Negativtrend stoppen: Kreispolitik bewilligt 50.000 Euro für Sportentwicklungskonzept Sebastian Radermacher,Thomas Kühlmann Minden. Ulrike Grannemann brachte es in der letzten Sitzung des Minden-Lübbecker Kreistages vor dem Jahreswechsel auf den Punkt: „Der Sport verändert sich, die Anforderungen für die Vereine werden größer. Es ist sinnvoll, alles auf vernünftige Beine zu stellen“, sagte die SPD-Politikerin, die auch Vorsitzende des Kreis-Ausschusses für Sport, Kultur und Tourismus ist. Einen ersten Schritt, um die Ist-Situation im Mühlenkreis zu analysieren und daraus Maßnahmen für eine bessere Zukunft des Sports abzuleiten, brachte die Politik auf den Weg: Sie beschloss einstimmig, für die Erstellung eines Sportentwicklungskonzepts 50.000 Euro im Kreishaushalt 2022 einzuplanen. Ein externer Dienstleister soll das Konzept erarbeiten, dabei aber zwingend alle relevanten Akteure in Minden-Lübbecke – die Kreispolitik, die Kommunen, den Kreissportbund (KSB) und vor allem die Vereine – in den Prozess einbeziehen. Besonders die Belange der Vereine sollen berücksichtigt werden. Gemeinsam möchten die Akteure Handlungsempfehlungen erstellen, um die „gute Basis“ zu festigen und auszubauen. Außerdem geht es bei den Plänen und Ideen für die Zukunft auch darum, für die Menschen ohne Anbindung an einen Sportverein – die Quote im Kreis Minden-Lübbecke liegt laut KSB derzeit bei 67 Prozent – sport- und bewegungsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Und natürlich müssten auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie einbezogen werden. Kurzum: Die Akteure fordern eine mittel- bis langfristige Planungssicherheit und das Schaffen verbindlicher Perspektiven für den Sport im Mühlenkreis.Dass Handlungsbedarf besteht, darin sind sich alle Beteiligten einig. Bereits im vergangenen Sommer hatte Helmut Schemmann, Geschäftsführer und Leitender Sportreferent beim KSB, der Politik deutlich aufgezeigt, wo der Schuh drückt. Aus einer Zehn-Jahres-Auswertung der Mitgliederstatistik (2011 bis 2020) geht hervor, dass die Zahl der in den Sportvereinen registrierten Mitglieder um 10.731 (8,5 Prozent) gesunken ist – von 126.042 im Jahr 2011 auf 115.311 im Jahr 2020.Auffällig ist in der Statistik auch, dass die Vereine vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche verlieren. In den Altersgruppen der Sieben- bis 14-Jährigen und 15- bis 18-Jährigen ist die Entwicklung gravierend: Der Mitgliederschwund beträgt dort fast 25 Prozent. Für den gesamten Bereich „U18“ verzeichnet der KSB einen Rückgang von rund 21 Prozent – das ist der schlechteste Wert in OWL. Zum Vergleich: In NRW beträgt der Rückgang rund sieben Prozent. Zudem sind für die Vereine in Minden-Lübbecke besonders starke Rückgänge bei den Mädchen im Jugendbereich zu beobachten (minus 23 Prozent). Und auch bei den Sportarten gibt es große Schwankungen, wobei Fußball, Handball, Turnen/Breitensport und Schießen im Kreisgebiet die dominanten Sportarten sind. Besonders starke Verluste registriert der KSB in seiner Statistik bei Volleyball und Leichtathletik. Welche Gründe haben zu den im OWL-Vergleich deutlichen Verlusten geführt? Wo können die Vereine ansetzen, um mehr Mitglieder zu halten oder neue zu gewinnen? Und wie kann das Ehrenamt gefördert werden? Auf solche Fragen soll die umfangreiche Sportentwicklungsanalyse Antworten liefern. Zudem soll ermittelt werden, welche Angebote in den verschiedenen Altersklassen erforderlich und sinnvoll sind. Bislang gebe es mit Blick auf die negative Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren lediglich Annahmen und Erklärungsversuche, jedoch keine untermauerten Fakten, hatte Helmut Schemmann der Politik dargelegt. Im MT-Gespräch erläuterte er die weitere Vorgehensweise: „Viele Vereine nennen immer wieder den Offenen Ganztag als Hauptschuldigen für den Mitgliederrückgang bei der Jugend und machen es sich meiner Meinung nach zu einfach. Daher sollen sie zusammen mit dem externen Dienstleister, der eine andere Sicht auf die Problematik hat, herausfinden, woran der Mitgliederschwund auch noch festzumachen ist. Ist es immer nur das Geld, fehlt unter Umständen das nötige Personal in Form von Übungsleitern oder treffen einige der klassischen Sportarten einfach nicht mehr den Nerv der Menschen und sind nicht mehr attraktiv genug für die Jugendlichen?“ Als Gegenbeispiel führte er die Minden Wolves an, die mit der Sportart American Football einen Boom ausgelöst haben und neben dem sportlichen Erfolg mit dem Aufstieg in die Verbandsliga sich auch wachsender Mitgliederzahlen erfreuen. „Daher wollen wir vor allem die Vorsitzenden verschiedener Vereine und auch Übungsleiter zu Wort kommen lassen, um uns ein Bild zu machen. Und nach diesen Gesprächen soll dann ein Konzept für die neuen Sportförderrichtlinien des Kreissportbundes erstellt werden. Auf kommunaler Basis gibt es ja bereits Förderprogramme wie beispielsweise 1.000 x 1.000“, sagte Schemmann.Veranschlagt hat er für den Prozess zwei bis drei Jahre. „Das geht halt nicht von heute auf morgen und wir wollen ja auch nicht weiter im eigenen Saft schmoren. Vielmehr möchten wir am Ende ein Ergebnis haben, das dem Sport auf Dauer konstruktiv weiterhilft. Daher sind wir dankbar, dass der Kreis für die Maßnahme 50.000 Euro im Haushalt 2022 eingeplant hat“, ergänzte der KSB-Geschäftsführer.

