Olympia lokal: „Ohne Zuschauer fehlt etwas“, findet Horst Bredemeier Jörg Wehling Minden. „Olympische Spiele sind im Leben eines Sportlers das allergrößte. Mehr geht nicht. Das ist ein Gänsehaut-Erlebnis pur.“ Das sagt GWD Mindens Vereinschef Horst Bredemeier, der sich drei Mal so richtig olympisch fühlen durfte. Bei seiner Premiere 1992 war er als Bundestrainer dabei. 2004 in Athen und 2008 in Peking war Bredemeier Vize-Präsident des Deutschen-Handball-Bundes und damit Delegationsleiter für seine Sportart – und durfte so an der Eröffnungszeremonie mit Showprogramm und Entzünden der olympischen Flamme aus nächster Nähe beiwohnen. Ob er eine Lieblings-Olympiade hat, an die er sich besonders gerne zurückerinnert? „Nein, auf keinen Fall. Alle Spiele hatten ihren ganz besonderen Reiz“, sagt Bredemeier. Allerdings: Einen besonderen Stellenwert hat Olympia in Barcelona 1992 dann doch, weil es seine erste war. „Es waren die Spiele der kurzen Wege. Wir haben im Hafenviertel gewohnt. Der Weg in die Stadt war nicht weit. Wir konnten uns das bunte Treiben auf der Flaniermeile Ramblas anschauen. Das war schon überragend“, sagt der Mindener. Allerdings bedeutete Barcelona auch eine Zäsur für ihn. Schließlich hatte Bredemeier mit Platz zehn das sportlich schlechteste Abschneiden der Handball-Nationalmannschaft zu verantworten – und trat anschließend als Bundestrainer zurück. „Vielleicht waren wir auch insgesamt etwas zu abgelenkt von dem ganzen drum herum im Dorf. Aber missen möchte ich diese Erfahrung auf keinen Fall.“ An den Einmarsch bei der Eröffnung kann er sich ebenfalls noch sehr gut erinnern. „Ich hatte nagelneue Schuhe an und die waren nicht eingelaufen. Im Stadion habe ich sie dann ausgezogen, als wir unseren Platz erreicht hatten.“ Dass bei den Spielen in Tokio die deutschen Handballer heute an der Eröffnungszeremonie nicht teilnehmen werden, das kann Bredemeier gut verstehen. „ Es ist schon eine Tortur, auch wenn man sie gerne in Kauf nimmt. Aber man trifft sich drei Stunden vor dem Beginn in einer Halle und wartet, dass es losgeht. Und anschließend muss man zu sehen, dass man wieder ins Olympische Dorf zurückkommt. Das zehrt schon an den Kräften.“ Athen 2004 hatte für Bredemeier ebenfalls seinen besonderen Reiz. „Für mich war es das schönste Olympische Dorf von den dreien, die ich erleben durfte. Zudem hat man dort Sportler getroffen wie die US-Basketballer, die man nur aus dem Fernsehen kannte“, sagt der GWD-Boss. Außerdem lief es sportlich richtig gut mit der Silbermedaille, die die DHB-Auswahl mit Frank von Behren als Spieler holte. „Unvergessen ist das dramatische Viertelfinalspiel gegen Spanien, in dem Henning Fritz brillant die entscheidenden Siebenmeter hält“, sagt „Hotti“. Auch das Finale hatte es in sich, das gegen Kroatien verloren ging. „Ich fand, wir hatten Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Es war ein Duell auf Augenhöhe mit einem unglücklichen Ausgang“, sagt Bredemeier. Ein ähnlich gutes Abschneiden traut er der aktuellen Mannschaft in Tokio zu: „Auch wenn die Vorrundengruppe sicher schwierig sein dürfte.“ Wenn ihn etwas bewegt bei Olympia, dann war es auch der Blick auf andere Sportarten. „Die Leichtathletik hat es mir angetan. Ich durfte mir den 100-Meter-Lauf der Männer im Stadion anschauen. Das war schon genial“, sagt er. China und damit Peking haben Bredemeier ebenfalls beeindruckt, auch wenn er sich dort nicht ganz so unbeschwert bewegen konnte wie in Barcelona oder Athen. „Zu den Sehenswürdigkeiten wie die Verbotene Stadt oder die chinesische Mauer wurde man hingefahren. Es war alles etwas strenger organisiert. Aber dafür gab es die Treffen mit den Sportlern im deutschen Haus“, sagt der Mindener. Das besondere olympische Flair bewegte ihn auch in Peking beim Einmarsch in das Stadion. „Das Winken und Jubeln der Zuschauer war schon richtig gut.“ Sportlich war auch Peking eher eine Enttäuschung für die DHB-Auswahl. Nach einem 21:27 gegen Dänemark schied man als Gruppenfünfter in der Vorrunde aus. Ob sich Bredemeier die heutige Eröffnungszeremonie im Fernsehen anschaut, das lässt er noch offen. „Es ist einfach nicht schön, wenn man als Aktiver einer leeren Tribüne zuwinkt und der Applaus vom Band kommt. Das senkt die Stimmung doch sehr, auch am Fernseher. Aber in Zeiten von Corona geht es wohl nicht anders.“ Anschauen wird er sich die Spiele aber dennoch, sofern es zeitlich einrichten lässt. Natürlich drückt er den Handballern besonders die Daumen. „In diesen Zeiten muss man sich vielleicht ganz auf seinen Sport konzentrieren und das Drumherum ausblenden. Auch wenn es einem weh tut, eine Olympiade ohne Zuschauer vor Ort erleben zu müssen. Das fehlt etwas Elementares.“

