Sport macht Mut: Die Pink Dragons paddeln, um den Brustkrebs zu besiegen Astrid Plaßhenrich Minden. Sie sind ein leuchtender Farbtupfer auf dem Mittellandkanal. Entlang des Ufers hören Radfahrer, Spaziergänger oder Jogger sie bereits von Weitem. Schließlich lachen die Pink Dragons des Mindener Drachenboot Clubs viel und gerne während ihres Trainings. Dabei sind die Frauen im Alter von 36 bis 74 Jahren komplett unterschiedlich – haben aber dennoch viel gemein: Denn neben ihrer Leidenschaft fürs Paddeln verbindet sie der Brustkrebs. Daniela Friebe hatte einen besonders schnellwachsenden Tumor in ihrer Brust. Ohne Umwege ging es für die gelernte Kinderkrankenschwester ins Klinikum. Sie bestand auf ihre Behandlung. OP und Chemotherapie folgten. „Die Reha fiel coronabedingt aus. Aber das Paddeln war für mich ein super Ersatz“, erzählt sie. Bereits vor ihrer Diagnose Ende 2019 hatte die 49-Jährige einen Bericht über eine Drachenbootmannschaft mit krebskranken Frauen gesehen. Im Krankenhaus hing dann ein Info-Blatt der Pink Dragons am Schwarzen Brett, und als die Hausärztin ihr schließlich den Flyer des Teams in die Hand drückte, dachte sie nur: „Das waren jetzt drei Hinweise. Da soll ich wohl hin.“ Gedacht, getan. Das war die richtige Entscheidung. Friebe fühlte sich auf Anhieb wohl. Erfahrungen mit dem Paddeln hatte sie bis dahin nicht. „Das machte aber überhaupt nichts“, sagt sie. Die Technik zu erlernen, sei kein Hexenwerk. „Und jeder wird bei dem Leistungsstand abgeholt, bei dem er steht“, erklärt sie. Das zweimal wöchentliche Training mit Coach Peter Wanek und Steuermann Thomas Harting macht ihr ungebrochen Spaß: „Wir paddeln auch nicht im Akkord, sondern machen zwischendurch viele andere Übungen und auch Pausen. Es ist sehr abwechslungsreich. Und nach den Einheiten quatschen wir noch.“ Denn genauso wichtig wie der Sport sind ihr auch die Gespräche über die Krankheit. Die Pink Dragons sind ein Kompetenzteam in Sachen Brustkrebs. Sie begegnen sich auf Augenhöhe und sprechen über unterschiedliche Behandlungsmethoden, Reha, Krankengymnastik, über Ängste, Fortschritte und Rückschläge. Brustamputationen, Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe oder Silikon sind genauso Thema wie Prothesen. Was die Krankheit betrifft, gibt es kein Tabu. Die „pinken Drachen“ unterstützen sich gegenseitig, geben Rat, diskutieren. „Aber das ist absolut kein Muss. Wer nur zuhören möchte, hört einfach nur zu“, sagt Daniela Friebe, „wir sind und bleiben ein Sportteam und sind keine Selbsthilfegruppe.“ Die Mannschaft setzt sich aus Frauen in allen Erkrankungsphasen zusammen. Zwei fehlen zurzeit. Der Krebs lässt das Paddeln nicht zu. „Einige haben ihre Chemo gerade erst beendet oder kommen direkt nach der Reha zu uns“, sagt Mareike Holsmölle. Sie selbst erkrankte 2014. „Ich war 38 Jahre alt. Meine Mutter und Oma haben im selben Alter die Diagnose erhalten“, erzählt sie. Ihr Krebs war erblich bedingt. „Ich trage das BRCA-Gen in mir. Da musste ich auch nicht lange überlegen, mir beide Brüste abnehmen zu lassen“, sagt die heute 46-Jährige, „mein Rückfallrisiko betrug schließlich 90 Prozent.“ Die Pink Dragons wissen, dass die Tagesform je Stadium sehr unterschiedlich ist. „Deshalb ist es auch völlig in Ordnung, das Paddel einfach hochzunehmen, wenn man nicht mehr kann und sich von den anderen fahren zu lassen“, sagt Friebe. Eine Erklärung oder gar Entschuldigung will niemand im Boot hören. „Allein in der Natur und auf dem Wasser zu sein, dabei die Sonnenuntergänge zu beobachten, tut der Seele gut“, erzählt Holsmölle. Sie freut sich, dass hinter dem Drachenbootsport mehr Power sitzt als hinter vielen Reha-Programmen. Direkt nach ihrer Therapie war es für sie ein Highlight, wenn ihr Schrittzähler die 1000 überschritt. Darüber lächelt sie heute nur noch. Denn durch das regelmäßige Paddeln ist ihr Leistungsniveau enorm gestiegen. Selbstverständlich gibt es auch Trainingseinheiten, in denen überhaupt nicht über die Krankheit gesprochen wird. Dann sind Urlaube, die Arbeit, Kinder, Hunde und andere Hobbies Thema – oder aber auch anstehende Wettkämpfe. Als nächstes starten die Pink Dragons am 28. August auf der vereinseigenen Regatta auf der Alten Fahrt. Dann nehmen auch weitere Pink-Teams teil. „Aber niemand soll sich gedrängt fühlen, an einem Wettkampf teilnehmen zu müssen. Das ist auf freiwilliger Basis“, erklärt Daniela Friebe. Die Pink Dragons, die seit Oktober 2019 bestehen, freuen sich über jedes neue Mitglied – egal wie alt, egal wie sportlich. Mehrere Probetrainings sind möglich. Es ist das Paddeln und die Krankheit, die die Frauen verbindet. „Wir sitzen alle zusammen in einem Boot und versuchen, dem Krebs davon zu paddeln“, erzählt Daniela Friebe. Dabei liegt den Pink Dragons eine Botschaft besonders am Herzen: „Tastet eure Brust regelmäßig ab, damit ihr merkt, wenn sich irgendetwas verändert“, sagt Mareike Holsmölle.