Negativtrend stoppen: Kreispolitik bewilligt 50.000 Euro für Sportentwicklungskonzept

Volleyball- und Leichtathletikvereine verzeichnen die stärksten Mitgliederrückgänge. MT-Archivfoto: © Sebastian Külbel

Minden. Ulrike Grannemann brachte es in der letzten Sitzung des Minden-Lübbecker Kreistages vor dem Jahreswechsel auf den Punkt: „Der Sport verändert sich, die Anforderungen für die Vereine werden größer. Es ist sinnvoll, alles auf vernünftige Beine zu stellen“, sagte die SPD-Politikerin, die auch Vorsitzende des Kreis-Ausschusses für Sport, Kultur und Tourismus ist. Einen ersten Schritt, um die Ist-Situation im Mühlenkreis zu analysieren und daraus Maßnahmen für eine bessere Zukunft des Sports abzuleiten, brachte die Politik auf den Weg: Sie beschloss einstimmig, für die Erstellung eines Sportentwicklungskonzepts 50.000 Euro im Kreishaushalt 2022 einzuplanen.

Ein externer Dienstleister soll das Konzept erarbeiten, dabei aber zwingend alle relevanten Akteure in Minden-Lübbecke – die Kreispolitik, die Kommunen, den Kreissportbund (KSB) und vor allem die Vereine – in den Prozess einbeziehen. Besonders die Belange der Vereine sollen berücksichtigt werden. Gemeinsam möchten die Akteure Handlungsempfehlungen erstellen, um die „gute Basis“ zu festigen und auszubauen. Außerdem geht es bei den Plänen und Ideen für die Zukunft auch darum, für die Menschen ohne Anbindung an einen Sportverein – die Quote im Kreis Minden-Lübbecke liegt laut KSB derzeit bei 67 Prozent – sport- und bewegungsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Und natürlich müssten auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie einbezogen werden. Kurzum: Die Akteure fordern eine mittel- bis langfristige Planungssicherheit und das Schaffen verbindlicher Perspektiven für den Sport im Mühlenkreis.

