Willi Neermann: Der Mentor, Sportsmann und Motivator wird 90 Jahre alt Jörg Wehling Porta Westfalica. Ob er in seinem hohen Alter noch sportliche Ziele hat? „Aber natürlich“ versichert Willi Neermann und erinnert an seine bisher 29 Deutschen Meistertitel, die er im Laufe seiner Karriere in den verschiedenen Wurf- und Stoßdisziplinen eingesammelt hat. Die Nummer 30 soll im kommenden Jahr dazu kommen, sobald die Corona-Hygienemaßnahmen einen Wettkampf erlauben,“ sagt „Mister Leichtathletik“ wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag, den er heute nur mit seiner Frau Brunhilde begeht. „Natürlich hätte ich gerne etwas größer mit meiner Familie und ein paar Freunden gefeiert. Aber das geht nun einmal nicht. Der Schutz der Gesundheit steht im Vordergrund. Vielleicht holen wir das dann im kommenden Jahr aber nach“, sagt der rüstige Senior. Erst mit dem Eintritt ins Pensionsalter startete der ehemalige Betriebsleiter der Post in Bad Salzuflen richtig durch, schleuderte Hämmer und Disken, stieß Kugeln und Gewichte. In den Wurfring ging Neermann dabei stets für seinen Stammverein SC Porta Nammen. Zum Training auf der Anlage an der Poggenbeeke hatte es Neermann damit nicht weit. „Trainiert wird aber nicht mehr so viel. Ich gehe auf die Anlage und erledige meinen Disziplinen“, sagt Neermann, der mit seinen nun 90 Jahren der lebende Beweis dafür ist, dass Sport bis ins hohe Lebensalter fit hält. 25 Jahre war der Portaner der Kreisstatistiker der heimischen Leichtathleten. Er war der Mann der Zahlen und kannte sich im Geflecht der Höhen, Weiten und Zeiten bestens aus. „Willi hatte immer alles parat und hat uns damit auch motiviert und zu neuen Bestleistungen ermuntert“, sagt Kirsten Münchow, Olympiadritte im Hammwurf, über ihren Mentor, der sie im Jugendalter zu vielen Wettkämpfen begleitete. Junge Menschen für die Leichtathletik zu begeistern, das war und ist bis heute seine Lebensaufgabe. „Schicken Sie ihre Kinder zum Sport. Das kann nur förderlich sein für Schule, Ausbildung, Beruf und das ganze Leben“, sagte Neermann, als er vor vier Jahren mit der Sportplakette der Stadt Porta Westfalica ausgezeichnet wurde. Mächtig stolz ist er auf seine Auszeichnungen, die aus seiner Sicht das Leben aber so mit sich bringen.“ Neermann freut sich darüber, nutzt die feierlichen Anlässe aber lieber dafür, um für seinen Sport zu werben. „Ich freue mich, dass die Leichtathletik durch mich gewürdigt wird“, sagt der Portaner, der aufgrund seines Engagements die Ehrennadeln in Silber und Gold vom Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) bekam und vom Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) den Ehrenamtspreis erhielt. Eine seiner ersten Funktionen war die des Kampfrichters. Seit 1965 nahm er Maß, saß an seinem Wettkampftisch und führte Buch über die Wettbewerbe, die er betreute. Weil er ohnehin ein Mann der Zahlen war, verhalf ihm das 1995 zum Amt des Kreisstatistikers der Leichtathleten. „Heinz Culemann hatte mir das damals schmackhaft gemacht. Bis dahin war ich kein einhundertprozentiger Fachmann auf diesem Gebiet“, erinnert sich Neermann an den Weggefährten zurück, der die leistungsorientierte Leichtathletik an der Porta mitbegründete. Willi Neermann leistete mit der Auswertung der Statistik hilfreiche Dienste und Pionierarbeit. Damit verbunden war auch das Schreiben der Pressetexte, um seiner Lieblingssportarbeit zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Stadtsportverbands-Vorsitzender und Vereinskollege Klaus-Dieter Vogt arbeitet seit 1996 mit Neermann zusammen. „Willi war überall dort, wo Leichtathletik stattfand und dabei immer ein fairer Berichterstatter auch über Vereinsgrenzen hinweg. Er hat über alle geschrieben, die gut waren“, berichtet Vogt von einer fruchtbaren Symbiose. Und noch etwas hat Neermann ausgezeichnet. „Er war kein Trainer, sondern für viele eher ein absoluter Motivator. Er hatte ein sehr gutes Auge für Talente,“ sagt Vogt. Davon profitierte auch Sprinter und Weitspringer Maximilian Busse, den er seit seinem achten Lebensjahr sportlich begleitet. „Mit Willi hat es mir immer mega viel Spaß gemacht. Ab meiner ersten Wettkampfsaison war er mein Mentor und hat mich nicht aus den Augen gelassen und gefördert, wo er konnte“, sagt Busse über das heutige Geburtstagskind. Bewunderung löst es bei Maximilian Busse aus, wenn es um die Fitness geht, die der 90-Jährige hat. „Da kann man schon wirklich neidisch werden, wenn man in diesem Alter noch so agil ist.“ In jungen Jahren war Wilhelm Karl Heinrich Neermann, so sein vollständiger Name, auch Fußballer und ein gute Sprinter. Er lief in der Jugend die 100 Meter in 11,8 Sekunden. Begeisterung riefen bei ihm aber schon früh die technischen Disziplinen hervor. In seiner besten Zeit warf er den Schlagball 92 Meter weit und damit von einem Fußball-Tor zum nächsten. „Der Spaß an der Leichtathletik hat mir immer sehr viel bedeutet, am liebsten aber mit meinen Freunden“, sagt Willi Neermann und deutet auf ein Lieblingsbild, das ihn mit seinen sportlichen Weggefährten Ulrich Bönning und Volker Höpel nach den Deutschen Meisterschaften im Gewichtwurf-Dreikampf und Historischen Gewichtwerfen zeigt. „Wir sind gerne zu vielen Wettkämpfen gefahren und haben auch gemeinsam einiges an Titeln geholt“, sagt Neermann. Dass er bis ins hohe Alter so fit ist und noch Sport treiben kann, erfüllt ihn mit Stolz und auch ein bisschen Demut. „Ich bin froh, dass ich so alt geworden bin. Aber ich habe auch gute sehr Gene“, sagt der Senior und verweist auf seine Tante, die beachtlicher 103 Jahre alt geworden sei.

