Zurück im Sattel: Der Hiller Reitverein leistet mit dem ersten Turnier des Jahres Pionierarbeit - und trotz auch den Regengüssen Sonja Rohlfing Hille. Das letzte Starterpaar hat die Aufgabe beendet. Das Ergebnis wird verkündet. Bis dahin fühlt sich das Reitturnier in Hille noch ganz normal an. Doch dann kommt es anders. Keine Siegerehrung, keine Preisschleifen, keine Ehrenrunde. Und kein Applaus, weil keine Zuschauer da sind. Wer gewonnen hat, ist später im Internet nachzulesen. Wochenlang hat das Coronavirus den Pferdesport in Deutschland lahmgelegt. Seit Ende Mai dürfen in NRW im Freien wieder Turniere für Amateure und Berufsreiter stattfinden. Im Kreis Minden-Lübbecke machte jetzt der RFV Hille den Anfang. „Es ist schön, dass es wieder losgeht“, freut sich Thomas Nordhorn vom RFZV Ovenstädt. „Es ist eintönig, nur zu Hause zu trainieren.“ Es falle ihm schwer, sich zu motivieren, wenn er kein Ziel habe, räumt der Springreiter ein, der hauptberuflich in der Pharmaindustrie arbeitet. Dass es keine Zuschauer und keine Platzierungen gebe, sei schon schade. Er freue sich gern gemeinsam mit dem Publikum über einen guten Ritt. Dem Hiller Reitverein zollen die Pferdesportler Respekt. „Ich war die letzten Jahre immer hier, wenn es terminlich gepasst hat“, berichtet der amtierende Deutsche Meister Felix Haßmann. „Es ist ein schönes Turnier mit sehr guten Bedingungen. Ich finde gut, dass der Verein in der jetzigen Zeit ein Turnier macht.“ Das sei nicht selbstverständlich, betont der national und international erfolgreiche Springreiter vom RV Lienen. Der RFV Hille ist bekannt für sein viertägiges Sommerturnier. In „normalen“ Zeiten findet dabei Reitsport auf bis zu vier Plätzen statt. Bis zu 2.000 Nennungen sind üblich, viele Zuschauer besuchen jedes Jahr die schmucke Anlage. Beliebt bei Pferdefreunden ist neben dem Sport das Drumherum mit Ausstellern, Festzelt und vor allem dem Erdbeermarkt. „Es ist schade, dass die Bewirtung ausfällt. Sie ist eine schöne Einnahmequelle für die Vereine“, weiß Thomas Nordhorn als Vorsitzender des RFZV Ovenstädt. Daneben war aber noch mehr anders als sonst. Die Zahl der Reiter auf dem Abreite- und Vorbereitungsplatz war begrenzt, jeder der die Anlage betreten wollte, musste sich akkreditieren und einen Anwesenheitsnachweis ausfüllen. Je zwei Pferde eines Teilnehmers war nur für eine Begleitperson zulässig. Das übliche Parcoursabgehen erfolgte in kleinen Gruppen und zu Pferd. Trainer oder Eltern zu Fuß waren als Ratgeber nicht erlaubt. Doch trotz der Beschränkungen kam das Turnier an. „Ich finde es super, dass mein Heimatverein Pionier im Kreis Minden-Lübbecke ist“, strahlt Dressurreiterin Anne Horstmann vom RFV Hille. „Es ist mein allererster Start nach Bad Salzuflen im März“, sagt die Pferdewirtschaftsmeisterin. „Es ist schön, wieder loszulegen.“ Den Rahmenbedingungen kann sie in Teilen sogar etwas abgewinnen. „Es ist so ruhig. Da ist der Wiedereinstieg für die jungen Pferde gar nicht so schwierig.“ Das Turnier in Hille erwies sich für Anne Horstmann als gutes Pflaster. Auf Lord Liberty-H gewann sie die M**-Dressur. Auf Delay-H setzte sie sich in der Prüfung auf Ein-Stern-Niveau durch. In der S*-Dressur teilte sich Uwe Düker vom RFV Hille auf Falsterbo’s Finesse den Sieg mit Madita Zurheide vom RFV Lopshorn Lage auf Florenz. Die Hauptprüfung auf dem Springplatz gewann Manuel Feldmann vom RFV Isterberg auf Limbo. Rang zwei in dem S*-Springen ging an Felix Haßmann auf Carla. Platzierungen unter Rang eins bis drei holten neben Horstmann und Düker aus dem Mühlenkreis ferner Jula Marie Sarikouch (RFV Großer Weserbogen, M*-Dressur), Sophie Luisa Duen (RVV Bad Oeynhausen, Qualifikation zum Bundeschampionat des Deutschen Dressurponys), Lara Christmann (RFV Hille, Dressurpferdeprüfung Klasse L), Marvin Kochmann (Vehlager ZRFV, A**-Springen), Larissa Knau (RFZV Ovenstädt, A*-Springen, L-Springen), Anika Betcke (RV Minden/Weser, L-Springen) und Kathrin Vieregge (RFV Großer Weserbogen, Springpferdeprüfung Klasse L und A**). Heftige Regenschauer Als wenn die Corona-Regularien nicht schon genug Belastung gewesen wären. Zusätzlich hat der Starkregen dem RFV Hille Sorgen bereitet. „Als ich am Samstag vom Platz bin, kamen die ersten Regentropfen“, berichtet Britta Telgheider. Die Turnierleiterin hatte wie der Vorsitzende Peter Mohrhoff den Blick regelmäßig auf dem Regenradar. Mindestens 50 Liter pro Quadratmeter habe es am Samstag innerhalb kurzer Zeit geregnet. „Noch so einen Guss hätte der Boden nicht schlucken können, dann hätten wir abbrechen müssen“, erklären Peter Mohrhoff und Britta Telgheider. Doch die Veranstalter hatten Glück. Wie sehr das Turnier auf der Kippe stand, verdeutlicht die Kreisvorsitzende. „Nach dem Regen hätten viele andere ihr Turnier absagen müssen“, erklärt Ute Fisser-Hülsmeier. (sr)

