2020 verzeichnet sonnenreichstes Frühjahr seit 70 Jahren Friedrich Föst LübbeckerLand (nw). Der meteorologische Frühling endet am 31. Mai – für den Lübbecker Diplom-Meteorologen Friedrich Föst von der „Wettermanufaktur“ Grund genug, einmal auf den Frühling 2020 zurückzublicken. Die Sonne gab fast alles in diesem Frühling im Mühlenkreis: Um die 700 Stunden Sonnenschein kamen zusammen. „Somit erlebten wir einen der sonnenscheinreichsten Frühjahre seit Messbeginn der Sonnenscheindauer im Jahr 1951“, so der Meteorologe. Herausragend war dabei insbesondere der April, der das Doppelte der sonst üblichen Sonnenscheindauer hervorbrachte. Wenn so lange und ausgiebig die Sonne scheint, ist wenig Zeit für Regenwetter. Und da die Tiefdruckgebiete offenbar in kollektive Frühjahrsmüdigkeit fielen, regnete es nur selten, sagt Föst. Insgesamt verzeichneten die Messgeräte im Mühlenkreis nur knapp die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags. Sowohl der April als auch der Mai gehörten jeweils mit zu den trockensten Frühlingsmonaten in den vergangenen 130 Jahren. Damit verwundert es auch nicht weiter, dass der Frühling 2020 auf Platz sechs in der Rubrik Trockenheit seit 1890 landet. Interessant ist auch, dass in den vergangenen zehn Jahren nur der Frühling 2013 zu nass gegenüber dem langjährigen Klimamittel ausfiel, in allen anderen Jahren war der Frühling teils sogar erheblich zu trocken. Ob uns jetzt nach nach dem trockenen Frühjahr der dritte Dürre-Sommer in Serie „droht“ steht aber noch in den Sternen. Statistisch gesehen ist die Aussage, dass auf einen trockenen Frühling auch ein trockener Sommer folgt nicht belegbar, auch wenn dies in den vergangenen beiden Jahren der Fall war. Kleines Trostpflaster: In den kommenden Tagen beginnt es endlich wieder zu regnen. Eigentlich müsste man denken, dass viel Sonnenschein auch hohe Temperaturen bedeutet. Aber der Frühling 2020 fiel nur rund ein Grad zu warm aus gegenüber der Referenzperiode 1981-2010. Der Grund: Die Hochdruckgebiete lagen mit ihrem Schwerpunkt hauptsächlich in einem Gebiet, das von Großbritannien bis nach Skandinavien reichte, so dass bei uns im Mühlenkreis oftmals nördliche bis östliche Winde auftraten. Diese haben ihren Ursprung in der Arktis und da dort noch spätwinterliche Kälte herrscht, kommen die Luftmassen bei uns leicht unterkühlt an. Insbesondere im Mai war das der Fall: Viel Sonnenschein, große Trockenheit, aber der Mai fiel bei uns etwa ein Grad zu kalt aus. Insbesondere zu den Eisheiligen, vom 11. bis zum 15. Mai, war es sehr frisch und Väterchen Frost legte sich über das Land. An der Wetterstation in Rahden sank das Thermometer in der Nacht zum 15.Mai auf -2.3 Grad, am Boden in fünf Zentimeter Höhe sogar auf -5.4 Grad. Zwar ist Spätfrost im Mai nichts Ungewöhnliches, dass er aber pünktlich zu den Eisheiligen kam, ist mehr oder weniger Zufall. Denn auch nach den Eisheiligen ist immer noch Frost möglich wie das Beispiel Rahden zeigt: In der Nacht auf den 1. Juni gab es dort nochmals Frost in Bodennähe. Und der 1. Juni gehört schon zum meteorologischen Sommer. Kurios ist auch die Tatsache, dass mit sechs Frosttagen – Frosttag: Minimumtemperatur von 0.0 Grad oder darunter – der Mai 2020 nur einen Frosttag weniger hatte als der Januar (7) und sogar gleich vier Frosttage mehr aufwies als der Februar (2).

