Stillstand statt Speed: Die Pandemie macht Formel-E-Pilot René Rast einen Strich durch die Rechnung Astrid Plaßhenrich Minden. Die Flüge nach Santiago de Chile waren gebucht, die Container mit dem gesamten Equipment und dem Formel-E-Auto auf dem Weg nach Südamerika. An diesem Wochenende sollte in der chilenischen Hauptstadt die Elektro-Rennserie in seine siebte Saison gehen. René Rast fieberte dem Start entgegen. Doch bereits vor Weihnachten kam die Absage für die ersten beiden Rennen. Die Pandemie bremste den in Minden geborenen Audi-Piloten und seinen Manager Dennis Rostek vorerst aus. Anstatt die letzten Vorbereitungen in dem mit 30 Grad sommerlich,warmen Santiago an der Rennstrecke zu treffen, steckte René Rast gestern auf der schneebedeckten A96 in einem 47 Kilometer langen Stau fest. Stillstand statt Hochgeschwindigkeit. Dennis Rosteck spannte zur gleichen Zeit etwa 800 Kilometer nördlich an der Ostsee aus. Die beiden Freunde und Arbeitskollegen hatten den Januar ursprünglich ganz anders geplant. „Aber als die Fallzahlen Anfang Dezember in die Höhe schnellten, war uns klar, dass die Santiago-Rennen verschoben werden“, sagt Rostek. Schließlich führte der von der chilenischen Regierung im Dezember verhängte Einreisestopp für Personen aus Großbritannien zur endgültigen Verlegung des Starttermins. Denn neben zahlreichen Teams hat auch die Elektroserie selbst ihre Geschäftszentrale in England. Ein Großteil des Formel-E-Personals lebt in der Metropolregion um London. Deshalb gab es keine Planungssicherheit mehr. Jetzt kann Rostek den Blick auf das Meer genießen, Rast in seiner Wahl-Heimat Österreich die leeren Skipisten. „Die verlängerte Pause tut uns auch gut“, gibt Rostek zu. Denn nach Rasts drittem DTM-Gesamtsieg Anfang November ging es für den Piloten und den Manager in eins weiter. Urlaub? Fehlanzeige. Nur drei Wochen nach dem letzten Rennen in Hockenheim standen im spanischen Valencia die ersten Testfahrten mit dem neuen Formel-E-Auto an. „Es lief ganz ordentlich“, sagt Rast, „trotzdem wissen wir nicht, ob wir konkurrenzfähig sind, denn die Tests fanden auf keiner üblichen Formel-E-Strecke statt.“ Termine für reale Testfahrten sind in der Formel E stark begrenzt. Deshalb sitzt Rast regelmäßig im Fahrsimulator in der Motorsportzentrale von Audi in Neuburg an der Donau, um den Audi e-tron FE06 zusammen mit den Ingenieuren zu optimieren und um die Strecken kennenzulernen. Überhaupt spricht der 34-Jährige von einer riesigen Umstellung. Zwar hat der Mindener bereits im August sechs Formel-E-Rennen in Berlin bestritten und sich dabei jedes Mal gesteigert, aber jetzt steht für ihn an der Seite seines Teampartners Lucas di Grassi (Brasilien) die erste komplette Saison in der Elektro-Rennserie an. „In den ersten Runden hatte ich ein ganz seltsames Gefühl. Man hört nur den Wind, aber nicht den Motor, der uns Rennfahrer auch immer eine Referenz gibt, wie schnell wir in dem Moment sind“, erklärt Rast, „jetzt fahre ich mit einem Sinn weniger, denn ich höre nicht mehr, wenn ich langsamer werde, sondern spüre nur, dass der Wind abnimmt. Aber daran gewöhnt man sich relativ schnell.“ Dazu gehe es darum möglichst effizient zu fahren, damit die Batterie der Renndauer von 50 Minuten standhält. „So geben wir im Gegensatz zur DTM nur 60 bis 70 Prozent des Rennens Vollgas und rollen auf der Geraden bis zur Kurve“, sagt der Pilot: „Das ist ein komplett anderer Fahrstil, sehr viel mehr taktisch geprägt. Wir Piloten müssen auch sehr viel mehr die Konkurrenz im Blick behalten. Das ist ungemein anspruchsvoll und hat mit dem ursprünglichen Motorsport nicht mehr viel zutun. Aber das macht auch den Reiz aus.“ Rast und Rostek hoffen, dass die Saison am 26. und 27. Februar in der saudi-arabischen Stadt Diriyya losgeht. In dem Vorort von Riad sollen dann die ersten Nachtrennen in der Formel-E-Geschichten ausgetragen werden – sofern es die Corona-Lage zulässt. Neben seinem Engagement in der Formel E kann sich Rast auch vorstellen, parallel in der DTM zu fahren, um seinen Titel zu verteidigen. Allerdings hängt das stark von der Terminplanung ab und ob weitere Rennen aufgrund der Pandemie verschoben werden. „Wir müssen schauen, was Sinn macht und was nicht. Wenn es mehrere Überschneidungen gibt, wird es für René schwierig, beide Serien zu fahren“, macht Rostek klar, „aber fest steht, dass wir mit mindestens einem Fahrer unserer Agentur in der DTM vertreten sein werden.“ Das erste Rennen der Serie ist für Ende Mai angesetzt. Bis dahin wird Rasts ungeteilte Aufmerksamkeit erst einmal der Formel E gehören.

