MT-Serie Training in der Krise: Schwimmer fangen wieder bei Null an Thomas Kühlmann Minden/Porta Westfalica. Die Schwimmer atmen auf. Nach fast acht Wochen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie ist seit der Mitteilung der Landesregierung, dass zum 20. Mai die Freibäder unter strengen Hygieneauflagen und zehn Tage später auch die Hallenbäder wieder öffnen dürfen endlich wieder Land in Sicht. Denn während sich Langstreckenläufer oder andere Individualsportler trotz der Beschränkungen zwar allein, aber trotzdem relativ realitätsnah fit halten konnten, war den Schwimmern ihr Kernelement durch die Schließung sämtlicher Bäder von einem auf den anderen Tag genommen – Improvisation war gefragt. Jetzt ist es endlich soweit. Der Rückkehr ins Lieblingselement steht nichts im Wege, wenn auch anfangs unter Einhaltung gewisser Regeln. Diese hat der Deutsche Schwimmverband (DSV) den Landesverbänden in Form eines Leitfadens, in dem detailliert festgelegt ist, wie der Schwimm- und Wasserball-Trainingsbetrieb auszusehen hat, an die Hand gegeben. „Dass der Leitfaden beim genauen Durchlesen verwirrend wirken kann, müssen wir in Kauf nehmen, schließlich basiert er auf dem Stand vom 4. Mai. Allerdings wird er fast wöchentlich modifiziert und aktualisiert, so dass bis zum 30. Mai sicherlich noch einige Änderungen, sprich Lockerungen, eingearbeitet werden“, teilte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen auf MT-Nachfrage mit. „Es wird Zeit, dass es endlich wieder losgeht“, freut sich Martin Gräper, Trainer der OWL-Wettkampfmannschaft beim SV 1860 Minden, auf die Rückkehr an den Beckenrand. „Allerdings hatte diese Auszeit auch etwas Positives, man konnte endlich mal ein wenig abschalten und zur Ruhe kommen“, sagt der Techniker, der zudem, bedingt durch viele berufliche Bereitschaftsdienste beim Johannes Wesling Klinikum, nach eigener Aussage ohnehin nicht so viel Zeit für Schwimmtraining gehabt hätte. Genau ausgearbeitete und später auch ausgewertete Trainingspläne, wie sie etwa den Leistungsathleten des Bessel-Ruderclubs an die Hand gegeben worden waren, hat Gräper für seine Schützlinge nicht erstellt. „Ich habe auf die Eigenverantwortung der Leistungsschwimmer gesetzt und darauf gebaut, dass sie sich individuell fit halten“, sagt er. Musterschüler Merlin Biastoch zum Beispiel habe ihn mehrmals um Übungsvorlagen gebeten. „Ich konnte ihm dann natürlich wertvolle Tipps geben, doch das war eher die Ausnahme. Merlin ist allerdings durch seine Ausbildung zum Schwimm-Meister ohnehin in den Genuss gekommen, das eine oder andere Mal doch ins Wasser zu dürfen und etwas zu tun“, sagt Gräper. „Im allgemeinen fangen wir jedoch am 30. Mai, sollten wir bis dahin ein Signal zur Öffnung des Melittabades erhalten haben, bei Null an. Wir werden dann zwei bis drei Monate ein Aufbautraining absolvieren und dann, nach einer kürzeren Ferienpause, uns auf die Kurzbahnsaison vorbereiten. Wenn alles optimal läuft, könnte man auf den Wettkampf Anfang September in Bad Nenndorf als ersten Härtetest hinarbeiten. Die Langbahn-Saison habe ich hingegen abgehakt. Die Wettkämpfe für den Sommer sind größtenteils abgesagt, es sei denn, der Verband holt irgendwelche offiziellen Klassements wie die NRW-Meisterschaft nach“, resümiert Gräper. Auch beim SC 80 Porta hat man die Nachricht über die Lockerungen positiv aufgenommen, doch sieht Vereinschef Carsten Urbat einen geregelten Trainingsbetrieb erst wieder Anfang September. „Bis jetzt haben wir weder von den Stadtwerken noch von der Stadt Porta ein Signal bekommen, ob, und wenn ja, wann das Portabad wieder öffnen wird. Und da wir ohnehin auch in den vergangenen Jahren den Trainingsbetrieb nur bis Anfang Juni und dann erst wieder von Anfang September an im Portabad hatten, erwarte ich nicht, dass wir bis zu den Sommerferien noch einmal dort trainieren werden“, sagt Urbat. Während der Corona-Zeit hatte auch der SC 80 Porta darauf gesetzt, dass zumindest die Wettkampfschwimmer etwas für ihre Fitness tun werden, um nicht das gesamte Leistungsniveau einzubüßen. „Konkrete Anweisungen haben wir aber nicht gegeben“, sagt Trainerin Sandra Urbat. Einen besonderen Weg sind die Wasserballer des SC 80 Porta gegangen. „In der Trainings-Zwangspause haben wir haben fast wöchentlich ein Zoom-Meeting mit unseren Spielern veranstaltet, um zu sehen, wie es den Jugendlichen geht, um die sozialen Kontakte nicht zu verlieren und um uns über eventuelle Fitnessangebote auszutauschen“, schildert Trainer Christian Rusche. Auch er hofft, nach dem 30. Mai wieder vernünftig mit seinen Schützlingen trainieren zu dürfen und blickt gleichzeitig sehnsüchtig in Richtung September. „Wir mussten die Saison Hals über Kopf abbrechen. Für September habe ich dann ein Wasserball-Turnier geplant, um nachträglich doch noch einen versöhnlichen Saisonausklang zu haben.“ So versöhnlich, wie das Signal für die Schwimmer mit der Öffnung der Bäder schon gewesen ist. Training in der Krise Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

