Mindener Rose-Marathon: Anke Kemmener und Achim Hagemeyer sind die einzigen Sieger aus dem Mühlenkreis Thomas Kühlmann Minden. Sie haben dem Mindener Rose-Marathon ihre Stempel aufgedrückt: Anke Kemmener und Achim Hagemeyer (beide ATSV Espelkamp) sind als einzige Sieger aus dem Mühlenkreis in die Geschichte des Lauf-Spektakels eingegangen. Und auch für die beiden Protagonisten bedeuteten die Triumphe im Weserstadion bei brütender Hitze jeweils den größten Erfolg ihrer Karrieren – was Platzierung und Stellenwert in der heimischen Szene angeht. Hagemeyer lief bei seinem Sieg gleich zur Premiere 2001 nach 2:43:29 Stunden ins Ziel, Kemmener überragte bei ihrem Erfolg 2004 in 2:50:36 Stunden. Es war die schnellste jemals von einer Frau gelaufene Zeit in den sechs Auflagen des Rose-Marathons und beförderte Kemmener seinerzeit auf Platz 13 der deutschen Jahresbestenliste. Damit kam sie auch ganz knapp an die 2:48:27 Stunden heran, die sie am 28. September 1997 beim Berlin-Marathon, damals noch unter ihrem Mädchennamen Pieper, gerannt war. Während Kemmener krankheitsbedingt mittlerweile ihre erfolgreiche Karriere beenden musste, will Hagemeyer bei der virtuellen Jubiläumsauflage des unvergessenen Lauf-Events unbedingt dabei sein. An seinen Triumph vor 20 Jahren kann sich der Bankkaufmann noch gut erinnern. „2001 war ich noch relativ ambitioniert im Laufen. Als der Rose-Marathon angekündigt wurde, war ich eigentlich schon für den Hermannslauf gemeldet.“ Doch den ersten Marathon in heimischen Gefilden, wollte er auf jeden Fall laufen: „Plötzlich war ich in der Zwickmühle. Drei Wochen Pause zwischen den beiden Events – und der Hermannslauf beträgt ja auch mehr als 30 Kilometer – waren einfach zu wenig Zeit zur Regeneration, so dass ich mich entscheiden musste. Die Wahl fiel auf den Rose-Marathon“, erzählt Hagemeyer. Bereut hat er seine Entscheidung bis heute nicht. „Es war eine Riesensache für Minden. Das Kribbeln und die Erwartungshaltung waren bei mir genauso groß wie bei den Freizeitläufern. Es war einfach eine tolle Atmosphäre.“ Vor allem der Breitensport-Charakter der Veranstaltung gefiel ihm. „Minden hat alles für das Flair eines Stadt-Marathons getan. Und trotzdem war ich froh, dass keine Stars eingekauft wurden, sondern dass das breite Laufvolk im Fokus der Organisatoren stand.“ Als Favorit galt damals aufgrund einer Vorzeit von 2:40 Stunden sein guter Freund Guido Günther, während Hagemeyer einen Platz unter den ersten Zehn angepeilt hatte. Bis zu Kilometer zehn hatte sich eine Gruppe aus sieben Läufern an die Spitze gesetzt. „Als Guido dann das Tempo verschärfte und bereits kurze Zeit später nicht mehr gesehen war, dachte ich mir, dass ich vorsichtig sein muss. Es war zu früh für mich, mit Guido mitzugehen. Doch als ich bei Kilometer 15 merkte, dass ich bestens in Schuss war, habe auch ich forciert“, schildert Hagemeyer seine Aufholjagd. Zu diesem Zeitpunkt war Günther schon enteilt. „Auch bei der Wendemarke und dann zurück entlang der Weser habe ich Guido lange nicht gesehen, ehe ich bei Kilometer 25, wo ich mich verpflegt hatte, plötzlich das Führungsfahrzeug sah und meinen Augen nicht traute. Guido war stehen geblieben. Ich lief schnell an das Fahrzeug heran, klopfte ihm auf die Schulter und ermunterte ihn, mit mir weiterzulaufen. Doch Guido war zu platt. Und so war die Chance meines Lebens da, obwohl ich vorher nie gedacht hätte, das Rennen gewinnen zu können.“ Während sich Günther am Ende mehr schlecht als recht ins Ziel quälte, wurden die letzten Kilometer für Hagemeyer zur Erfüllung. „Ich hatte zwar ebenfalls mit meinen Kräften zu kämpfen, doch als Führender eines Marathons kann die Motivation nicht größer sein, das Ding auch zu gewinnen. Und als ich drei Kilometer vor dem Ziel Eintracht-Helfer Dieter Lütkebohmert auf dem Fahrrad sah, der laut rief ,An die Seite, hier kommt der Sieger des Rose-Marathons’, gab es für mich kein Zurück mehr. Beim Einlauf ins Stadion habe ich die vielen bekannten Gesichter und die großen klatschenden Zuschauermassen gesehen, ich war von meinen Gefühlen überwältigt, hatte Gänsehaut“, schildert Hagemeyer seinen großen Moment: „Der Rose-Marathon war zwar nicht der schnellste, auf jeden Fall aber der emotionalste Marathon, den ich gelaufen bin.“ Er verpasste seine Bestzeit zwar um sechs Minuten, feierte aber einen seiner größten sportlichen Triumphe. Drei Jahre später war Anke Kemmeners große Stunde gekommen. Mit ihrem historischen Sieg fügte die Frau, die seinerzeit alle Kreisrekorde auf den Mittel- und Langstrecken hielt, ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu. Lediglich zwölf Männer hatten vor ihr das Ziel erreicht, die Zweitplatzierte Tanja Nahrgang aus Bielefeld kam mehr als 23 Minuten nach ihr an – eine Machtdemonstration ohnegleichen. Damit hatte sich die Espelkamperin eindrucksvoll für das für sie nicht zufriedenstellende Ergebnis des Jahres davor rehabilitiert. Damals war sie in 3:13:55 Stunden als Zweite hinter Heike Mohn aus Bielefeld ins Ziel gekommen, obwohl sie nach der Absage der zweimaligen Gewinnerin Simone Erdzack aus Berlin als Favoritin gegolten hatte. „Das war heute einfach nicht mein Tag. Ich ärgere mich noch nicht einmal über die Zeit. Es war einfach nicht mehr drin“, hatte Kemmener seinerzeit ihrer Enttäuschung freien Lauf gelassen. Was sie verschwieg, war eine Fußverletzung, die sie sich am Wochenende zuvor in Preußisch Oldendorf zugezogen hatte. Im Jahr darauf war sie dann topfit, lief wie entfesselt und trug im Ziel den Siegerkranz um den Hals.

