Vor 50 Jahren Olympiasieg in Rom errudert Ehemaliger Mindener Bernhard Knubel gewann Goldmedaille im Zweier mit Steuermann / Früh verstorben Von Jürgen Langenkämper Minden/Petershagen (mt). Um 16.30 Uhr startet der Zweier mit Steuermann auf dem Albaner See bei Rom. 7:29,14 min später ist Bernhard Knubel der erste und bis heute einzige Sportler aus Minden, der olympisches Gold errungen hat - heute vor 50 Jahren. 1960 hatte der damals 22-Jährige allerdings schon seit vier Jahren die Region verlassen - nicht ganz freiwillig und nur schweren Herzens. "Bernhard Knubels Vater war gestorben, und seine Mutter wollte in ihre alte Heimat, Gelsenkirchen, zurückkehren", erinnert sich Dr. Helmut Domeier. Zwei Jahre jünger als Knubel hatte der heute 70-Jährige den 1,97 Meter großen Riesen in der Bessel-Ruderriege kennengelernt und mehrfach Vierer und Achter gesteuert, in denen der Besselschüler mitruderte.In Petershagen hatte die Familie gewohnt, nachdem der Vater dort nach Kriegsende Bezirksschornsteinfegermeister geworden war. In Minden war Bernhard zur Schule gegangen war und hatte dort ab 1953 oder 1954 trainiert, nachdem Sportlehrer Erich Domeier, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Mindener Rudervereins, den 16-jährigen Hünen, der bis dahin hauptsächlich Handball für TV Gut Heil Petershagen gespielt hatte, für den Rudersport "entdeckt" hatte. "Aus seiner Klasse sind ganz viele Mitschüler Ruderer geworden", sagt Helmut Domeier beim Blick in die Kladde, in der sein Vater die Namen all seiner Zöglinge.Der Allroundsportler, der 1955 auch Kreis-Waldlaufmeister war, schaffte sehr schnell in den Vierer, der bei Regatten für den MRV startete und bei Schülerwettkämpfen als Bessel-Ruderriege antrat. "1955 war sein Höhepunkt in Minden", erinnert sich der damalige Steuermann Helmut Domeier an gemeinsame Siege im Vierer und Achter - in Renngemeinschaft mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium Nienburg - auf dem Neckar in Heidelberg.Doch schulisch lief es nicht so gut. Bernhard "Natze" Knubel musste das Besselgymnasium nach der zehnten Klasse verlassen und begann eine Lehre auf der Weserwerft. Der Tod des Vaters zog den Umzug ins Ruhrgebiet nach sich.Dort fiel ihm das Heimischwerden schwer. Es gebe nur Schalke 04 und Fußball, schickte er in einem Brief an seinen alten Rudertrainer geradezu einen Hilferuf. "Papi" Domeier knüpfte umgehend Kontakt zum Vorsitzenden des Gelsenkirchener Rudervereins. In dem elf Jahre älteren Heinz Renneberg, der 1951 und 1952 Deutscher Meister im Zweier ohne Steuermann geworden war und an den Olympischen Spielen in Helsinki teilgenommen hatte, fand Bernhard Knubel seinen kongenialen Schlagmann. 1960 wurde er Deutscher Vizemeister im Zweier ohne Steuermann, und zusammen siegten beide mit Steuermann Klaus Zerta in der gesamtdeutschen Qualifikation in Rom.Nach dem erfolgreichen Vorlauf schrieb Bernhard Knubel noch Postkarten in seine alte Heimat, an der nach wie vor sein Herz hing. Nach dem Sieg bereitete die Stadt Gelsenkirchen ihren Gold-Ruderern einen großen Empfang. Doch für sein Privatleben konnte der Amateursportler Bernhard Knubel den Goldmedaillengewinn nicht "versilbern". Lebenslang blieb er dem Sport verbunden und ebenso seinen alten Sportsfreunden in Minden und Petershagen, zu denen er Kontakt hielt.Am 23. Februar 1973 starb Bernhard Knubel, der am 2. März 1938 in Brotdorf im Saarland geboren worden, war mit nicht mal 35 Jahren in Gelsenkirchen an Krebs. In Petershagen erinnert die Bernhard-Knubel-Straße an den Sportler. Der Bessel-Ruder-Club hat einen Zweier nach ihm benannt.

Vor 50 Jahren Olympiasieg in Rom errudert

Minden/Petershagen (mt). Um 16.30 Uhr startet der Zweier mit Steuermann auf dem Albaner See bei Rom. 7:29,14 min später ist Bernhard Knubel der erste und bis heute einzige Sportler aus Minden, der olympisches Gold errungen hat - heute vor 50 Jahren.

Gruß aus Rom: Nach dem gewonnenen Vorlauf auf dem Albaner See verschickte Bernhard Knubel Karten in die alte Heimat.
Gruß aus Rom: Nach dem gewonnenen Vorlauf auf dem Albaner See verschickte Bernhard Knubel Karten in die alte Heimat.