Zurück im Sattel: Der Hiller Reitverein leistet mit dem ersten Turnier des Jahres Pionierarbeit - und trotz auch den Regengüssen

Thomas Nordhorn vom RFZV Ovenstädt braucht Turniere, um sich zu motivieren. Deshalb genoss der Springreiter den Wettbewerb in Hille. Er ist froh, dass es jetzt wieder losgeht. Fotos: Sonja Rohlfing

Hille. Das letzte Starterpaar hat die Aufgabe beendet. Das Ergebnis wird verkündet. Bis dahin fühlt sich das Reitturnier in Hille noch ganz normal an. Doch dann kommt es anders. Keine Siegerehrung, keine Preisschleifen, keine Ehrenrunde. Und kein Applaus, weil keine Zuschauer da sind. Wer gewonnen hat, ist später im Internet nachzulesen.

Wochenlang hat das Coronavirus den Pferdesport in Deutschland lahmgelegt. Seit Ende Mai dürfen in NRW im Freien wieder Turniere für Amateure und Berufsreiter stattfinden. Im Kreis Minden-Lübbecke machte jetzt der RFV Hille den Anfang.

„Es ist schön, dass es wieder losgeht“, freut sich Thomas Nordhorn vom RFZV Ovenstädt. „Es ist eintönig, nur zu Hause zu trainieren.“ Es falle ihm schwer, sich zu motivieren, wenn er kein Ziel habe, räumt der Springreiter ein, der hauptberuflich in der Pharmaindustrie arbeitet. Dass es keine Zuschauer und keine Platzierungen gebe, sei schon schade. Er freue sich gern gemeinsam mit dem Publikum über einen guten Ritt.

Anne Horstmann vom RFV Hille und ihr Oldenburger Delay-H haben in der Corona-Pause nichts verlernt. Das Paar siegte in der M*-Dressur.
Anne Horstmann vom RFV Hille und ihr Oldenburger Delay-H haben in der Corona-Pause nichts verlernt. Das Paar siegte in der M*-Dressur.

Dem Hiller Reitverein zollen die Pferdesportler Respekt. „Ich war die letzten Jahre immer hier, wenn es terminlich gepasst hat“, berichtet der amtierende Deutsche Meister Felix Haßmann. „Es ist ein schönes Turnier mit sehr guten Bedingungen. Ich finde gut, dass der Verein in der jetzigen Zeit ein Turnier macht.“ Das sei nicht selbstverständlich, betont der national und international erfolgreiche Springreiter vom RV Lienen.

