Gewaltiger Ansturm auf NRW-Soforthilfe

Florian Pfitzner

Nordrhein-Westfalen gewährt Unternehmern kurzfristige Zuschüsse, um die heftigen Umsatzeinbrüche wenigstens etwas auszugleichen. Manche Kandidaten zeigten eine "gewisse Kreativität".

Wirtschaftsminister Pinkwart: "Herausragender Einsatz". - © picture alliance/dpa
Wirtschaftsminister Pinkwart: "Herausragender Einsatz". (© picture alliance/dpa)

Düsseldorf. Mehr als ein Drittel der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hat seit vergangenem Freitag die Soforthilfe des Landes in der Corona-Krise beansprucht. Bislang seien 320.000 Anträge bei den Bezirksregierungen eingegangen, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) beim Presse-Briefing zur Corona-Lage, davon habe man 300.000 bewilligt.

Die Quote der abgelehnten Anträge liegt nach Angaben der Landesregierung bislang bei unter einem Prozent. Bei rund 20.000 Hilfegesuchen aus der Wirtschaft gebe es noch Klärungsbedarf, sagte Pinkwart. An 225.000 Unternehmen seien bereits Zuschüsse ausgezahlt worden – von insgesamt 2,33 Milliarden Euro.

NRW stemmt sich mit den Soforthilfen gegen die kurzfristigen Folgen der Kontaktsperre. Der Anteil der Kleinunternehmer mit bis zu fünf Mitarbeitern liegt bei 86 Prozent. Kleinbetriebe, Gründer und Soloselbstständige sollten mit dem Geld durch die Krise geführt werden, sagte Pinkwart. Die Zuschüsse helfen den vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Finanzierungslücke zu schließen und den Schaden durch die Corona-Krise etwas abzufedern."

Pinkwart hob den "herausragenden Einsatz" der Bezirksregierungen hervor sowie des Landesbetriebs IT.NRW und der Kammern. Die meisten bewilligten Anträge registrierten die Regierungsbezirke Düsseldorf (85.000) und Köln (50.000). Der Regierungsbezirk Detmold notierte bislang 23.000 Anträge.

Die größte Nachfrage gibt es unter Dienstleistern, sie haben mehr als die Hälfte der bewilligten Anträge gestellt. Auf Freiberufler entfiel ein Fünftel, dahinter folgen der Einzelhandel (12 Prozent), das Gastgewerbe (11) und Handwerksbetriebe (10,5). Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) sagte, die Zuschüsse seien neben den Stundungsregelungen "dringend erforderlich" für die kommenden "harten acht Wochen".

Unter den gestellten Anträgen wurden auch Auffälligkeit festgestellt. Einige wenige hätten gleich mehrfach die Zuschüsse des Landes beantragt, sagte Pinkwart. Unter diesen Kandidaten sei eine "gewisse Kreativität erkennbar" gewesen. Die Verwaltungen hätten dagegen "Prüfschleifen eingebaut". Das Ausmaß der Betrugsversuche halte sich in Grenzen, sagte der Minister, mahnte aber trotzdem: "Die Corona-Krise bewältigen wir nur, wenn wir als Gesellschaft zusammenstehen."

Kleinunternehmer können noch bis zum 31. Mai – je nach Mitarbeiterzahl – Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von 9.000, 15.000 oder 25.000 Euro beantragen, um finanzielle Engpässe infolge der Corona-Krise zu überbrücken. Eine Übersicht zur NRW-Soforthilfe steht unter: www\.wirtschaft\.nrw\/corona.

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Gewaltiger Ansturm auf NRW-SoforthilfeFlorian PfitznerNordrhein-Westfalen gewährt Unternehmern kurzfristige Zuschüsse, um die heftigen Umsatzeinbrüche wenigstens etwas auszugleichen. Manche Kandidaten zeigten eine "gewisse Kreativität".Düsseldorf. Mehr als ein Drittel der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hat seit vergangenem Freitag die Soforthilfe des Landes in der Corona-Krise beansprucht. Bislang seien 320.000 Anträge bei den Bezirksregierungen eingegangen, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) beim Presse-Briefing zur Corona-Lage, davon habe man 300.000 bewilligt. Die Quote der abgelehnten Anträge liegt nach Angaben der Landesregierung bislang bei unter einem Prozent. Bei rund 20.000 Hilfegesuchen aus der Wirtschaft gebe es noch Klärungsbedarf, sagte Pinkwart. An 225.000 Unternehmen seien bereits Zuschüsse ausgezahlt worden – von insgesamt 2,33 Milliarden Euro. NRW stemmt sich mit den Soforthilfen gegen die kurzfristigen Folgen der Kontaktsperre. Der Anteil der Kleinunternehmer mit bis zu fünf Mitarbeitern liegt bei 86 Prozent. Kleinbetriebe, Gründer und Soloselbstständige sollten mit dem Geld durch die Krise geführt werden, sagte Pinkwart. Die Zuschüsse helfen den vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Finanzierungslücke zu schließen und den Schaden durch die Corona-Krise etwas abzufedern." Pinkwart hob den "herausragenden Einsatz" der Bezirksregierungen hervor sowie des Landesbetriebs IT.NRW und der Kammern. Die meisten bewilligten Anträge registrierten die Regierungsbezirke Düsseldorf (85.000) und Köln (50.000). Der Regierungsbezirk Detmold notierte bislang 23.000 Anträge. Die größte Nachfrage gibt es unter Dienstleistern, sie haben mehr als die Hälfte der bewilligten Anträge gestellt. Auf Freiberufler entfiel ein Fünftel, dahinter folgen der Einzelhandel (12 Prozent), das Gastgewerbe (11) und Handwerksbetriebe (10,5). Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) sagte, die Zuschüsse seien neben den Stundungsregelungen "dringend erforderlich" für die kommenden "harten acht Wochen". Unter den gestellten Anträgen wurden auch Auffälligkeit festgestellt. Einige wenige hätten gleich mehrfach die Zuschüsse des Landes beantragt, sagte Pinkwart. Unter diesen Kandidaten sei eine "gewisse Kreativität erkennbar" gewesen. Die Verwaltungen hätten dagegen "Prüfschleifen eingebaut". Das Ausmaß der Betrugsversuche halte sich in Grenzen, sagte der Minister, mahnte aber trotzdem: "Die Corona-Krise bewältigen wir nur, wenn wir als Gesellschaft zusammenstehen." Kleinunternehmer können noch bis zum 31. Mai – je nach Mitarbeiterzahl – Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von 9.000, 15.000 oder 25.000 Euro beantragen, um finanzielle Engpässe infolge der Corona-Krise zu überbrücken. Eine Übersicht zur NRW-Soforthilfe steht unter: www\.wirtschaft\.nrw\/corona.