Unter sich: Zur Premiere des "Tag des Sports" bleibt das Publikum fast überall aus Marcus Riechmann Minden. „Sie sind der Erste.“ Die Begrüßung war zu unterschiedlichen Uhrzeiten an jeder der drei zufällig besuchten Stationen gleich. Und sie vermittelte ein Bild davon, woran es beim ersten Mindener „Tag des Sports“ am vergangenen Samstag mangelte: Kaum ein Besucher fand den Weg zu den attraktiven Angeboten, mit denen sich elf Vereine bei schönstem Herbstwetter dem Publikum vorstellten. Die feine Idee, die heimischen Sportvereine nach den langen Corona-Monaten wieder sichtbar zu machen, lief mangels Beteiligung ins Leere. Am Vereinsheim des SV 1860 Minden an der Weser gab es zumindest kleine Resonanz, der Fußballturnier-Tag der SV Bölhorst/Häverstädt mit dem Fußball-Führerschein lief als kleines Sportfest mit vielen teilnehmenden jungen Spielern rund. Doch an den meisten anderen Stationen warteten die Klubs vergeblich auf Besuch aus der Nachbarschaft. „Die Idee ist super“, meinte Anika Hoischen von der Lebenshilfe über den vom Sportbüro der Stadt Minden organisierten Tag, doch auf dem versteckt hinter dem Haupteingang an der Alten Sandtrift aufgebauten Sportpark verirrte sich bis auf die beiden zur Autogrammstunde geladenen Handballer von GWD Minden kein Gast. Die Lebenshilfe blieb am Tag des Sports unsichtbar. Drei Klubs stellen sich vor In typischer Kluft warteten die Baseballer der Minden Bandits am Spielfeldrand im Sportpark Zähringer Allee auf interessierte Gäste. „Wir wollen den Tag nutzen, um Präsenz zu zeigen. Viele kennen uns ja gar nicht“, erläuterte Justin Bade, warum der Baseballklub als einer von elf heimischen Vereinen teilnahm. Im „Batting Cage“, dem komplett eingenetzten Schlagkäfig, boten Bade und sein Team die Möglichkeit, mal mit dem Schläger ein paar Bälle zu treffen. „Baseball ist faszinierend. Zum einem ist es das Duell Mann gegen Mann zwischen mir und dem Pitcher (Werfer), zum anderen ist es echter Teamsport, wenn man in der Verteidigung spielt“, wirbt Bade, der bei den Bandits als Co-Trainer und Spieler aktiv ist, für seinen Sport. Der Verein Minden Bandits betreibt am Tietzelweg mit den Minden Millers ein Baseballteam vor allem für Männer und mit den Minden Maniacs eine Softballmannschaft für Frauen. Kontakt: mindenmillers.deEinen bunten Sportpark unter anderem mit Zielwurf und dem Rollstuhl-Parcours als Elemente des Deutschen Sportabzeichens hatte die Lebenshilfe aufgebaut. „Unsere Grundidee ist es, miteinander Sport zu treiben“, erzählte Sara Boy, die mit GWD Minden das Projekt „Sport und Inklusion“ gemeinsam mit der Lebenshilfe anbietet.Die Gäste des Tages kamen von GWD Minden: Die beiden langzeitverletzten Handballprofis Doruk Pehlivan und Christoph Reißky – eigentlich für eine Autogrammstunde gekommen – nutzten die Gelegenheit, drehten ein paar Runden in Rollstühlen und bewältigten die verschiedenen Aufgaben auf dem Parcours. Beide haben unmittelbar erlebt, wie schnell man zu den Behinderten gehört: Pehlivan ist nach einer umfangreichen Knorpeloperation am Knie seit Monaten auf Gehhilfen angewiesen, Reißky arbeitet nach erst einer Schulter-Operation und dann einem Kreuzbandriss seit mehr als einem Jahr an seiner Gesundung.Beide rollten mit großem Engagement über den Parcours. „Es ist eine wichtige Erfahrung, zu erleben, was es bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen“, sagte Lebenshilfe-Sportcoach Johannes Nakath. Lebenshilfe-Sportler und Rolli-Profi Tobias Blickle stellte den Handballern ein gutes Zeugnis aus: „Sie machen das für den Anfang ganz gut.“ Erst am späten Nachmittag begrüßte Ruven Kleine die ersten Discgolf-Interessenten auf dem Sportplatz des SV 1860 Minden. Unter anderem mit dem stellvertretenden Klubchef Manfred Pahl und dem Stadtsportverbandsvorsitzenden Guido Höltke übte Kleine „Putten“ auf kurze Distanz zum Korb und ein paar weite Würfe mit der Discgolf-Scheibe. „Discgolf ist einfach und günstig. Man kann sich schnell verbessern. Jeder von acht bis 88 Jahren kann es spielen“, warb Kleine für seinen Sport, für den der SV 1860 eine frei nutzbare Anlage mit Abwurfpunkten und Körben an der Weser aufgebaut hat. Dort waren am Samstag auch Spielergruppen aus Braunschweig und Hannover ganz abseits des Tages des Sport unterwegs.Lob und Kritik „Die Idee war gut, die Umsetzung eher nicht“, bedauerte 1860-Vorstand Manfred Pahl, dessen Klub sich umfangreich mit mehreren Stationen in den Tag des Sports eingebracht hatte. Er vermisste wie einige andere Anbieter ausreichende Werbemaßnahmen, „und vielleicht war der Termin am Ende der Herbstferien auch nicht glücklich.“ Eine Wiederholung wünschten sich alle Vereinsvertreter. „Im Sommer wär es gut“, meinte Bade, der Herbst berge Schlechtwettergefahr und: „Draußen macht das Training in der wärmeren Jahreszeit mehr Spaß.“ Ob der Tag besser dezentral wie jetzt, oder an einem zentralen Ort stattfinden soll? Beides habe Vor- und Nachteile, mochten sich die Vereinsvertreter nicht festlegen.Nina Renner nahm die Kritik und die Vorschläge an. Die Bereichsleiterin Sport und Kultur der Stadt Minden, die sich selbst ein kleines Bild vom Tag des Sports gemacht hatte, betonte: „Wir werden zunächst das Feedback aller beteiligten Vereine einsammeln. Dann können wir uns ein Bild davon machen, wie der Tag gelaufen ist und ob und wie wir den Tag des Sports unter optimierten Bedingungen erneut anbieten können.“ Einen Versuch wäre es wert.

