Sport-Rückblicke: GWD beging vor 25 Jahren einen Tabubruch Michael Lorenz Minden. Das Bosman-Urteil im Dezember 1995 hatte zur Folge, dass innerhalb der EU-Staaten beliebig viele Spieler aus Staaten der Europäischen Union eingesetzt werden dürfen. In der Handball-Bundesliga galt bis dahin die Regelung, dass ein Ausländer pro Team eingesetzt werden darf. Die deutsche Profihandball-Vereine einigten sich auf eine freiwillige Selbstbeschränkung auf einen Ausländer pro Team für den Rest der Saison. Die Vereine hielten sich an die Abmachung – mit einer Ausnahme: GWD Minden. Der Verein hatte seinerzeit den Schweden Robert Hedin unter Vertrag. Hans Moog, damals Finanzmanager von GWD, hatte im Dezember quasi auf Verdacht und in Erwartung des Bosman-Urteils den kroatischen Torwart Vlado Sola unter Vertrag genommen. Der damals noch junge Staat Kroatien war zu dem Zeitpunkt anders als Schweden noch kein Mitglied der EU. Am 8. Dezember wurde offiziell, dass es keine EU-Ausländer-Beschränkung geben würde und kurz darauf tilgten die Verantwortlichen von GWD das „A“ für Ausländer im Spielerpass von Hedin. Am 12. Januar wurde Vlado Sola flankiert von GWD-Torwartlegende Helmut Meisolle und Hans Moog der Presse vorgestellt. Trainer von GWD Minden war damals Jürgen Kloth. Der pensionierte Lehrer aus dem niedersächsischen Alfeld ist mittlerweile 72 Jahre alt und bester Dinge. Er hat nur ein wenig den Corona-Blues in Form von Langeweile, aber damit steht er sicherlich nicht allein da. An die damalige Zeit kann er sich noch genau erinnern: „Das war eine ganz komische Sache damals, ein bisschen anrüchig. Unser Sportlicher Leiter war damals Friedrich Spannuth. Hans Moog hat die Sache hinter dem Rücken von Spannuth geregelt. Das war eine absolute Respektlosigkeit gegenüber einer Vereinsikone, wie sie Fritz Spannuth bis heute ist.“ Dieser trat daraufhin von seinem Amt zurück.

Sport-Rückblicke: GWD beging vor 25 Jahren einen Tabubruch

Minden. Das Bosman-Urteil im Dezember 1995 hatte zur Folge, dass innerhalb der EU-Staaten beliebig viele Spieler aus Staaten der Europäischen Union eingesetzt werden dürfen. In der Handball-Bundesliga galt bis dahin die Regelung, dass ein Ausländer pro Team eingesetzt werden darf. Die deutsche Profihandball-Vereine einigten sich auf eine freiwillige Selbstbeschränkung auf einen Ausländer pro Team für den Rest der Saison. Die Vereine hielten sich an die Abmachung – mit einer Ausnahme: GWD Minden.

Weltmeister 2003: Vlado Sola (vorne). Foto: dpa - © Paulo Carrico
Weltmeister 2003: Vlado Sola (vorne). Foto: dpa - © Paulo Carrico

Der Verein hatte seinerzeit den Schweden Robert Hedin unter Vertrag. Hans Moog, damals Finanzmanager von GWD, hatte im Dezember quasi auf Verdacht und in Erwartung des Bosman-Urteils den kroatischen Torwart Vlado Sola unter Vertrag genommen. Der damals noch junge Staat Kroatien war zu dem Zeitpunkt anders als Schweden noch kein Mitglied der EU. Am 8. Dezember wurde offiziell, dass es keine EU-Ausländer-Beschränkung geben würde und kurz darauf tilgten die Verantwortlichen von GWD das „A“ für Ausländer im Spielerpass von Hedin. Am 12. Januar wurde Vlado Sola flankiert von GWD-Torwartlegende Helmut Meisolle und Hans Moog der Presse vorgestellt.

Trainer von GWD Minden war damals Jürgen Kloth. Der pensionierte Lehrer aus dem niedersächsischen Alfeld ist mittlerweile 72 Jahre alt und bester Dinge. Er hat nur ein wenig den Corona-Blues in Form von Langeweile, aber damit steht er sicherlich nicht allein da. An die damalige Zeit kann er sich noch genau erinnern: „Das war eine ganz komische Sache damals, ein bisschen anrüchig. Unser Sportlicher Leiter war damals Friedrich Spannuth. Hans Moog hat die Sache hinter dem Rücken von Spannuth geregelt. Das war eine absolute Respektlosigkeit gegenüber einer Vereinsikone, wie sie Fritz Spannuth bis heute ist.“ Dieser trat daraufhin von seinem Amt zurück.

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