Sport-Rückblicke: Als vor 30 Jahren zwei Mindener mit dem Rennrad von Trondheim nach Oslo fuhren Michael Lorenz Minden. Vor 30 Jahren stellten sich zwei Mindener Triathleten einer wahren Herkulesaufgabe: Helmut Senger und Reinhard Herbener von der RSG Porta bewältigten ein 562 langes Radrennen zwischen Trondheim und Norwegens Hauptstadt Oslo in 22,5 Stunden. „Den Store Styrkeprøven“ – Die große Kraftprobe – so heißt dieses Rennen, nicht umsonst. Seit 1967 ist diese Fahrt bei den Teilnehmern ebenso beliebt wie gefürchtet. Denn es gilt, neben der nicht eben kurzen Strecke auch mehr als 3600 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Zusammen mit ihrem Begleitfahrzeug, einem Bulli, der von zwei Bekannten pilotiert wurde, machten sich die beiden Sportler auf den Weg nach Norwegen. Für dieses Rennen hatten die beiden extrem viel trainiert, zum Trainingsprogramm zählte die Rad-Fernfahrt Aachen-Antwerpen-Aachen. Unter den etwa 5.000 Startern befand sich noch ein weiterer Mindener: Frank Johannsen, der Betreiber des Fahrradgeschäfts „Powerslide.“ Der Petershäger Helmut Senger, der seit 15 Jahren in Bad Holzhausen lebt, erinnert sich: „Wir wollten eigentlich zusammen fahren, aber Frank hatte bereits 100 Meter nach dem Start einen Platten. Danach haben wir ihn in Norwegen nicht mehr wiedergesehen.“ Die beiden Ostwestfalen mussten eine Zeit angeben, die sie anvisieren. In eine entsprechende Gruppe wurden sie eingeteilt. Um 8.30 Uhr erfolgte der Start in Trondheim. Nach 50 Kilometern und einigen kleineren „Aufwärmhügeln“ ging es direkt in die Vollen: Der Weg führte 130 Kilometer stetig bergauf bis auf den höchsten Punkt der Strecke, den schneebedeckten Dovrefjell. Helmut Senger erinnert sich: „Wir haben in heimischen Gefilden immer im Wiehen- und Wesergebirge trainiert, aber das war eine ganz andere Nummer. Es ging stundenlang nur bergauf. Die Zeit verging überhaupt nicht, und man denkt bei diesem Anstieg tatsächlich ans Aufhören. Viele haben das auch gemacht, man sah immer wieder Radsportler, die völlig erschöpft am Straßenrand lagen. Es ging an die Schmerzgrenze und auch darüber hinaus.“ Die beiden Sportler der RSG Porta kämpften sich vor Unmengen an Zuschauern, die die Sportler mit ihren typischen „Heja-Heja-Rufen“ anfeuerten, bis zum Gipfel durch. Sie hatten sich vor dem Rennen vorgenommen, zusammenzubleiben, wenn es irgendwie geht. Am Berg war Herbener der leistungsstärkere und wartete einmal auf Senger. Für den Rest des Rennens setzten sie ihr Vorhaben um. Dann ging es bergab. Zunächst moderat, dann steil. Senger: „Wir fuhren etwa 80 Kilometer pro Stunde, und das auf Slicks, im Regen und in einer Gruppe von etwa 50 Fahrern. Zudem kam, dass wir beide einen solchen Speed von unseren Fahrten im Weser- und Wiehengebirge gar nicht kannten. Das ging etwa eine Viertelstunde so, und wir waren heilfroh, dass nichts passiert ist. Wir haben nicht nach rechts und nicht nach links geguckt. Wir sehen ja jetzt wieder bei der Tour de France, was geschehen kann, wenn nur einer aus einer solchen Gruppe stürzt.“ Das Gebirge lag hinter den beiden, der Regen hörte jedoch nicht auf. Völlig durchnässt erreichten die beiden Kämpfer nach 352 Kilometern Lillehammer, das sich zu diesem Zeitpunkt auf die Olympischen Winterspiele 1994 vorbereitete. Mit zittrigen Händen öffneten sie ihre durchnässte Kleidung, nahmen heiße Suppe zu sich und machten eine knapp zweistündige Pause. Noch immer lagen sie unter ihrer anvisierten Zeit. Um 22 Uhr verließen sie Lillehammer, die Nachtfahrt begann. „Die Landschaft ist unglaublich schön, und das haben wir auch wahrgenommen. Da es in Norwegen im Sommer nie richtig dunkel wird, haben wir auch nachts alles sehen können, zudem wurden am Wegesrand viele Lagerfeuer gemacht, zumindest dann, wenn es nicht regnete“, berichtet Helmut Senger. Bei Kilometer 433 legten die beiden den letzten geplantne Stopp ein. Dann kamen die letzten knapp 200 Kilometer. „Auf diesem Abschnitt geben etwa 1000 Fahrer jährlich auf“, schildert Senger, „es ist eine unglaubliche Willenskraft gefordert, dort durchzuhalten.“ Morgens um 7 Uhr, nach 22,5 Stunden Fahrt, erreichen die beiden Mindener erschöpft, aber gemeinsam und glücklich das Ziel in Oslo. Die Freude währte nicht allzu lange, als Student Reinhard Herbener trocken sagte: „Wir müssen los, ich schreibe Montag morgen eine Klausur.“ Auf dem schnellsten Weg ging es mit dem Bulli ins schwedische Varberg, von dort mit der Fähre über das Kattegat nach Grenaa in Dänemark und von dort aus schnurstracks nach Hause. Die Klausur konnte kommen.