Mindener Rose-Marathon: Anke Kemmener und Achim Hagemeyer sind die einzigen Sieger aus dem Mühlenkreis

Achim Hagemeyer (Nr. 1174) nimmt auf der Strecke dankend ein Erfrischungsgetränk entgegen. Der Espelkamper gewann den Rose-Marathon gleich bei der Premiere im Jahr 2001. Foto: MT-Archiv © mt-archiv

Minden. Sie haben dem Mindener Rose-Marathon ihre Stempel aufgedrückt: Anke Kemmener und Achim Hagemeyer (beide ATSV Espelkamp) sind als einzige Sieger aus dem Mühlenkreis in die Geschichte des Lauf-Spektakels eingegangen. Und auch für die beiden Protagonisten bedeuteten die Triumphe im Weserstadion bei brütender Hitze jeweils den größten Erfolg ihrer Karrieren – was Platzierung und Stellenwert in der heimischen Szene angeht.

Hagemeyer lief bei seinem Sieg gleich zur Premiere 2001 nach 2:43:29 Stunden ins Ziel, Kemmener überragte bei ihrem Erfolg 2004 in 2:50:36 Stunden. Es war die schnellste jemals von einer Frau gelaufene Zeit in den sechs Auflagen des Rose-Marathons und beförderte Kemmener seinerzeit auf Platz 13 der deutschen Jahresbestenliste. Damit kam sie auch ganz knapp an die 2:48:27 Stunden heran, die sie am 28. September 1997 beim Berlin-Marathon, damals noch unter ihrem Mädchennamen Pieper, gerannt war. Während Kemmener krankheitsbedingt mittlerweile ihre erfolgreiche Karriere beenden musste, will Hagemeyer bei der virtuellen Jubiläumsauflage des unvergessenen Lauf-Events unbedingt dabei sein.

Glücklich mit dem Siegerkranz: Anke Kemmener bei ihrem Triumph 2004. Foto: MT-Archiv - © mt-archiv
Glücklich mit dem Siegerkranz: Anke Kemmener bei ihrem Triumph 2004. Foto: MT-Archiv - © mt-archiv

An seinen Triumph vor 20 Jahren kann sich der Bankkaufmann noch gut erinnern. „2001 war ich noch relativ ambitioniert im Laufen. Als der Rose-Marathon angekündigt wurde, war ich eigentlich schon für den Hermannslauf gemeldet.“ Doch den ersten Marathon in heimischen Gefilden, wollte er auf jeden Fall laufen: „Plötzlich war ich in der Zwickmühle. Drei Wochen Pause zwischen den beiden Events – und der Hermannslauf beträgt ja auch mehr als 30 Kilometer – waren einfach zu wenig Zeit zur Regeneration, so dass ich mich entscheiden musste. Die Wahl fiel auf den Rose-Marathon“, erzählt Hagemeyer.

