Mindener Malocher: René Rast steht vor dem dritten DTM-Titelgewinn Marcus Riechmann Minden (rich/mt). Er ist Spätstarter, Kämpfer und der Mann der zweiten Chance. Der Mindener René Rast stieg erst im Alter von 30 Jahren in die DTM auf. Und nun, mit 34, schickt er sich an, mit Audi den dritten Titel der spektakulären Rennserie zu gewinnen. Erneut hat sich Rast vom schlechten Saisonstart nicht aus der Bahn werfen lassen. Wie im vergangenen Jahr, als er Titel Nummer zwei ausgelassen mit den Fans auf dem Marktplatz seiner Geburtsstadt feiern durfte, hat er sich Rennen für Rennen an die Spitze zurückgekämpft und geht beim Saisonfinale in Hockenheim an diesem Wochenende als Führender in den Endspurt der Mission Titelverteidigung. Der Weg dahin war weit. Weiter, als für viele andere. Und dort, wo er sich heute und morgen zum Ende der DTM in die Geschichtsbücher eintragen kann, wäre sein Weg vor 16 Jahren beinahe schon beendet gewesen. In Hockenheim war die Situation im April 2004 verfahren: Das Budget zu klein, das falsche Team, der Weg zur Formel 3 versperrt – an einer der ersten Stufen der klassischen Automobilsport-Leiter so früh gescheitert, während zeitgleich ein gewisser Sebastian Vettel die Konkurrenz schwindelig siegt. Sebastian Vettels Werdegang wird Motorsport-Geschichte schreiben. René Rast ebenfalls. Denn der Champion der zweiten Chancen, macht Tourenwagen- statt Formel-Karriere. Und während Vettels Karriere langsam auszurollen scheint, gibt Rast weiter Gas. Titel Nummer drei und dann in voller Lautstärke seine persönliche Siegerhymne „Sweet Caroline“ anstimmen – das würde wenige Tage nach seinem 47. Geburtstag auch Dennis Rostek gut gefallen. Der Portaner Motorsport-Experte, selbst Rallyefahrer, begleitet René Rast seit 15 Jahren als Manager, baute seine Karriere auf und half dem Mindener auch über Rückschläge hinweg. 2005, als Rast einen Schritt zurück ging, in den Volkswagen-Polo-Markenpokal und dort den Titel holte, nahm sich Rostek seiner an. Danach durchlief Rast als „Volkswagen-Junior“ die Konzern-Marken, von Volkswagen über Seat zu Porsche und eben zu Audi. Allein im Porsche-Markenpokal erkämpfte er fünf Titel, drei davon im Supercup auf Formel-1-Bühne. Im Audi R8 LMS gewann er seit 2011 die 24-Stunden-Rennen in Daytona und vieles mehr. 2015 stieg er ins Audi-Werksteam auf und fuhr sogar im Audi LMP1 die 24 Stunden von Le Mans. Und 2016 gelang nach mehreren erfolglosen Sichtungen endlich der Sprung in die DTM. Er gilt als sympathischer Kollege ohne Allüren. Vor allem aber ist Akribie ein Merkmal, das den Familienvater auszeichnet. „René ist ein Malocher“, sagt Rostek und will das im besten Sinn verstanden wissen: „Er arbeitet intensiver als jeder Ingenieur.“ An der Rennstrecke und noch mehr zuhause in Bregenz am Bodensee investiert der Rennfahrer Stunden um Stunden in die Analyse. Rast will wissen: „Wo sind die besten Stellen zum Überholen, die besten Linien zum Verteidigen, die besten Startplätze, wo drohen Strafen.“ All das saugt Rast in sich auf. „Klar, das kostet extrem viel Zeit“, räumt er ein. Der Erfolg gibt ihm allerdings Recht. „Er nutzt diese Basics zu 110 Prozent“, unterstreicht sein Manager. Was Rostek, der Rast längst zum Partner seiner Firma gemacht hat, dann sagt, klingt weniger charmant: „René ist nicht unbedingt ein Naturtalent.“ Betrachtet man die außergewöhnliche DTM-Bilanz des Mindeners, so möchte man ihm widersprechen. Was Rostek aber meint ist, dass sein Schützling sich diese Erfolge extrem hart erarbeitet. Mit den Gedanken an das Ende der Rennserie kommt ein Stück Wehmut auf. „Das sind die geilsten Rennwagen, die es derzeit gibt. Das sind reinrassige Rennwagen, einfach brutal schnell“, schwärmt Rast von den aktuellen Wagen der DTM, deren Zeit in Hockenheim abläuft. „Da werden mit Sicherheit auch zwei Tränen in den Augen dabei sein“, sagt Rast beim Gedanken an die letzte Zieleinfahrt. Doch für ihn geht es weiter. Ab 2021 startet Rast in der Formel-E-WM – seine zweite Chance im Formel-Rennsport. ZUM THEMA Die letzte Ausfahrt der DTM steht bevor. Nach den Rennen am Samstag und Sonntag in Hockenheim (je 13.30 Uhr/Sat.1) ist Schluss mit der 1984 gegründeten Rennserie in ihrer jetzigen Form. 2021 schrumpft die DTM zur Serie im GT3-Format. Nach Mercedes steigt auch Audi aus. Die Ingolstädter sehen die Zukunft in der Formel E. Dort wird dann auch René Rast mit dem Elektro-Audi starten. Vorher kann sich der Mindener ein Denkmal setzen – als letzter Champion der DTM. Es wäre sein dritter Titel. Er geht als Meisterschaftsführender in die letzten beiden Läufe, mit 304 Punkten liegt er recht komfortabel vor seinen Markenrivalen Nico Müller (Schweiz/285) und dem Niederländer Robin Frijns (263). Der 34-jährige Mindener wäre mit seinem nächsten Rennsieg, dem dann 24., alleiniger Dritter der Siegstatistik hinter dem fünfmaligen DTM-Champion Bernd Schneider (43 Siege) und Klaus Ludwig (37) und würde zudem nach Titeln mit der Tourenwagen-Legende Ludwig gleichziehen. Die Siegquote von Rast, der erst mit 30 Jahren den Sprung in die DTM schaffte, ist unerreicht: Schneider ging 236-mal an den Start, Ludwig war 219-mal dabei. Rast fuhr seine bislang 23 Siege in gerade mal 74 Rennen ein.

