Letzter Härtetest für Weltumrundung: Jonas Deichmann bereitet sich in Mindener Kältekammer auf 120-fachen Ironman vor Astrid Plaßhenrich Minden. Jonas Deichmann schläft zurzeit ständig unter freiem Himmel. Unter Pinien, auf unbewohnten, kleinen Inseln oder auf Felsen. Vor dreieinhalb Wochen startete der Extremsportler zu seinem bislang größten Abenteuer: ein Triathlon rund um den Erdball. Aktuell legt der 33-Jährige seine Schwimmetappe vor der kroatischen Küste zurück. Insgesamt muss er 456 Kilometer im Adriatischen Meer Richtung Montenegro bewältigen. Um sich auf seinen 120-fachen Ironman vorzubereiten, war der Münchner auch in Minden. Dort hat der Halter etlicher Rad-Langstreckenrekorde einen seiner letzten Härtetests absolviert. Die Kältekammer der Deutschen Bahn in Minden weist minus 28 Grad auf. Normalerweise werden dort Loks und Waggons auf ihre Wintertauglichkeit geprüft. Mitte September saß dort aber Jonas Deichmann im Sattel – vier Stunden lang auf der sogenannten Rolle. Er war der erste Sportler, der die Kältekammer in Minden für Trainingszwecke nutzte. Aus gutem Grund wie er berichtet: „Die größte Herausforderung bei meinem weltweiten Triathlon erwarte ich in Sibirien und der Mongolei mit minus 40 Grad.“ Deshalb wollte er vor allem sein Rad, die Technik und seine Ausrüstung bei den Extremtemperaturen testen. „Spätestens in Kasachstan habe ich Daunenjacken, die zwei Kilo wiegen und einen Schlafsack der mich vor den Minustemperaturen schützt, im Gepäck. Das Gewicht wird dann sehr schwer“, sagte der Extremsportler im Gespräch mit dem SWR. Jedes Gramm, dass er im Wasser, in der Wüste oder im Gebirge mitschleppen muss, zählt. Deshalb schneidet er sogar seine Zahnbürste in der Hälfte durch. In Minden bildeten sich bereits nach kurzer Zeit Eiskristalle auf seiner Jacke, auf der Brille, am Bart. Aber letztendlich verließ Deichmann zufrieden die Kältekammer. Die Technik hat den Minustemperaturen standgehalten. Er auch. Seine Weltumrundung startete Deichmann auf dem Münchner Odeonsplatz. Von dort aus fuhr er mit dem Rad bis nach Kroatien. Nach seiner Schwimmstrecke, die bald in Dubrovnik endet, soll es mit dem Fahrrad bis an die Pazifikküste gehen. Soweit möglich hat er sich Visa als Geschäftsreisender besorgt. Bis in die Türkei ist alles geplant. Danach wird es aufgrund der Pandemie aber schwierig. Ursprünglich hatte der 33-Jährige eine Route über den Iran, Indien und Südostasien vorgesehen. Dort haben die Länder aber so große Corona-Probleme, dass Grenzschließungen wahrscheinlich sind und er umschwenkte. Jetzt will Deichmann über den Kaukasus durch Sibirien und die Wüste Gobi fahren. Das alles im Winter. Über den Atlantik nach Los Angeles wird Deichmann segeln, von dort aus quer durch die USA bis nach New York laufen – 50 Kilometer am Tag. Dazu hat ihn der Hollywood-Film „Forrest Gump“ inspiriert. Das sei in der Kindheit sein Lieblingsfilm gewesen. „Darauf freue ich mich wirklich sehr. Das Monument Valley finde ich traumhaft. Und ich werde mich dann auch nicht mehr rasieren. Vielleicht sehe ich Forrest dann auch ein wenig ähnlich“, scherzt der Münchner, der unter anderem als Motivations-Vortragsredner auftritt. Von der Ostküste der USA bis nach Lissabon geht es über den Atlantik wieder mit dem Segelboot, die Reststrecke von Portugal nach Deutschland wird geradelt. In spätestens 15 Monaten will er zurück in München sein. Quarantänezeiten sind mit eingerechnet. Um sich auf die Ultra-Langdistanz vorzubereiten, hat Deichmann im Sommer Deutschland schwimmend, radelnd und laufend umrundet. Eine andere Trainingsmethode war, zehn Stunden lang auf einem Hometrainer in die Pedale zu treten und dabei nur die weiße Wand anzustarren. „Keine Musik, kein Fernseher, einfach so lange fahren, bis der Wecker klingelt“, sagt Deichmann, „das ist zum Teil sehr, sehr öde, aber genau darum geht es: Wenn es in den Bergen oder in der Wüste hart wird, dann kann ich mich daran erinnern, dass es schon mal härter war.“ Das sei eine gute Übung. Er meint, dass 95 Prozent der Strecke sowieso im Kopf entschieden werden. Die Logistik stellte ein Team im Hintergrund sicher. Während der Schwimmstrecke zieht Deichmann beispielsweise ein kleines Floß hinter sich her, in dem sein Gepäck verstaut ist. Sein Fahrrad verschickt er immer wieder per Post. Seine Familie und Freunde unterstützen ihn bei seinen Extremtouren. „Klar, manchmal mache ich mir Sorgen, wenn Jonas in gefährliche Situationen gerät. Aber wir haben jeden Tag Kontakt und ich checke regelmäßig den Tracker“, sagte sein Vater gestern auf Instagram. Für seine Abenteuerlust verzichtet Deichmann auf jeglichen Luxus. Was er vermisse, sei eine kleine, silberne Espressokanne, die er aufs Lagerfeuer stellen kann. „Aber einmal um die Welt zu reisen ohne zu fliegen, ist der Traum jedes Abenteurers. Und wenn ich das schaffe, können wir uns alle mal fragen, ob wir ein Auto brauchen, um zum Bäcker zu fahren oder es einfach mal stehen lassen“, sagt der engagierte Klimaschützer. Um diese Botschaft weiterzutragen, verzichtet er dann auch gerne auf sein Espressokännchen.

