Verfassungsschutz berichtet 150 Salafisten in der Region: Moscheen in mehreren OWL-Städten im Fokus In mehreren Städten in der Region hat der Nachrichtendienst muslimische Einrichtungen oder Vereine im Visier. Hier verkehren Teils Salafisten sowie Anhänger der Muslimbruderschaft oder der Hizb Allah. Lukas Brekenkamp Bielefeld. Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet im Bundesland aktuell etwa 120 Moscheen, weil ihnen islamistische Bestrebungen zugerechnet werden oder sie Bezüge zu solchen aufweisen. Auch in Ostwestfalen-Lippe stehen gleich mehrere muslimische Einrichtungen im Fokus des Nachrichtendienstes. Doch wie steht es um die islamistische Szene in der Region? Wie das NRW-Innenministerium auf Anfrage mitteilte, werden Moscheen und Moscheevereine in OWL zum Beispiel in Bielefeld, Herford, Minden, Detmold, Bad Oeynhausen und Paderborn beobachtet. Vom NRW-Verfassungsschutz heißt es, dass diese Moscheen oder Moscheevereine regelmäßig von Personen der dort ansässigen salafistisch-dschihadistischen Szene, von Anhängern der Hizb Allah (Hisbollah) oder der Muslimbruderschaft besucht werden. Welche Moscheen oder Moscheevereine konkret beobachtet werden, blieb offen. Allerdings: Vor geraumer Zeit geriet beispielsweise eine Moschee in Herford in den Fokus. Diese soll eine entscheidende Rolle bei der Radikalisierung junger Männer gespielt haben, von denen einige sich dem "Islamischen Staat" (IS) anschlossen und nach Syrien ausreisten. Auch in anderen OWL-Städten wurden bereits Salafismus-Vorwürfe gegen Moscheen laut. In Bad Oeynhausen sieht der Verfassungsschutz ein Zentrum der Hizb Allah und weist bereits seit Jahren im Verfassungsschutzbericht darauf hin - ein islamischer Kulturverein mit einer vor wenigen Jahren erbauten Begegnungsstätte steht offenbar hier im Fokus. "Die Radikalisierung findet in der Regel nicht in den Moscheen statt, sondern im Umfeld", heißt es vom NRW-Verfassungsschutz. "Es gibt aber bestimmte Prediger, die eine Radikalisierung unterstützen, weil sie die Haltung teilen und mit ihrer Autorität als Gelehrte Bestätigung geben." IS-Kämpfer aus OWL Bezogen auf die Region OWL berichtet der Verfassungsschutz zudem über Erkenntnisse dahingehend, dass Moscheeverantwortliche an der Rekrutierung "Jihad-Freiwilliger" für den IS beteiligt gewesen seien. Entsprechende Ausreisen von Salafisten aus der Region sind ebenfalls bekannt. So sollen nach Informationen von nw.de zum Beispiel mehrere Personen - darunter Tschetschenen - aus dem Raum Herford sowie Detmold und auch Bielefeld nach Syrien zum Kampf für den IS gereist sein. Ein Salafist aus dem Kreis Paderborn, der schon zuvor bei der mittlerweile verbotenen salafistischen Koran-Verteilaktion "Lies!" aufgefallen war, wurde an der Ausreise gehindert. Er wurde später abgeschoben. Gerade der Raum Herford galt lange Zeit als eine salafistische Hochburg. Bundesweit sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden mehr als 1.000 Islamisten nach Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. Mehr als 280 dieser Personen stammen aus NRW. Insgesamt sind etwa 350 IS-Anhänger wieder zurück in Deutschland. Einige verbüßen aktuell eine Haftstrafe. "Die Haftstrafen einiger IS-Rückkehrer werden in Kürze enden. Wir müssen aufpassen, dass die Personen nach ihrer Zeit im Gefängnis nicht wieder in den Salafismus rutschen", warnte zuletzt Burkhard Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes, gegenüber nw.de. "Die Gefahr durch IS-Rückkehrer ist nach wie vor groß - und auch die Gefahr eines Anschlags besteht nach wie vor." 570 islamistische Gefährder in Deutschland Für andere ist die Haftstrafe bereits wieder vorbei - wie für einen Konvertiten aus Herford, der 2013 nach Syrien reiste und 2015 von der Generalbundesanwaltschaft angeklagt wurde. Er befindet sich mittlerweile auf freiem Fuß. In NRW werden aktuell etwa 3.200 Personen zur extremistisch-salafistischen Szene gezählt. Davon rechnet der hiesige Verfassungsschutz ungefähr 150 Personen der salafistischen Szene in OWL zu. Insgesamt verzeichnet das BKA im Bereich Islamismus 570 sogenannte Gefährder sowie etwa 530 relevante Personen in Deutschland, darunter auch Islamisten aus der Region.
Verfassungsschutz berichtet

150 Salafisten in der Region: Moscheen in mehreren OWL-Städten im Fokus

In NRW werden aktuell etwa 3.200 extremistische Salafisten gezählt. © picture alliance / imageBROKER

Bielefeld. Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet im Bundesland aktuell etwa 120 Moscheen, weil ihnen islamistische Bestrebungen zugerechnet werden oder sie Bezüge zu solchen aufweisen. Auch in Ostwestfalen-Lippe stehen gleich mehrere muslimische Einrichtungen im Fokus des Nachrichtendienstes. Doch wie steht es um die islamistische Szene in der Region?

