Portaner Heinrich-Hermann Engemann trainiert Kolumbiens Springreiter-Elite Jörg Wehling Porta Westfalica. Weltweit unterwegs und in Porta Westfalica zu Hause: Das ist Heinrich-Hermann Engemann. Der 61-jährige ist Profitrainer im Pferdesport und dabei sehr gut vernetzt. Während sich Bekanntheitsgrade in anderen Sportarten häufig auf Deutschland oder Europa begrenzen, genießt seine Arbeit weltweit einen exzellenten Ruf. Der Grund: Engemann war bis zum Ende vergangenen Jahres Co-Trainer der deutschen Springreiter an der Seite des Bundestrainers Otto Becker. Von diesem Jahr an ist er nun Nationaltrainer der Springreiter Kolumbiens. Zum Abschied bekam Engemann eine besondere Wertschätzung und erhielt das Reiterkreuz in Silber. Deutsche Medaillengewinne bei Olympischen Spielen, Nationenpreise oder Topplatzierungen bei Weltmeisterschaften und Europa-Titelkämpfen tragen somit auch Engemanns Handschrift. Zudem gründete der Pferdewirtschaftsmeister in seiner Funktion als Co-Bundestrainer mit der U25-Nationalmannschaft einen Perspektivkader, um den Übergang von der Altersklasse „Junge Reiter“ zu den Senioren zu erleichtern. „Gerade in jungen Jahren wäre es sonst um so schwieriger, international Fuß zu fassen“, erläutert Engemann. Er selbst hatte diese Möglichkeiten nicht, er hatte aber mit Sönke Sönksen, einem Topreiter in den 70-er Jahren, einen prominenten Förderer. „Ich hatte das Glück, im Sport erfolgreich zu sein und meinen Sport auch ohne große Verletzungen lange ausüben zu können“, sagt Engemann. Glück und Erfolg: Das waren in seiner 20-jährigen Karriere als Weltklasse-Reiter 45 Nationenpreis-Starts für Deutschland mit Topplatzierungen. Seinen größten sportlicher Erfolge feierte er mit seinem Pferd Aboyeur W, als er beim Weltcup-Finale 2008 in Göteborg Dritter wurde. Im gleichen Jahr waren Heinrich-Hermann Engemann und Aboyeur W bei den olympischen Spielen in Peking das Ersatzpaar für den Fall des Ausfalls eines geplanten Starters der deutschen Mannschaft. Sein Erfolgspferd Aboyeur W, ein 27-Jähriger Westfalen-Wallach, bekommt auf dem Hof in Veltheim, den er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Vieregge führt, sein verdientes Gnadenbrot. Die gute Arbeit als Trainer hat sich natürlich auch in Südamerika herumgesprochen. Nach seinem Abschied als Co-Bundestrainer ist er nun seit Anfang des Jahres Nationaltrainer Kolumbiens. Warum ausgerechnet Kolumbien? „Das ist eine berechtigte Frage, aber die ist schnell aufzuklären“, sagt der Reittrainer. Der Neffe einer befreundeten Familie war Kolumbianer und machte ein dreimonatiges Praktikum in Deutschland. Im Laufe der Jahre lernte man sich bei internationalen Reitturnieren und bei Trainingslehrgängen besser kennen und schätzen. Als es mit dem Verbandspräsidenten-Wechsel in Kolumbien dann darum ging, neue Strukturen zu schaffen und einen Nationaltrainer zu suchen, fiel die Wahl schnell auf Engemann. „Kolumbien ist natürlich mit vielen Vorurteilen behaftet. Manches stimmt, manches aber auch nicht. Wir haben aber als Familie natürlich darüber gesprochen, ob ich den Job annehmen soll, oder nicht“, sagt Engemann. Natürlich gab es in Zeiten von Corona auch wirtschaftliche Gründe, die dafür sprachen. Im Dezember war Engemann zum Antrittsbesuch in Bogota, bevor er zwei Tage vor Weihnachten wieder in Deutschland war. „Ohnehin muss ich nicht ständig nach Südamerika fliegen“, betont Engemann. Denn seine Topreiter, die international im oberen Mittelfeld anzusiedeln sind, starten zu einem großen Teil in den USA oder in Europa. „Meine Aufgabe wird es wie bei jedem anderem Nationaltrainer auch sein, sich vor Ort ein Bild zu machen vom Leistungsstand der Reiter. Da sind die Wege aber nicht immer so weit, wie man glaubt.“ Weil Honorarverträge bei den Reittrainern meist über den Zeitraum einer Olympiade einhergehen, also vier Jahre, gibt es auch eine gewisse Erwartungshaltung der Auftraggeber. Engemanns vordringliche Aufgabe wird es nun sein, den besten kolumbianischen Springreiter auszusuchen, um ihn, sofern es die Corona-Pandemie zulässt, zu den Olympischen Spielen nach Tokio zu schicken. Damit wäre Engemann dann zum vierten Mal bei Sommerspielen, nachdem er bereits in Peking, London und Rio dabei war. Der Start in Tokio hätte für ihn aber dennoch etwas Besonderes. Es wäre das erste Mal, dass er nicht mit dem deutschen Bundesadler auf der Brust dabei wäre. Soweit die Reisen den Trainer um den Globus führen, so nahe ist der Pferdewirtschaftsmeister in der Region verwurzelt. Das weltweite Reitsportgeschehen im Blick behält Engemann von Porta Westfalica aus. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Kathrin Vieregge betreibt der 61-Jährige einen Ausbildungsbetrieb für junge Springpferde in Veltheim – idyllisch gelegen am Weserradweg mit Blick auf die Weserauen und den Fluss. „Viel schöner kann man nicht wohnen und leben. Das hier ist mein Rückzugsort nach den langen Reisen. Das erdet einen“, sagt Engemann und schaut dabei von seiner Koppel aus auf die Weser. Eine passionierte Turnierreitern auf internationalem Zwei Sterne-Niveau ist seine Lebenspartnerin Kathrin Vieregge. Ob es ein Vorteil sei, wenn man einen Bundestrainer als Trainer hat? Das lässt Vieregge offen. „Für meine Entwicklung und an den sportlichen Erfolgen hat er einen großen Anteil. Aber natürlich hat man auch gelegentlich seine eigenen Ansichten.“ Ihre sportliche Heimat haben die beiden in der Region in Lohfeld beim Reit- und Fahrverein Großer Weserbogen. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten bringen wir uns da ein“, sagt Engemann, der dort eher „normales“ Mitglied ist und weniger der prominente Profitrainer. Die Nachbarn in Veltheim wissen schon genau, welchen Job Engemann macht. Und sie sprechen ihn natürlich gelegentlich darauf an, wie es so läuft. Doch in der Idylle eines Handballdorfes genießt er auch die Beschaulichkeit und die Ruhe fernab der großen Reitsportzentren Warendorf und Münster. Und zu den regionalen Turnieren zum Beispiel in Hille begleitet Engemann seine Lebenspartnerin dann. Bevor es wieder los geht in die weite Welt der Reiterei.

