Afrikanische Schweinepest: Das sind die Folgen für Landwirte und Verbraucher Bad Oeynhausen/Minden. Erst kommt Corona, und die Exportwege nach China sind dicht. Dann erreicht das Coronavirus Tönnies, und die Großschlachterei ist wochenlang dicht. Und jetzt das: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Bei einem Wildschwein in Brandenburg wurde das Virus nachgewiesen. Brandenburg ist zwar weit weg. Aber nicht weit genug, wie Rainer Meyer erklärt. Der Dehmer ist Kreislandwirt und stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe. Was für ein saumäßiges Jahr für Schweinebauern. Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich, für Schweine aber tödlich. Gibt es eine Infektion in einem Stall, stirbt daran womöglich der komplette Bestand. Deshalb versetzt der Brandenburger Befund auch die Schweinebauern im 400 Kilometer entfernten Kreis Minden-Lübbecke in Alarmbereitschaft, selbst, wenn es sich bei dem betroffenen Tier um ein Wildschwein handelt. Eine Folge des Brandenburger ASP-Falles trifft die deutschen Schweinemäster schon jetzt unmittelbar: "Damit hat ganz Deutschland den Status als ASP-freies Land verloren", erklärt Meyer. Was wiederum massive Exportbeschränkungen nach sich zieht, weniger in Europa, vor allem aber für Asien. "Südkorea hat einen Einfuhrstopp für deutsches Schweinefleisch schon verfügt, noch bevor der Befund in Brandenburg offiziell bestätigt war", berichtet Meyer. Er erwartet, dass auch China einen Einfuhrstopp verhängt. "Dabei waren Importe nach China, die wegen der Corona-Pandemie gestoppt waren, erst seit zweieinhalb Wochen wieder möglich", berichtet Meyer. Die ersten Schiffe mit Kühlcontainern seien sicher noch unterwegs auf See. "Die dürften nun wieder umkehren", vermutet der Kreislandwirt, der in seinem Dehmer Stall selbst knapp 1.000 Schweine mästet. China aber sei für die deutschen Schweinefleischproduzenten ein wichtiger Absatzmarkt gerade für die Teile, die hierzulande kaum Abnehmer finden: Öhrchen, Pfoten, Schwänze oder ganze Schweineköpfe. Doch auch für die anderen Teile der Tiere fällt der Export aus, entsprechend wird das Angebot auf dem heimischen Markt größer. "Die Fleischpreise werden fallen", ist sich Meyer sicher. Seit Corona liege der Preis für ein Kilo Fleisch, das der Mäster bekomme, bei 1,47 Euro. "Das macht für ein ganzes Tier rund 140 Euro." Eigentlich sei der Markt gerade wieder positiv gestimmt gewesen. "Wenn nun aber der Preis noch weiter runtergeht, dann legen wir bei jedem einzelnen Tier Geld zu", sagt Meyer. Dazu kommt die Sorge, dass das Pestvirus sich weiter verbreitet, womöglich auch die heimischen Ställe erreicht. Im Kreis Minden-Lübbecke gibt es nach Meyers Angaben 280 Schweinemäster, die insgesamt rund 250.000 Tiere halten. Der Erreger der Schweinepest ist hochansteckend und gleichzeitig sehr robust. Er kann nicht nur von Tier zu Tier übertragen werden, sondern auch über Fleisch und Fleischprodukte oder durch Verunreinigungen, die zum Beispiel an den Schuhen haften und so in die Ställe getragen werden könnten. "Eine Infektion kann uns überall treffen", fürchtet der Landwirt. Der in der Nähe Bad Oeynhausens und des Mühlenkreises zur A 2 ein besonderes Risiko sieht. "Das ist schließlich die Haupt-Ost-West-Verkehrsachse in Europa", sagt Meyer. Für die Verbraucher könnte die aktuelle Schweinekrise erst einmal sinkende Preise bedeuten. "Ich kann es ja niemandem verdenken, wenn er sich freut, seine Lebensmittel günstig zu kaufen", sagt Meyer. Aber nachhaltig, so glaubt er, dürfte diese Freude nicht sein. Durch weiter sinkende Preise, aber auch durch künftige finanzielle Belastungen der Bauern, die in den kommenden Jahren zum Beispiel ihre Ställe den neuen Gesetzen zur Sauenhaltung anpassen müssen, werde der wirtschaftliche Druck auf die Landwirte steigen. "Wir werden in Zukunft deutlich weniger Schweine in Deutschland haben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", erklärt Meyer. "Die Frage ist nur, wie groß das Ausmaß dieses Rückgangs sein wird."

