchen die Betriebe die Jugendlichen. Zur Zeit bleiben Ausbildungsplätze eher offen, als dass es einen Bewerberüberhang gibt. Natürlich findet jetzt vieles an Lernen anders als gewohnt statt, aber was jetzt an Sozialisation, Improvisation, Erfahrungen und Kompetenzen zur Lösung von Problemen gesammelt wird, kann man später im Betrieb gut nutzen.

Von daher bin ich nicht so pessimistisch. Bildung und Erziehung bis die Menschen erwachsen sind, ist ein Marathonlauf. Jetzt fehlen uns einige wenige Kilometer daran. Am Ende wird das keine so große Rolle spielen, da bin ich überzeugt. Natürlich unter der Voraussetzung, dass im nächsten Schuljahr wieder normales Schulleben stattfindet. Sonst werden doch die negativen Aspekte überwiegen.

Wie gut sahen Sie sich auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie vorbereitet?

Wir haben schon letztes Jahr ein Team gebildet, das den Organisationsrahmen wöchentlich überprüft und weiterentwickelt hat. Unterstützt durch das Schulministerium wurden wir kaum. Die Vorgaben waren sehr vage und letztlich hieß es meistens, die Schulen müssen vor Ort entscheiden. Das wir eine gut funktionierende Lernsoftware gefunden haben, verdanken wir der Einsatzbereitschaft und Kreativität unseres Kollegiums.

Das Land hätte lieber Logineo NRW installiert, aber das war für uns keine Alternative, weil zu Beginn der Pandemie entscheidende Tools wie ein Video-Tool nicht zur Verfügung standen, das gibt es erst seit Februar 2021. Wenn wir uns darauf verlassen hätten, hätten wir den Distanzunterricht nicht hinbekommen.

Wie sah es mit der technischen Ausstattung aus?

Wir haben den Bedarf nach Endgeräten vor den Sommerferien 2020 abgefragt und es gab etwa 150 Kinder und Jugendliche, die diesen hatten. Den konnten wir größtenteils mit Leihgeräten decken, die wir seit Jahren im Unterricht nutzen. Aus dem Sofortprogramm "Digitalpakt" des Landes haben wir im Februar 160 Endgeräte erhalten, die wir verleihen. Einen Engpass können wir jetzt ausschließen.

Wo hätten Sie sich mehr Unterstützung gewünscht?

Bei den Leihgeräten ebenso wie bei der Einrichtung neuer Software oder den pädagogischen Netzen. Das haben alles Lehrer bei uns gemacht. Wir bräuchten jemanden, der als IT-Administrator für die Schulen Probleme auf technischer Ebene löst. Helfen würde ein schneller und massiver Abbau an Bürokratie.

Beim Digitalpakt werden die Gelder nicht abgerufen, weil das Antragsverfahren so aufgebläht ist. Ich würde mir auch wünschen, dass wir einmal als Schulleitungen inhaltlich befragt würden, wie unsere Vorstellungen und Vorschläge aussehen. Man bekommt den Eindruck, dass die Leute, die uns die Vorgaben machen, die Wirklichkeit und Organisationszwänge von Schule nicht kennen.

Gibt es Erfahrungen aus der Pandemie, die Sie für die Zukunft mitnehmen können?

Viele waren begeistert von den digitalen Möglichkeiten, die sich auftaten. In sehr kurzer Zeit konnten ganz neue Unterrichtsformen umgesetzt werden. Ich bin von daher im Großen und Ganzen mit der Art unseres Distanzlernens zufrieden. Das wird auch von Eltern und Schülern so widergespiegelt.

Gleichwohl bleibt die Aussage gültig, selbst der beste Distanzunterricht ist dem Präsenzunterricht nicht gleichwertig. Das hat diese Phase auch gezeigt. Eine Zukunftsvision vom Lernen am Bildschirm ohne Schulgebäude schätze ich als ungeeignet ein. Das soziale Miteinander im Klassenraum ist durch Digitalisierung nicht zu ersetzen. Auch das ist eine Erfahrung, die meine Kollegen und ich in die Zukunft mitnehmen werden.

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