Tischtennis: Saison wird radikal verkürzt, doch Unmut weicht Verständnis Michael Lorenz Minden. Als einer der ersten Sportverbände zog der Westdeutsche Tischtennis-Verband die Corona-Reißeine: Bereits am Abend des 25. Oktober ging ein Schreiben des WTTV an alle Vereine, mit der Kernnachricht, dass die Saison mit sofortiger Wirkung unterbrochen ist. Die WTTV-Funktionäre gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie beschlossen, dass die Saison 2020/21 nur aus einer einfachen Runde besteht, eine Rückrunde gibt es nicht. Die restlichen Hinrundenspiele, die 2020 nicht mehr stattfinden dürfen, müssen in den ersten Monaten des Jahres 2021 ausgetragen werden. Dann ist Schluss. Für einige Mannschaften wie den Bezirksliga-Tabellenführer TSV Hahlen heißt das: Bis September 2021, dem mutmaßlichen Beginn der Saison 2021/22, hat das Team noch ganze drei Meisterschaftsspiele auf der Agenda. Der Umstand, dass es ausgerechnet eine Sportart trifft, in der Körperkontakt außer beim Händeschütteln nicht stattfindet, hat an der Basis zunächst für Unmut gesorgt, der aber immer mehr in Verständnis umgeschlagen ist. Klaus-Dieter Schade war es in den Neunziger- und Nullerjahren, der die Tischtennis-Sparte des TuS Petershagen-Ovenstädt aus den Niederungen der Kreisklasse bis hinauf in die Verbandsliga führte. Aktuell ist er beim Nachfolgeverein TTC Petershagen/Friedewalde für die Finanzen zuständig. „Aber nur noch bis Mitte November“, wie er betont. Zur frühen Entscheidung des WTTV sagt „KaDe“: „Der Verband hätte warten sollen, bis der gesamte andere Sport auch heruntergefahren wurde. Mir war aber bereits drei Wochen vorher bewusst, dass etwas geschehen muss und auch geschehen wird, also dass wir keine komplette Saison werden spielen können. Daher habe ich Verständnis und muss die Entscheidung schweren Herzens akzeptieren.“ Was ihn stört, ist die Uneinheitlichkeiten der Institutionen, wie er schildert: „Ich darf zum Beispiel im Offenen Ganztag mit einem bestimmten Schüler um 15 Uhr trainieren. Drei Stunden später darf ich das im Vereinssport an derselben Platte mit dem gleichen Schüler aber nicht. Da ist aus meiner Sicht die Argumentationskette nicht ganz schlüssig. Zudem ist beim Tischtennis nach meinem Kenntnisstand nicht eine Infektion passiert, da wir uns ziemlich diszipliniert an die Regeln halten. Wodurch auch immer die Infektionszahlen explodiert sind: Durch Tischtennis jedenfalls nicht.“ Holger Buhre, Sprecher der TTG Windheim-Neuenknick, hat den „Tischtennis-Lockdown“ so erlebt: „Nachdem ich die Entscheidung vernommen habe, hatte ich wenig Verständnis dafür und fragte mich: Warum macht man nicht zunächst eine Pause von, sagen wir, zwei oder drei Wochen?“ Mittlerweile sieht er das anders: „So, wie sich die Zahlen seither entwickelt haben, muss ich sagen: Es war eine weise Entscheidung.“ Luca Witthaus, Nummer eins des TSV Hahlen II in der Bezirksklasse, zeigte bereits kurz nach der Bekanntgabe des WTTV Verständnis für die Maßnahme: „Das ist sehr ärgerlich, angesichts der aktuellen Zahlen aber verständlich. Kontakte müssen reduziert werden, und jede weitere Verzögerung wäre eine potenzielle Gefährdung gewesen.“ Die vorläufige Unterbrechung einer Saison, die dann weitergeführt wird, ist für alle Beteiligten Neuland. Eine der am häufigsten gestellten Fragen in der Tischtennis-Szene ist die: „Wenn nur eine Hinrunde gespielt wird, müssen die Vereine ihre Mannschaften dann, wie sonst auch üblich, in der Winterpause neu aufstellen?“ Die Antwort gab Werner Almesberger, der Vorsitzende im Bereich Erwachsenensport beim WTTV: „Wir unterscheiden in diesem speziellen Fall nicht zwischen Hin- und Rückrunde, sondern zwischen einer einfachen und einer Doppelrunde. Wir spielen nun eine einfache Runde, und neue Aufstellungen in der Winterpause sind schon allein deshalb erforderlich, weil wir natürlich die Vereinswechsel der Spieler berücksichtigen müssen.“ Jeder Spieler hat einen Spielstärke-Wert, der sich mit jedem Einzel ändert und der TTR-Wert heißt. Viermal im Jahr (Quartal), wird dieser Wert „eingefroren“, heißt dann QTTR-Wert und ist maßgeblich für Aufstellungs-Reihenfolgen und Turnier-Einstufungen. Das nächste Einfrieren des TTR-Wertes erfolgt am 15. Dezember. Die neuen Aufstellungen, die für den Rest der Einfach-Runde 2020/2021 gelten, können im Internetportal „Click-TT“, von den Vereinsverantwortlichen vom 16. Dezember an vorgenommen werden. Das Fenster schließt am 22. Dezember, dann müssen die neuen Aufstellungen eingegeben sein. Almesberger: „Einige Kreise geben noch ein, zwei Tage drauf, aber mal ehrlich: Wer hat denn an Heiligabend Lust, Mannschaftsaufstellungen einzugeben?“

Tischtennis: Saison wird radikal verkürzt, doch Unmut weicht Verständnis

In den Sporthallen herrscht derzeit gähnende Leere. In einigen Sportstätten wie hier sind noch die letzten Spuren der unterbrochenen Corona-Saison zu sehen. Foto: Michael Lorenz © Michael Lorenz

Minden. Als einer der ersten Sportverbände zog der Westdeutsche Tischtennis-Verband die Corona-Reißeine: Bereits am Abend des 25. Oktober ging ein Schreiben des WTTV an alle Vereine, mit der Kernnachricht, dass die Saison mit sofortiger Wirkung unterbrochen ist.

