Neue Corona-Verordnung Mehr als die Inzidenz: So wird die Corona-Lage in NRW jetzt bewertet Claus Haffert Düsseldorf. Bei der Bewertung der Corona-Lage werden in Nordrhein-Westfalen jetzt auch die Zahl der Coronapatienten im Krankenhaus und die Auslastung der Intensivbetten berücksichtigt. Das sieht die am Freitag veröffentlichte Neufassung der Coronaschutzverordnung des Landes vor. Der bisher als Grenzwert für bestimmte Maßnahmen festgeschriebene Wert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen wird gestrichen, wie das Arbeitsministerium mitteilte. NRW setzt damit vom Bundesrat beschlossene Änderungen im Infektionsschutzgesetz um. Konkret ändern wird sich vorerst aber nichts. Die 3G-Regelung (Geimpft, getestet oder genesen) für den Zugang zu bestimmten Veranstaltungen und Einrichtungen bleibe aufgrund des Infektionsgeschehens bis auf weiteres bestehen, betonte das Ministerium. Konkrete Grenzwerte für die neuen Indikatoren legt die Schutzverordnung nicht fest. Welche Werte jetzt wichtig sind "Wir wissen schlicht noch zu wenig darüber, wie sich das Impfgeschehen auf die Dynamik einer möglichen Herbstwelle auswirkt als dass wir uns auf starre Werte festlegen können", sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) laut Mitteilung. Neben den Krankenhausdaten und der Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) fließen auch Anzahl der gegen Covid-19 geimpften Personen, die Zahl der Todesfälle, die Altersstruktur der Infizierten sowie die Entwicklung des R-Wertes in die Beurteilung ein. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter rechnerisch ansteckt. Wissenschaft hatte Inzidenz als einzigen Parameter kritisiert Die künftige Berücksichtigung weiterer Daten stieß in der Wissenschaft auf Zustimmung. "Schon vor eineinhalb Jahren wäre es wichtig gewesen, sich zur Einschätzung der Pandemielage auf mehrere Parameter zu stützen und nicht nur auf die sogenannte Inzidenz. Das ist jetzt umso dringlicher", sagte der Mediziner Matthias Schrappe von der Universität Köln. "Wir brauchen Hospitalisierungs- und Intensivrate als Parameter, um bei fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung eine Aussage über die Bedeutung der täglichen Melderaten treffen zu können", betonte Schrappe, der zusammen mit weiteren Gesundheitsexperten die Konzentration auf die Inzidenz immer wieder kritisiert hatte. In Nordrhein-Westfalen stabilisierten sich derzeit diese Werte, "allerdings auf einem nicht unkritischen Niveau", betonte Laumann. Auf Basis aller vorliegenden Daten seien neue Einschränkungen für Geimpfte und Genesene derzeit nicht zu erwarten. !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r
Neue Corona-Verordnung

Mehr als die Inzidenz: So wird die Corona-Lage in NRW jetzt bewertet

Die Lage in den Krankenhäusern soll künftig stärker maßgeblich dafür sein, welche Schutzmaßnahmen es im Land geben soll. © dpa

Düsseldorf. Bei der Bewertung der Corona-Lage werden in Nordrhein-Westfalen jetzt auch die Zahl der Coronapatienten im Krankenhaus und die Auslastung der Intensivbetten berücksichtigt. Das sieht die am Freitag veröffentlichte Neufassung der Coronaschutzverordnung des Landes vor.

Der bisher als Grenzwert für bestimmte Maßnahmen festgeschriebene Wert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen wird gestrichen, wie das Arbeitsministerium mitteilte. NRW setzt damit vom Bundesrat beschlossene Änderungen im Infektionsschutzgesetz um.

Konkret ändern wird sich vorerst aber nichts. Die 3G-Regelung (Geimpft, getestet oder genesen) für den Zugang zu bestimmten Veranstaltungen und Einrichtungen bleibe aufgrund des Infektionsgeschehens bis auf weiteres bestehen, betonte das Ministerium. Konkrete Grenzwerte für die neuen Indikatoren legt die Schutzverordnung nicht fest.

Welche Werte jetzt wichtig sind

"Wir wissen schlicht noch zu wenig darüber, wie sich das Impfgeschehen auf die Dynamik einer möglichen Herbstwelle auswirkt als dass wir uns auf starre Werte festlegen können", sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) laut Mitteilung.

Neben den Krankenhausdaten und der Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) fließen auch Anzahl der gegen Covid-19 geimpften Personen, die Zahl der Todesfälle, die Altersstruktur der Infizierten sowie die Entwicklung des R-Wertes in die Beurteilung ein. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter rechnerisch ansteckt.

Wissenschaft hatte Inzidenz als einzigen Parameter kritisiert

Die künftige Berücksichtigung weiterer Daten stieß in der Wissenschaft auf Zustimmung. "Schon vor eineinhalb Jahren wäre es wichtig gewesen, sich zur Einschätzung der Pandemielage auf mehrere Parameter zu stützen und nicht nur auf die sogenannte Inzidenz. Das ist jetzt umso dringlicher", sagte der Mediziner Matthias Schrappe von der Universität Köln. "Wir brauchen Hospitalisierungs- und Intensivrate als Parameter, um bei fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung eine Aussage über die Bedeutung der täglichen Melderaten treffen zu können", betonte Schrappe, der zusammen mit weiteren Gesundheitsexperten die Konzentration auf die Inzidenz immer wieder kritisiert hatte.

In Nordrhein-Westfalen stabilisierten sich derzeit diese Werte, "allerdings auf einem nicht unkritischen Niveau", betonte Laumann. Auf Basis aller vorliegenden Daten seien neue Einschränkungen für Geimpfte und Genesene derzeit nicht zu erwarten.

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