Sport-Rückblicke: Vor 30 Jahren fliegen Baumstämme beim Wittekind-Bergfest Marcus Riechmann Porta Westfalica. Traditionelle Wettbewerbe an historischer Stätte. Mit dieser Ausrichtung als altbackene Breitensportveranstaltung hatte das Wittekind-Bergfest auf dem Kamm des Wiehengebirges im Jahre 1990 ebenso Patina angesetzt wie die Burg selbst, in deren Schatten der Orientierungslauf über die Waldwege startete. „Die treuen weit angereisten Teilnehmer überwogen“, heißt es im Mindener Tageblatt am 17. September über schwindende Beteiligung der heimischen Sportler. Doch immerhin 200 Teilnehmer zählte das 1891 erstmals ausgetragene Sportfest des Turnbezirks Minden, das bereits vor 30 Jahren zu den ältesten Bergfesten Deutschlands zählte. Mit 58 Startern beim Lauf über den Kammweg, darunter die Sieger Anne und Heinrich Gerke vom MTV Minden, hatte das 99. Bergfest ein im Vergleich mit heutigen Volksläufen bescheidenes Feld. Die Wettbewerbe im Turnen und in der Leichtathletik waren schon vor Jahren vom Vorplatz der Wittekindsburg auf den Bergsportplatz nach Hausberge umgezogen. Dort stand neben den „normalen“ Disziplinen auch der Fünfkampf auf dem Programm. Neben Weitsprung und Läufen über 100 und 1.000 Meter gehörten auch Baumstammwerfen und Steinstoßen zum ungewöhnlichen Wettstreit. „Das war schon sehr ungewöhnlich“, erinnert sich Christian Büsching daran, wie er dereinst den Baumstamm gewuchtet hat. Die beiden Spezialdisziplinen gehörten nicht zu den Stärken des Turners und Leichtathleten der TG Vennebeck, der 1990 trotzdem zum zweiten Mal in Folge den Fünfkampf gewann. „Ich habe das im 1.000-Meter-Lauf aufgeholt“, erzählt Büsching, dem entgegenkam, dass bereits vor Jahrzehnten der Mittelstreckenlauf den Ringwettkampf im Programm abgelöst hatte. Über seinen Vater, den Oberturnwart Heinz Günther Büsching, war der Vollblutsportler zum Bergfest gekommen. „Das war eine gewisse familiäre Verpflichtung“, begründet er seine Teilnahme, doch er sagt auch deutlich: „Es hat damals absolut Spaß gemacht.“ Den Fünfkampf gewann der seinerzeit 20-Jährige vor Klaus Kicker aus Bissendorf und Olaf Reckeweg vom TuS Lahde/Quetzten. Daneben siegte er auch im Turnwettkampf vor Reckeweg. Zum 100. Jubiläumsbergfest nahm er 1991 den Fünfkampf-Wanderpokal ein drittes und letztes Mal mit nach Hause. „Aber da waren nur noch zehn Fünfkämpfer dabei“, berichtet Büsching, der danach aus beruflichen Gründen sportlich kürzer trat. Er blieb der TG Vennebeck verbunden, der dreifache Vater leitet heute die kleine Volleyball-Abteilung des Klubs. Über Jahrzehnte begleitete Dr. Günter Rook das Sportfest, das jeweils am dritten Septemberwochenende ausgetragen wurde. „Beim 75. Jubiläum habe ich schon mitorganisiert. Das war das letzte Mal, dass alles auf dem Platz vor der Wittekindsburg ausgetragen wurde“, erzählt der heute 89-Jährige und erinnert an goldene Zeiten: „Damals gab es hunderte Teilnehmer und etliche hundert Zuschauer. Da war ganz schön was los.“ Der langjährige Vorsitzende des MTV 1860 Minden betreute das Bergfest mit Hingabe, doch es ging bergab. Im Jahr 2000 schreibt das MT zum 109. Bergfest von „geringen Teilnehmerzahlen. Während Volksläufe und Marathon-Läufe boomen, verliert der Turner-Wettstreit seine letzten Fans. 2005 gibt es zur 114. Auflage der Veranstaltung letztmalig einen Bericht im Mindener Tageblatt. Damals treffen sich noch 42 Turner zu Sport sowie zu Kaffee und Kuchen in der Denkmalgaststätte. „Die Teilnehmerzahlen waren irgendwann so dürftig, da lohnte sich der Aufwand nicht mehr. Das Interesse war weg“, schildert Rook den Niedergang des Bergfestes. Zu Grabe wollte er die Veranstaltung aber noch nicht. „Unser Ziel war es, für einen würdigen Abschluss zu sorgen. Bis zum 120. Geburtstag wollten wir durchhalten“, berichtet Rook. Das schaffte er mit seinen Organisationskollegen. Doch 2011 war nach 120 Bergfesten Schluss. Und im Gegensatz zur Wittekindsburg erlebte das Bergfest keine Wiederbelebung.

Sport-Rückblicke: Vor 30 Jahren fliegen Baumstämme beim Wittekind-Bergfest

Porta Westfalica. Traditionelle Wettbewerbe an historischer Stätte. Mit dieser Ausrichtung als altbackene Breitensportveranstaltung hatte das Wittekind-Bergfest auf dem Kamm des Wiehengebirges im Jahre 1990 ebenso Patina angesetzt wie die Burg selbst, in deren Schatten der Orientierungslauf über die Waldwege startete. „Die treuen weit angereisten Teilnehmer überwogen“, heißt es im Mindener Tageblatt am 17. September über schwindende Beteiligung der heimischen Sportler. Doch immerhin 200 Teilnehmer zählte das 1891 erstmals ausgetragene Sportfest des Turnbezirks Minden, das bereits vor 30 Jahren zu den ältesten Bergfesten Deutschlands zählte.