Die WTTV-Funktionäre gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie beschlossen, dass die Saison 2020/21 nur aus einer einfachen Runde besteht, eine Rückrunde gibt es nicht. Die restlichen Hinrundenspiele, die 2020 nicht mehr stattfinden dürfen, müssen in den ersten Monaten des Jahres 2021 ausgetragen werden. Dann ist Schluss. Für einige Mannschaften wie den Bezirksliga-Tabellenführer TSV Hahlen heißt das: Bis September 2021, dem mutmaßlichen Beginn der Saison 2021/22, hat das Team noch ganze drei Meisterschaftsspiele auf der Agenda.

Der Umstand, dass es ausgerechnet eine Sportart trifft, in der Körperkontakt außer beim Händeschütteln nicht stattfindet, hat an der Basis zunächst für Unmut gesorgt, der aber immer mehr in Verständnis umgeschlagen ist.

Klaus-Dieter Schade war es in den Neunziger- und Nullerjahren, der die Tischtennis-Sparte des TuS Petershagen-Ovenstädt aus den Niederungen der Kreisklasse bis hinauf in die Verbandsliga führte. Aktuell ist er beim Nachfolgeverein TTC Petershagen/Friedewalde für die Finanzen zuständig. „Aber nur noch bis Mitte November“, wie er betont. Zur frühen Entscheidung des WTTV sagt „KaDe“: „Der Verband hätte warten sollen, bis der gesamte andere Sport auch heruntergefahren wurde. Mir war aber bereits drei Wochen vorher bewusst, dass etwas geschehen muss und auch geschehen wird, also dass wir keine komplette Saison werden spielen können. Daher habe ich Verständnis und muss die Entscheidung schweren Herzens akzeptieren.“

Was ihn stört, ist die Uneinheitlichkeiten der Institutionen, wie er schildert: „Ich darf zum Beispiel im Offenen Ganztag mit einem bestimmten Schüler um 15 Uhr trainieren. Drei Stunden später darf ich das im Vereinssport an derselben Platte mit dem gleichen Schüler aber nicht. Da ist aus meiner Sicht die Argumentationskette nicht ganz schlüssig. Zudem ist beim Tischtennis nach meinem Kenntnisstand nicht eine Infektion passiert, da wir uns ziemlich diszipliniert an die Regeln halten. Wodurch auch immer die Infektionszahlen explodiert sind: Durch Tischtennis jedenfalls nicht.“

Holger Buhre, Sprecher der TTG Windheim-Neuenknick, hat den „Tischtennis-Lockdown“ so erlebt: „Nachdem ich die Entscheidung vernommen habe, hatte ich wenig Verständnis dafür und fragte mich: Warum macht man nicht zunächst eine Pause von, sagen wir, zwei oder drei Wochen?“ Mittlerweile sieht er das anders: „So, wie sich die Zahlen seither entwickelt haben, muss ich sagen: Es war eine weise Entscheidung.“

Luca Witthaus, Nummer eins des TSV Hahlen II in der Bezirksklasse, zeigte bereits kurz nach der Bekanntgabe des WTTV Verständnis für die Maßnahme: „Das ist sehr ärgerlich, angesichts der aktuellen Zahlen aber verständlich. Kontakte müssen reduziert werden, und jede weitere Verzögerung wäre eine potenzielle Gefährdung gewesen.“

Die vorläufige Unterbrechung einer Saison, die dann weitergeführt wird, ist für alle Beteiligten Neuland. Eine der am häufigsten gestellten Fragen in der Tischtennis-Szene ist die: „Wenn nur eine Hinrunde gespielt wird, müssen die Vereine ihre Mannschaften dann, wie sonst auch üblich, in der Winterpause neu aufstellen?“

Die Antwort gab Werner Almesberger, der Vorsitzende im Bereich Erwachsenensport beim WTTV: „Wir unterscheiden in diesem speziellen Fall nicht zwischen Hin- und Rückrunde, sondern zwischen einer einfachen und einer Doppelrunde. Wir spielen nun eine einfache Runde, und neue Aufstellungen in der Winterpause sind schon allein deshalb erforderlich, weil wir natürlich die Vereinswechsel der Spieler berücksichtigen müssen.“

Jeder Spieler hat einen Spielstärke-Wert, der sich mit jedem Einzel ändert und der TTR-Wert heißt. Viermal im Jahr (Quartal), wird dieser Wert „eingefroren“, heißt dann QTTR-Wert und ist maßgeblich für Aufstellungs-Reihenfolgen und Turnier-Einstufungen. Das nächste Einfrieren des TTR-Wertes erfolgt am 15. Dezember.

Die neuen Aufstellungen, die für den Rest der Einfach-Runde 2020/2021 gelten, können im Internetportal „Click-TT“, von den Vereinsverantwortlichen vom 16. Dezember an vorgenommen werden. Das Fenster schließt am 22. Dezember, dann müssen die neuen Aufstellungen eingegeben sein. Almesberger: „Einige Kreise geben noch ein, zwei Tage drauf, aber mal ehrlich: Wer hat denn an Heiligabend Lust, Mannschaftsaufstellungen einzugeben?“

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