Corona-Pandemie Mediziner warnen vor "Welle der Ungeimpften" in NRW Rolf Schraa,Oliver Auster,Dorothea Hülsmeier,Volker Danisch Düsseldorf/Essen. Mediziner und Landesregierung in Nordrhein-Westfalen warnen angesichts kräftig gestiegener Infektionen vor einer Corona-Welle unter den Ungeimpften und appellieren, Impfangebote anzunehmen. "Die vierte Welle nimmt Fahrt auf. Diese Welle wird eine der besonderen Art, sie wird eine Welle der Ungeimpften", sagte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsklinik Essen, Prof. Jochen A. Werner. "Den Menschen muss klar sein: Wer nicht geimpft ist, wird irgendwann sich infizieren und in einem Teil der Fälle erkranken, mitunter lebensgefährlich", sagte der Mediziner. Dann drohten auch Folgeschäden, deren Ausmaß heute noch nicht abzuschätzen seien. Die Inzidenz Geimpfter liegt unter der der Ungeimpften NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumannn (CDU) hatte im Landtag am vergangenen Donnerstag erklärt, 86 Prozent der Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen in den NRW-Krankenhäusern seien nicht gegen das Coronavirus geimpft. Das Landeszentrum für Gesundheit NRW prüft nach Auskunft eines Ministeriumssprechers, ob für Geimpfte und Ungeimpfte Inzidenzen getrennt ausgewiesen werden können. Nach vorläufigen Erkenntnissen könne davon ausgegangen werden, dass die Inzidenz Geimpfter erheblich unter der der Ungeimpften beziehungsweise nicht vollständig geimpften Personen liege - dass man es also inzwischen im Wesentlichen mit einer Pandemie der Ungeimpften zu tun habe, sagte der Sprecher. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz geht es um Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert NRW auf, dem Beispiel Bayerns zu differenzierten Inzidenzen zu folgen und auch weitere Informationen etwa zu Impfdurchbrüchen - nachgewiesenen Corona-Infektionen trotz vollständiger Impfung - zu veröffentlichen. Wenn man Menschen überzeugen wolle, dann gehe das nicht mit Polemik, sondern mit Fakten, sagte er am Montag. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat differenzierte Inzidenzen bereits begrüßt. "Je besser wir Bescheid wissen, desto besser können wir reagieren", hatte deren Chef Frank Bergmann der WAZ gesagt, die am Freitag über probeweise Berechnungen von getrennten Inzidenzen berichtet hatte. "Das nenne ich organisierten Alarmismus" In der Universitätsklinik Essen, die bundesweit zu den größten Corona-Behandlungszentren zählt, sind die Covid-Zahlen im Juli und August deutlich angestiegen. Drei Viertel der 142 Covid-Patienten aus diesem Zeitraum seien ungeimpft gewesen, erläuterte Klinikchef Werner. Unter den Covid-Patienten vom Juli und August seien etwa 15 Prozent über 70 Jahre alt gewesen. Die Hälfte war jünger als 50 Jahre. Neben den 75 Prozent nicht geimpften Menschen waren laut den Angaben 11 Prozent unvollständig und 13 Prozent vollständig geimpft. Er gehe von weiter steigenden Zahlen aus - mit Folgen für den Klinikbetrieb: "Wenn die stationär zu behandelnden Covid-19 Erkrankten stärker zunehmen, ist eine Auswirkung auf die Versorgung von Patienten mit allen anderen Krankheitsbildern nicht mehr lange auszuschließen." Patientenschützer Brysch widersprach in diesem Punkt. Auch in der vierten Welle würden die Kapazitätsgrenzen der Kliniken nicht erreicht, sagte Brysch. So verfüge das Ruhrgebiet neben der Uniklinik Essen über viele weitere Krankenhäuser. Wegen der Pandemie planbare Operationen zu verschieben, sei in der Vergangenheit eine vollkommen überzogene Entscheidung gewesen. "Das nenne ich organisierten Alarmismus", kritisierte Brysch. Es seien Milliarden für leere Betten ausgegeben worden, obwohl Deutschland bezogen auf die Bevölkerungszahl über wesentlich mehr Intensivbetten als beispielsweise Frankreich oder Italien verfüge. Viele Patienten haben ihre Arztbesuche verschoben Auch an der Düsseldorfer Uniklinik sind die nicht geimpften Covid-Patienten "sehr deutlich in der Überzahl", so ein Sprecher. Tatsächlich sind die absoluten Zahlen im Vergleich zum letzten Winter aber noch vergleichsweise gering: Am Montag wurden 21 Covid-19-Patienten an der Düsseldorfer Uniklinik behandelt, im Januar waren es über 60. Anfang August zogen die Zahlen laut Uniklinik wieder an, seit zwei Wochen sind sie relativ stabil. Neun Patienten liegen auf Intensivstation, alle werden beatmet. Die Krankenhausgesellschaft NRW erklärte, dass die Zahl der Corona-Patienten zwar wieder spürbar steige, aber man alles in allem jenseits von dramatischen Zuständen sei. Es würden einige Operationen nachgeholt, sagte ein Sprecher. Er verwies auch darauf, dass viele Patienten wegen Corona zunächst ihre Arztbesuche verschoben hätten. !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r
Corona-Pandemie

Mediziner warnen vor "Welle der Ungeimpften" in NRW

Mediziner werben deshalb erneut für Corona-Impfungen. © AFP (Symbolfoto)

Düsseldorf/Essen. Mediziner und Landesregierung in Nordrhein-Westfalen warnen angesichts kräftig gestiegener Infektionen vor einer Corona-Welle unter den Ungeimpften und appellieren, Impfangebote anzunehmen. "Die vierte Welle nimmt Fahrt auf. Diese Welle wird eine der besonderen Art, sie wird eine Welle der Ungeimpften", sagte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsklinik Essen, Prof. Jochen A. Werner.