Sport macht Mut: Die Pink Dragons paddeln, um den Brustkrebs zu besiegen

Die Pink Dragons trainieren unter kompetenter Anleitung: Coach Peter Wanek (vorne) gibt die Übungen vor, Thomas Harting steuert das Drachenboot. MT-Foto: Astrid Plaßhenrich © d

Minden. Sie sind ein leuchtender Farbtupfer auf dem Mittellandkanal. Entlang des Ufers hören Radfahrer, Spaziergänger oder Jogger sie bereits von Weitem. Schließlich lachen die Pink Dragons des Mindener Drachenboot Clubs viel und gerne während ihres Trainings. Dabei sind die Frauen im Alter von 36 bis 74 Jahren komplett unterschiedlich – haben aber dennoch viel gemein: Denn neben ihrer Leidenschaft fürs Paddeln verbindet sie der Brustkrebs.

Daniela Friebe hatte einen besonders schnellwachsenden Tumor in ihrer Brust. Ohne Umwege ging es für die gelernte Kinderkrankenschwester ins Klinikum. Sie bestand auf ihre Behandlung. OP und Chemotherapie folgten. „Die Reha fiel coronabedingt aus. Aber das Paddeln war für mich ein super Ersatz“, erzählt sie.

Bereits vor ihrer Diagnose Ende 2019 hatte die 49-Jährige einen Bericht über eine Drachenbootmannschaft mit krebskranken Frauen gesehen. Im Krankenhaus hing dann ein Info-Blatt der Pink Dragons am Schwarzen Brett, und als die Hausärztin ihr schließlich den Flyer des Teams in die Hand drückte, dachte sie nur: „Das waren jetzt drei Hinweise. Da soll ich wohl hin.“

Gedacht, getan. Das war die richtige Entscheidung. Friebe fühlte sich auf Anhieb wohl. Erfahrungen mit dem Paddeln hatte sie bis dahin nicht. „Das machte aber überhaupt nichts“, sagt sie. Die Technik zu erlernen, sei kein Hexenwerk. „Und jeder wird bei dem Leistungsstand abgeholt, bei dem er steht“, erklärt sie. Das zweimal wöchentliche Training mit Coach Peter Wanek und Steuermann Thomas Harting macht ihr ungebrochen Spaß: „Wir paddeln auch nicht im Akkord, sondern machen zwischendurch viele andere Übungen und auch Pausen. Es ist sehr abwechslungsreich. Und nach den Einheiten quatschen wir noch.“

