Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag von Nordrhein-Westfalen zur Schulpolitik. Foto: Henning Kaiser/dpa - © Henning Kaiser
Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag von Nordrhein-Westfalen zur Schulpolitik. Foto: Henning Kaiser/dpa (© Henning Kaiser)

Realschulen sollen künftig Hauptschulzweige anbieten können

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Düsseldorf (dpa/lnw). Realschulen in Nordrhein-Westfalen sollen künftig schon ab der fünften Klasse Hauptschulzweige anbieten können. Einem entsprechenden Antrag von CDU und FDP zur Änderung des Schulgesetzes stimmten am Mittwoch die Regierungsfraktionen und die AfD im Landtag zu.

Mehr als 150 von derzeit 318 Hauptschulen seien von der Schließung bedroht, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Diese Schulform sei mangels Nachfrage in vielen Regionen nicht mehr wohnortnah erreichbar. In dem Antrag von CDU und FDP heißt es, die Hauptschule bilde ein wichtiges Rückgrat des dualen Ausbildungssystems und damit des wirtschaftlichen Erfolgs in NRW.

Bei SPD und Grünen lösten die Regierungspläne Empörung aus. Der Antrag sei eine „Kampfansage“ an Eltern und Kinder und kündige den 2011 zwischen allen Parteien vereinbarten Schulfrieden, sagte der SPD-Schulexperte Jochen Ott. Der Vorstoß missachte den Willen von Eltern, die ihre Kinder an Gesamtschulen anmelden wollten, aber nicht könnten, weil das Platzangebot dort nicht ausreiche.

Die Grünen-Politikerin Sigrid Beer sagte, die Initiative der Regierung sei „zum Scheitern verurteilt“ und „meilenweit weg von einer Pädagogik der Vielfalt“. Damit solle das gegliederte Schulsystem aus dem letzten Jahrtausend wiederbelebt werden. Besser wäre es, Haupt- und Realschule gemeinsam in Gesamt- oder Sekundarschulen umzuwandeln. So aber würden künstliche Hauptschulzweige geschaffen und Kinder weiter aussortiert.

Auch die Lehrergewerkschaft VBE NRW ist gegen die Regierungspläne zu Hauptschulklassen in Realschulen. Die Realschule kämpfe schon jetzt mit zu großen Klassen und einer heterogenen Schülerschaft, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Bildungswege müssten möglichst lange offengehalten werden.

2011 hatte sich die damalige Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft (SPD) mit der Opposition auf einen Konsens geeinigt und die schulformübergreifende Sekundarschule als neue Schulform beschlossen. Die Bestandsgarantie für die immer weniger nachgefragten Hauptschulen wurde aus der Verfassung gestrichen.

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Realschulen sollen künftig Hauptschulzweige anbieten könnenDüsseldorf (dpa/lnw). Realschulen in Nordrhein-Westfalen sollen künftig schon ab der fünften Klasse Hauptschulzweige anbieten können. Einem entsprechenden Antrag von CDU und FDP zur Änderung des Schulgesetzes stimmten am Mittwoch die Regierungsfraktionen und die AfD im Landtag zu. Mehr als 150 von derzeit 318 Hauptschulen seien von der Schließung bedroht, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Diese Schulform sei mangels Nachfrage in vielen Regionen nicht mehr wohnortnah erreichbar. In dem Antrag von CDU und FDP heißt es, die Hauptschule bilde ein wichtiges Rückgrat des dualen Ausbildungssystems und damit des wirtschaftlichen Erfolgs in NRW. Bei SPD und Grünen lösten die Regierungspläne Empörung aus. Der Antrag sei eine „Kampfansage“ an Eltern und Kinder und kündige den 2011 zwischen allen Parteien vereinbarten Schulfrieden, sagte der SPD-Schulexperte Jochen Ott. Der Vorstoß missachte den Willen von Eltern, die ihre Kinder an Gesamtschulen anmelden wollten, aber nicht könnten, weil das Platzangebot dort nicht ausreiche. Die Grünen-Politikerin Sigrid Beer sagte, die Initiative der Regierung sei „zum Scheitern verurteilt“ und „meilenweit weg von einer Pädagogik der Vielfalt“. Damit solle das gegliederte Schulsystem aus dem letzten Jahrtausend wiederbelebt werden. Besser wäre es, Haupt- und Realschule gemeinsam in Gesamt- oder Sekundarschulen umzuwandeln. So aber würden künstliche Hauptschulzweige geschaffen und Kinder weiter aussortiert. Auch die Lehrergewerkschaft VBE NRW ist gegen die Regierungspläne zu Hauptschulklassen in Realschulen. Die Realschule kämpfe schon jetzt mit zu großen Klassen und einer heterogenen Schülerschaft, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Bildungswege müssten möglichst lange offengehalten werden. 2011 hatte sich die damalige Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft (SPD) mit der Opposition auf einen Konsens geeinigt und die schulformübergreifende Sekundarschule als neue Schulform beschlossen. Die Bestandsgarantie für die immer weniger nachgefragten Hauptschulen wurde aus der Verfassung gestrichen.