Sport macht Mut: Wie Wassergymnastik eine Mindenerin nach der Chemotherapie wieder fit macht Astrid Plaßhenrich Minden. Oft fehlt die Kraft. „Dann muss ich mich entscheiden, ob ich mir die Haare wasche oder Einkaufen fahre“, sagt Dorothea Denker-Serkowski. Die mehrmonatige Chemo- und Strahlentherapie mit den Nebenwirkungen hat die 62-Jährige ausgelaugt. Trotzdem hat die Mindenerin ihren Lebensmut nie verloren und versucht, Schritt für Schritt wieder fitter zu werden. Deswegen sind die Wassergymnastik beim SV 1860 Minden und die Feldenkrais-Stunden im Bildungsforum unumstößliche Termine. Gefühlt kam der Krebs über Nacht. Dorothea Denker-Serkowski stand Anfang Februar 2019 unter der Dusche und fühlte erstmals den Tumor unter ihrer rechten Achsel. „Ich habe es damals bereits geahnt, dass es Krebs ist“, sagt die dreifache Oma. Die endgültige Diagnose erhielt sie am 28. Februar. Denker-Serkowski hatte einen aggressiven, dazu schnellwachsenden Brustkrebs, bei dem der Primärherd unentdeckt blieb. „Der Arzt gab mir einen blauen Schnellhefter in die Hand, in dem bereits weitere Termine und Behandlungsschritte festgelegt waren“, erzählt die 62-Jährige. Plötzlich fand sie sich in einem Hamsterrad aus Untersuchungen, Therapien und Dialogen mit der Krankenkasse wieder. „Die Chemo war heftig“, erinnert sich Denker-Serkowski. Ihr Darm war außer Kontrolle, die Schleimhäute in Mund und Nase entzündet, alles schmeckte nach Metall, die Fuß- und Fingernägel wurden weich – und ab dem 18. Tag fielen ihr die Haare aus. „Zumindest hatte ich keine Übelkeit“, erzählt sie. An Sport war während der sechs Chemozyklen nicht zu denken. „Das Einzige, was ich mir habe nicht nehmen lassen, war das Spazierengehen mit dem Hund“, sagt Denker-Serkowski und schaut ihren treuen Begleiter, den 13-jährigen Pekingesen namens Susi, an. Schließlich entfernten Chirurgen im Sommer 13 Lymphknoten aus der Achsel, von denen fünf mit Metastasen befallen waren. Die Brust blieb erhalten. „Kosmetisch bin ich da noch richtig gut vorhergekommen“, meint die Mindenerin. Nach der anschließenden Bestrahlung setzte die Fatigue, eine körperliche, mentale und emotionale Erschöpfung, ein. Daraus musste sich die 62-Jährige herauskämpfen. Sport sollte ihr dabei helfen. Doch dann kam Corona – wieder ging nichts. Und so war auch in dieser Zeit ein sportlicher Neuanfang unmöglich. „Wassergymnastik und Felgenkrais haben mir sehr gefehlt“, sagt sie. Umso mehr freut sich die Mindenerin, dass beides in den vergangenen Wochen wieder losging. „Ich war in den knapp anderthalb Jahren total steif geworden“, erzählt Denker-Serkowski. Mit dem sanften Sport will sie ihre Mobilität nun wieder verbessern. Für sie, die auch unter Arthrose leidet, ist Wassergymnastik perfekt: Denn durch den Auftrieb des Wassers werden Gelenke und Bänder geschont, das Verletzungsrisiko ist minimal und Übungen werden bei gleicher Kraft langsamer, dadurch bewusster und intensiver ausgeführt. Gleichzeitig massiert der Wasserdruck Haut und Muskeln. Das fördert die Durchblutung und verhindert einen schlimmen Muskelkater. Über ihre Krankheit hat die 62-Jährige direkt mit ihrer Übungsleiterin Kirsten Grotemeyer gesprochen. „Sie sagt jetzt immer: Schön, dass du da bist. Mach so viel wie du kannst.“ In den ersten Einheiten stieg sie nach einer knappen halben Stunden aus dem Wasser. Inzwischen zieht sie die Übungsstunden durch. „Ich muss akzeptieren, dass ich eben nicht mehr alles mit links machen kann, sondern in vielen Lebenslagen Abstriche machen muss“, erklärt Denker-Serkowski, „die Akzeptanz macht es aber auch leichter.“ Auch die Felgenkrais-Einheiten steigern ihre Beweglichkeit. Die Methode geht auf den Naturwissenschaftler Moshé Feldenkrais zurück. Dabei werden Bewegungsabläufe beobachtet, reflektiert und schonend neu gelernt. Dadurch wird die Leistungsfähigkeit, Haltung, Koordination oder auch die Kreativität gefördert. „Beides hilft mir, die Krankheit zumindest für ein paar Stunden zu vergessen“, sagt die Mindenerin, „allein deshalb stelle ich den Sport nicht in Frage. Außerdem bin ich bereits fitter als noch vor ein paar Wochen. Und ich arbeite daran, dass es noch besser wird.“ Der blaue Schnellhefter existiert übrigens nicht mehr. Er reichte für den Schriftverkehr nicht aus. Ein weißer Ordner hat ihn abgelöst, und der steht versteckt in einer Schrankecke. Ihre Sporttasche steht dagegen immer sichtbar parat. Dorothea Denker-Serkowski packt sie direkt nach der Wassergymnastik und der Felgenkrais-Stunde wieder neu. Denn die nächste Sporteinheit kommt ganz bestimmt.

