MT-Serie "Corona-Jahr": Andreas Tiemann und Helmut Schemmann berichten über neue Herausforderungen im Sport Marcus Riechmann un,strid Plaßhenrich Minden. Lockdown, Lockerungen, Lockdown, Lockerungen: Auf diesen Rhythmus müssen Andreas Tiemann und Helmut Schemmann seit einem Jahr mit ihren Teams reagieren. Corona brachte sowohl für den Vizepräsidenten Spieltechnik des Handballverbandes Westfalen als auch für den Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Minden-Lübbecke neue Arbeitsfelder mit sich. Tiemann sagt Ja Die Pandemie schickte die heimischen Sportler scharenweise in eine schier endlose Warteschleife. Von Hundert ging es bei vielen auf Null. Bei Andreas Tiemann war es umgekehrt. „Der Arbeitsaufwand ist seit einem Jahr für mich mindestens doppelt so hoch wie sonst“, berichtet der Hiller, der beim Handballverband Westfalen eine anspruchsvolle Aufgabe wahrnimmt: Als Vizepräsident Spieltechnik organisiert der 46-Jährige den Spielbetrieb. Unter dem Einfluss der Pandemie eine Sisyphus-Arbeit, denn sich laufend ändernde Rahmenbedingungen zwingen zu ständiger Reaktion. „Wir haben immer so lange wie möglich versucht, den Spielbetrieb aufrecht zu halten. Das ist als Verband unsere Aufgabe“, beschreibt Tiemann eine Leitlinie seines Tuns, „aber das hat uns auch Kritik eingebracht.“ Das galt auch im März 2020, als die Handballer als einer der letzten Verbände die Saison unterbrachen. „Dienstags und mittwochs haben die Mannschaften noch trainiert, am Freitag war dann komplett Schluss“, erinnert sich Tiemann an den 13. März als Stichtag des Stillstands, der auch seine Urlaubspläne für das Frühjahr beendete. „Damals haben wir gedacht, dass wir die Saison nochmal zum Laufen bringen können“, war dem Planer wie fast allen anderen die Tragweite der Pandemie in den Anfangstagen noch nicht bewusst gewesen. Man habe damals wie auch im weiteren Verlauf des Jahres immer wieder Szenarien gebildet und Alternativen ausgearbeitet: Wie kann gespielt werden, wie gewertet. Wie kann man den Bedürfnissen der Vereine entsprechen? Mit Sorgfalt und großen Puffern hatte man im Verband die neue Saison geplant. Doch wie sich herausstellte, konnte keine Planung in der Corona-Lage bestehen. Erneut ging es im November in den Lockdown. „Da sind alle davon ausgegangen, dass es eine Unterbrechung von einem oder zwei Monaten wird. Wir haben uns überlegt, wie wir die Saison dann im neuen Jahr fortführen. Niemand hat damit gerechnet, dass wir wieder die Saison abbrechen müssen“, erzählt Tiemann, der den November-Lockdown mit seinen mehrfachen Verlängerungen als zermürbend empfunden hat. „Als Weihnachten klar wurde, dass sich das noch weit ziehen wird, bin ich erstmal in ein Loch gefallen.“ Der Analytiker, der bei der Volksbank Herford-Mindener Land arbeitet, ist froh, dass die Entscheidung zum erneuten Saisonabbruch recht früh erfolgte. „Das hat den Druck rausgenommen. Jetzt werden wir versuchen, einen alternativen Spielbetrieb anzubieten.“ Er blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Er vertraut darauf, dass die Strategie von Impfen und Testen funktioniert: „Gerade mit den Selbsttests kann das ein Weg in ein bisschen Normalität sein.