MT-Serie, Schiedsrichter: Kristina Chabrouskayas Sehnsucht ist die Bundesliga Thomas Kühlmann Minden. Kristina Chabrouskaya liebt das Farbenspiel. Das türkisfarbene Shirt hat sie mittlerweile gegen ein leuchtend hellblaues Outfit eingetauscht. Den neuen Look hat sie sich allerdings nicht aus purer Eitelkeit zugelegt. Nein, dieses Polo-Shirt hat sie sich verdient. Mit harter Arbeit, Fleiß, Entschlossenheit und gewissenhaftem Auftreten. Die Mindenerin ist Volleyball-Schiedsrichterin, und ihr hellblaues Oberteil ist Zeichen dafür, dass sie mittlerweile Spiele bis zur 3. Liga pfeifen darf. Die Rolle der Spielleiterin auf dem Stuhl am Netz ist der Ex-Spielerin des 1. VC Minden wie auf den Leib geschnitten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Part als Schiedsrichterin einmal so genießen würde. Doch je länger ich diese Aufgabe wahrgenommen habe, desto mehr ist in mir die Leidenschaft entbrannt, immer höher zu kommen. Mittlerweile bin ich sogar so weit, dass ich mir das Abenteuer Bundesliga zutraue. Die Leidenschaft ist nach vier Spielzeiten in der 3. Liga dafür jedenfalls voll entbrannt“, sieht sich die 31-Jährige Sparkassen-Betriebswirtin noch nicht am Ende der Karriereleiter angelangt. Dabei ist die gebürtige Weißrussin erst vergleichsweise spät zum Volleyball gekommen. „Bis zu meinem zwölften Lebensjahr habe ich Handball gespielt – als Torfrau“, erinnert sie sich. Doch auch hier wies sie bereits außerordentliche Fähigkeiten auf. „Ich war im Kader der U12-Nationalmannschaft Weißrusslands und sah meine Zukunft eigentlich im Handball, als meine Familie das Angebot bekam, nach Deutschland überzusiedeln.“ Die Offerte war zu gut, als dass sie ausgeschlagen werden konnte. In Minden angekommen, habe ihr Vater Juri Chabrouski, der es in Weißrussland bis zum Co-Trainer der Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen gebracht hatte, sie gefragt, ob sie nicht auch mit dem Volleyball beginnen wollte. „Ich lass es mal auf einen Versuch ankommen“, habe sie ihm gesagt. „Doch nach den ersten Trainingseinheiten, mein Vater war inzwischen als hauptamtlicher Trainer beim 1. VC Minden angestellt worden, ließ mich die Begeisterung für die neue sportliche Herausforderung nicht mehr los“, erinnert sich Chabrouskaya: „Ich war zwar schon 15 Jahre Jahre, doch ich habe schnell die Grundtechniken erlernt und außer der C-Jugend bereits in der dritten Frauenmannschaft als Zuspielerin agiert“, blickt sie zurück. „Wir waren damals ein toller Jahrgang, unter anderem war auch Donata Huebert mit mir zusammen in der Jugendmannschaft, die mittlerweile als Profi in Kanada ihr Geld verdient“, weiß Chabrouskaya noch genau. Schnell beweist sie hervorragendes Ballgefühl und geht in ihrer Rolle als Spielgestalterin auf. „Gleichzeitig waren wir vom Verein angehalten worden, auch eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu machen, da wir bei den Spieltagen auch jeweils ein Schiedsgericht stellen mussten. Also habe ich relativ zeitig auch die zweite Karriere begonnen“, erzählt Chabrouskaya. In der B-Jugend macht sie die D-Lizenz, zwei Jahre später ist sie bereits C-Anwärterin, noch ein Jahr später hat sie die C-Lizenz und darf jetzt bis zur Verbandsliga pfeifen – bei Männern und Frauen. „Im Volleyball wird bei den Geschlechtern kein Unterschied gemacht“, weiß die Sportlerin, die nach dem Oberliga-Aufstieg der ersten Frauenmannschaft des 1. VC Minden ihre aktive Karriere beendet hat. „Ich plagte mich immer mehr mit Rückenproblemen herum und habe dann die Notbremse gezogen“, erklärt sie. Doch nach zwei Jahren Volleyball-Pause schöpft Chabrouskaya neuen Mut. „Es juckte wieder in den Fingern, mich irgendwie aktiv einzubringen. Und da die Männermannschaft gerade in der Oberliga spielte und man ab dieser Klasse einen Pflichtschiedsrichter stellen muss, fragte mich unser Vereinschef Peter Mehwald zum Ende der Saison 2015/16, ob ich diese Aufgabe wahrnehmen wolle“, erinnert sich Chabrouskaya, die zu diesem Zeitpunkt bereits Kassenwartin und Mitglied im Planungs-Gremium für die Senioren-DM war. „Sie ist ein absoluter Glücksfall für den Verein“, lobt der VC-Boss. Im August 2016 legte sie ihre B-Lizenzprüfung erfolgreich ab. Mittlerweile pfeift sie seit vier Jahren als Schiedsrichterin in der 3. Liga – und muss sich immer wieder Beobachtungen stellen, um sich für noch höhere Aufgaben zu empfehlen. „In der Saison 2018/19 wurde ich fast schon express-beobachtet mit fünf Begutachtungen in fünf Spielen hintereinander“. Dabei hinterlässt sie einen derart guten Eindruck, dass man sie vorzeitig in den „Linienrichter-Kader“ für die 1. und 2. Liga hochziehen will. „Nach ein bis zwei Jahren ist man dann reif für die Schiedsrichtertätigkeit in den beiden deutschen Eliteklassen“, sagt Chabrouskaya. Dort möchte sie spätestens in drei bis vier Jahren zum Stammpersonal gehören. „Stehe ich auf dem Schiedsrichterstuhl strahle ich Ruhe, Entschlossenheit aus und versuche, mit meinen Entscheidungen den Spielern so wenige Diskussionsansätze wie möglich zu bieten. Manchen Protest kann man charmant weglächeln, manchen muss man allerdings auch härter bestrafen. Dabei kommen die Spieler in der 3. Liga meist mit wesentlich mehr Sachverstand um die Ecke als in niedrigeren Klassen, so dass man auf der Hut sein muss. Mache ich mal einen Fehler, habe ich kein Problem, ihn nach Spielschluss auch einzugestehen, schließlich will ich mit einem guten Gefühl die Halle verlassen und in positiver Erinnerung bleiben“, verrät die Mindenerin ihr Erfolgsrezept. Mit diesem hat sie es schon ins hellblaue Shirt geschafft. In der Bundesliga wechselt dann nur noch die Hosenfarbe von dunkelblau auf schwarz. MT-Serie Schiedsrichter „Zwischen den Fronten“ – Ohne sie geht nichts. Und doch stehen sie als Erste in der Kritik. Warum werden junge Menschen Schiedsrichter? Was erleben erfahrene Pfeifenmänner? Und was tun Verbände, um dem Mangel zu begegnen? Mit der Schiedsrichter-Serie beleuchtet das MT zahlreiche Themen rund um den anspruchsvollen Job an der Pfeife.