Letzter Härtetest für Weltumrundung: Jonas Deichmann bereitet sich in Mindener Kältekammer auf 120-fachen Ironman vor

Jonas Deichmann kann trotz der sibirischen Temperaturen in der Klimakammer der Deutschen Bahn in Minden noch lächeln. Der Extremsportler fuhr vier Stunden lang dort Rad. Fotos: Friso Gentsch/dpa © Friso Gentsch

Minden. Jonas Deichmann schläft zurzeit ständig unter freiem Himmel. Unter Pinien, auf unbewohnten, kleinen Inseln oder auf Felsen. Vor dreieinhalb Wochen startete der Extremsportler zu seinem bislang größten Abenteuer: ein Triathlon rund um den Erdball. Aktuell legt der 33-Jährige seine Schwimmetappe vor der kroatischen Küste zurück. Insgesamt muss er 456 Kilometer im Adriatischen Meer Richtung Montenegro bewältigen. Um sich auf seinen 120-fachen Ironman vorzubereiten, war der Münchner auch in Minden. Dort hat der Halter etlicher Rad-Langstreckenrekorde einen seiner letzten Härtetests absolviert.

Die Kältekammer der Deutschen Bahn in Minden weist minus 28 Grad auf. Normalerweise werden dort Loks und Waggons auf ihre Wintertauglichkeit geprüft. Mitte September saß dort aber Jonas Deichmann im Sattel – vier Stunden lang auf der sogenannten Rolle. Er war der erste Sportler, der die Kältekammer in Minden für Trainingszwecke nutzte. Aus gutem Grund wie er berichtet: „Die größte Herausforderung bei meinem weltweiten Triathlon erwarte ich in Sibirien und der Mongolei mit minus 40 Grad.“ Deshalb wollte er vor allem sein Rad, die Technik und seine Ausrüstung bei den Extremtemperaturen testen. „Spätestens in Kasachstan habe ich Daunenjacken, die zwei Kilo wiegen und einen Schlafsack der mich vor den Minustemperaturen schützt, im Gepäck. Das Gewicht wird dann sehr schwer“, sagte der Extremsportler im Gespräch mit dem SWR. Jedes Gramm, dass er im Wasser, in der Wüste oder im Gebirge mitschleppen muss, zählt. Deshalb schneidet er sogar seine Zahnbürste in der Hälfte durch.