Wie das NRW-Innenministerium auf Anfrage mitteilte, werden Moscheen und Moscheevereine in OWL zum Beispiel in Bielefeld, Herford, Minden, Detmold, Bad Oeynhausen und Paderborn beobachtet. Vom NRW-Verfassungsschutz heißt es, dass diese Moscheen oder Moscheevereine regelmäßig von Personen der dort ansässigen salafistisch-dschihadistischen Szene, von Anhängern der Hizb Allah (Hisbollah) oder der Muslimbruderschaft besucht werden. Welche Moscheen oder Moscheevereine konkret beobachtet werden, blieb offen.

Allerdings: Vor geraumer Zeit geriet beispielsweise eine Moschee in Herford in den Fokus. Diese soll eine entscheidende Rolle bei der Radikalisierung junger Männer gespielt haben, von denen einige sich dem "Islamischen Staat" (IS) anschlossen und nach Syrien ausreisten. Auch in anderen OWL-Städten wurden bereits Salafismus-Vorwürfe gegen Moscheen laut. In Bad Oeynhausen sieht der Verfassungsschutz ein Zentrum der Hizb Allah und weist bereits seit Jahren im Verfassungsschutzbericht darauf hin - ein islamischer Kulturverein mit einer vor wenigen Jahren erbauten Begegnungsstätte steht offenbar hier im Fokus.

"Die Radikalisierung findet in der Regel nicht in den Moscheen statt, sondern im Umfeld", heißt es vom NRW-Verfassungsschutz. "Es gibt aber bestimmte Prediger, die eine Radikalisierung unterstützen, weil sie die Haltung teilen und mit ihrer Autorität als Gelehrte Bestätigung geben."

IS-Kämpfer aus OWL

Bezogen auf die Region OWL berichtet der Verfassungsschutz zudem über Erkenntnisse dahingehend, dass Moscheeverantwortliche an der Rekrutierung "Jihad-Freiwilliger" für den IS beteiligt gewesen seien. Entsprechende Ausreisen von Salafisten aus der Region sind ebenfalls bekannt. So sollen nach Informationen von nw.de zum Beispiel mehrere Personen - darunter Tschetschenen - aus dem Raum Herford sowie Detmold und auch Bielefeld nach Syrien zum Kampf für den IS gereist sein. Ein Salafist aus dem Kreis Paderborn, der schon zuvor bei der mittlerweile verbotenen salafistischen Koran-Verteilaktion "Lies!" aufgefallen war, wurde an der Ausreise gehindert. Er wurde später abgeschoben. Gerade der Raum Herford galt lange Zeit als eine salafistische Hochburg.

Bundesweit sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden mehr als 1.000 Islamisten nach Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. Mehr als 280 dieser Personen stammen aus NRW. Insgesamt sind etwa 350 IS-Anhänger wieder zurück in Deutschland. Einige verbüßen aktuell eine Haftstrafe. "Die Haftstrafen einiger IS-Rückkehrer werden in Kürze enden. Wir müssen aufpassen, dass die Personen nach ihrer Zeit im Gefängnis nicht wieder in den Salafismus rutschen", warnte zuletzt Burkhard Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes, gegenüber nw.de. "Die Gefahr durch IS-Rückkehrer ist nach wie vor groß - und auch die Gefahr eines Anschlags besteht nach wie vor."

570 islamistische Gefährder in Deutschland

Für andere ist die Haftstrafe bereits wieder vorbei - wie für einen Konvertiten aus Herford, der 2013 nach Syrien reiste und 2015 von der Generalbundesanwaltschaft angeklagt wurde. Er befindet sich mittlerweile auf freiem Fuß.

In NRW werden aktuell etwa 3.200 Personen zur extremistisch-salafistischen Szene gezählt. Davon rechnet der hiesige Verfassungsschutz ungefähr 150 Personen der salafistischen Szene in OWL zu. Insgesamt verzeichnet das BKA im Bereich Islamismus 570 sogenannte Gefährder sowie etwa 530 relevante Personen in Deutschland, darunter auch Islamisten aus der Region.

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