Sport-Rückblicke: Der Wurf ihres Lebens - Vor 20 Jahren gewann Kirsten Münchow Olympia-Bronze in Sydney Michael Lorenz Minden. Sydney, 29. September 2000: Die Hammerwerferin Kirsten Münchow aus dem beschaulichen Portaner Ortsteil Wülpke tritt zum fünften Versuch an. Sie ergreift das Sportgerät. Drei Anschwünge, der letzte bereits im gleichen Tempo wie die erste Drehung, dann vier Pirouetten. Genau im richtigen Moment verlässt der Hammer ihre Hände und fliegt in einem perfekten Bogen durch die australische Luft. Sie jubelt noch bevor der Hammer den Boden berührt und bei der deutschen Rekordweite von 69,28 Metern landet. Eine ganze Runde muss sie noch zittern, dann steht fest: Kirsten Münchow hat Sportgeschichte geschrieben. Bei der Olympischen Premiere des Frauen-Hammerwerfens hat sie die Bronzemedaille gewonnen. „Es hat sich so leicht angefühlt, so, als wäre es nichts“, erinnert sie sich 20 Jahre später, „bereits zu dem Zeitpunkt, als ich dem Hammerlosgelassen habe, wusste ich: Das ist der Wurf meines Lebens.“ Rückblende: Zu den 27. Olympischen Spielen war die damals 23-Jährige mit nicht ganz leeren Händen angereist. Schließlich hatte sie zuvor bereits mit 68,96 Metern den deutschen Rekord aufgestellt, wie das MT damals berichtet. Mit Selbstvertrauen ging es ans andere Ende der Welt, jedoch vorerst nicht nach Sydney. Zunächst waren die Schützlinge von Bundestrainer Michael Deyle zur Vorbereitung und Akklimatisierung auf der Brisbane vorgelagerten Insel South Stradbroke im Couran Cove Island Resort. Kirsten Münchow blickt zurück: „Wir sind erst drei Tage vor dem Wettbewerb in Sydney eingetroffen. Da unser Wettkampf so ziemlich am Ende der Spiele stattfand, haben wir die Eröffnungsfeier leider nicht mitbekommen. Aber die Vorbereitung war optimal.“ Die im Vergleich zu den matronenhaft wirkenden Ostblock-Athletinnen eher zierliche Portanerin zählte in Australien zunächst nicht zum engeren Kreis der Medaillenanwärter. Klare Favoritin auf Gold war die rumänische Welt- und Europameisterin Mihaela Melinte. „Sie war im Stadion, hat sich auch mit uns eingeworfen“, blickt Kirsten Münchow zurück, „plötzlich wurde sie von Funktionären herausgenommen.Wir konnten uns darauf zunächst keinen Reim machen, erfuhren dann aber, dass sie positiv auf das Dopingmittel Nandrolon getestet wurde. Möglicherweise hat sie der rumänische Verband davon aber gar nicht in Kenntnis gesetzt.“ Ohne die Favoritin wurden die Karten neu gemischt. „Ich habe mir die Vorrundengruppen angeschaut und gemerkt: Da geht was in Sachen Medaille“, erinnert sich die Athletin, die derzeit dabei ist, sich in Nammen mit einer Physiotherapie-Praxis selbstständig zu machen. Es ging: Gold gewann die Polin Kamila Skolimowska, mit der Kirsten Münchow bis zu deren frühen Tod im Alter von 27 Jahren eine enge Freundschaft verband, Zweite wurde die russische Favoritin Olga Kusenkova. Bronze rettete Kirsten Münchow vor der Kubanerin Yipsi Moreno ins Ziel, mit der sie bis heute via Facebook befreundet ist. Nach der Siegerehrung ging es nach Hause. „Mehrere Momente sind mir als ganz besonders emotional in Erinnerung geblieben. Unter anderem war in unserer Straße in Wülpke fast der ganze Ort und auch viele Kleinenbremer zum Empfang zugegen. Besonders rührend war aber, dass ich bei einem anderen Empfang die Frau meines ehemaligen Trainers Heinz Culemann wiedergetroffen habe, zu der aufgrund eines Missverständnisses jahrelang kein Kontakt bestanden hatte. Dazu muss man sagen, das Heinz Culemann nicht nur mein Trainer, sondern auch ein sehr enger Freund war, der für mich fast den gleichen Stellenwert wie mein Vater hatte und der vier Jahre zuvor gestorben war.“ Dann gab es noch einen Empfang in der Kampa-Halle vor einem Bundesligaspiel von GWD Minden. „Auch das war toll, so viele Menschen, die mir dazu gejubelt haben. Seit dem Abend steht GWD-Manager Horst Bredemeier übrigens noch ein Essen bei mir schwach“, schildert sie lachend, „Hotti hat das bestimmt vergessen, aber ich weiß es noch genau: Gänsekeule mit Klößen und Rotkohl.“ In eigener Sache: Unsere Bemühungen waren vergeblich. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir das Video mit dem Bronze-Wurf und der Siegerehrung leider nicht zeigen.