“ Seine private Normalität wird nach der Pandemie auf jeden Fall eine andere sein, als sie es vorher war. „Ich habe die handballfreie Zeit im Sommer genutzt und mich verlobt“, erzählt Tiemann von einer privaten Veränderung, der gestern die nächste folgte: Er heiratete seine armenische Lebenspartnerin Susanna. „Im engsten Kreis“, strahlte das Virus auch auf die kleine Feier ab, der im Sommer eine größere Party folgen soll. „Das habe ich allen mitgeteilt und ich glaube auch, dass das im Sommer wieder möglich ist“, ist der frischgebackene Ehemann nicht nur in Sachen Handball optimistisch. Tennisspielen in Stolzenau Tennisspieler im Mindener Land hatten in den Monaten des Lockdowns einen großen Vorteil: die Nähe zu Niedersachsen. Während in Nordrhein-Westfalen das Tennisspielen komplett verboten war, durfte im nördlich gelegenen Bundesland unter strengen Hygieneregeln gespielt werden – auch in der Halle. „Das Angebot haben sehr viele Tennisspieler in der Umgebung wahrgenommen – mich eingeschlossen“, sagt Helmut Schemmann, Vorstandsmitglied beim TSV Petershagen. Das Ziel der Sportler war ab November die Halle in Stolzenau. Einzel durften auf den drei Plätzen jeweils bis zu einer Stunde gespielt werden. „Wir mussten mit Masken in die Halle bis zu unseren Bänken gehen“, nennt Schemmann eine von zahlreichen Schutzvorkehrungen, die von den Athleten eingehalten werden mussten. Alles wäre wunderbar organisiert gewesen. Die deutsche Tennislandschaft war ab November ein föderaler Flickenteppich. In sechs Bundesländern durfte in der Halle gespielt werden, in sieben weiteren war zumindest das Spielen unter freiem Himmel möglich. Dass auf dem Tennisplatz der Mindestabstand eher einzuhalten ist als in jedem Supermarkt, ist einleuchtend. Zudem ist der Amateursport bislang nicht als Pandemietreiber in Erscheinung getreten. Helmut Schemmann ist auch niemand, der das Virus und ihre Folgen auf die leichte Schulter nimmt. Als wie jedes Jahr seine Schwiegermutter zu Weihnachten zu Besuch kam, hatten sich er und seine Frau die Tage zuvor freiwillig in Quarantäne begeben. Auch in seinem Berufsleben war das Virus allgegenwärtig. Als Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke musste Schemmann zusammen mit seinen Kollegen alle Fragen der Vereine rund um die Pandemie beantworten. „An Kurzarbeit war bei uns nicht zu denken. Im Gegenteil: Unser Arbeitspensum hat sich erhöht. Der Normalbetrieb, der bei uns auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist, lief weiter. Hinzu kam das Thema Corona“, erklärt er. Soforthilfeprogramme standen plötzlich auf der Agenda. Zudem musste immer wieder auf die aktuellen Verordnungen reagiert werden. Das brachte einen organisatorischen Mehraufwand mit sich. Lehrgänge wurden immer wieder verschoben oder abgesagt. Angebote, die zunächst für 20 Interessenten vorgesehen waren, dann aber nur noch mit zehn Personen aufgrund der Hygieneregeln durchgeführt werden durften, mussten umorganisiert werden. Zudem verlieh Corona vielen Vereinen einen digitalen Schub. Allerdings gingen damit weitere Fragen einher. „Oft kamen die Klubs mit der Frage auf uns zu, ob die Mitglieder bei den Online-Kursen auch versichert seien“, gibt Helmut Schemmann nur ein Beispiel. Die kurze und eindeutige Antwort lautet: „Ja, sind sie.“ Ein Teil der Digitalisierung wird auch nach der Pandemie bestehen bleiben. „Aber“, sagt Helmut Schemmann, „was es heißt, Übungsleiter zu sein, lernt man nur in der Halle.“

