Land NRW will Kitas mehr Bildungsarbeit übertragen Erzieher kritisieren hohe Arbeitsbelastung / Mittel nicht ausreichend, um neue Fachkräfte einzustellen Von Julia Mausch Bielefeld (nw). Das Land NRW will den Kitas mehr Bildungsarbeit übertragen. Das sieht der Entwurf des überarbeiteten Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) vor. Aus diesem Grund stellt die Landesregierung den Kindergärten jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich bereit. Viel zu wenig, sagen Erzieherinnen und Eltern. Als "Tropfen auf den heißen Stein" bezeichnet der Bielefelder Jugendamtselternbeirat den Entwurf des KiBiz und wehrt sich mit einer Petition. "Kinder können nicht gefördert werden, wenn zu wenig Personal vorhanden ist", kritisiert Daniela Kloss, Vorsitzende des Bielefelder Beirats, mit Blick auf die Kindpauschale. Damit ist die finanzielle Förderung pro Kind gemeint, deren Höhe sich je nach Alter unterscheidet.Durch die zur Verfügung gestellten 100 Millionen Euro erhalte zwar jede Kita in NRW zwischen 4000 und 10000 Euro mehr pro Jahr. "Davon lassen sich jedoch lediglich Aushilfen zur Unterstützung, aber keine Fachkräfte zur wirklichen Entlastung einstellen." Diese Vertretungskräfte seien nur kurzzeitig anwesend und könnten keine verlässliche Bindung bieten.Personalmangel bedingt ÜberforderungAls Beispiel nennt sie Praktikanten, die einmal in der Woche aufgrund von Unterricht fehlen. Auch die festangestellten Mitarbeiter leiden in Kloss´ Augen unter der niedrigen Pauschale: "Drei Erzieherinnen müssen sich um 15 Kinder kümmern, ist eine krank und eine auf Fortbildung, gibt es nur eine Betreuerin."Die höheren Personalausgaben werden durch die Pauschalen des KiBiz weder automatisch gedeckt noch vom Land mitfinanziert, sagt Ute Eberlein, Geschäftsführerin der Kindertageseinrichtungen des evangelischen Kirchenkreises Bielefeld. Ihrer Aussage nach ist die Kindpauschale seit 2009 um 1,5 Prozent gestiegen.Das stehe in keinem Verhältnis zu den Personalkosten, die um 3,5 Prozent in die Höhe gegangen seien. Betroffen sind vor allem Kitas, in denen ältere Erzieherinnen beschäftigt sind. "Sie bekommen ein höheres Gehalt als jüngere", so Eberlein. Die Erzieherinnen sind aufgrund des Personalmangels überfordert, betont Daniela Kloss: "Immer mehr erkranken an Burn-out und Rückenproblemen." Laut einer Studie der katholischen Hochschule NRW fühlt sich fast jeder fünfte der 830 befragten Erzieher (18,9 Prozent) im Beruf extremem Stress ausgesetzt und läuft Gefahr, an Burn-out zu erkranken."Burn-outs sind in allen Arbeitsbereichen zu finden, vor allem in den Sozial- und Erziehungsberufen", sagt Ute Eberlein. "Wir arbeiten hier alle auf 150 Prozent", sagt Martina Steiniger von der Kita am Freibad Dornberg. Die psychische Belastung aufgrund des knappen Personals führe häufig zu Krankheitsausfällen.Krankheit ist laut Eberlein auch der Grund dafür, dass ein Viertel aller Erzieherinnen in Deutschland eher in Rente geht. "Mehr Stress bedeutet weniger Bildung und Erziehung für unsere Kinder", kritisiert Daniela Kloss und unterstützt damit das Argument der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die fordert einen besseren Personalschlüssel in der Betreuung und eine Anhebung der Erzieherausbildung auf Hochschulniveau.Online-Petition für mehr FachkräfteDaniela Kloss will der Pro-blematik entgegenwirken und hat mit anderen Beiräten in NRW eine Online-Petition für mehr Kita-Fachkräfte gestartet (kibiz-forum.de). Bisher sind 2116 Stimmen zusammengekommen. Abgestimmt werden kann bis zum 14. März. Dann wird im Landtag über die Revision beraten.