Sport macht Mut: Wie Wassergymnastik eine Mindenerin nach der Chemotherapie wieder fit macht

Der Mensch hat im Wasser nur noch ein Zehntel seines Körpergewichts zu tragen. Durch den Auftrieb des Wassers werden insbesondere die Wirbelsäule und die oftmals strapazierten Gelenke entlastet. Foto: imago sportfotodienst © imago sportfotodienst

Minden. Oft fehlt die Kraft. „Dann muss ich mich entscheiden, ob ich mir die Haare wasche oder Einkaufen fahre“, sagt Dorothea Denker-Serkowski. Die mehrmonatige Chemo- und Strahlentherapie mit den Nebenwirkungen hat die 62-Jährige ausgelaugt. Trotzdem hat die Mindenerin ihren Lebensmut nie verloren und versucht, Schritt für Schritt wieder fitter zu werden. Deswegen sind die Wassergymnastik beim SV 1860 Minden und die Feldenkrais-Stunden im Bildungsforum unumstößliche Termine.

Gefühlt kam der Krebs über Nacht. Dorothea Denker-Serkowski stand Anfang Februar 2019 unter der Dusche und fühlte erstmals den Tumor unter ihrer rechten Achsel. „Ich habe es damals bereits geahnt, dass es Krebs ist“, sagt die dreifache Oma. Die endgültige Diagnose erhielt sie am 28. Februar. Denker-Serkowski hatte einen aggressiven, dazu schnellwachsenden Brustkrebs, bei dem der Primärherd unentdeckt blieb. „Der Arzt gab mir einen blauen Schnellhefter in die Hand, in dem bereits weitere Termine und Behandlungsschritte festgelegt waren“, erzählt die 62-Jährige.

Dorothea Denker-Serkowski hat ihren Lebensmut trotz ihrer Krebserkrankung nie verloren. 