MT-Serie "Corona-Jahr": Andreas Tiemann und Helmut Schemmann berichten über neue Herausforderungen im Sport

Helmut Schemmann spielt beim TSV Petershagen Tennis und engagiert sich im Vereinsvorstand. Archivfoto: Michael Lorenz

Minden. Lockdown, Lockerungen, Lockdown, Lockerungen: Auf diesen Rhythmus müssen Andreas Tiemann und Helmut Schemmann seit einem Jahr mit ihren Teams reagieren. Corona brachte sowohl für den Vizepräsidenten Spieltechnik des Handballverbandes Westfalen als auch für den Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Minden-Lübbecke neue Arbeitsfelder mit sich.

Tiemann sagt Ja

Die Pandemie schickte die heimischen Sportler scharenweise in eine schier endlose Warteschleife. Von Hundert ging es bei vielen auf Null. Bei Andreas Tiemann war es umgekehrt. „Der Arbeitsaufwand ist seit einem Jahr für mich mindestens doppelt so hoch wie sonst“, berichtet der Hiller, der beim Handballverband Westfalen eine anspruchsvolle Aufgabe wahrnimmt: Als Vizepräsident Spieltechnik organisiert der 46-Jährige den Spielbetrieb. Unter dem Einfluss der Pandemie eine Sisyphus-Arbeit, denn sich laufend ändernde Rahmenbedingungen zwingen zu ständiger Reaktion.

Sieht verhalten optimistisch in die sportliche Zukunft: Andreas Tiemann. MT-Foto: Archiv - © n.n.
Sieht verhalten optimistisch in die sportliche Zukunft: Andreas Tiemann. MT-Foto: Archiv - © n.n.

„Wir haben immer so lange wie möglich versucht, den Spielbetrieb aufrecht zu halten. Das ist als Verband unsere Aufgabe“, beschreibt Tiemann eine Leitlinie seines Tuns, „aber das hat uns auch Kritik eingebracht.“ Das galt auch im März 2020, als die Handballer als einer der letzten Verbände die Saison unterbrachen. „Dienstags und mittwochs haben die Mannschaften noch trainiert, am Freitag war dann komplett Schluss“, erinnert sich Tiemann an den 13. März als Stichtag des Stillstands, der auch seine Urlaubspläne für das Frühjahr beendete. „Damals haben wir gedacht, dass wir die Saison nochmal zum Laufen bringen können“, war dem Planer wie fast allen anderen die Tragweite der Pandemie in den Anfangstagen noch nicht bewusst gewesen. Man habe damals wie auch im weiteren Verlauf des Jahres immer wieder Szenarien gebildet und Alternativen ausgearbeitet: Wie kann gespielt werden, wie gewertet. Wie kann man den Bedürfnissen der Vereine entsprechen?

Mit Sorgfalt und großen Puffern hatte man im Verband die neue Saison geplant. Doch wie sich herausstellte, konnte keine Planung in der Corona-Lage bestehen. Erneut ging es im November in den Lockdown. „Da sind alle davon ausgegangen, dass es eine Unterbrechung von einem oder zwei Monaten wird. Wir haben uns überlegt, wie wir die Saison dann im neuen Jahr fortführen. Niemand hat damit gerechnet, dass wir wieder die Saison abbrechen müssen“, erzählt Tiemann, der den November-Lockdown mit seinen mehrfachen Verlängerungen als zermürbend empfunden hat. „Als Weihnachten klar wurde, dass sich das noch weit ziehen wird, bin ich erstmal in ein Loch gefallen.“

Der Analytiker, der bei der Volksbank Herford-Mindener Land arbeitet, ist froh, dass die Entscheidung zum erneuten Saisonabbruch recht früh erfolgte. „Das hat den Druck rausgenommen. Jetzt werden wir versuchen, einen alternativen Spielbetrieb anzubieten.“ Er blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Er vertraut darauf, dass die Strategie von Impfen und Testen funktioniert: „Gerade mit den Selbsttests kann das ein Weg in ein bisschen Normalität sein.“