Willi Neermann: Der Mentor, Sportsmann und Motivator wird 90 Jahre alt

Herr über die Listen und Weiten: Bei den Deutschen Schülermeisterschaften der Leichtathleten in Minden war Willi Neermann als Wettkampfrichter beim Kugelstoß im Einsatz. Foto: pr © pr

Porta Westfalica. Ob er in seinem hohen Alter noch sportliche Ziele hat? „Aber natürlich“ versichert Willi Neermann und erinnert an seine bisher 29 Deutschen Meistertitel, die er im Laufe seiner Karriere in den verschiedenen Wurf- und Stoßdisziplinen eingesammelt hat. Die Nummer 30 soll im kommenden Jahr dazu kommen, sobald die Corona-Hygienemaßnahmen einen Wettkampf erlauben,“ sagt „Mister Leichtathletik“ wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag, den er heute nur mit seiner Frau Brunhilde begeht.

„Natürlich hätte ich gerne etwas größer mit meiner Familie und ein paar Freunden gefeiert. Aber das geht nun einmal nicht. Der Schutz der Gesundheit steht im Vordergrund. Vielleicht holen wir das dann im kommenden Jahr aber nach“, sagt der rüstige Senior.

Erst mit dem Eintritt ins Pensionsalter startete der ehemalige Betriebsleiter der Post in Bad Salzuflen richtig durch, schleuderte Hämmer und Disken, stieß Kugeln und Gewichte. In den Wurfring ging Neermann dabei stets für seinen Stammverein SC Porta Nammen. Zum Training auf der Anlage an der Poggenbeeke hatte es Neermann damit nicht weit. „Trainiert wird aber nicht mehr so viel. Ich gehe auf die Anlage und erledige meinen Disziplinen“, sagt Neermann, der mit seinen nun 90 Jahren der lebende Beweis dafür ist, dass Sport bis ins hohe Lebensalter fit hält.

Konzentriert im Wettkampf: Willi Neermann beim Kugelstoß. MT-Archivfoto: Ulrich Kuballa - © Archivfoto: Kuballa
Konzentriert im Wettkampf: Willi Neermann beim Kugelstoß. MT-Archivfoto: Ulrich Kuballa - © Archivfoto: Kuballa

25 Jahre war der Portaner der Kreisstatistiker der heimischen Leichtathleten. Er war der Mann der Zahlen und kannte sich im Geflecht der Höhen, Weiten und Zeiten bestens aus. „Willi hatte immer alles parat und hat uns damit auch motiviert und zu neuen Bestleistungen ermuntert“, sagt Kirsten Münchow, Olympiadritte im Hammwurf, über ihren Mentor, der sie im Jugendalter zu vielen Wettkämpfen begleitete.