"Den Menschen muss klar sein: Wer nicht geimpft ist, wird irgendwann sich infizieren und in einem Teil der Fälle erkranken, mitunter lebensgefährlich", sagte der Mediziner. Dann drohten auch Folgeschäden, deren Ausmaß heute noch nicht abzuschätzen seien.

Die Inzidenz Geimpfter liegt unter der der Ungeimpften

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumannn (CDU) hatte im Landtag am vergangenen Donnerstag erklärt, 86 Prozent der Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen in den NRW-Krankenhäusern seien nicht gegen das Coronavirus geimpft. Das Landeszentrum für Gesundheit NRW prüft nach Auskunft eines Ministeriumssprechers, ob für Geimpfte und Ungeimpfte Inzidenzen getrennt ausgewiesen werden können.

Nach vorläufigen Erkenntnissen könne davon ausgegangen werden, dass die Inzidenz Geimpfter erheblich unter der der Ungeimpften beziehungsweise nicht vollständig geimpften Personen liege - dass man es also inzwischen im Wesentlichen mit einer Pandemie der Ungeimpften zu tun habe, sagte der Sprecher. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz geht es um Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert NRW auf, dem Beispiel Bayerns zu differenzierten Inzidenzen zu folgen und auch weitere Informationen etwa zu Impfdurchbrüchen - nachgewiesenen Corona-Infektionen trotz vollständiger Impfung - zu veröffentlichen. Wenn man Menschen überzeugen wolle, dann gehe das nicht mit Polemik, sondern mit Fakten, sagte er am Montag. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat differenzierte Inzidenzen bereits begrüßt. "Je besser wir Bescheid wissen, desto besser können wir reagieren", hatte deren Chef Frank Bergmann der WAZ gesagt, die am Freitag über probeweise Berechnungen von getrennten Inzidenzen berichtet hatte.

"Das nenne ich organisierten Alarmismus"

In der Universitätsklinik Essen, die bundesweit zu den größten Corona-Behandlungszentren zählt, sind die Covid-Zahlen im Juli und August deutlich angestiegen. Drei Viertel der 142 Covid-Patienten aus diesem Zeitraum seien ungeimpft gewesen, erläuterte Klinikchef Werner. Unter den Covid-Patienten vom Juli und August seien etwa 15 Prozent über 70 Jahre alt gewesen. Die Hälfte war jünger als 50 Jahre. Neben den 75 Prozent nicht geimpften Menschen waren laut den Angaben 11 Prozent unvollständig und 13 Prozent vollständig geimpft.

Er gehe von weiter steigenden Zahlen aus - mit Folgen für den Klinikbetrieb: "Wenn die stationär zu behandelnden Covid-19 Erkrankten stärker zunehmen, ist eine Auswirkung auf die Versorgung von Patienten mit allen anderen Krankheitsbildern nicht mehr lange auszuschließen."

Patientenschützer Brysch widersprach in diesem Punkt. Auch in der vierten Welle würden die Kapazitätsgrenzen der Kliniken nicht erreicht, sagte Brysch. So verfüge das Ruhrgebiet neben der Uniklinik Essen über viele weitere Krankenhäuser. Wegen der Pandemie planbare Operationen zu verschieben, sei in der Vergangenheit eine vollkommen überzogene Entscheidung gewesen. "Das nenne ich organisierten Alarmismus", kritisierte Brysch. Es seien Milliarden für leere Betten ausgegeben worden, obwohl Deutschland bezogen auf die Bevölkerungszahl über wesentlich mehr Intensivbetten als beispielsweise Frankreich oder Italien verfüge.

Viele Patienten haben ihre Arztbesuche verschoben

Auch an der Düsseldorfer Uniklinik sind die nicht geimpften Covid-Patienten "sehr deutlich in der Überzahl", so ein Sprecher. Tatsächlich sind die absoluten Zahlen im Vergleich zum letzten Winter aber noch vergleichsweise gering: Am Montag wurden 21 Covid-19-Patienten an der Düsseldorfer Uniklinik behandelt, im Januar waren es über 60. Anfang August zogen die Zahlen laut Uniklinik wieder an, seit zwei Wochen sind sie relativ stabil. Neun Patienten liegen auf Intensivstation, alle werden beatmet.

Die Krankenhausgesellschaft NRW erklärte, dass die Zahl der Corona-Patienten zwar wieder spürbar steige, aber man alles in allem jenseits von dramatischen Zuständen sei. Es würden einige Operationen nachgeholt, sagte ein Sprecher. Er verwies auch darauf, dass viele Patienten wegen Corona zunächst ihre Arztbesuche verschoben hätten.

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass möglicherweise personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.
Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in NRW