Dass Handlungsbedarf besteht, darin sind sich alle Beteiligten einig. Bereits im vergangenen Sommer hatte Helmut Schemmann, Geschäftsführer und Leitender Sportreferent beim KSB, der Politik deutlich aufgezeigt, wo der Schuh drückt. Aus einer Zehn-Jahres-Auswertung der Mitgliederstatistik (2011 bis 2020) geht hervor, dass die Zahl der in den Sportvereinen registrierten Mitglieder um 10.731 (8,5 Prozent) gesunken ist – von 126.042 im Jahr 2011 auf 115.311 im Jahr 2020.

Auffällig ist in der Statistik auch, dass die Vereine vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche verlieren. In den Altersgruppen der Sieben- bis 14-Jährigen und 15- bis 18-Jährigen ist die Entwicklung gravierend: Der Mitgliederschwund beträgt dort fast 25 Prozent. Für den gesamten Bereich „U18“ verzeichnet der KSB einen Rückgang von rund 21 Prozent – das ist der schlechteste Wert in OWL. Zum Vergleich: In NRW beträgt der Rückgang rund sieben Prozent.

Zudem sind für die Vereine in Minden-Lübbecke besonders starke Rückgänge bei den Mädchen im Jugendbereich zu beobachten (minus 23 Prozent). Und auch bei den Sportarten gibt es große Schwankungen, wobei Fußball, Handball, Turnen/Breitensport und Schießen im Kreisgebiet die dominanten Sportarten sind. Besonders starke Verluste registriert der KSB in seiner Statistik bei Volleyball und Leichtathletik.

Welche Gründe haben zu den im OWL-Vergleich deutlichen Verlusten geführt? Wo können die Vereine ansetzen, um mehr Mitglieder zu halten oder neue zu gewinnen? Und wie kann das Ehrenamt gefördert werden? Auf solche Fragen soll die umfangreiche Sportentwicklungsanalyse Antworten liefern. Zudem soll ermittelt werden, welche Angebote in den verschiedenen Altersklassen erforderlich und sinnvoll sind. Bislang gebe es mit Blick auf die negative Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren lediglich Annahmen und Erklärungsversuche, jedoch keine untermauerten Fakten, hatte Helmut Schemmann der Politik dargelegt.

Im MT-Gespräch erläuterte er die weitere Vorgehensweise: „Viele Vereine nennen immer wieder den Offenen Ganztag als Hauptschuldigen für den Mitgliederrückgang bei der Jugend und machen es sich meiner Meinung nach zu einfach. Daher sollen sie zusammen mit dem externen Dienstleister, der eine andere Sicht auf die Problematik hat, herausfinden, woran der Mitgliederschwund auch noch festzumachen ist. Ist es immer nur das Geld, fehlt unter Umständen das nötige Personal in Form von Übungsleitern oder treffen einige der klassischen Sportarten einfach nicht mehr den Nerv der Menschen und sind nicht mehr attraktiv genug für die Jugendlichen?“

Als Gegenbeispiel führte er die Minden Wolves an, die mit der Sportart American Football einen Boom ausgelöst haben und neben dem sportlichen Erfolg mit dem Aufstieg in die Verbandsliga sich auch wachsender Mitgliederzahlen erfreuen. „Daher wollen wir vor allem die Vorsitzenden verschiedener Vereine und auch Übungsleiter zu Wort kommen lassen, um uns ein Bild zu machen. Und nach diesen Gesprächen soll dann ein Konzept für die neuen Sportförderrichtlinien des Kreissportbundes erstellt werden. Auf kommunaler Basis gibt es ja bereits Förderprogramme wie beispielsweise 1.000 x 1.000“, sagte Schemmann.

Veranschlagt hat er für den Prozess zwei bis drei Jahre. „Das geht halt nicht von heute auf morgen und wir wollen ja auch nicht weiter im eigenen Saft schmoren. Vielmehr möchten wir am Ende ein Ergebnis haben, das dem Sport auf Dauer konstruktiv weiterhilft. Daher sind wir dankbar, dass der Kreis für die Maßnahme 50.000 Euro im Haushalt 2022 eingeplant hat“, ergänzte der KSB-Geschäftsführer.

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