Land duldet Verstöße Hunderte Kinder in NRW gehen wegen Testpflicht nicht zur Schule In vielen Fällen fehlen die Kinder schon seit über einem Jahr. Aufgrund einer Anordnung des Schulministeriums fehlt Schulleitern jegliche Handhabe, dagegen vorzugehen. Anneke Quasdorf Allein im Regierungsbezirk Detmold sind es mindestens 200 Kinder, die seit Wiedereinführung der Maskenpflicht an den Schulen im Dezember 2021 nicht mehr zur Schule gehen - weil ihre Eltern der Maßnahme und dem Testen nicht zustimmen. In NRW waren es im Dezember mehr als 900. Ob und wie sie Bildung erfahren: unklar. Die Zahl schwankt, weil sie von Bezirksregierung und Schulministerium wöchentlich ermittelt wird. So fehlten im Regierungsbezirk Detmold beispielsweise in Kalenderwoche 51 sogar 213 Schüler, in Woche 40 waren es 213, in Woche 34 waren es 195. Laut einer Sprecherin sind das aber nur die Kinder, deren Eltern einen Test verweigern. „Eine Zahl zu Maskenverweigerern liegt der Bezirksregierung nicht vor." Die Zahlen könnten also sogar noch höher liegen. Im Klartext heißt das: Seit über einem Jahr werden Hunderte Kinder nicht mehr beschult. Im Gegensatz zu „Absenzlern", umgangssprachlich Schulschwänzern, fehlt den Schulleitern bei ihnen aber die Handhabe, sie zurück in die Schulen zu führen. „Das Land hat in einer Schul-E-Mail festgelegt, dass diese Stunden als entschuldigt gelten", sagt Torsten Schätz, Leiter der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld. „Damit können wir keine Versäumnisanzeige bei der Bezirksregierung machen und es erfolgt auch keine Verhängung von Bußgeldern, wie sonst üblich." Lehrer befürchten große Rückstände Im Alltag heißt das seit einem Jahr: Einzelne Lehrkräfte bemühen sich, die Kinder zumindest mit Materialien zu versorgen, denn Testverweigerer haben – auch das eine Anordnung vom Land – keinen Anspruch auf Distanzunterricht. „Ich befürchte, dass diese Kinder in der häuslichen Isolation über einen so langen Zeitraum nur wenig lernen", sagt Oliver Dudek, Leiter der Gesamtschule Aspe in Bad Salzuflen. Genauso schlimm ordnet er auch die fehlenden sozialen Kontakte ein: „Schule ist viel mehr, als reine Wissensvermittlung." Dudek wünscht sich an der Stelle vom Land die Feststellung der Zulässigkeit von Zwangsgeldern gegenüber den Elternhäusern: „Sonst gehen uns diese Kinder verloren." Das NRW-Schulministerium äußert sich hier allerdings klar: „Durch die Zustimmung zur Einhaltung der infektionsschutzrechtlichen Maßnahmen (Teilnahme an Testungen, Einhaltung der Maskenpflicht) können Eltern, beziehungsweise ihre Kinder selbst jederzeit zumutbar die Möglichkeit eröffnen, vollumfänglich am Unterricht teilzunehmen."
Land duldet Verstöße

Hunderte Kinder in NRW gehen wegen Testpflicht nicht zur Schule

Anderes Leben: Wegen einer Verweigerung der Masken- oder Testpflicht gehen in NRW Hunderte Kinder nicht zur Schule. Pädagogen befürchten Bildungsrückstände und Isolation. © picture alliance / Fotostand | Fotostand / K. Schmitt

Allein im Regierungsbezirk Detmold sind es mindestens 200 Kinder, die seit Wiedereinführung der Maskenpflicht an den Schulen im Dezember 2021 nicht mehr zur Schule gehen - weil ihre Eltern der Maßnahme und dem Testen nicht zustimmen. In NRW waren es im Dezember mehr als 900. Ob und wie sie Bildung erfahren: unklar.

Die Zahl schwankt, weil sie von Bezirksregierung und Schulministerium wöchentlich ermittelt wird. So fehlten im Regierungsbezirk Detmold beispielsweise in Kalenderwoche 51 sogar 213 Schüler, in Woche 40 waren es 213, in Woche 34 waren es 195. Laut einer Sprecherin sind das aber nur die Kinder, deren Eltern einen Test verweigern. „Eine Zahl zu Maskenverweigerern liegt der Bezirksregierung nicht vor." Die Zahlen könnten also sogar noch höher liegen.

Im Klartext heißt das: Seit über einem Jahr werden Hunderte Kinder nicht mehr beschult. Im Gegensatz zu „Absenzlern", umgangssprachlich Schulschwänzern, fehlt den Schulleitern bei ihnen aber die Handhabe, sie zurück in die Schulen zu führen. „Das Land hat in einer Schul-E-Mail festgelegt, dass diese Stunden als entschuldigt gelten", sagt Torsten Schätz, Leiter der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld. „Damit können wir keine Versäumnisanzeige bei der Bezirksregierung machen und es erfolgt auch keine Verhängung von Bußgeldern, wie sonst üblich."

Lehrer befürchten große Rückstände

Im Alltag heißt das seit einem Jahr: Einzelne Lehrkräfte bemühen sich, die Kinder zumindest mit Materialien zu versorgen, denn Testverweigerer haben – auch das eine Anordnung vom Land – keinen Anspruch auf Distanzunterricht. „Ich befürchte, dass diese Kinder in der häuslichen Isolation über einen so langen Zeitraum nur wenig lernen", sagt Oliver Dudek, Leiter der Gesamtschule Aspe in Bad Salzuflen. Genauso schlimm ordnet er auch die fehlenden sozialen Kontakte ein: „Schule ist viel mehr, als reine Wissensvermittlung." Dudek wünscht sich an der Stelle vom Land die Feststellung der Zulässigkeit von Zwangsgeldern gegenüber den Elternhäusern: „Sonst gehen uns diese Kinder verloren."

Das NRW-Schulministerium äußert sich hier allerdings klar: „Durch die Zustimmung zur Einhaltung der infektionsschutzrechtlichen Maßnahmen (Teilnahme an Testungen, Einhaltung der Maskenpflicht) können Eltern, beziehungsweise ihre Kinder selbst jederzeit zumutbar die Möglichkeit eröffnen, vollumfänglich am Unterricht teilzunehmen."

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