Portaner Heinrich-Hermann Engemann trainiert Kolumbiens Springreiter-Elite

Idealer Rückzugsort an der Weser: Reittrainer Heinrich-Hermann Engemann auf der Anlage in Veltheim. MT-Fotos (2): Jörg Wehling © Jörg Wehling

Porta Westfalica. Weltweit unterwegs und in Porta Westfalica zu Hause: Das ist Heinrich-Hermann Engemann. Der 61-jährige ist Profitrainer im Pferdesport und dabei sehr gut vernetzt. Während sich Bekanntheitsgrade in anderen Sportarten häufig auf Deutschland oder Europa begrenzen, genießt seine Arbeit weltweit einen exzellenten Ruf. Der Grund: Engemann war bis zum Ende vergangenen Jahres Co-Trainer der deutschen Springreiter an der Seite des Bundestrainers Otto Becker. Von diesem Jahr an ist er nun Nationaltrainer der Springreiter Kolumbiens. Zum Abschied bekam Engemann eine besondere Wertschätzung und erhielt das Reiterkreuz in Silber.

Deutsche Medaillengewinne bei Olympischen Spielen, Nationenpreise oder Topplatzierungen bei Weltmeisterschaften und Europa-Titelkämpfen tragen somit auch Engemanns Handschrift. Zudem gründete der Pferdewirtschaftsmeister in seiner Funktion als Co-Bundestrainer mit der U25-Nationalmannschaft einen Perspektivkader, um den Übergang von der Altersklasse „Junge Reiter“ zu den Senioren zu erleichtern. „Gerade in jungen Jahren wäre es sonst um so schwieriger, international Fuß zu fassen“, erläutert Engemann.

Heinrich-Hermann Engemann (Mitte) mit Mannschaftstierarzt Dr. Jan Hein Swagemakers (links) und Bundestrainer Otto Becker im deutschen Quartier nach dem Gewinn der Bronzemedaille in Rio. Foto: privat - © pr
Heinrich-Hermann Engemann (Mitte) mit Mannschaftstierarzt Dr. Jan Hein Swagemakers (links) und Bundestrainer Otto Becker im deutschen Quartier nach dem Gewinn der Bronzemedaille in Rio. Foto: privat - © pr

Er selbst hatte diese Möglichkeiten nicht, er hatte aber mit Sönke Sönksen, einem Topreiter in den 70-er Jahren, einen prominenten Förderer. „Ich hatte das Glück, im Sport erfolgreich zu sein und meinen Sport auch ohne große Verletzungen lange ausüben zu können“, sagt Engemann.

Glück und Erfolg: Das waren in seiner 20-jährigen Karriere als Weltklasse-Reiter 45 Nationenpreis-Starts für Deutschland mit Topplatzierungen. Seinen größten sportlicher Erfolge feierte er mit seinem Pferd Aboyeur W, als er beim Weltcup-Finale 2008 in Göteborg Dritter wurde. Im gleichen Jahr waren Heinrich-Hermann Engemann und Aboyeur W bei den olympischen Spielen in Peking das Ersatzpaar für den Fall des Ausfalls eines geplanten Starters der deutschen Mannschaft.