Bereut hat er seine Entscheidung bis heute nicht. „Es war eine Riesensache für Minden. Das Kribbeln und die Erwartungshaltung waren bei mir genauso groß wie bei den Freizeitläufern. Es war einfach eine tolle Atmosphäre.“ Vor allem der Breitensport-Charakter der Veranstaltung gefiel ihm. „Minden hat alles für das Flair eines Stadt-Marathons getan. Und trotzdem war ich froh, dass keine Stars eingekauft wurden, sondern dass das breite Laufvolk im Fokus der Organisatoren stand.“

Als Favorit galt damals aufgrund einer Vorzeit von 2:40 Stunden sein guter Freund Guido Günther, während Hagemeyer einen Platz unter den ersten Zehn angepeilt hatte. Bis zu Kilometer zehn hatte sich eine Gruppe aus sieben Läufern an die Spitze gesetzt. „Als Guido dann das Tempo verschärfte und bereits kurze Zeit später nicht mehr gesehen war, dachte ich mir, dass ich vorsichtig sein muss. Es war zu früh für mich, mit Guido mitzugehen. Doch als ich bei Kilometer 15 merkte, dass ich bestens in Schuss war, habe auch ich forciert“, schildert Hagemeyer seine Aufholjagd. Zu diesem Zeitpunkt war Günther schon enteilt. „Auch bei der Wendemarke und dann zurück entlang der Weser habe ich Guido lange nicht gesehen, ehe ich bei Kilometer 25, wo ich mich verpflegt hatte, plötzlich das Führungsfahrzeug sah und meinen Augen nicht traute. Guido war stehen geblieben. Ich lief schnell an das Fahrzeug heran, klopfte ihm auf die Schulter und ermunterte ihn, mit mir weiterzulaufen. Doch Guido war zu platt. Und so war die Chance meines Lebens da, obwohl ich vorher nie gedacht hätte, das Rennen gewinnen zu können.“

Während sich Günther am Ende mehr schlecht als recht ins Ziel quälte, wurden die letzten Kilometer für Hagemeyer zur Erfüllung. „Ich hatte zwar ebenfalls mit meinen Kräften zu kämpfen, doch als Führender eines Marathons kann die Motivation nicht größer sein, das Ding auch zu gewinnen. Und als ich drei Kilometer vor dem Ziel Eintracht-Helfer Dieter Lütkebohmert auf dem Fahrrad sah, der laut rief ,An die Seite, hier kommt der Sieger des Rose-Marathons’, gab es für mich kein Zurück mehr. Beim Einlauf ins Stadion habe ich die vielen bekannten Gesichter und die großen klatschenden Zuschauermassen gesehen, ich war von meinen Gefühlen überwältigt, hatte Gänsehaut“, schildert Hagemeyer seinen großen Moment: „Der Rose-Marathon war zwar nicht der schnellste, auf jeden Fall aber der emotionalste Marathon, den ich gelaufen bin.“ Er verpasste seine Bestzeit zwar um sechs Minuten, feierte aber einen seiner größten sportlichen Triumphe.

Drei Jahre später war Anke Kemmeners große Stunde gekommen. Mit ihrem historischen Sieg fügte die Frau, die seinerzeit alle Kreisrekorde auf den Mittel- und Langstrecken hielt, ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu. Lediglich zwölf Männer hatten vor ihr das Ziel erreicht, die Zweitplatzierte Tanja Nahrgang aus Bielefeld kam mehr als 23 Minuten nach ihr an – eine Machtdemonstration ohnegleichen.

Damit hatte sich die Espelkamperin eindrucksvoll für das für sie nicht zufriedenstellende Ergebnis des Jahres davor rehabilitiert. Damals war sie in 3:13:55 Stunden als Zweite hinter Heike Mohn aus Bielefeld ins Ziel gekommen, obwohl sie nach der Absage der zweimaligen Gewinnerin Simone Erdzack aus Berlin als Favoritin gegolten hatte. „Das war heute einfach nicht mein Tag. Ich ärgere mich noch nicht einmal über die Zeit. Es war einfach nicht mehr drin“, hatte Kemmener seinerzeit ihrer Enttäuschung freien Lauf gelassen. Was sie verschwieg, war eine Fußverletzung, die sie sich am Wochenende zuvor in Preußisch Oldendorf zugezogen hatte. Im Jahr darauf war sie dann topfit, lief wie entfesselt und trug im Ziel den Siegerkranz um den Hals.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Sportmix