Der RFV Hille ist bekannt für sein viertägiges Sommerturnier. In „normalen“ Zeiten findet dabei Reitsport auf bis zu vier Plätzen statt. Bis zu 2.000 Nennungen sind üblich, viele Zuschauer besuchen jedes Jahr die schmucke Anlage. Beliebt bei Pferdefreunden ist neben dem Sport das Drumherum mit Ausstellern, Festzelt und vor allem dem Erdbeermarkt. „Es ist schade, dass die Bewirtung ausfällt. Sie ist eine schöne Einnahmequelle für die Vereine“, weiß Thomas Nordhorn als Vorsitzender des RFZV Ovenstädt.

Daneben war aber noch mehr anders als sonst. Die Zahl der Reiter auf dem Abreite- und Vorbereitungsplatz war begrenzt, jeder der die Anlage betreten wollte, musste sich akkreditieren und einen Anwesenheitsnachweis ausfüllen. Je zwei Pferde eines Teilnehmers war nur für eine Begleitperson zulässig. Das übliche Parcoursabgehen erfolgte in kleinen Gruppen und zu Pferd. Trainer oder Eltern zu Fuß waren als Ratgeber nicht erlaubt. Doch trotz der Beschränkungen kam das Turnier an.

„Ich finde es super, dass mein Heimatverein Pionier im Kreis Minden-Lübbecke ist“, strahlt Dressurreiterin Anne Horstmann vom RFV Hille. „Es ist mein allererster Start nach Bad Salzuflen im März“, sagt die Pferdewirtschaftsmeisterin. „Es ist schön, wieder loszulegen.“ Den Rahmenbedingungen kann sie in Teilen sogar etwas abgewinnen. „Es ist so ruhig. Da ist der Wiedereinstieg für die jungen Pferde gar nicht so schwierig.“

Das Turnier in Hille erwies sich für Anne Horstmann als gutes Pflaster. Auf Lord Liberty-H gewann sie die M**-Dressur. Auf Delay-H setzte sie sich in der Prüfung auf Ein-Stern-Niveau durch. In der S*-Dressur teilte sich Uwe Düker vom RFV Hille auf Falsterbo’s Finesse den Sieg mit Madita Zurheide vom RFV Lopshorn Lage auf Florenz. Die Hauptprüfung auf dem Springplatz gewann Manuel Feldmann vom RFV Isterberg auf Limbo. Rang zwei in dem S*-Springen ging an Felix Haßmann auf Carla.

Platzierungen unter Rang eins bis drei holten neben Horstmann und Düker aus dem Mühlenkreis ferner Jula Marie Sarikouch (RFV Großer Weserbogen, M*-Dressur), Sophie Luisa Duen (RVV Bad Oeynhausen, Qualifikation zum Bundeschampionat des Deutschen Dressurponys), Lara Christmann (RFV Hille, Dressurpferdeprüfung Klasse L), Marvin Kochmann (Vehlager ZRFV, A**-Springen), Larissa Knau (RFZV Ovenstädt, A*-Springen, L-Springen), Anika Betcke (RV Minden/Weser, L-Springen) und Kathrin Vieregge (RFV Großer Weserbogen, Springpferdeprüfung Klasse L und A**).

Heftige Regenschauer

Als wenn die Corona-Regularien nicht schon genug Belastung gewesen wären. Zusätzlich hat der Starkregen dem RFV Hille Sorgen bereitet. „Als ich am Samstag vom Platz bin, kamen die ersten Regentropfen“, berichtet Britta Telgheider.

Die Turnierleiterin hatte wie der Vorsitzende Peter Mohrhoff den Blick regelmäßig auf dem Regenradar. Mindestens 50 Liter pro Quadratmeter habe es am Samstag innerhalb kurzer Zeit geregnet. „Noch so einen Guss hätte der Boden nicht schlucken können, dann hätten wir abbrechen müssen“, erklären Peter Mohrhoff und Britta Telgheider. Doch die Veranstalter hatten Glück.

Wie sehr das Turnier auf der Kippe stand, verdeutlicht die Kreisvorsitzende. „Nach dem Regen hätten viele andere ihr Turnier absagen müssen“, erklärt Ute Fisser-Hülsmeier. (sr)

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