Reifenspuren in der Handballstadt: René Rast hat Mindener Motorsport-Geschichte geschrieben Marcus Riechmann Minden/Hockenheim. Sie haben in 15 gemeinsamen Jahren eine Menge erlebt, Triumphe gefeiert und tiefe Täler durchschritten. Doch selten hat sie ein Moment so emotional durchgeschüttelt wie gestern die Zieldurchfahrt in Hockenheim. Als René Rast in seinem Audi die schwarz-weiß karierte Flagge passierte und sich nach einer Triumphfahrt ein drittes Mal zum DTM-Champion krönte, kämpfte der sonst so stoisch wirkende Mindener ebenso mit den Tränen wie sein Bückeburger Manager Dennis Rostek. Immer wieder griff sich der neue und alte Champion mit seinen behandschuhten Händen durch den Helmschlitz an die Augen. „Ich habe keine Worte“, meinte er ergriffen und fand dann doch welche: „Es ist so viel Druck abgefallen, ich wollte diesen Titel unbedingt“, erzählte der DTM-Dominator der letzten Jahre, der mit dem erneuten Titelgewinn in die Riege der ganz großen deutschen Rennfahrer aufsteigt. Er ist nun gleichauf mit Tourenwagen-Legende Klaus Ludwig. Besser ist nur der große Bernd Schneider, mit fünf Championaten „Mr. DTM“. Der Sieg zum Abschluss am Sonntag war standesgemäß, die Meisterschaft beendete Rast mit 23 Punkten Vorsprung auf den Schweizer Nico Müller, dem er gestern mit einer souveränen Vorstellung keine Chance ließ. Dass der Sieg die Ära der „alten“ DTM beschloss, die künftig mit anderen Autos und anderen Teams auf die Strecken geht, rührte Rast zusätzlich: „Ich hätte bis morgen durchfahren können“, genoss der 34-Jährige den Augenblick. „Ich kann meinen Jungs gar nicht genug danken“, hob er die Leistung seines Rosberg-Teams hervor und gab Einblicke in seine Gefühlswelt: „Ich musste schon Mitte des Rennens aufpassen, weil ich Tränen in den Augen hatte. Weil ich ja wusste, dass es das letzte Rennen in diesem Auto ist.“ Rührung erfasste auch Rostek, selbst passionierter Rennfahrer. Am Audi-Kommandostand wischte sich der Manager die Tränen aus den Augenwinkeln, als der erneute DTM-Sieg seines Schützlings feststand. „Der dritte Titel war der schwerste von allen und die letzten acht Wochen das Intensivste, was wir beiden bisher durchgezogen haben“, berichtete Rostek von einem „unglaublichen Moment“ am Ende einer Nerven zehrenden Aufholjagd: Noch sechs Rennen vor Schluss hatte der Titelverteidiger 43 Punkte Rückstand auf Müller gehabt. Erst seit vier Jahren dreht Spätstarter Rast seine Runden in der großen Rennserie und reiht seitdem Erfolg an Erfolg. Mit 24 Siegen in lediglich 76 Rennen hat er eine unglaubliche Quote erreicht und sich in der ewigen DTM-Bestenliste vorbei an Mattias Ekström auf Platz drei hinter Schneider (43) und Ludwig (37) geschoben. Damit hat er tiefe Reifenspuren in der deutschen Rennsporthistorie hinterlassen und der Handballhochburg Minden bundesweite Beachtung verschafft. Zwar ist Rast lediglich in Minden geboren: Er wuchs in Steyerberg im Nienburger Süden auf und lebt längst mit seiner Familie in Bregenz am Bodensee. Doch in der DTM und allen Medien firmiert er als Mindener und damit als schnellster Botschafter der Weserstadt. Dorthin führt ihn der Weg regelmäßig. Mit Handballfan Rostek besucht er Heimspiele des Bundesligisten GWD, er ist Talkgast im Motorsportjournal von Frank Rehorst bei Radio Westfalica und feiert auf dem Marktplatz seine DTM-Titel mit Tausenden Fans. Zweimal war dort Michael Jäcke Gastgeber des genialen Rennfahrers – und der Mindener Bürgermeister würde ihn auch gern ein drittes Mal begrüßen. „Innerhalb weniger Jahre zum dritten Mal den Titel zu holen, hebt René endgültig in die Riege der deutschen Top-Athleten. Alle Motorsport-Fans in Minden freuen sich mit ihm“, ist Jäcke einig mit Handball-Legende Horst Bredemeier, der sich die DTM-Rennen nur anschaut, weil Rast dabei ist. „Ich freue mich für René und Dennis. René ist ein toller Typ, der hart arbeitet und mit seiner Fokussierung ein Vorbild auch für die Handballer sein kann“, sagte der GWD-Vorsitzende Bredemeier: „René Rast ist ein Sympathieträger für Minden.“ Das perfekte Zusammenspiel von Rast und Rostek betonte der Mindener Motorsport-Experte Frank Rehhorst. „Die beiden haben viel bewegt. René arbeitet nicht nur hart, er ist auch extrem talentiert. Egal in welches Auto man ihn setzt, er holt das Beste raus“, lobte der Macher der Radiosendung „Mikro Minden“. Er erhofft sich mit dem neuerlichen DTM-Triumph Impulse für den heimischen Motorsport: „Die Szene ist klein geworden“, sagte Rehorst und erinnert an exzellente heimische Fahrer wie Kai Riemer, Thomas Klenke, Thomas Gerling, Carsten Welschar, Karl-Heinz Brinkmann – oder auch Rostek selbst. Doch viel erfolgreicher als am Steuer ist der aus Porta Westfalica nach Bückeburg gezogene Rostek in seiner Rolle als Manager und Mentor von Rast und mittlerweile einiger anderer Rennfahrer. Rehorst meint: „Dennis gehört zu den Großen der Branche. Er macht einfach einen super Job.“ Den Weg in die Zukunft seines Erfolgsfahrers hat er schon geebnet: Rast bleibt Audi-Werksfahrer, und der Fokus liegt nun auf der Formel E. Auch dort will Rast die Fans im Mindener Handballland künftig mit packenden Rennen elektrisieren. DTM: Das Finale in Zahlen 9. und letztes Saisonrennen am Hockenheimring: 1. Rene Rast (Minden) Audi Sport Team Rosberg 57:49,271 Minuten, 2. Nico Müller (Schweiz) Audi Sport Team Abt 10,199 Sekunden zurück, 3. Jamie Green (Großbritannien) Audi Sport Team Rosberg 13,409, 4. Mike Rockenfeller (Neuwied) Audi Sport Team Phoenix 16,648, 5. Robin Frijns (Niederlande) Audi Sport Team Abt 17,887, 6. Loic Duval (Frankreich) Audi Sport Team Phoenix 26,068, 7. Jonathan Aberdein (Südafrika) BMW Team RMR 32,673, 8. Timo Glock (Wersau) BMW Team RMG 40,451, 9. Sheldon van der Linde (Südafrika) BMW Team RBM 40,974.Fahrerwertung, Endstand: 1. Rene Rast (Minden) 353 Punkte, 2. Müller 330, 3. Frijns 279, 4. Rockenfeller 139, 5. Glock 120, 6. van der Linde 108.