Denn genauso wichtig wie der Sport sind ihr auch die Gespräche über die Krankheit. Die Pink Dragons sind ein Kompetenzteam in Sachen Brustkrebs. Sie begegnen sich auf Augenhöhe und sprechen über unterschiedliche Behandlungsmethoden, Reha, Krankengymnastik, über Ängste, Fortschritte und Rückschläge. Brustamputationen, Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe oder Silikon sind genauso Thema wie Prothesen. Was die Krankheit betrifft, gibt es kein Tabu. Die „pinken Drachen“ unterstützen sich gegenseitig, geben Rat, diskutieren. „Aber das ist absolut kein Muss. Wer nur zuhören möchte, hört einfach nur zu“, sagt Daniela Friebe, „wir sind und bleiben ein Sportteam und sind keine Selbsthilfegruppe.“

Die Mannschaft setzt sich aus Frauen in allen Erkrankungsphasen zusammen. Zwei fehlen zurzeit. Der Krebs lässt das Paddeln nicht zu. „Einige haben ihre Chemo gerade erst beendet oder kommen direkt nach der Reha zu uns“, sagt Mareike Holsmölle. Sie selbst erkrankte 2014. „Ich war 38 Jahre alt. Meine Mutter und Oma haben im selben Alter die Diagnose erhalten“, erzählt sie. Ihr Krebs war erblich bedingt. „Ich trage das BRCA-Gen in mir. Da musste ich auch nicht lange überlegen, mir beide Brüste abnehmen zu lassen“, sagt die heute 46-Jährige, „mein Rückfallrisiko betrug schließlich 90 Prozent.“

Die Pink Dragons wissen, dass die Tagesform je Stadium sehr unterschiedlich ist. „Deshalb ist es auch völlig in Ordnung, das Paddel einfach hochzunehmen, wenn man nicht mehr kann und sich von den anderen fahren zu lassen“, sagt Friebe. Eine Erklärung oder gar Entschuldigung will niemand im Boot hören. „Allein in der Natur und auf dem Wasser zu sein, dabei die Sonnenuntergänge zu beobachten, tut der Seele gut“, erzählt Holsmölle. Sie freut sich, dass hinter dem Drachenbootsport mehr Power sitzt als hinter vielen Reha-Programmen. Direkt nach ihrer Therapie war es für sie ein Highlight, wenn ihr Schrittzähler die 1000 überschritt. Darüber lächelt sie heute nur noch. Denn durch das regelmäßige Paddeln ist ihr Leistungsniveau enorm gestiegen.

Selbstverständlich gibt es auch Trainingseinheiten, in denen überhaupt nicht über die Krankheit gesprochen wird. Dann sind Urlaube, die Arbeit, Kinder, Hunde und andere Hobbies Thema – oder aber auch anstehende Wettkämpfe. Als nächstes starten die Pink Dragons am 28. August auf der vereinseigenen Regatta auf der Alten Fahrt. Dann nehmen auch weitere Pink-Teams teil. „Aber niemand soll sich gedrängt fühlen, an einem Wettkampf teilnehmen zu müssen. Das ist auf freiwilliger Basis“, erklärt Daniela Friebe. Die Pink Dragons, die seit Oktober 2019 bestehen, freuen sich über jedes neue Mitglied – egal wie alt, egal wie sportlich. Mehrere Probetrainings sind möglich.

Es ist das Paddeln und die Krankheit, die die Frauen verbindet. „Wir sitzen alle zusammen in einem Boot und versuchen, dem Krebs davon zu paddeln“, erzählt Daniela Friebe. Dabei liegt den Pink Dragons eine Botschaft besonders am Herzen: „Tastet eure Brust regelmäßig ab, damit ihr merkt, wenn sich irgendetwas verändert“, sagt Mareike Holsmölle.

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