Experten: Kampf gegen Clan-Kriminalität in NRW zeigt Wirkung

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Symbolfoto: Paul Zinken/dpa - © (c) Copyright 2017, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Symbolfoto: Paul Zinken/dpa (© (c) Copyright 2017, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Diez (dpa/lnw) - Der verstärkte Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Experten zufolge Wirkung. «Einige Ruhrgebietsstädte zum Beispiel beobachten, dass die Maßnahmen mehr Sicherheit erzeugt haben», sagte der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir bekommen auch mehr Erkenntnisse.»

Ähnlich äußerte sich die Kriminologie-Professorin Dorothee Dienstbühl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. «Das Verhalten gegenüber den Polizeibeamten wird gemäßigter, die Gewalt geht zumindest aktuell zurück», sagte sie der dpa vor einer Tagung zum Thema Kriminalität von Clans am Donnerstag im rheinland-pfälzischen Diez. «Die Polizei geht bei Einsätzen einfach mit mehr Kräften rein, nutzt zudem Hundertschaften für Kontrollen und Razzien.»

Die lange wohl unterschätzte Kriminalität von Clans meist arabischer oder kurdischer Herkunft zeigt sich vor allem im Ruhrgebiet, in Berlin, Bremen und Niedersachsen. Die vom nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) postulierte Strategie der «1000 Nadelstiche» der Ermittler ist laut Dienstbühl die Antwort auf den «Eroberungsgedanken» der Clans. Dieser «ist vor allem durch Gewalt und Grenzüberschreitungen geprägt».

Die Kriminologie-Professorin hält es dennoch «für verfrüht, jetzt schon Erfolge zu benennen». Die Polizei habe einen Prozess in Gang gesetzt. «Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Monaten und auch Jahren entwickelt.»

BDK-Chef Fiedler sagte: «Ich sehe noch kein auf Dauer angelegtes Erfolgskonzept.» Dafür müsste die Zahl der Ermittler aufgestockt werden. Im Brennpunkt Ruhrgebiet zum Beispiel gebe es nur eine zweistellige Zahl von zuständigen Polizisten.

Das Landeskriminalamt (LKA) NRW hatte Mitte Mai das erste Lagebild zur Clan-Kriminalität in dem Bundesland vorgestellt. Demnach sieht die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Alleine von 2016 bis 2018 sollen hier rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14 000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

Die Intensivierung von Durchsuchungen wie die Razzia mit rund 1300 Polizisten im Januar im Ruhrgebiet, Beschlagnahmungen von Immobilien wie 2018 in großem Stil in Berlin und Brandenburg sowie Ausweisungen von Clanchefs etwa aus Bremen bezeichnete Fiedler als die richtige Linie. Ausweisungen würden allerdings erschwert, weil viele kriminelle Clan-Mitglieder einen deutschen Pass hätten - oder ihre Ehefrauen. «Das ist rechtlich dann schwierig, Familien auseinanderzureißen», erklärte der Verbandschef.

Sorge bereite dem BDK, dass kriminelle Clans begonnen hätten, auch syrische und irakische Flüchtlinge als sogenannte Ameisen für den Verkauf von Drogen an die Endkunden zu rekrutieren. «Die Besorgnis besteht, dass auch hier kriminelle Gefüge entstehen», sagte Fiedler. Schon rein zahlenmäßig könne das problematisch werden.

Kriminelle Mitgliederder Großfamilien leben meist abgeschottet in Parallelwelten. Die Kriminologie-Professorin Dienstbühl erklärte: «Familie und Familienwerte funktionieren noch immer nach Stammesprinzipien, zum Teil aus vorislamischer Zeit.» Zum Islam gebe es Bezüge. Diese seien aber immer im Zusammenhang mit den Interessen der Clans zu sehen. «Die nutzen religiöse Regeln beispielsweise für ihre Geschäfte oder um Streitigkeiten innerhalb der Strukturen zu regeln», erklärte Dienstbühl.

All dies führe dazu, «dass die Familienangehörigen schweigen und sich gegenseitig decken, wenn sie können. Zudem empfinden sie sich selbst als eine Elite, die sich bewusst abschottet», erläuterte die Expertin. V-Männer zum Beispiel ließen sich kaum in Clans einschleusen, höchstens in die Nähe etwa als Geschäftspartner.