Reifenspuren in der Handballstadt: René Rast hat Mindener Motorsport-Geschichte geschrieben

Minden-Bückeburger Erfolgsduo: René Rast und Dennis Rostek genießen den Abend mit dem gläsernen DTM-Pokal Foto: privat © privat Rostek

Minden/Hockenheim. Sie haben in 15 gemeinsamen Jahren eine Menge erlebt, Triumphe gefeiert und tiefe Täler durchschritten. Doch selten hat sie ein Moment so emotional durchgeschüttelt wie gestern die Zieldurchfahrt in Hockenheim. Als René Rast in seinem Audi die schwarz-weiß karierte Flagge passierte und sich nach einer Triumphfahrt ein drittes Mal zum DTM-Champion krönte, kämpfte der sonst so stoisch wirkende Mindener ebenso mit den Tränen wie sein Bückeburger Manager Dennis Rostek.

Immer wieder griff sich der neue und alte Champion mit seinen behandschuhten Händen durch den Helmschlitz an die Augen. „Ich habe keine Worte“, meinte er ergriffen und fand dann doch welche: „Es ist so viel Druck abgefallen, ich wollte diesen Titel unbedingt“, erzählte der DTM-Dominator der letzten Jahre, der mit dem erneuten Titelgewinn in die Riege der ganz großen deutschen Rennfahrer aufsteigt. Er ist nun gleichauf mit Tourenwagen-Legende Klaus Ludwig. Besser ist nur der große Bernd Schneider, mit fünf Championaten „Mr. DTM“. Der Sieg zum Abschluss am Sonntag war standesgemäß, die Meisterschaft beendete Rast mit 23 Punkten Vorsprung auf den Schweizer Nico Müller, dem er gestern mit einer souveränen Vorstellung keine Chance ließ.

Schon wieder ganz oben: René Rast steht auf seinem Erfolgs-Audi und feiert den dritten Meistertitel in der DTM. Foto: Thomas Pakusch /imago - © imago images/Pakusch
Schon wieder ganz oben: René Rast steht auf seinem Erfolgs-Audi und feiert den dritten Meistertitel in der DTM. Foto: Thomas Pakusch /imago - © imago images/Pakusch

Dass der Sieg die Ära der „alten“ DTM beschloss, die künftig mit anderen Autos und anderen Teams auf die Strecken geht, rührte Rast zusätzlich: „Ich hätte bis morgen durchfahren können“, genoss der 34-Jährige den Augenblick. „Ich kann meinen Jungs gar nicht genug danken“, hob er die Leistung seines Rosberg-Teams hervor und gab Einblicke in seine Gefühlswelt: „Ich musste schon Mitte des Rennens aufpassen, weil ich Tränen in den Augen hatte. Weil ich ja wusste, dass es das letzte Rennen in diesem Auto ist.“

Rührung erfasste auch Rostek, selbst passionierter Rennfahrer. Am Audi-Kommandostand wischte sich der Manager die Tränen aus den Augenwinkeln, als der erneute DTM-Sieg seines Schützlings feststand. „Der dritte Titel war der schwerste von allen und die letzten acht Wochen das Intensivste, was wir beiden bisher durchgezogen haben“, berichtete Rostek von einem „unglaublichen Moment“ am Ende einer Nerven zehrenden Aufholjagd: Noch sechs Rennen vor Schluss hatte der Titelverteidiger 43 Punkte Rückstand auf Müller gehabt.