Mindener Malocher: René Rast steht vor dem dritten DTM-Titelgewinn

Ran an die Arbeit: René Rast setzt vor dem Rennen seinen Helm auf. In Hockenheim die letzten beiden Mal für Rennen in der DTM. Foto: privat/Audi Communications Motorsport © Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel ### Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel ### Free of charge for press

Minden (rich/mt). Er ist Spätstarter, Kämpfer und der Mann der zweiten Chance. Der Mindener René Rast stieg erst im Alter von 30 Jahren in die DTM auf. Und nun, mit 34, schickt er sich an, mit Audi den dritten Titel der spektakulären Rennserie zu gewinnen. Erneut hat sich Rast vom schlechten Saisonstart nicht aus der Bahn werfen lassen. Wie im vergangenen Jahr, als er Titel Nummer zwei ausgelassen mit den Fans auf dem Marktplatz seiner Geburtsstadt feiern durfte, hat er sich Rennen für Rennen an die Spitze zurückgekämpft und geht beim Saisonfinale in Hockenheim an diesem Wochenende als Führender in den Endspurt der Mission Titelverteidigung.

Der Weg dahin war weit. Weiter, als für viele andere. Und dort, wo er sich heute und morgen zum Ende der DTM in die Geschichtsbücher eintragen kann, wäre sein Weg vor 16 Jahren beinahe schon beendet gewesen. In Hockenheim war die Situation im April 2004 verfahren: Das Budget zu klein, das falsche Team, der Weg zur Formel 3 versperrt – an einer der ersten Stufen der klassischen Automobilsport-Leiter so früh gescheitert, während zeitgleich ein gewisser Sebastian Vettel die Konkurrenz schwindelig siegt. Sebastian Vettels Werdegang wird Motorsport-Geschichte schreiben. René Rast ebenfalls. Denn der Champion der zweiten Chancen, macht Tourenwagen- statt Formel-Karriere. Und während Vettels Karriere langsam auszurollen scheint, gibt Rast weiter Gas.