Sport-Rückblicke: Als vor 30 Jahren zwei Mindener mit dem Rennrad von Trondheim nach Oslo fuhren

Der heftigste Teil der „großen Kraftprobe“, das Dovrjefjell-Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln und Ausläufern, liegt hier bereits hinter den Sportlern der RSG Porta. Foto: privat © n

Minden. Vor 30 Jahren stellten sich zwei Mindener Triathleten einer wahren Herkulesaufgabe: Helmut Senger und Reinhard Herbener von der RSG Porta bewältigten ein 562 langes Radrennen zwischen Trondheim und Norwegens Hauptstadt Oslo in 22,5 Stunden.

„Den Store Styrkeprøven“ – Die große Kraftprobe – so heißt dieses Rennen, nicht umsonst. Seit 1967 ist diese Fahrt bei den Teilnehmern ebenso beliebt wie gefürchtet. Denn es gilt, neben der nicht eben kurzen Strecke auch mehr als 3600 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Zusammen mit ihrem Begleitfahrzeug, einem Bulli, der von zwei Bekannten pilotiert wurde, machten sich die beiden Sportler auf den Weg nach Norwegen. Für dieses Rennen hatten die beiden extrem viel trainiert, zum Trainingsprogramm zählte die Rad-Fernfahrt Aachen-Antwerpen-Aachen.

Unter den etwa 5.000 Startern befand sich noch ein weiterer Mindener: Frank Johannsen, der Betreiber des Fahrradgeschäfts „Powerslide.“ Der Petershäger Helmut Senger, der seit 15 Jahren in Bad Holzhausen lebt, erinnert sich: „Wir wollten eigentlich zusammen fahren, aber Frank hatte bereits 100 Meter nach dem Start einen Platten. Danach haben wir ihn in Norwegen nicht mehr wiedergesehen.“

Die beiden Ostwestfalen mussten eine Zeit angeben, die sie anvisieren. In eine entsprechende Gruppe wurden sie eingeteilt. Um 8.30 Uhr erfolgte der Start in Trondheim. Nach 50 Kilometern und einigen kleineren „Aufwärmhügeln“ ging es direkt in die Vollen: Der Weg führte 130 Kilometer stetig bergauf bis auf den höchsten Punkt der Strecke, den schneebedeckten Dovrefjell. Helmut Senger erinnert sich: „Wir haben in heimischen Gefilden immer im Wiehen- und Wesergebirge trainiert, aber das war eine ganz andere Nummer. Es ging stundenlang nur bergauf. Die Zeit verging überhaupt nicht, und man denkt bei diesem Anstieg tatsächlich ans Aufhören. Viele haben das auch gemacht, man sah immer wieder Radsportler, die völlig erschöpft am Straßenrand lagen. Es ging an die Schmerzgrenze und auch darüber hinaus.“

Die beiden Sportler der RSG Porta kämpften sich vor Unmengen an Zuschauern, die die Sportler mit ihren typischen „Heja-Heja-Rufen“ anfeuerten, bis zum Gipfel durch. Sie hatten sich vor dem Rennen vorgenommen, zusammenzubleiben, wenn es irgendwie geht. Am Berg war Herbener der leistungsstärkere und wartete einmal auf Senger. Für den Rest des Rennens setzten sie ihr Vorhaben um.

Dann ging es bergab. Zunächst moderat, dann steil. Senger: „Wir fuhren etwa 80 Kilometer pro Stunde, und das auf Slicks, im Regen und in einer Gruppe von etwa 50 Fahrern. Zudem kam, dass wir beide einen solchen Speed von unseren Fahrten im Weser- und Wiehengebirge gar nicht kannten. Das ging etwa eine Viertelstunde so, und wir waren heilfroh, dass nichts passiert ist. Wir haben nicht nach rechts und nicht nach links geguckt. Wir sehen ja jetzt wieder bei der Tour de France, was geschehen kann, wenn nur einer aus einer solchen Gruppe stürzt.“

Das Gebirge lag hinter den beiden, der Regen hörte jedoch nicht auf. Völlig durchnässt erreichten die beiden Kämpfer nach 352 Kilometern Lillehammer, das sich zu diesem Zeitpunkt auf die Olympischen Winterspiele 1994 vorbereitete. Mit zittrigen Händen öffneten sie ihre durchnässte Kleidung, nahmen heiße Suppe zu sich und machten eine knapp zweistündige Pause. Noch immer lagen sie unter ihrer anvisierten Zeit. Um 22 Uhr verließen sie Lillehammer, die Nachtfahrt begann.

„Die Landschaft ist unglaublich schön, und das haben wir auch wahrgenommen. Da es in Norwegen im Sommer nie richtig dunkel wird, haben wir auch nachts alles sehen können, zudem wurden am Wegesrand viele Lagerfeuer gemacht, zumindest dann, wenn es nicht regnete“, berichtet Helmut Senger. Bei Kilometer 433 legten die beiden den letzten geplantne Stopp ein. Dann kamen die letzten knapp 200 Kilometer. „Auf diesem Abschnitt geben etwa 1000 Fahrer jährlich auf“, schildert Senger, „es ist eine unglaubliche Willenskraft gefordert, dort durchzuhalten.“ Morgens um 7 Uhr, nach 22,5 Stunden Fahrt, erreichen die beiden Mindener erschöpft, aber gemeinsam und glücklich das Ziel in Oslo.

Die Freude währte nicht allzu lange, als Student Reinhard Herbener trocken sagte: „Wir müssen los, ich schreibe Montag morgen eine Klausur.“ Auf dem schnellsten Weg ging es mit dem Bulli ins schwedische Varberg, von dort mit der Fähre über das Kattegat nach Grenaa in Dänemark und von dort aus schnurstracks nach Hause. Die Klausur konnte kommen.

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