Seine private Normalität wird nach der Pandemie auf jeden Fall eine andere sein, als sie es vorher war. „Ich habe die handballfreie Zeit im Sommer genutzt und mich verlobt“, erzählt Tiemann von einer privaten Veränderung, der gestern die nächste folgte: Er heiratete seine armenische Lebenspartnerin Susanna. „Im engsten Kreis“, strahlte das Virus auch auf die kleine Feier ab, der im Sommer eine größere Party folgen soll. „Das habe ich allen mitgeteilt und ich glaube auch, dass das im Sommer wieder möglich ist“, ist der frischgebackene Ehemann nicht nur in Sachen Handball optimistisch.

Tennisspielen in Stolzenau

Tennisspieler im Mindener Land hatten in den Monaten des Lockdowns einen großen Vorteil: die Nähe zu Niedersachsen. Während in Nordrhein-Westfalen das Tennisspielen komplett verboten war, durfte im nördlich gelegenen Bundesland unter strengen Hygieneregeln gespielt werden – auch in der Halle. „Das Angebot haben sehr viele Tennisspieler in der Umgebung wahrgenommen – mich eingeschlossen“, sagt Helmut Schemmann, Vorstandsmitglied beim TSV Petershagen. Das Ziel der Sportler war ab November die Halle in Stolzenau. Einzel durften auf den drei Plätzen jeweils bis zu einer Stunde gespielt werden. „Wir mussten mit Masken in die Halle bis zu unseren Bänken gehen“, nennt Schemmann eine von zahlreichen Schutzvorkehrungen, die von den Athleten eingehalten werden mussten. Alles wäre wunderbar organisiert gewesen.

Die deutsche Tennislandschaft war ab November ein föderaler Flickenteppich. In sechs Bundesländern durfte in der Halle gespielt werden, in sieben weiteren war zumindest das Spielen unter freiem Himmel möglich. Dass auf dem Tennisplatz der Mindestabstand eher einzuhalten ist als in jedem Supermarkt, ist einleuchtend. Zudem ist der Amateursport bislang nicht als Pandemietreiber in Erscheinung getreten. Helmut Schemmann ist auch niemand, der das Virus und ihre Folgen auf die leichte Schulter nimmt. Als wie jedes Jahr seine Schwiegermutter zu Weihnachten zu Besuch kam, hatten sich er und seine Frau die Tage zuvor freiwillig in Quarantäne begeben.

Auch in seinem Berufsleben war das Virus allgegenwärtig. Als Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke musste Schemmann zusammen mit seinen Kollegen alle Fragen der Vereine rund um die Pandemie beantworten. „An Kurzarbeit war bei uns nicht zu denken. Im Gegenteil: Unser Arbeitspensum hat sich erhöht. Der Normalbetrieb, der bei uns auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist, lief weiter. Hinzu kam das Thema Corona“, erklärt er. Soforthilfeprogramme standen plötzlich auf der Agenda. Zudem musste immer wieder auf die aktuellen Verordnungen reagiert werden. Das brachte einen organisatorischen Mehraufwand mit sich. Lehrgänge wurden immer wieder verschoben oder abgesagt. Angebote, die zunächst für 20 Interessenten vorgesehen waren, dann aber nur noch mit zehn Personen aufgrund der Hygieneregeln durchgeführt werden durften, mussten umorganisiert werden.

Zudem verlieh Corona vielen Vereinen einen digitalen Schub. Allerdings gingen damit weitere Fragen einher. „Oft kamen die Klubs mit der Frage auf uns zu, ob die Mitglieder bei den Online-Kursen auch versichert seien“, gibt Helmut Schemmann nur ein Beispiel. Die kurze und eindeutige Antwort lautet: „Ja, sind sie.“ Ein Teil der Digitalisierung wird auch nach der Pandemie bestehen bleiben. „Aber“, sagt Helmut Schemmann, „was es heißt, Übungsleiter zu sein, lernt man nur in der Halle.“

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