Sport-Rückblicke: Der Wurf ihres Lebens - Vor 20 Jahren gewann Kirsten Münchow Olympia-Bronze in Sydney

Noch heute wird Kirsten Münchow nahezu täglich auf die Bronzemedaille angesprochen, die sie am 29. September 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney gewann. © Foto: imago/Sven Simon

Minden. Sydney, 29. September 2000: Die Hammerwerferin Kirsten Münchow aus dem beschaulichen Portaner Ortsteil Wülpke tritt zum fünften Versuch an. Sie ergreift das Sportgerät. Drei Anschwünge, der letzte bereits im gleichen Tempo wie die erste Drehung, dann vier Pirouetten. Genau im richtigen Moment verlässt der Hammer ihre Hände und fliegt in einem perfekten Bogen durch die australische Luft. Sie jubelt noch bevor der Hammer den Boden berührt und bei der deutschen Rekordweite von 69,28 Metern landet. Eine ganze Runde muss sie noch zittern, dann steht fest: Kirsten Münchow hat Sportgeschichte geschrieben. Bei der Olympischen Premiere des Frauen-Hammerwerfens hat sie die Bronzemedaille gewonnen.

„Es hat sich so leicht angefühlt, so, als wäre es nichts“, erinnert sie sich 20 Jahre später, „bereits zu dem Zeitpunkt, als ich dem Hammerlosgelassen habe, wusste ich: Das ist der Wurf meines Lebens.“

Rückblende: Zu den 27. Olympischen Spielen war die damals 23-Jährige mit nicht ganz leeren Händen angereist. Schließlich hatte sie zuvor bereits mit 68,96 Metern den deutschen Rekord aufgestellt, wie das MT damals berichtet. Mit Selbstvertrauen ging es ans andere Ende der Welt, jedoch vorerst nicht nach Sydney. Zunächst waren die Schützlinge von Bundestrainer Michael Deyle zur Vorbereitung und Akklimatisierung auf der Brisbane vorgelagerten Insel South Stradbroke im Couran Cove Island Resort. Kirsten Münchow blickt zurück: „Wir sind erst drei Tage vor dem Wettbewerb in Sydney eingetroffen. Da unser Wettkampf so ziemlich am Ende der Spiele stattfand, haben wir die Eröffnungsfeier leider nicht mitbekommen. Aber die Vorbereitung war optimal.“ Die im Vergleich zu den matronenhaft wirkenden Ostblock-Athletinnen eher zierliche Portanerin zählte in Australien zunächst nicht zum engeren Kreis der Medaillenanwärter. Klare Favoritin auf Gold war die rumänische Welt- und Europameisterin Mihaela Melinte. „Sie war im Stadion, hat sich auch mit uns eingeworfen“, blickt Kirsten Münchow zurück, „plötzlich wurde sie von Funktionären herausgenommen.Wir konnten uns darauf zunächst keinen Reim machen, erfuhren dann aber, dass sie positiv auf das Dopingmittel Nandrolon getestet wurde. Möglicherweise hat sie der rumänische Verband davon aber gar nicht in Kenntnis gesetzt.“

Erinnerung an eine besondere Zeit: Kirsten Münchow im signierten GWD-Trikot mit ihrem Sportgerät: dem Hammer. - © Foto: Michael Lorenz
Erinnerung an eine besondere Zeit: Kirsten Münchow im signierten GWD-Trikot mit ihrem Sportgerät: dem Hammer. - © Foto: Michael Lorenz

Ohne die Favoritin wurden die Karten neu gemischt. „Ich habe mir die Vorrundengruppen angeschaut und gemerkt: Da geht was in Sachen Medaille“, erinnert sich die Athletin, die derzeit dabei ist, sich in Nammen mit einer Physiotherapie-Praxis selbstständig zu machen.

Es ging: Gold gewann die Polin Kamila Skolimowska, mit der Kirsten Münchow bis zu deren frühen Tod im Alter von 27 Jahren eine enge Freundschaft verband, Zweite wurde die russische Favoritin Olga Kusenkova. Bronze rettete Kirsten Münchow vor der Kubanerin Yipsi Moreno ins Ziel, mit der sie bis heute via Facebook befreundet ist.

Die Wülpkerin beim olympischen Anschwung. - © Foto: imago/Simon
Die Wülpkerin beim olympischen Anschwung. - © Foto: imago/Simon

Nach der Siegerehrung ging es nach Hause. „Mehrere Momente sind mir als ganz besonders emotional in Erinnerung geblieben. Unter anderem war in unserer Straße in Wülpke fast der ganze Ort und auch viele Kleinenbremer zum Empfang zugegen. Besonders rührend war aber, dass ich bei einem anderen Empfang die Frau meines ehemaligen Trainers Heinz Culemann wiedergetroffen habe, zu der aufgrund eines Missverständnisses jahrelang kein Kontakt bestanden hatte. Dazu muss man sagen, das Heinz Culemann nicht nur mein Trainer, sondern auch ein sehr enger Freund war, der für mich fast den gleichen Stellenwert wie mein Vater hatte und der vier Jahre zuvor gestorben war.“

Bei ihrer Rückkehr aus Sydney wird Kirsten Münchow von ihrer Muter und Heimtrainerin Karin geherzt. - © Foto: imago/Alfred Harder
Bei ihrer Rückkehr aus Sydney wird Kirsten Münchow von ihrer Muter und Heimtrainerin Karin geherzt. - © Foto: imago/Alfred Harder

Dann gab es noch einen Empfang in der Kampa-Halle vor einem Bundesligaspiel von GWD Minden. „Auch das war toll, so viele Menschen, die mir dazu gejubelt haben. Seit dem Abend steht GWD-Manager Horst Bredemeier übrigens noch ein Essen bei mir schwach“, schildert sie lachend, „Hotti hat das bestimmt vergessen, aber ich weiß es noch genau: Gänsekeule mit Klößen und Rotkohl.“

In eigener Sache: Unsere Bemühungen waren vergeblich. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir das Video mit dem Bronze-Wurf und der Siegerehrung leider nicht zeigen.

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