Afrikanische Schweinepest: Das sind die Folgen für Landwirte und Verbraucher

Unsichere Zeiten kommen auf die Schweine zu: Die Schweinepest könnte auch die Tiere in den heimischen Ställen erreichen. © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen/Minden. Erst kommt Corona, und die Exportwege nach China sind dicht. Dann erreicht das Coronavirus Tönnies, und die Großschlachterei ist wochenlang dicht. Und jetzt das: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Bei einem Wildschwein in Brandenburg wurde das Virus nachgewiesen.

Brandenburg ist zwar weit weg. Aber nicht weit genug, wie Rainer Meyer erklärt. Der Dehmer ist Kreislandwirt und stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe. Was für ein saumäßiges Jahr für Schweinebauern.

Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich, für Schweine aber tödlich. Gibt es eine Infektion in einem Stall, stirbt daran womöglich der komplette Bestand. Deshalb versetzt der Brandenburger Befund auch die Schweinebauern im 400 Kilometer entfernten Kreis Minden-Lübbecke in Alarmbereitschaft, selbst, wenn es sich bei dem betroffenen Tier um ein Wildschwein handelt.

Rainer Meyer, Kreislandwirt und stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL. - © Jörg Stuke
Rainer Meyer, Kreislandwirt und stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL. - © Jörg Stuke

Eine Folge des Brandenburger ASP-Falles trifft die deutschen Schweinemäster schon jetzt unmittelbar: "Damit hat ganz Deutschland den Status als ASP-freies Land verloren", erklärt Meyer. Was wiederum massive Exportbeschränkungen nach sich zieht, weniger in Europa, vor allem aber für Asien. "Südkorea hat einen Einfuhrstopp für deutsches Schweinefleisch schon verfügt, noch bevor der Befund in Brandenburg offiziell bestätigt war", berichtet Meyer.

Er erwartet, dass auch China einen Einfuhrstopp verhängt. "Dabei waren Importe nach China, die wegen der Corona-Pandemie gestoppt waren, erst seit zweieinhalb Wochen wieder möglich", berichtet Meyer. Die ersten Schiffe mit Kühlcontainern seien sicher noch unterwegs auf See. "Die dürften nun wieder umkehren", vermutet der Kreislandwirt, der in seinem Dehmer Stall selbst knapp 1.000 Schweine mästet. China aber sei für die deutschen Schweinefleischproduzenten ein wichtiger Absatzmarkt gerade für die Teile, die hierzulande kaum Abnehmer finden: Öhrchen, Pfoten, Schwänze oder ganze Schweineköpfe.

Doch auch für die anderen Teile der Tiere fällt der Export aus, entsprechend wird das Angebot auf dem heimischen Markt größer. "Die Fleischpreise werden fallen", ist sich Meyer sicher. Seit Corona liege der Preis für ein Kilo Fleisch, das der Mäster bekomme, bei 1,47 Euro. "Das macht für ein ganzes Tier rund 140 Euro." Eigentlich sei der Markt gerade wieder positiv gestimmt gewesen. "Wenn nun aber der Preis noch weiter runtergeht, dann legen wir bei jedem einzelnen Tier Geld zu", sagt Meyer.

Dazu kommt die Sorge, dass das Pestvirus sich weiter verbreitet, womöglich auch die heimischen Ställe erreicht. Im Kreis Minden-Lübbecke gibt es nach Meyers Angaben 280 Schweinemäster, die insgesamt rund 250.000 Tiere halten. Der Erreger der Schweinepest ist hochansteckend und gleichzeitig sehr robust. Er kann nicht nur von Tier zu Tier übertragen werden, sondern auch über Fleisch und Fleischprodukte oder durch Verunreinigungen, die zum Beispiel an den Schuhen haften und so in die Ställe getragen werden könnten.

"Eine Infektion kann uns überall treffen", fürchtet der Landwirt. Der in der Nähe Bad Oeynhausens und des Mühlenkreises zur A 2 ein besonderes Risiko sieht. "Das ist schließlich die Haupt-Ost-West-Verkehrsachse in Europa", sagt Meyer.

Für die Verbraucher könnte die aktuelle Schweinekrise erst einmal sinkende Preise bedeuten. "Ich kann es ja niemandem verdenken, wenn er sich freut, seine Lebensmittel günstig zu kaufen", sagt Meyer. Aber nachhaltig, so glaubt er, dürfte diese Freude nicht sein.

Durch weiter sinkende Preise, aber auch durch künftige finanzielle Belastungen der Bauern, die in den kommenden Jahren zum Beispiel ihre Ställe den neuen Gesetzen zur Sauenhaltung anpassen müssen, werde der wirtschaftliche Druck auf die Landwirte steigen. "Wir werden in Zukunft deutlich weniger Schweine in Deutschland haben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", erklärt Meyer. "Die Frage ist nur, wie groß das Ausmaß dieses Rückgangs sein wird."

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