MT-Serie, Schiedsrichter: Kristina Chabrouskayas Sehnsucht ist die Bundesliga

Kristina Chabrouskaya hat es auf dem Schiedsrichterstuhl bis in die 3. Liga gebracht. Sie will aber noch höher hinaus. MT- © Foto: Thomas Kühlmann

Minden. Kristina Chabrouskaya liebt das Farbenspiel. Das türkisfarbene Shirt hat sie mittlerweile gegen ein leuchtend hellblaues Outfit eingetauscht. Den neuen Look hat sie sich allerdings nicht aus purer Eitelkeit zugelegt. Nein, dieses Polo-Shirt hat sie sich verdient. Mit harter Arbeit, Fleiß, Entschlossenheit und gewissenhaftem Auftreten. Die Mindenerin ist Volleyball-Schiedsrichterin, und ihr hellblaues Oberteil ist Zeichen dafür, dass sie mittlerweile Spiele bis zur 3. Liga pfeifen darf.

Die Rolle der Spielleiterin auf dem Stuhl am Netz ist der Ex-Spielerin des 1. VC Minden wie auf den Leib geschnitten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Part als Schiedsrichterin einmal so genießen würde. Doch je länger ich diese Aufgabe wahrgenommen habe, desto mehr ist in mir die Leidenschaft entbrannt, immer höher zu kommen. Mittlerweile bin ich sogar so weit, dass ich mir das Abenteuer Bundesliga zutraue. Die Leidenschaft ist nach vier Spielzeiten in der 3. Liga dafür jedenfalls voll entbrannt“, sieht sich die 31-Jährige Sparkassen-Betriebswirtin noch nicht am Ende der Karriereleiter angelangt.

Dabei ist die gebürtige Weißrussin erst vergleichsweise spät zum Volleyball gekommen. „Bis zu meinem zwölften Lebensjahr habe ich Handball gespielt – als Torfrau“, erinnert sie sich. Doch auch hier wies sie bereits außerordentliche Fähigkeiten auf. „Ich war im Kader der U12-Nationalmannschaft Weißrusslands und sah meine Zukunft eigentlich im Handball, als meine Familie das Angebot bekam, nach Deutschland überzusiedeln.“ Die Offerte war zu gut, als dass sie ausgeschlagen werden konnte.