Mit 58 Startern beim Lauf über den Kammweg, darunter die Sieger Anne und Heinrich Gerke vom MTV Minden, hatte das 99. Bergfest ein im Vergleich mit heutigen Volksläufen bescheidenes Feld. Die Wettbewerbe im Turnen und in der Leichtathletik waren schon vor Jahren vom Vorplatz der Wittekindsburg auf den Bergsportplatz nach Hausberge umgezogen. Dort stand neben den „normalen“ Disziplinen auch der Fünfkampf auf dem Programm. Neben Weitsprung und Läufen über 100 und 1.000 Meter gehörten auch Baumstammwerfen und Steinstoßen zum ungewöhnlichen Wettstreit.

Historisches Dokument: Die Bilder zum 99. Bergfest zeigen die Fünfkampf-Sieger und den Start zum Kammlauf an der Burg. Repro: MT
Historisches Dokument: Die Bilder zum 99. Bergfest zeigen die Fünfkampf-Sieger und den Start zum Kammlauf an der Burg. Repro: MT

„Das war schon sehr ungewöhnlich“, erinnert sich Christian Büsching daran, wie er dereinst den Baumstamm gewuchtet hat. Die beiden Spezialdisziplinen gehörten nicht zu den Stärken des Turners und Leichtathleten der TG Vennebeck, der 1990 trotzdem zum zweiten Mal in Folge den Fünfkampf gewann. „Ich habe das im 1.000-Meter-Lauf aufgeholt“, erzählt Büsching, dem entgegenkam, dass bereits vor Jahrzehnten der Mittelstreckenlauf den Ringwettkampf im Programm abgelöst hatte.

Die Burg erstrahlt in neuem Glanz, das Bergfest hingegen ist zur Geschichte geworden. Auf der Terrasse der Wittekindsburg wurden einst die Wettbewerbe ausgetragen. MT-Archivfoto: Carsten Korfesmeyer - © Korfesmeyer,Carsten
Die Burg erstrahlt in neuem Glanz, das Bergfest hingegen ist zur Geschichte geworden. Auf der Terrasse der Wittekindsburg wurden einst die Wettbewerbe ausgetragen. MT-Archivfoto: Carsten Korfesmeyer - © Korfesmeyer,Carsten

Über seinen Vater, den Oberturnwart Heinz Günther Büsching, war der Vollblutsportler zum Bergfest gekommen. „Das war eine gewisse familiäre Verpflichtung“, begründet er seine Teilnahme, doch er sagt auch deutlich: „Es hat damals absolut Spaß gemacht.“ Den Fünfkampf gewann der seinerzeit 20-Jährige vor Klaus Kicker aus Bissendorf und Olaf Reckeweg vom TuS Lahde/Quetzten. Daneben siegte er auch im Turnwettkampf vor Reckeweg. Zum 100. Jubiläumsbergfest nahm er 1991 den Fünfkampf-Wanderpokal ein drittes und letztes Mal mit nach Hause. „Aber da waren nur noch zehn Fünfkämpfer dabei“, berichtet Büsching, der danach aus beruflichen Gründen sportlich kürzer trat. Er blieb der TG Vennebeck verbunden, der dreifache Vater leitet heute die kleine Volleyball-Abteilung des Klubs.

Über Jahrzehnte begleitete Dr. Günter Rook das Sportfest, das jeweils am dritten Septemberwochenende ausgetragen wurde. „Beim 75. Jubiläum habe ich schon mitorganisiert. Das war das letzte Mal, dass alles auf dem Platz vor der Wittekindsburg ausgetragen wurde“, erzählt der heute 89-Jährige und erinnert an goldene Zeiten: „Damals gab es hunderte Teilnehmer und etliche hundert Zuschauer. Da war ganz schön was los.“ Der langjährige Vorsitzende des MTV 1860 Minden betreute das Bergfest mit Hingabe, doch es ging bergab. Im Jahr 2000 schreibt das MT zum 109. Bergfest von „geringen Teilnehmerzahlen. Während Volksläufe und Marathon-Läufe boomen, verliert der Turner-Wettstreit seine letzten Fans. 2005 gibt es zur 114. Auflage der Veranstaltung letztmalig einen Bericht im Mindener Tageblatt. Damals treffen sich noch 42 Turner zu Sport sowie zu Kaffee und Kuchen in der Denkmalgaststätte.

„Die Teilnehmerzahlen waren irgendwann so dürftig, da lohnte sich der Aufwand nicht mehr. Das Interesse war weg“, schildert Rook den Niedergang des Bergfestes. Zu Grabe wollte er die Veranstaltung aber noch nicht. „Unser Ziel war es, für einen würdigen Abschluss zu sorgen. Bis zum 120. Geburtstag wollten wir durchhalten“, berichtet Rook. Das schaffte er mit seinen Organisationskollegen. Doch 2011 war nach 120 Bergfesten Schluss. Und im Gegensatz zur Wittekindsburg erlebte das Bergfest keine Wiederbelebung.

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