Land NRW will Kitas mehr Bildungsarbeit übertragen

Bielefeld (nw). Das Land NRW will den Kitas mehr Bildungsarbeit übertragen. Das sieht der Entwurf des überarbeiteten Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) vor. Aus diesem Grund stellt die Landesregierung den Kindergärten jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich bereit. Viel zu wenig, sagen Erzieherinnen und Eltern.

Die Kitas in NRW sind ausgebucht, die Zahl der Kinder pro Erzieherin laut Elternbeiräten und Kita-Leitungen an der Belastungsgrenze. - © Foto: dpa
Die Kitas in NRW sind ausgebucht, die Zahl der Kinder pro Erzieherin laut Elternbeiräten und Kita-Leitungen an der Belastungsgrenze. - © Foto: dpa

Als "Tropfen auf den heißen Stein" bezeichnet der Bielefelder Jugendamtselternbeirat den Entwurf des KiBiz und wehrt sich mit einer Petition. "Kinder können nicht gefördert werden, wenn zu wenig Personal vorhanden ist", kritisiert Daniela Kloss, Vorsitzende des Bielefelder Beirats, mit Blick auf die Kindpauschale. Damit ist die finanzielle Förderung pro Kind gemeint, deren Höhe sich je nach Alter unterscheidet.

Durch die zur Verfügung gestellten 100 Millionen Euro erhalte zwar jede Kita in NRW zwischen 4000 und 10000 Euro mehr pro Jahr. "Davon lassen sich jedoch lediglich Aushilfen zur Unterstützung, aber keine Fachkräfte zur wirklichen Entlastung einstellen." Diese Vertretungskräfte seien nur kurzzeitig anwesend und könnten keine verlässliche Bindung bieten.

Personalmangel bedingt Überforderung
Als Beispiel nennt sie Praktikanten, die einmal in der Woche aufgrund von Unterricht fehlen. Auch die festangestellten Mitarbeiter leiden in Kloss´ Augen unter der niedrigen Pauschale: "Drei Erzieherinnen müssen sich um 15 Kinder kümmern, ist eine krank und eine auf Fortbildung, gibt es nur eine Betreuerin."

Die höheren Personalausgaben werden durch die Pauschalen des KiBiz weder automatisch gedeckt noch vom Land mitfinanziert, sagt Ute Eberlein, Geschäftsführerin der Kindertageseinrichtungen des evangelischen Kirchenkreises Bielefeld. Ihrer Aussage nach ist die Kindpauschale seit 2009 um 1,5 Prozent gestiegen.

Das stehe in keinem Verhältnis zu den Personalkosten, die um 3,5 Prozent in die Höhe gegangen seien. Betroffen sind vor allem Kitas, in denen ältere Erzieherinnen beschäftigt sind. "Sie bekommen ein höheres Gehalt als jüngere", so Eberlein. Die Erzieherinnen sind aufgrund des Personalmangels überfordert, betont Daniela Kloss: "Immer mehr erkranken an Burn-out und Rückenproblemen." Laut einer Studie der katholischen Hochschule NRW fühlt sich fast jeder fünfte der 830 befragten Erzieher (18,9 Prozent) im Beruf extremem Stress ausgesetzt und läuft Gefahr, an Burn-out zu erkranken.

"Burn-outs sind in allen Arbeitsbereichen zu finden, vor allem in den Sozial- und Erziehungsberufen", sagt Ute Eberlein. "Wir arbeiten hier alle auf 150 Prozent", sagt Martina Steiniger von der Kita am Freibad Dornberg. Die psychische Belastung aufgrund des knappen Personals führe häufig zu Krankheitsausfällen.

Krankheit ist laut Eberlein auch der Grund dafür, dass ein Viertel aller Erzieherinnen in Deutschland eher in Rente geht. "Mehr Stress bedeutet weniger Bildung und Erziehung für unsere Kinder", kritisiert Daniela Kloss und unterstützt damit das Argument der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die fordert einen besseren Personalschlüssel in der Betreuung und eine Anhebung der Erzieherausbildung auf Hochschulniveau.

Online-Petition für mehr Fachkräfte
Daniela Kloss will der Pro-blematik entgegenwirken und hat mit anderen Beiräten in NRW eine Online-Petition für mehr Kita-Fachkräfte gestartet (kibiz-forum.de). Bisher sind 2116 Stimmen zusammengekommen. Abgestimmt werden kann bis zum 14. März. Dann wird im Landtag über die Revision beraten.

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