Die Eiskristalle setzen sich auf Deichmanns Jacke ab. - © Friso Gentsch
Die Eiskristalle setzen sich auf Deichmanns Jacke ab. - © Friso Gentsch

In Minden bildeten sich bereits nach kurzer Zeit Eiskristalle auf seiner Jacke, auf der Brille, am Bart. Aber letztendlich verließ Deichmann zufrieden die Kältekammer. Die Technik hat den Minustemperaturen standgehalten. Er auch.

Seine Weltumrundung startete Deichmann auf dem Münchner Odeonsplatz. Von dort aus fuhr er mit dem Rad bis nach Kroatien. Nach seiner Schwimmstrecke, die bald in Dubrovnik endet, soll es mit dem Fahrrad bis an die Pazifikküste gehen. Soweit möglich hat er sich Visa als Geschäftsreisender besorgt. Bis in die Türkei ist alles geplant. Danach wird es aufgrund der Pandemie aber schwierig. Ursprünglich hatte der 33-Jährige eine Route über den Iran, Indien und Südostasien vorgesehen. Dort haben die Länder aber so große Corona-Probleme, dass Grenzschließungen wahrscheinlich sind und er umschwenkte. Jetzt will Deichmann über den Kaukasus durch Sibirien und die Wüste Gobi fahren. Das alles im Winter.

Über den Atlantik nach Los Angeles wird Deichmann segeln, von dort aus quer durch die USA bis nach New York laufen – 50 Kilometer am Tag. Dazu hat ihn der Hollywood-Film „Forrest Gump“ inspiriert. Das sei in der Kindheit sein Lieblingsfilm gewesen. „Darauf freue ich mich wirklich sehr. Das Monument Valley finde ich traumhaft. Und ich werde mich dann auch nicht mehr rasieren. Vielleicht sehe ich Forrest dann auch ein wenig ähnlich“, scherzt der Münchner, der unter anderem als Motivations-Vortragsredner auftritt. Von der Ostküste der USA bis nach Lissabon geht es über den Atlantik wieder mit dem Segelboot, die Reststrecke von Portugal nach Deutschland wird geradelt. In spätestens 15 Monaten will er zurück in München sein. Quarantänezeiten sind mit eingerechnet.

Um sich auf die Ultra-Langdistanz vorzubereiten, hat Deichmann im Sommer Deutschland schwimmend, radelnd und laufend umrundet. Eine andere Trainingsmethode war, zehn Stunden lang auf einem Hometrainer in die Pedale zu treten und dabei nur die weiße Wand anzustarren. „Keine Musik, kein Fernseher, einfach so lange fahren, bis der Wecker klingelt“, sagt Deichmann, „das ist zum Teil sehr, sehr öde, aber genau darum geht es: Wenn es in den Bergen oder in der Wüste hart wird, dann kann ich mich daran erinnern, dass es schon mal härter war.“ Das sei eine gute Übung. Er meint, dass 95 Prozent der Strecke sowieso im Kopf entschieden werden.

Die Logistik stellte ein Team im Hintergrund sicher. Während der Schwimmstrecke zieht Deichmann beispielsweise ein kleines Floß hinter sich her, in dem sein Gepäck verstaut ist. Sein Fahrrad verschickt er immer wieder per Post. Seine Familie und Freunde unterstützen ihn bei seinen Extremtouren. „Klar, manchmal mache ich mir Sorgen, wenn Jonas in gefährliche Situationen gerät. Aber wir haben jeden Tag Kontakt und ich checke regelmäßig den Tracker“, sagte sein Vater gestern auf Instagram.

Für seine Abenteuerlust verzichtet Deichmann auf jeglichen Luxus. Was er vermisse, sei eine kleine, silberne Espressokanne, die er aufs Lagerfeuer stellen kann. „Aber einmal um die Welt zu reisen ohne zu fliegen, ist der Traum jedes Abenteurers. Und wenn ich das schaffe, können wir uns alle mal fragen, ob wir ein Auto brauchen, um zum Bäcker zu fahren oder es einfach mal stehen lassen“, sagt der engagierte Klimaschützer. Um diese Botschaft weiterzutragen, verzichtet er dann auch gerne auf sein Espressokännchen.

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