MT-Serie Training in der Krise: Schwimmer fangen wieder bei Null an

An Schwimmwettkämpfe, wie hier der Mühlenpokal in Minden, ist momentan vor dem Herbst nicht zu denken. MT- © Foto: Thomas Kühlmann

Minden/Porta Westfalica. Die Schwimmer atmen auf. Nach fast acht Wochen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie ist seit der Mitteilung der Landesregierung, dass zum 20. Mai die Freibäder unter strengen Hygieneauflagen und zehn Tage später auch die Hallenbäder wieder öffnen dürfen endlich wieder Land in Sicht. Denn während sich Langstreckenläufer oder andere Individualsportler trotz der Beschränkungen zwar allein, aber trotzdem relativ realitätsnah fit halten konnten, war den Schwimmern ihr Kernelement durch die Schließung sämtlicher Bäder von einem auf den anderen Tag genommen – Improvisation war gefragt.

Jetzt ist es endlich soweit. Der Rückkehr ins Lieblingselement steht nichts im Wege, wenn auch anfangs unter Einhaltung gewisser Regeln. Diese hat der Deutsche Schwimmverband (DSV) den Landesverbänden in Form eines Leitfadens, in dem detailliert festgelegt ist, wie der Schwimm- und Wasserball-Trainingsbetrieb auszusehen hat, an die Hand gegeben. „Dass der Leitfaden beim genauen Durchlesen verwirrend wirken kann, müssen wir in Kauf nehmen, schließlich basiert er auf dem Stand vom 4. Mai. Allerdings wird er fast wöchentlich modifiziert und aktualisiert, so dass bis zum 30. Mai sicherlich noch einige Änderungen, sprich Lockerungen, eingearbeitet werden“, teilte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen auf MT-Nachfrage mit.