Unter sich: Zur Premiere des "Tag des Sports" bleibt das Publikum fast überall aus

Die beiden derzeit verletzten GWD-Handballer Doruk Pehlivan (vorn) und Christoph Reißky testeten mit wachsender Begeisterung ihre Fähigkeiten im Rollstuhl-Parcous bei der Lebenshilfe. MT-Foto: © Marcus Riechmann

Minden. „Sie sind der Erste.“ Die Begrüßung war zu unterschiedlichen Uhrzeiten an jeder der drei zufällig besuchten Stationen gleich. Und sie vermittelte ein Bild davon, woran es beim ersten Mindener „Tag des Sports“ am vergangenen Samstag mangelte: Kaum ein Besucher fand den Weg zu den attraktiven Angeboten, mit denen sich elf Vereine bei schönstem Herbstwetter dem Publikum vorstellten. Die feine Idee, die heimischen Sportvereine nach den langen Corona-Monaten wieder sichtbar zu machen, lief mangels Beteiligung ins Leere.

Am Vereinsheim des SV 1860 Minden an der Weser gab es zumindest kleine Resonanz, der Fußballturnier-Tag der SV Bölhorst/Häverstädt mit dem Fußball-Führerschein lief als kleines Sportfest mit vielen teilnehmenden jungen Spielern rund. Doch an den meisten anderen Stationen warteten die Klubs vergeblich auf Besuch aus der Nachbarschaft.

Manfred Pahl, stellvertretenden Vorsitzender beim SV 1860 Minden, versucht sich beim Discgolf. MT-Foto: - © Marcus Riechmann
Manfred Pahl, stellvertretenden Vorsitzender beim SV 1860 Minden, versucht sich beim Discgolf. MT-Foto: - © Marcus Riechmann

„Die Idee ist super“, meinte Anika Hoischen von der Lebenshilfe über den vom Sportbüro der Stadt Minden organisierten Tag, doch auf dem versteckt hinter dem Haupteingang an der Alten Sandtrift aufgebauten Sportpark verirrte sich bis auf die beiden zur Autogrammstunde geladenen Handballer von GWD Minden kein Gast. Die Lebenshilfe blieb am Tag des Sports unsichtbar.