Erst seit vier Jahren dreht Spätstarter Rast seine Runden in der großen Rennserie und reiht seitdem Erfolg an Erfolg. Mit 24 Siegen in lediglich 76 Rennen hat er eine unglaubliche Quote erreicht und sich in der ewigen DTM-Bestenliste vorbei an Mattias Ekström auf Platz drei hinter Schneider (43) und Ludwig (37) geschoben.

Damit hat er tiefe Reifenspuren in der deutschen Rennsporthistorie hinterlassen und der Handballhochburg Minden bundesweite Beachtung verschafft. Zwar ist Rast lediglich in Minden geboren: Er wuchs in Steyerberg im Nienburger Süden auf und lebt längst mit seiner Familie in Bregenz am Bodensee. Doch in der DTM und allen Medien firmiert er als Mindener und damit als schnellster Botschafter der Weserstadt.

Dorthin führt ihn der Weg regelmäßig. Mit Handballfan Rostek besucht er Heimspiele des Bundesligisten GWD, er ist Talkgast im Motorsportjournal von Frank Rehorst bei Radio Westfalica und feiert auf dem Marktplatz seine DTM-Titel mit Tausenden Fans.

Zweimal war dort Michael Jäcke Gastgeber des genialen Rennfahrers – und der Mindener Bürgermeister würde ihn auch gern ein drittes Mal begrüßen. „Innerhalb weniger Jahre zum dritten Mal den Titel zu holen, hebt René endgültig in die Riege der deutschen Top-Athleten. Alle Motorsport-Fans in Minden freuen sich mit ihm“, ist Jäcke einig mit Handball-Legende Horst Bredemeier, der sich die DTM-Rennen nur anschaut, weil Rast dabei ist. „Ich freue mich für René und Dennis. René ist ein toller Typ, der hart arbeitet und mit seiner Fokussierung ein Vorbild auch für die Handballer sein kann“, sagte der GWD-Vorsitzende Bredemeier: „René Rast ist ein Sympathieträger für Minden.“

Das perfekte Zusammenspiel von Rast und Rostek betonte der Mindener Motorsport-Experte Frank Rehhorst. „Die beiden haben viel bewegt. René arbeitet nicht nur hart, er ist auch extrem talentiert. Egal in welches Auto man ihn setzt, er holt das Beste raus“, lobte der Macher der Radiosendung „Mikro Minden“. Er erhofft sich mit dem neuerlichen DTM-Triumph Impulse für den heimischen Motorsport: „Die Szene ist klein geworden“, sagte Rehorst und erinnert an exzellente heimische Fahrer wie Kai Riemer, Thomas Klenke, Thomas Gerling, Carsten Welschar, Karl-Heinz Brinkmann – oder auch Rostek selbst.

Doch viel erfolgreicher als am Steuer ist der aus Porta Westfalica nach Bückeburg gezogene Rostek in seiner Rolle als Manager und Mentor von Rast und mittlerweile einiger anderer Rennfahrer. Rehorst meint: „Dennis gehört zu den Großen der Branche. Er macht einfach einen super Job.“ Den Weg in die Zukunft seines Erfolgsfahrers hat er schon geebnet: Rast bleibt Audi-Werksfahrer, und der Fokus liegt nun auf der Formel E. Auch dort will Rast die Fans im Mindener Handballland künftig mit packenden Rennen elektrisieren.

DTM: Das Finale in Zahlen

9. und letztes Saisonrennen am Hockenheimring: 1. Rene Rast (Minden) Audi Sport Team Rosberg 57:49,271 Minuten, 2. Nico Müller (Schweiz) Audi Sport Team Abt 10,199 Sekunden zurück, 3. Jamie Green (Großbritannien) Audi Sport Team Rosberg 13,409, 4. Mike Rockenfeller (Neuwied) Audi Sport Team Phoenix 16,648, 5. Robin Frijns (Niederlande) Audi Sport Team Abt 17,887, 6. Loic Duval (Frankreich) Audi Sport Team Phoenix 26,068, 7. Jonathan Aberdein (Südafrika) BMW Team RMR 32,673, 8. Timo Glock (Wersau) BMW Team RMG 40,451, 9. Sheldon van der Linde (Südafrika) BMW Team RBM 40,974.Fahrerwertung, Endstand: 1. Rene Rast (Minden) 353 Punkte, 2. Müller 330, 3. Frijns 279, 4. Rockenfeller 139, 5. Glock 120, 6. van der Linde 108.

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