2020 verzeichnet sonnenreichstes Frühjahr seit 70 Jahren

Der abgelaufene Frühling war der sonnenreichste seit 70 Jahren. © Foto: Pixabay

LübbeckerLand (nw). Der meteorologische Frühling endet am 31. Mai – für den Lübbecker Diplom-Meteorologen Friedrich Föst von der „Wettermanufaktur“ Grund genug, einmal auf den Frühling 2020 zurückzublicken.

Die Sonne gab fast alles in diesem Frühling im Mühlenkreis: Um die 700 Stunden Sonnenschein kamen zusammen. „Somit erlebten wir einen der sonnenscheinreichsten Frühjahre seit Messbeginn der Sonnenscheindauer im Jahr 1951“, so der Meteorologe. Herausragend war dabei insbesondere der April, der das Doppelte der sonst üblichen Sonnenscheindauer hervorbrachte.

Wenn so lange und ausgiebig die Sonne scheint, ist wenig Zeit für Regenwetter. Und da die Tiefdruckgebiete offenbar in kollektive Frühjahrsmüdigkeit fielen, regnete es nur selten, sagt Föst. Insgesamt verzeichneten die Messgeräte im Mühlenkreis nur knapp die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags.

Sowohl der April als auch der Mai gehörten jeweils mit zu den trockensten Frühlingsmonaten in den vergangenen 130 Jahren. Damit verwundert es auch nicht weiter, dass der Frühling 2020 auf Platz sechs in der Rubrik Trockenheit seit 1890 landet. Interessant ist auch, dass in den vergangenen zehn Jahren nur der Frühling 2013 zu nass gegenüber dem langjährigen Klimamittel ausfiel, in allen anderen Jahren war der Frühling teils sogar erheblich zu trocken. Ob uns jetzt nach nach dem trockenen Frühjahr der dritte Dürre-Sommer in Serie „droht“ steht aber noch in den Sternen.

Statistisch gesehen ist die Aussage, dass auf einen trockenen Frühling auch ein trockener Sommer folgt nicht belegbar, auch wenn dies in den vergangenen beiden Jahren der Fall war. Kleines Trostpflaster: In den kommenden Tagen beginnt es endlich wieder zu regnen.

Eigentlich müsste man denken, dass viel Sonnenschein auch hohe Temperaturen bedeutet. Aber der Frühling 2020 fiel nur rund ein Grad zu warm aus gegenüber der Referenzperiode 1981-2010. Der Grund: Die Hochdruckgebiete lagen mit ihrem Schwerpunkt hauptsächlich in einem Gebiet, das von Großbritannien bis nach Skandinavien reichte, so dass bei uns im Mühlenkreis oftmals nördliche bis östliche Winde auftraten. Diese haben ihren Ursprung in der Arktis und da dort noch spätwinterliche Kälte herrscht, kommen die Luftmassen bei uns leicht unterkühlt an.

Insbesondere im Mai war das der Fall: Viel Sonnenschein, große Trockenheit, aber der Mai fiel bei uns etwa ein Grad zu kalt aus. Insbesondere zu den Eisheiligen, vom 11. bis zum 15. Mai, war es sehr frisch und Väterchen Frost legte sich über das Land. An der Wetterstation in Rahden sank das Thermometer in der Nacht zum 15.Mai auf -2.3 Grad, am Boden in fünf Zentimeter Höhe sogar auf -5.4 Grad.

Zwar ist Spätfrost im Mai nichts Ungewöhnliches, dass er aber pünktlich zu den Eisheiligen kam, ist mehr oder weniger Zufall. Denn auch nach den Eisheiligen ist immer noch Frost möglich wie das Beispiel Rahden zeigt: In der Nacht auf den 1. Juni gab es dort nochmals Frost in Bodennähe. Und der 1. Juni gehört schon zum meteorologischen Sommer.

Kurios ist auch die Tatsache, dass mit sechs Frosttagen – Frosttag: Minimumtemperatur von 0.0 Grad oder darunter – der Mai 2020 nur einen Frosttag weniger hatte als der Januar (7) und sogar gleich vier Frosttage mehr aufwies als der Februar (2).

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