Stillstand statt Speed: Die Pandemie macht Formel-E-Pilot René Rast einen Strich durch die Rechnung

René Rast steht vor seinem Audi e-tron FE06, mit dem der 34-jährige Mindener seine erste komplette Formel-E-Saison bestreiten wird. Die Serie soll mit dem E-Prix im saudi-arabischen Diriyya starten. Foto: Audi Communications Motorsport © Audi Communications Motorsport / Malte Christians ### free of charge for press purpose only. If you need pictures for other purp

Minden. Die Flüge nach Santiago de Chile waren gebucht, die Container mit dem gesamten Equipment und dem Formel-E-Auto auf dem Weg nach Südamerika. An diesem Wochenende sollte in der chilenischen Hauptstadt die Elektro-Rennserie in seine siebte Saison gehen. René Rast fieberte dem Start entgegen. Doch bereits vor Weihnachten kam die Absage für die ersten beiden Rennen. Die Pandemie bremste den in Minden geborenen Audi-Piloten und seinen Manager Dennis Rostek vorerst aus.

Anstatt die letzten Vorbereitungen in dem mit 30 Grad sommerlich,warmen Santiago an der Rennstrecke zu treffen, steckte René Rast gestern auf der schneebedeckten A96 in einem 47 Kilometer langen Stau fest. Stillstand statt Hochgeschwindigkeit. Dennis Rosteck spannte zur gleichen Zeit etwa 800 Kilometer nördlich an der Ostsee aus. Die beiden Freunde und Arbeitskollegen hatten den Januar ursprünglich ganz anders geplant. „Aber als die Fallzahlen Anfang Dezember in die Höhe schnellten, war uns klar, dass die Santiago-Rennen verschoben werden“, sagt Rostek. Schließlich führte der von der chilenischen Regierung im Dezember verhängte Einreisestopp für Personen aus Großbritannien zur endgültigen Verlegung des Starttermins. Denn neben zahlreichen Teams hat auch die Elektroserie selbst ihre Geschäftszentrale in England. Ein Großteil des Formel-E-Personals lebt in der Metropolregion um London. Deshalb gab es keine Planungssicherheit mehr.

Jetzt kann Rostek den Blick auf das Meer genießen, Rast in seiner Wahl-Heimat Österreich die leeren Skipisten. „Die verlängerte Pause tut uns auch gut“, gibt Rostek zu. Denn nach Rasts drittem DTM-Gesamtsieg Anfang November ging es für den Piloten und den Manager in eins weiter. Urlaub? Fehlanzeige. Nur drei Wochen nach dem letzten Rennen in Hockenheim standen im spanischen Valencia die ersten Testfahrten mit dem neuen Formel-E-Auto an. „Es lief ganz ordentlich“, sagt Rast, „trotzdem wissen wir nicht, ob wir konkurrenzfähig sind, denn die Tests fanden auf keiner üblichen Formel-E-Strecke statt.“ Termine für reale Testfahrten sind in der Formel E stark begrenzt. Deshalb sitzt Rast regelmäßig im Fahrsimulator in der Motorsportzentrale von Audi in Neuburg an der Donau, um den Audi e-tron FE06 zusammen mit den Ingenieuren zu optimieren und um die Strecken kennenzulernen.

Überhaupt spricht der 34-Jährige von einer riesigen Umstellung. Zwar hat der Mindener bereits im August sechs Formel-E-Rennen in Berlin bestritten und sich dabei jedes Mal gesteigert, aber jetzt steht für ihn an der Seite seines Teampartners Lucas di Grassi (Brasilien) die erste komplette Saison in der Elektro-Rennserie an. „In den ersten Runden hatte ich ein ganz seltsames Gefühl. Man hört nur den Wind, aber nicht den Motor, der uns Rennfahrer auch immer eine Referenz gibt, wie schnell wir in dem Moment sind“, erklärt Rast, „jetzt fahre ich mit einem Sinn weniger, denn ich höre nicht mehr, wenn ich langsamer werde, sondern spüre nur, dass der Wind abnimmt. Aber daran gewöhnt man sich relativ schnell.“

Dazu gehe es darum möglichst effizient zu fahren, damit die Batterie der Renndauer von 50 Minuten standhält. „So geben wir im Gegensatz zur DTM nur 60 bis 70 Prozent des Rennens Vollgas und rollen auf der Geraden bis zur Kurve“, sagt der Pilot: „Das ist ein komplett anderer Fahrstil, sehr viel mehr taktisch geprägt. Wir Piloten müssen auch sehr viel mehr die Konkurrenz im Blick behalten. Das ist ungemein anspruchsvoll und hat mit dem ursprünglichen Motorsport nicht mehr viel zutun. Aber das macht auch den Reiz aus.“

Rast und Rostek hoffen, dass die Saison am 26. und 27. Februar in der saudi-arabischen Stadt Diriyya losgeht. In dem Vorort von Riad sollen dann die ersten Nachtrennen in der Formel-E-Geschichten ausgetragen werden – sofern es die Corona-Lage zulässt.

Neben seinem Engagement in der Formel E kann sich Rast auch vorstellen, parallel in der DTM zu fahren, um seinen Titel zu verteidigen. Allerdings hängt das stark von der Terminplanung ab und ob weitere Rennen aufgrund der Pandemie verschoben werden. „Wir müssen schauen, was Sinn macht und was nicht. Wenn es mehrere Überschneidungen gibt, wird es für René schwierig, beide Serien zu fahren“, macht Rostek klar, „aber fest steht, dass wir mit mindestens einem Fahrer unserer Agentur in der DTM vertreten sein werden.“ Das erste Rennen der Serie ist für Ende Mai angesetzt. Bis dahin wird Rasts ungeteilte Aufmerksamkeit erst einmal der Formel E gehören.

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