Olympia lokal: „Ohne Zuschauer fehlt etwas“, findet Horst Bredemeier

Die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Barcelona: Hier läuft die deutsche Mannschaft ein und winkt den Zuschauern zu. „Unvergesslich“, sagt Horst Bredemeier. Foto: imago images © imago/Horstmüller

Minden. „Olympische Spiele sind im Leben eines Sportlers das allergrößte. Mehr geht nicht. Das ist ein Gänsehaut-Erlebnis pur.“ Das sagt GWD Mindens Vereinschef Horst Bredemeier, der sich drei Mal so richtig olympisch fühlen durfte. Bei seiner Premiere 1992 war er als Bundestrainer dabei. 2004 in Athen und 2008 in Peking war Bredemeier Vize-Präsident des Deutschen-Handball-Bundes und damit Delegationsleiter für seine Sportart – und durfte so an der Eröffnungszeremonie mit Showprogramm und Entzünden der olympischen Flamme aus nächster Nähe beiwohnen.

Ob er eine Lieblings-Olympiade hat, an die er sich besonders gerne zurückerinnert? „Nein, auf keinen Fall. Alle Spiele hatten ihren ganz besonderen Reiz“, sagt Bredemeier. Allerdings: Einen besonderen Stellenwert hat Olympia in Barcelona 1992 dann doch, weil es seine erste war. „Es waren die Spiele der kurzen Wege. Wir haben im Hafenviertel gewohnt. Der Weg in die Stadt war nicht weit. Wir konnten uns das bunte Treiben auf der Flaniermeile Ramblas anschauen. Das war schon überragend“, sagt der Mindener. Allerdings bedeutete Barcelona auch eine Zäsur für ihn. Schließlich hatte Bredemeier mit Platz zehn das sportlich schlechteste Abschneiden der Handball-Nationalmannschaft zu verantworten – und trat anschließend als Bundestrainer zurück. „Vielleicht waren wir auch insgesamt etwas zu abgelenkt von dem ganzen drum herum im Dorf. Aber missen möchte ich diese Erfahrung auf keinen Fall.“