Heinrich-Hermann Engemann mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Vieregge. - © Jörg Wehling
Heinrich-Hermann Engemann mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Vieregge. - © Jörg Wehling

Sein Erfolgspferd Aboyeur W, ein 27-Jähriger Westfalen-Wallach, bekommt auf dem Hof in Veltheim, den er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Vieregge führt, sein verdientes Gnadenbrot.

Die gute Arbeit als Trainer hat sich natürlich auch in Südamerika herumgesprochen. Nach seinem Abschied als Co-Bundestrainer ist er nun seit Anfang des Jahres Nationaltrainer Kolumbiens. Warum ausgerechnet Kolumbien? „Das ist eine berechtigte Frage, aber die ist schnell aufzuklären“, sagt der Reittrainer. Der Neffe einer befreundeten Familie war Kolumbianer und machte ein dreimonatiges Praktikum in Deutschland. Im Laufe der Jahre lernte man sich bei internationalen Reitturnieren und bei Trainingslehrgängen besser kennen und schätzen. Als es mit dem Verbandspräsidenten-Wechsel in Kolumbien dann darum ging, neue Strukturen zu schaffen und einen Nationaltrainer zu suchen, fiel die Wahl schnell auf Engemann.

„Kolumbien ist natürlich mit vielen Vorurteilen behaftet. Manches stimmt, manches aber auch nicht. Wir haben aber als Familie natürlich darüber gesprochen, ob ich den Job annehmen soll, oder nicht“, sagt Engemann.

Natürlich gab es in Zeiten von Corona auch wirtschaftliche Gründe, die dafür sprachen. Im Dezember war Engemann zum Antrittsbesuch in Bogota, bevor er zwei Tage vor Weihnachten wieder in Deutschland war. „Ohnehin muss ich nicht ständig nach Südamerika fliegen“, betont Engemann. Denn seine Topreiter, die international im oberen Mittelfeld anzusiedeln sind, starten zu einem großen Teil in den USA oder in Europa. „Meine Aufgabe wird es wie bei jedem anderem Nationaltrainer auch sein, sich vor Ort ein Bild zu machen vom Leistungsstand der Reiter. Da sind die Wege aber nicht immer so weit, wie man glaubt.“

Weil Honorarverträge bei den Reittrainern meist über den Zeitraum einer Olympiade einhergehen, also vier Jahre, gibt es auch eine gewisse Erwartungshaltung der Auftraggeber. Engemanns vordringliche Aufgabe wird es nun sein, den besten kolumbianischen Springreiter auszusuchen, um ihn, sofern es die Corona-Pandemie zulässt, zu den Olympischen Spielen nach Tokio zu schicken. Damit wäre Engemann dann zum vierten Mal bei Sommerspielen, nachdem er bereits in Peking, London und Rio dabei war. Der Start in Tokio hätte für ihn aber dennoch etwas Besonderes. Es wäre das erste Mal, dass er nicht mit dem deutschen Bundesadler auf der Brust dabei wäre. Soweit die Reisen den Trainer um den Globus führen, so nahe ist der Pferdewirtschaftsmeister in der Region verwurzelt.

Das weltweite Reitsportgeschehen im Blick behält Engemann von Porta Westfalica aus. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Kathrin Vieregge betreibt der 61-Jährige einen Ausbildungsbetrieb für junge Springpferde in Veltheim – idyllisch gelegen am Weserradweg mit Blick auf die Weserauen und den Fluss. „Viel schöner kann man nicht wohnen und leben. Das hier ist mein Rückzugsort nach den langen Reisen. Das erdet einen“, sagt Engemann und schaut dabei von seiner Koppel aus auf die Weser.

Eine passionierte Turnierreitern auf internationalem Zwei Sterne-Niveau ist seine Lebenspartnerin Kathrin Vieregge. Ob es ein Vorteil sei, wenn man einen Bundestrainer als Trainer hat? Das lässt Vieregge offen. „Für meine Entwicklung und an den sportlichen Erfolgen hat er einen großen Anteil. Aber natürlich hat man auch gelegentlich seine eigenen Ansichten.“

Ihre sportliche Heimat haben die beiden in der Region in Lohfeld beim Reit- und Fahrverein Großer Weserbogen. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten bringen wir uns da ein“, sagt Engemann, der dort eher „normales“ Mitglied ist und weniger der prominente Profitrainer.

Die Nachbarn in Veltheim wissen schon genau, welchen Job Engemann macht. Und sie sprechen ihn natürlich gelegentlich darauf an, wie es so läuft. Doch in der Idylle eines Handballdorfes genießt er auch die Beschaulichkeit und die Ruhe fernab der großen Reitsportzentren Warendorf und Münster. Und zu den regionalen Turnieren zum Beispiel in Hille begleitet Engemann seine Lebenspartnerin dann. Bevor es wieder los geht in die weite Welt der Reiterei.

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