In Minden angekommen, habe ihr Vater Juri Chabrouski, der es in Weißrussland bis zum Co-Trainer der Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen gebracht hatte, sie gefragt, ob sie nicht auch mit dem Volleyball beginnen wollte. „Ich lass es mal auf einen Versuch ankommen“, habe sie ihm gesagt. „Doch nach den ersten Trainingseinheiten, mein Vater war inzwischen als hauptamtlicher Trainer beim 1. VC Minden angestellt worden, ließ mich die Begeisterung für die neue sportliche Herausforderung nicht mehr los“, erinnert sich Chabrouskaya: „Ich war zwar schon 15 Jahre Jahre, doch ich habe schnell die Grundtechniken erlernt und außer der C-Jugend bereits in der dritten Frauenmannschaft als Zuspielerin agiert“, blickt sie zurück.

„Wir waren damals ein toller Jahrgang, unter anderem war auch Donata Huebert mit mir zusammen in der Jugendmannschaft, die mittlerweile als Profi in Kanada ihr Geld verdient“, weiß Chabrouskaya noch genau. Schnell beweist sie hervorragendes Ballgefühl und geht in ihrer Rolle als Spielgestalterin auf. „Gleichzeitig waren wir vom Verein angehalten worden, auch eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu machen, da wir bei den Spieltagen auch jeweils ein Schiedsgericht stellen mussten. Also habe ich relativ zeitig auch die zweite Karriere begonnen“, erzählt Chabrouskaya.

In der B-Jugend macht sie die D-Lizenz, zwei Jahre später ist sie bereits C-Anwärterin, noch ein Jahr später hat sie die C-Lizenz und darf jetzt bis zur Verbandsliga pfeifen – bei Männern und Frauen. „Im Volleyball wird bei den Geschlechtern kein Unterschied gemacht“, weiß die Sportlerin, die nach dem Oberliga-Aufstieg der ersten Frauenmannschaft des 1. VC Minden ihre aktive Karriere beendet hat. „Ich plagte mich immer mehr mit Rückenproblemen herum und habe dann die Notbremse gezogen“, erklärt sie.

Doch nach zwei Jahren Volleyball-Pause schöpft Chabrouskaya neuen Mut. „Es juckte wieder in den Fingern, mich irgendwie aktiv einzubringen. Und da die Männermannschaft gerade in der Oberliga spielte und man ab dieser Klasse einen Pflichtschiedsrichter stellen muss, fragte mich unser Vereinschef Peter Mehwald zum Ende der Saison 2015/16, ob ich diese Aufgabe wahrnehmen wolle“, erinnert sich Chabrouskaya, die zu diesem Zeitpunkt bereits Kassenwartin und Mitglied im Planungs-Gremium für die Senioren-DM war. „Sie ist ein absoluter Glücksfall für den Verein“, lobt der VC-Boss.

Im August 2016 legte sie ihre B-Lizenzprüfung erfolgreich ab. Mittlerweile pfeift sie seit vier Jahren als Schiedsrichterin in der 3. Liga – und muss sich immer wieder Beobachtungen stellen, um sich für noch höhere Aufgaben zu empfehlen. „In der Saison 2018/19 wurde ich fast schon express-beobachtet mit fünf Begutachtungen in fünf Spielen hintereinander“. Dabei hinterlässt sie einen derart guten Eindruck, dass man sie vorzeitig in den „Linienrichter-Kader“ für die 1. und 2. Liga hochziehen will. „Nach ein bis zwei Jahren ist man dann reif für die Schiedsrichtertätigkeit in den beiden deutschen Eliteklassen“, sagt Chabrouskaya. Dort möchte sie spätestens in drei bis vier Jahren zum Stammpersonal gehören.

„Stehe ich auf dem Schiedsrichterstuhl strahle ich Ruhe, Entschlossenheit aus und versuche, mit meinen Entscheidungen den Spielern so wenige Diskussionsansätze wie möglich zu bieten. Manchen Protest kann man charmant weglächeln, manchen muss man allerdings auch härter bestrafen. Dabei kommen die Spieler in der 3. Liga meist mit wesentlich mehr Sachverstand um die Ecke als in niedrigeren Klassen, so dass man auf der Hut sein muss. Mache ich mal einen Fehler, habe ich kein Problem, ihn nach Spielschluss auch einzugestehen, schließlich will ich mit einem guten Gefühl die Halle verlassen und in positiver Erinnerung bleiben“, verrät die Mindenerin ihr Erfolgsrezept. Mit diesem hat sie es schon ins hellblaue Shirt geschafft. In der Bundesliga wechselt dann nur noch die Hosenfarbe von dunkelblau auf schwarz.

MT-Serie Schiedsrichter

„Zwischen den Fronten“ – Ohne sie geht nichts. Und doch stehen sie als Erste in der Kritik. Warum werden junge Menschen Schiedsrichter? Was erleben erfahrene Pfeifenmänner? Und was tun Verbände, um dem Mangel zu begegnen? Mit der Schiedsrichter-Serie beleuchtet das MT zahlreiche Themen rund um den anspruchsvollen Job an der Pfeife.

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