Schick mit Hut: Horst Bredemeier (links) in Athen mit Teamarzt Berthold Hallmaier. Foto:pr - © fgh
Schick mit Hut: Horst Bredemeier (links) in Athen mit Teamarzt Berthold Hallmaier. Foto:pr - © fgh

An den Einmarsch bei der Eröffnung kann er sich ebenfalls noch sehr gut erinnern. „Ich hatte nagelneue Schuhe an und die waren nicht eingelaufen. Im Stadion habe ich sie dann ausgezogen, als wir unseren Platz erreicht hatten.“ Dass bei den Spielen in Tokio die deutschen Handballer heute an der Eröffnungszeremonie nicht teilnehmen werden, das kann Bredemeier gut verstehen. „ Es ist schon eine Tortur, auch wenn man sie gerne in Kauf nimmt. Aber man trifft sich drei Stunden vor dem Beginn in einer Halle und wartet, dass es losgeht. Und anschließend muss man zu sehen, dass man wieder ins Olympische Dorf zurückkommt. Das zehrt schon an den Kräften.“

Athen 2004 hatte für Bredemeier ebenfalls seinen besonderen Reiz. „Für mich war es das schönste Olympische Dorf von den dreien, die ich erleben durfte. Zudem hat man dort Sportler getroffen wie die US-Basketballer, die man nur aus dem Fernsehen kannte“, sagt der GWD-Boss. Außerdem lief es sportlich richtig gut mit der Silbermedaille, die die DHB-Auswahl mit Frank von Behren als Spieler holte. „Unvergessen ist das dramatische Viertelfinalspiel gegen Spanien, in dem Henning Fritz brillant die entscheidenden Siebenmeter hält“, sagt „Hotti“. Auch das Finale hatte es in sich, das gegen Kroatien verloren ging. „Ich fand, wir hatten Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Es war ein Duell auf Augenhöhe mit einem unglücklichen Ausgang“, sagt Bredemeier. Ein ähnlich gutes Abschneiden traut er der aktuellen Mannschaft in Tokio zu: „Auch wenn die Vorrundengruppe sicher schwierig sein dürfte.“

Wenn ihn etwas bewegt bei Olympia, dann war es auch der Blick auf andere Sportarten. „Die Leichtathletik hat es mir angetan. Ich durfte mir den 100-Meter-Lauf der Männer im Stadion anschauen. Das war schon genial“, sagt er.

China und damit Peking haben Bredemeier ebenfalls beeindruckt, auch wenn er sich dort nicht ganz so unbeschwert bewegen konnte wie in Barcelona oder Athen. „Zu den Sehenswürdigkeiten wie die Verbotene Stadt oder die chinesische Mauer wurde man hingefahren. Es war alles etwas strenger organisiert. Aber dafür gab es die Treffen mit den Sportlern im deutschen Haus“, sagt der Mindener. Das besondere olympische Flair bewegte ihn auch in Peking beim Einmarsch in das Stadion. „Das Winken und Jubeln der Zuschauer war schon richtig gut.“ Sportlich war auch Peking eher eine Enttäuschung für die DHB-Auswahl. Nach einem 21:27 gegen Dänemark schied man als Gruppenfünfter in der Vorrunde aus.

Ob sich Bredemeier die heutige Eröffnungszeremonie im Fernsehen anschaut, das lässt er noch offen. „Es ist einfach nicht schön, wenn man als Aktiver einer leeren Tribüne zuwinkt und der Applaus vom Band kommt. Das senkt die Stimmung doch sehr, auch am Fernseher. Aber in Zeiten von Corona geht es wohl nicht anders.“

Anschauen wird er sich die Spiele aber dennoch, sofern es zeitlich einrichten lässt. Natürlich drückt er den Handballern besonders die Daumen. „In diesen Zeiten muss man sich vielleicht ganz auf seinen Sport konzentrieren und das Drumherum ausblenden. Auch wenn es einem weh tut, eine Olympiade ohne Zuschauer vor Ort erleben zu müssen. Das fehlt etwas Elementares.“

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