„Es wird Zeit, dass es endlich wieder losgeht“, freut sich Martin Gräper, Trainer der OWL-Wettkampfmannschaft beim SV 1860 Minden, auf die Rückkehr an den Beckenrand. „Allerdings hatte diese Auszeit auch etwas Positives, man konnte endlich mal ein wenig abschalten und zur Ruhe kommen“, sagt der Techniker, der zudem, bedingt durch viele berufliche Bereitschaftsdienste beim Johannes Wesling Klinikum, nach eigener Aussage ohnehin nicht so viel Zeit für Schwimmtraining gehabt hätte.

Genau ausgearbeitete und später auch ausgewertete Trainingspläne, wie sie etwa den Leistungsathleten des Bessel-Ruderclubs an die Hand gegeben worden waren, hat Gräper für seine Schützlinge nicht erstellt. „Ich habe auf die Eigenverantwortung der Leistungsschwimmer gesetzt und darauf gebaut, dass sie sich individuell fit halten“, sagt er. Musterschüler Merlin Biastoch zum Beispiel habe ihn mehrmals um Übungsvorlagen gebeten. „Ich konnte ihm dann natürlich wertvolle Tipps geben, doch das war eher die Ausnahme. Merlin ist allerdings durch seine Ausbildung zum Schwimm-Meister ohnehin in den Genuss gekommen, das eine oder andere Mal doch ins Wasser zu dürfen und etwas zu tun“, sagt Gräper.

„Im allgemeinen fangen wir jedoch am 30. Mai, sollten wir bis dahin ein Signal zur Öffnung des Melittabades erhalten haben, bei Null an. Wir werden dann zwei bis drei Monate ein Aufbautraining absolvieren und dann, nach einer kürzeren Ferienpause, uns auf die Kurzbahnsaison vorbereiten. Wenn alles optimal läuft, könnte man auf den Wettkampf Anfang September in Bad Nenndorf als ersten Härtetest hinarbeiten. Die Langbahn-Saison habe ich hingegen abgehakt. Die Wettkämpfe für den Sommer sind größtenteils abgesagt, es sei denn, der Verband holt irgendwelche offiziellen Klassements wie die NRW-Meisterschaft nach“, resümiert Gräper.

Auch beim SC 80 Porta hat man die Nachricht über die Lockerungen positiv aufgenommen, doch sieht Vereinschef Carsten Urbat einen geregelten Trainingsbetrieb erst wieder Anfang September. „Bis jetzt haben wir weder von den Stadtwerken noch von der Stadt Porta ein Signal bekommen, ob, und wenn ja, wann das Portabad wieder öffnen wird. Und da wir ohnehin auch in den vergangenen Jahren den Trainingsbetrieb nur bis Anfang Juni und dann erst wieder von Anfang September an im Portabad hatten, erwarte ich nicht, dass wir bis zu den Sommerferien noch einmal dort trainieren werden“, sagt Urbat.

Während der Corona-Zeit hatte auch der SC 80 Porta darauf gesetzt, dass zumindest die Wettkampfschwimmer etwas für ihre Fitness tun werden, um nicht das gesamte Leistungsniveau einzubüßen. „Konkrete Anweisungen haben wir aber nicht gegeben“, sagt Trainerin Sandra Urbat.

Einen besonderen Weg sind die Wasserballer des SC 80 Porta gegangen. „In der Trainings-Zwangspause haben wir haben fast wöchentlich ein Zoom-Meeting mit unseren Spielern veranstaltet, um zu sehen, wie es den Jugendlichen geht, um die sozialen Kontakte nicht zu verlieren und um uns über eventuelle Fitnessangebote auszutauschen“, schildert Trainer Christian Rusche. Auch er hofft, nach dem 30. Mai wieder vernünftig mit seinen Schützlingen trainieren zu dürfen und blickt gleichzeitig sehnsüchtig in Richtung September. „Wir mussten die Saison Hals über Kopf abbrechen. Für September habe ich dann ein Wasserball-Turnier geplant, um nachträglich doch noch einen versöhnlichen Saisonausklang zu haben.“ So versöhnlich, wie das Signal für die Schwimmer mit der Öffnung der Bäder schon gewesen ist.

Training in der Krise

Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Sportmix