Titel Nummer drei und dann in voller Lautstärke seine persönliche Siegerhymne „Sweet Caroline“ anstimmen – das würde wenige Tage nach seinem 47. Geburtstag auch Dennis Rostek gut gefallen. Der Portaner Motorsport-Experte, selbst Rallyefahrer, begleitet René Rast seit 15 Jahren als Manager, baute seine Karriere auf und half dem Mindener auch über Rückschläge hinweg. 2005, als Rast einen Schritt zurück ging, in den Volkswagen-Polo-Markenpokal und dort den Titel holte, nahm sich Rostek seiner an. Danach durchlief Rast als „Volkswagen-Junior“ die Konzern-Marken, von Volkswagen über Seat zu Porsche und eben zu Audi. Allein im Porsche-Markenpokal erkämpfte er fünf Titel, drei davon im Supercup auf Formel-1-Bühne. Im Audi R8 LMS gewann er seit 2011 die 24-Stunden-Rennen in Daytona und vieles mehr. 2015 stieg er ins Audi-Werksteam auf und fuhr sogar im Audi LMP1 die 24 Stunden von Le Mans. Und 2016 gelang nach mehreren erfolglosen Sichtungen endlich der Sprung in die DTM.

Er gilt als sympathischer Kollege ohne Allüren. Vor allem aber ist Akribie ein Merkmal, das den Familienvater auszeichnet. „René ist ein Malocher“, sagt Rostek und will das im besten Sinn verstanden wissen: „Er arbeitet intensiver als jeder Ingenieur.“ An der Rennstrecke und noch mehr zuhause in Bregenz am Bodensee investiert der Rennfahrer Stunden um Stunden in die Analyse. Rast will wissen: „Wo sind die besten Stellen zum Überholen, die besten Linien zum Verteidigen, die besten Startplätze, wo drohen Strafen.“ All das saugt Rast in sich auf. „Klar, das kostet extrem viel Zeit“, räumt er ein. Der Erfolg gibt ihm allerdings Recht.

„Er nutzt diese Basics zu 110 Prozent“, unterstreicht sein Manager. Was Rostek, der Rast längst zum Partner seiner Firma gemacht hat, dann sagt, klingt weniger charmant: „René ist nicht unbedingt ein Naturtalent.“ Betrachtet man die außergewöhnliche DTM-Bilanz des Mindeners, so möchte man ihm widersprechen. Was Rostek aber meint ist, dass sein Schützling sich diese Erfolge extrem hart erarbeitet.

Mit den Gedanken an das Ende der Rennserie kommt ein Stück Wehmut auf. „Das sind die geilsten Rennwagen, die es derzeit gibt. Das sind reinrassige Rennwagen, einfach brutal schnell“, schwärmt Rast von den aktuellen Wagen der DTM, deren Zeit in Hockenheim abläuft. „Da werden mit Sicherheit auch zwei Tränen in den Augen dabei sein“, sagt Rast beim Gedanken an die letzte Zieleinfahrt. Doch für ihn geht es weiter. Ab 2021 startet Rast in der Formel-E-WM – seine zweite Chance im Formel-Rennsport.

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Die letzte Ausfahrt der DTM steht bevor. Nach den Rennen am Samstag und Sonntag in Hockenheim (je 13.30 Uhr/Sat.1) ist Schluss mit der 1984 gegründeten Rennserie in ihrer jetzigen Form. 2021 schrumpft die DTM zur Serie im GT3-Format. Nach Mercedes steigt auch Audi aus. Die Ingolstädter sehen die Zukunft in der Formel E.

Dort wird dann auch René Rast mit dem Elektro-Audi starten. Vorher kann sich der Mindener ein Denkmal setzen – als letzter Champion der DTM. Es wäre sein dritter Titel. Er geht als Meisterschaftsführender in die letzten beiden Läufe, mit 304 Punkten liegt er recht komfortabel vor seinen Markenrivalen Nico Müller (Schweiz/285) und dem Niederländer Robin Frijns (263).

Der 34-jährige Mindener wäre mit seinem nächsten Rennsieg, dem dann 24., alleiniger Dritter der Siegstatistik hinter dem fünfmaligen DTM-Champion Bernd Schneider (43 Siege) und Klaus Ludwig (37) und würde zudem nach Titeln mit der Tourenwagen-Legende Ludwig gleichziehen. Die Siegquote von Rast, der erst mit 30 Jahren den Sprung in die DTM schaffte, ist unerreicht: Schneider ging 236-mal an den Start, Ludwig war 219-mal dabei. Rast fuhr seine bislang 23 Siege in gerade mal 74 Rennen ein.

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