1960 hatte der damals 22-Jährige allerdings schon seit vier Jahren die Region verlassen - nicht ganz freiwillig und nur schweren Herzens. "Bernhard Knubels Vater war gestorben, und seine Mutter wollte in ihre alte Heimat, Gelsenkirchen, zurückkehren", erinnert sich Dr. Helmut Domeier. Zwei Jahre jünger als Knubel hatte der heute 70-Jährige den 1,97 Meter großen Riesen in der Bessel-Ruderriege kennengelernt und mehrfach Vierer und Achter gesteuert, in denen der Besselschüler mitruderte.

Zehn Jahre nach dem Triumph: 1970 nahm Bernhard Knubel noch mal an einer Regatta auf dem Mindener Industriehafen teil. Dr. Helmut Domeier (links) saß mit ihm im Doppelzweier. - © Foto: privat
Zehn Jahre nach dem Triumph: 1970 nahm Bernhard Knubel noch mal an einer Regatta auf dem Mindener Industriehafen teil. Dr. Helmut Domeier (links) saß mit ihm im Doppelzweier. - © Foto: privat
Aktueller Bericht: In seiner Ausgabe vom 5. September 1960 zeigte das Mindener Tageblatt Bernhard Knubel, wie er mit Schlagmann Heinz Renneberg Steuermann Klaus Zerta ins Wasser warf.
Aktueller Bericht: In seiner Ausgabe vom 5. September 1960 zeigte das Mindener Tageblatt Bernhard Knubel, wie er mit Schlagmann Heinz Renneberg Steuermann Klaus Zerta ins Wasser warf.

In Petershagen hatte die Familie gewohnt, nachdem der Vater dort nach Kriegsende Bezirksschornsteinfegermeister geworden war. In Minden war Bernhard zur Schule gegangen war und hatte dort ab 1953 oder 1954 trainiert, nachdem Sportlehrer Erich Domeier, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Mindener Rudervereins, den 16-jährigen Hünen, der bis dahin hauptsächlich Handball für TV Gut Heil Petershagen gespielt hatte, für den Rudersport "entdeckt" hatte. "Aus seiner Klasse sind ganz viele Mitschüler Ruderer geworden", sagt Helmut Domeier beim Blick in die Kladde, in der sein Vater die Namen all seiner Zöglinge.

Der Allroundsportler, der 1955 auch Kreis-Waldlaufmeister war, schaffte sehr schnell in den Vierer, der bei Regatten für den MRV startete und bei Schülerwettkämpfen als Bessel-Ruderriege antrat. "1955 war sein Höhepunkt in Minden", erinnert sich der damalige Steuermann Helmut Domeier an gemeinsame Siege im Vierer und Achter - in Renngemeinschaft mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium Nienburg - auf dem Neckar in Heidelberg.

Doch schulisch lief es nicht so gut. Bernhard "Natze" Knubel musste das Besselgymnasium nach der zehnten Klasse verlassen und begann eine Lehre auf der Weserwerft. Der Tod des Vaters zog den Umzug ins Ruhrgebiet nach sich.

Dort fiel ihm das Heimischwerden schwer. Es gebe nur Schalke 04 und Fußball, schickte er in einem Brief an seinen alten Rudertrainer geradezu einen Hilferuf. "Papi" Domeier knüpfte umgehend Kontakt zum Vorsitzenden des Gelsenkirchener Rudervereins. In dem elf Jahre älteren Heinz Renneberg, der 1951 und 1952 Deutscher Meister im Zweier ohne Steuermann geworden war und an den Olympischen Spielen in Helsinki teilgenommen hatte, fand Bernhard Knubel seinen kongenialen Schlagmann. 1960 wurde er Deutscher Vizemeister im Zweier ohne Steuermann, und zusammen siegten beide mit Steuermann Klaus Zerta in der gesamtdeutschen Qualifikation in Rom.

Nach dem erfolgreichen Vorlauf schrieb Bernhard Knubel noch Postkarten in seine alte Heimat, an der nach wie vor sein Herz hing. Nach dem Sieg bereitete die Stadt Gelsenkirchen ihren Gold-Ruderern einen großen Empfang. Doch für sein Privatleben konnte der Amateursportler Bernhard Knubel den Goldmedaillengewinn nicht "versilbern". Lebenslang blieb er dem Sport verbunden und ebenso seinen alten Sportsfreunden in Minden und Petershagen, zu denen er Kontakt hielt.

Am 23. Februar 1973 starb Bernhard Knubel, der am 2. März 1938 in Brotdorf im Saarland geboren worden, war mit nicht mal 35 Jahren in Gelsenkirchen an Krebs. In Petershagen erinnert die Bernhard-Knubel-Straße an den Sportler. Der Bessel-Ruder-Club hat einen Zweier nach ihm benannt.

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