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Experten: Kampf gegen Clan-Kriminalität in NRW zeigt WirkungDiez (dpa/lnw) - Der verstärkte Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Experten zufolge Wirkung. «Einige Ruhrgebietsstädte zum Beispiel beobachten, dass die Maßnahmen mehr Sicherheit erzeugt haben», sagte der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir bekommen auch mehr Erkenntnisse.» Ähnlich äußerte sich die Kriminologie-Professorin Dorothee Dienstbühl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. «Das Verhalten gegenüber den Polizeibeamten wird gemäßigter, die Gewalt geht zumindest aktuell zurück», sagte sie der dpa vor einer Tagung zum Thema Kriminalität von Clans am Donnerstag im rheinland-pfälzischen Diez. «Die Polizei geht bei Einsätzen einfach mit mehr Kräften rein, nutzt zudem Hundertschaften für Kontrollen und Razzien.» Die lange wohl unterschätzte Kriminalität von Clans meist arabischer oder kurdischer Herkunft zeigt sich vor allem im Ruhrgebiet, in Berlin, Bremen und Niedersachsen. Die vom nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) postulierte Strategie der «1000 Nadelstiche» der Ermittler ist laut Dienstbühl die Antwort auf den «Eroberungsgedanken» der Clans. Dieser «ist vor allem durch Gewalt und Grenzüberschreitungen geprägt». Die Kriminologie-Professorin hält es dennoch «für verfrüht, jetzt schon Erfolge zu benennen». Die Polizei habe einen Prozess in Gang gesetzt. «Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Monaten und auch Jahren entwickelt.» BDK-Chef Fiedler sagte: «Ich sehe noch kein auf Dauer angelegtes Erfolgskonzept.» Dafür müsste die Zahl der Ermittler aufgestockt werden. Im Brennpunkt Ruhrgebiet zum Beispiel gebe es nur eine zweistellige Zahl von zuständigen Polizisten. Das Landeskriminalamt (LKA) NRW hatte Mitte Mai das erste Lagebild zur Clan-Kriminalität in dem Bundesland vorgestellt. Demnach sieht die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Alleine von 2016 bis 2018 sollen hier rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14 000 Straftaten verantwortlich gewesen sein. Die Intensivierung von Durchsuchungen wie die Razzia mit rund 1300 Polizisten im Januar im Ruhrgebiet, Beschlagnahmungen von Immobilien wie 2018 in großem Stil in Berlin und Brandenburg sowie Ausweisungen von Clanchefs etwa aus Bremen bezeichnete Fiedler als die richtige Linie. Ausweisungen würden allerdings erschwert, weil viele kriminelle Clan-Mitglieder einen deutschen Pass hätten - oder ihre Ehefrauen. «Das ist rechtlich dann schwierig, Familien auseinanderzureißen», erklärte der Verbandschef. Sorge bereite dem BDK, dass kriminelle Clans begonnen hätten, auch syrische und irakische Flüchtlinge als sogenannte Ameisen für den Verkauf von Drogen an die Endkunden zu rekrutieren. «Die Besorgnis besteht, dass auch hier kriminelle Gefüge entstehen», sagte Fiedler. Schon rein zahlenmäßig könne das problematisch werden. Kriminelle Mitgliederder Großfamilien leben meist abgeschottet in Parallelwelten. Die Kriminologie-Professorin Dienstbühl erklärte: «Familie und Familienwerte funktionieren noch immer nach Stammesprinzipien, zum Teil aus vorislamischer Zeit.» Zum Islam gebe es Bezüge. Diese seien aber immer im Zusammenhang mit den Interessen der Clans zu sehen. «Die nutzen religiöse Regeln beispielsweise für ihre Geschäfte oder um Streitigkeiten innerhalb der Strukturen zu regeln», erklärte Dienstbühl. All dies führe dazu, «dass die Familienangehörigen schweigen und sich gegenseitig decken, wenn sie können. Zudem empfinden sie sich selbst als eine Elite, die sich bewusst abschottet», erläuterte die Expertin. V-Männer zum Beispiel ließen sich kaum in Clans einschleusen, höchstens in die Nähe etwa als Geschäftspartner.