MT-Foto: Astrid Plaßhenrich - © Astrid Plaßhenrich
Dorothea Denker-Serkowski hat ihren Lebensmut trotz ihrer Krebserkrankung nie verloren.
MT-Foto: Astrid Plaßhenrich - © Astrid Plaßhenrich

Plötzlich fand sie sich in einem Hamsterrad aus Untersuchungen, Therapien und Dialogen mit der Krankenkasse wieder. „Die Chemo war heftig“, erinnert sich Denker-Serkowski. Ihr Darm war außer Kontrolle, die Schleimhäute in Mund und Nase entzündet, alles schmeckte nach Metall, die Fuß- und Fingernägel wurden weich – und ab dem 18. Tag fielen ihr die Haare aus. „Zumindest hatte ich keine Übelkeit“, erzählt sie. An Sport war während der sechs Chemozyklen nicht zu denken. „Das Einzige, was ich mir habe nicht nehmen lassen, war das Spazierengehen mit dem Hund“, sagt Denker-Serkowski und schaut ihren treuen Begleiter, den 13-jährigen Pekingesen namens Susi, an.

Schließlich entfernten Chirurgen im Sommer 13 Lymphknoten aus der Achsel, von denen fünf mit Metastasen befallen waren. Die Brust blieb erhalten. „Kosmetisch bin ich da noch richtig gut vorhergekommen“, meint die Mindenerin. Nach der anschließenden Bestrahlung setzte die Fatigue, eine körperliche, mentale und emotionale Erschöpfung, ein. Daraus musste sich die 62-Jährige herauskämpfen. Sport sollte ihr dabei helfen. Doch dann kam Corona – wieder ging nichts. Und so war auch in dieser Zeit ein sportlicher Neuanfang unmöglich. „Wassergymnastik und Felgenkrais haben mir sehr gefehlt“, sagt sie. Umso mehr freut sich die Mindenerin, dass beides in den vergangenen Wochen wieder losging.

„Ich war in den knapp anderthalb Jahren total steif geworden“, erzählt Denker-Serkowski. Mit dem sanften Sport will sie ihre Mobilität nun wieder verbessern. Für sie, die auch unter Arthrose leidet, ist Wassergymnastik perfekt: Denn durch den Auftrieb des Wassers werden Gelenke und Bänder geschont, das Verletzungsrisiko ist minimal und Übungen werden bei gleicher Kraft langsamer, dadurch bewusster und intensiver ausgeführt. Gleichzeitig massiert der Wasserdruck Haut und Muskeln. Das fördert die Durchblutung und verhindert einen schlimmen Muskelkater. Über ihre Krankheit hat die 62-Jährige direkt mit ihrer Übungsleiterin Kirsten Grotemeyer gesprochen. „Sie sagt jetzt immer: Schön, dass du da bist. Mach so viel wie du kannst.“

In den ersten Einheiten stieg sie nach einer knappen halben Stunden aus dem Wasser. Inzwischen zieht sie die Übungsstunden durch. „Ich muss akzeptieren, dass ich eben nicht mehr alles mit links machen kann, sondern in vielen Lebenslagen Abstriche machen muss“, erklärt Denker-Serkowski, „die Akzeptanz macht es aber auch leichter.“

Auch die Felgenkrais-Einheiten steigern ihre Beweglichkeit. Die Methode geht auf den Naturwissenschaftler Moshé Feldenkrais zurück. Dabei werden Bewegungsabläufe beobachtet, reflektiert und schonend neu gelernt. Dadurch wird die Leistungsfähigkeit, Haltung, Koordination oder auch die Kreativität gefördert. „Beides hilft mir, die Krankheit zumindest für ein paar Stunden zu vergessen“, sagt die Mindenerin, „allein deshalb stelle ich den Sport nicht in Frage. Außerdem bin ich bereits fitter als noch vor ein paar Wochen. Und ich arbeite daran, dass es noch besser wird.“

Der blaue Schnellhefter existiert übrigens nicht mehr. Er reichte für den Schriftverkehr nicht aus. Ein weißer Ordner hat ihn abgelöst, und der steht versteckt in einer Schrankecke. Ihre Sporttasche steht dagegen immer sichtbar parat. Dorothea Denker-Serkowski packt sie direkt nach der Wassergymnastik und der Felgenkrais-Stunde wieder neu. Denn die nächste Sporteinheit kommt ganz bestimmt.

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