Abstand halten aufgrund der Corona-Hygienebestimmungen: Aus diesem Grund gab es nur ein kurzes persönliches Treffen mit Willi Neermann im Vorgarten seines Hauses in Nammen. MT- Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling
Abstand halten aufgrund der Corona-Hygienebestimmungen: Aus diesem Grund gab es nur ein kurzes persönliches Treffen mit Willi Neermann im Vorgarten seines Hauses in Nammen. MT- Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling

Junge Menschen für die Leichtathletik zu begeistern, das war und ist bis heute seine Lebensaufgabe. „Schicken Sie ihre Kinder zum Sport. Das kann nur förderlich sein für Schule, Ausbildung, Beruf und das ganze Leben“, sagte Neermann, als er vor vier Jahren mit der Sportplakette der Stadt Porta Westfalica ausgezeichnet wurde. Mächtig stolz ist er auf seine Auszeichnungen, die aus seiner Sicht das Leben aber so mit sich bringen.“ Neermann freut sich darüber, nutzt die feierlichen Anlässe aber lieber dafür, um für seinen Sport zu werben. „Ich freue mich, dass die Leichtathletik durch mich gewürdigt wird“, sagt der Portaner, der aufgrund seines Engagements die Ehrennadeln in Silber und Gold vom Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) bekam und vom Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) den Ehrenamtspreis erhielt.

Eine seiner ersten Funktionen war die des Kampfrichters. Seit 1965 nahm er Maß, saß an seinem Wettkampftisch und führte Buch über die Wettbewerbe, die er betreute.

Weil er ohnehin ein Mann der Zahlen war, verhalf ihm das 1995 zum Amt des Kreisstatistikers der Leichtathleten. „Heinz Culemann hatte mir das damals schmackhaft gemacht. Bis dahin war ich kein einhundertprozentiger Fachmann auf diesem Gebiet“, erinnert sich Neermann an den Weggefährten zurück, der die leistungsorientierte Leichtathletik an der Porta mitbegründete.

Willi Neermann leistete mit der Auswertung der Statistik hilfreiche Dienste und Pionierarbeit. Damit verbunden war auch das Schreiben der Pressetexte, um seiner Lieblingssportarbeit zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Stadtsportverbands-Vorsitzender und Vereinskollege Klaus-Dieter Vogt arbeitet seit 1996 mit Neermann zusammen. „Willi war überall dort, wo Leichtathletik stattfand und dabei immer ein fairer Berichterstatter auch über Vereinsgrenzen hinweg. Er hat über alle geschrieben, die gut waren“, berichtet Vogt von einer fruchtbaren Symbiose. Und noch etwas hat Neermann ausgezeichnet. „Er war kein Trainer, sondern für viele eher ein absoluter Motivator. Er hatte ein sehr gutes Auge für Talente,“ sagt Vogt.

Davon profitierte auch Sprinter und Weitspringer Maximilian Busse, den er seit seinem achten Lebensjahr sportlich begleitet. „Mit Willi hat es mir immer mega viel Spaß gemacht. Ab meiner ersten Wettkampfsaison war er mein Mentor und hat mich nicht aus den Augen gelassen und gefördert, wo er konnte“, sagt Busse über das heutige Geburtstagskind. Bewunderung löst es bei Maximilian Busse aus, wenn es um die Fitness geht, die der 90-Jährige hat. „Da kann man schon wirklich neidisch werden, wenn man in diesem Alter noch so agil ist.“

In jungen Jahren war Wilhelm Karl Heinrich Neermann, so sein vollständiger Name, auch Fußballer und ein gute Sprinter. Er lief in der Jugend die 100 Meter in 11,8 Sekunden. Begeisterung riefen bei ihm aber schon früh die technischen Disziplinen hervor. In seiner besten Zeit warf er den Schlagball 92 Meter weit und damit von einem Fußball-Tor zum nächsten.

„Der Spaß an der Leichtathletik hat mir immer sehr viel bedeutet, am liebsten aber mit meinen Freunden“, sagt Willi Neermann und deutet auf ein Lieblingsbild, das ihn mit seinen sportlichen Weggefährten Ulrich Bönning und Volker Höpel nach den Deutschen Meisterschaften im Gewichtwurf-Dreikampf und Historischen Gewichtwerfen zeigt. „Wir sind gerne zu vielen Wettkämpfen gefahren und haben auch gemeinsam einiges an Titeln geholt“, sagt Neermann.

Dass er bis ins hohe Alter so fit ist und noch Sport treiben kann, erfüllt ihn mit Stolz und auch ein bisschen Demut. „Ich bin froh, dass ich so alt geworden bin. Aber ich habe auch gute sehr Gene“, sagt der Senior und verweist auf seine Tante, die beachtlicher 103 Jahre alt geworden sei.

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