Tanja Müther bringt den Ball ins Spiel: Baseballtraining im Schlagkäfig bei den Minden Bandits. MT-Foto: - © Marcus Riechmann
Tanja Müther bringt den Ball ins Spiel: Baseballtraining im Schlagkäfig bei den Minden Bandits. MT-Foto: - © Marcus Riechmann

Drei Klubs stellen sich vor

In typischer Kluft warteten die Baseballer der Minden Bandits am Spielfeldrand im Sportpark Zähringer Allee auf interessierte Gäste. „Wir wollen den Tag nutzen, um Präsenz zu zeigen. Viele kennen uns ja gar nicht“, erläuterte Justin Bade, warum der Baseballklub als einer von elf heimischen Vereinen teilnahm. Im „Batting Cage“, dem komplett eingenetzten Schlagkäfig, boten Bade und sein Team die Möglichkeit, mal mit dem Schläger ein paar Bälle zu treffen. „Baseball ist faszinierend. Zum einem ist es das Duell Mann gegen Mann zwischen mir und dem Pitcher (Werfer), zum anderen ist es echter Teamsport, wenn man in der Verteidigung spielt“, wirbt Bade, der bei den Bandits als Co-Trainer und Spieler aktiv ist, für seinen Sport. Der Verein Minden Bandits betreibt am Tietzelweg mit den Minden Millers ein Baseballteam vor allem für Männer und mit den Minden Maniacs eine Softballmannschaft für Frauen. Kontakt: mindenmillers.de

Einen bunten Sportpark unter anderem mit Zielwurf und dem Rollstuhl-Parcours als Elemente des Deutschen Sportabzeichens hatte die Lebenshilfe aufgebaut. „Unsere Grundidee ist es, miteinander Sport zu treiben“, erzählte Sara Boy, die mit GWD Minden das Projekt „Sport und Inklusion“ gemeinsam mit der Lebenshilfe anbietet.

Die Gäste des Tages kamen von GWD Minden: Die beiden langzeitverletzten Handballprofis Doruk Pehlivan und Christoph Reißky – eigentlich für eine Autogrammstunde gekommen – nutzten die Gelegenheit, drehten ein paar Runden in Rollstühlen und bewältigten die verschiedenen Aufgaben auf dem Parcours. Beide haben unmittelbar erlebt, wie schnell man zu den Behinderten gehört: Pehlivan ist nach einer umfangreichen Knorpeloperation am Knie seit Monaten auf Gehhilfen angewiesen, Reißky arbeitet nach erst einer Schulter-Operation und dann einem Kreuzbandriss seit mehr als einem Jahr an seiner Gesundung.

Beide rollten mit großem Engagement über den Parcours. „Es ist eine wichtige Erfahrung, zu erleben, was es bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen“, sagte Lebenshilfe-Sportcoach Johannes Nakath. Lebenshilfe-Sportler und Rolli-Profi Tobias Blickle stellte den Handballern ein gutes Zeugnis aus: „Sie machen das für den Anfang ganz gut.“

Erst am späten Nachmittag begrüßte Ruven Kleine die ersten Discgolf-Interessenten auf dem Sportplatz des SV 1860 Minden. Unter anderem mit dem stellvertretenden Klubchef Manfred Pahl und dem Stadtsportverbandsvorsitzenden Guido Höltke übte Kleine „Putten“ auf kurze Distanz zum Korb und ein paar weite Würfe mit der Discgolf-Scheibe. „Discgolf ist einfach und günstig. Man kann sich schnell verbessern. Jeder von acht bis 88 Jahren kann es spielen“, warb Kleine für seinen Sport, für den der SV 1860 eine frei nutzbare Anlage mit Abwurfpunkten und Körben an der Weser aufgebaut hat. Dort waren am Samstag auch Spielergruppen aus Braunschweig und Hannover ganz abseits des Tages des Sport unterwegs.

Lob und Kritik

„Die Idee war gut, die Umsetzung eher nicht“, bedauerte 1860-Vorstand Manfred Pahl, dessen Klub sich umfangreich mit mehreren Stationen in den Tag des Sports eingebracht hatte. Er vermisste wie einige andere Anbieter ausreichende Werbemaßnahmen, „und vielleicht war der Termin am Ende der Herbstferien auch nicht glücklich.“ Eine Wiederholung wünschten sich alle Vereinsvertreter. „Im Sommer wär es gut“, meinte Bade, der Herbst berge Schlechtwettergefahr und: „Draußen macht das Training in der wärmeren Jahreszeit mehr Spaß.“ Ob der Tag besser dezentral wie jetzt, oder an einem zentralen Ort stattfinden soll? Beides habe Vor- und Nachteile, mochten sich die Vereinsvertreter nicht festlegen.

Nina Renner nahm die Kritik und die Vorschläge an. Die Bereichsleiterin Sport und Kultur der Stadt Minden, die sich selbst ein kleines Bild vom Tag des Sports gemacht hatte, betonte: „Wir werden zunächst das Feedback aller beteiligten Vereine einsammeln. Dann können wir uns ein Bild davon machen, wie der Tag gelaufen ist und ob und wie wir den Tag des Sports unter optimierten Bedingungen erneut anbieten können.“ Einen Versuch wäre es wert.

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