Leichtathletik: Neue Lauf-Challenge zum 20. Geburtstag des Rose-Marathons Thomas Kühlmann Minden. Die sportliche Seele dürstet nach Bewegung und nach immer neuen Herausforderungen und Kicks. Ein Marathon hat allemal diesen Charakter, entweder mit persönlicher Bestzeit sein Ego zu befriedigen, oder auch nur angekommen zu sein, um seine Willenskraft und die Überwindung des inneren Schweinehundes dokumentiert zu wissen. Ein Marathon ist ein Abenteuer für Leistungs- und Freizeitsportler, aber ebenso für die Organisatoren und die freiwilligen Helfer. 20 Jahre ist es her, dass sich das Unternehmen Rose Systemtechnik und der TuS Eintracht Minden mit seiner Leichtathletik-Abteilung auf dieses Abenteuer einließen, die „Königsdisziplin“ des Laufens nach Minden holten und bei Athleten wie Zuschauern offene Türen einrannten. Sechs Mal von 2001 bis 2006 zog der Rose-Marathon mit dem Start auf der Portastraße und später dem Simeonsplatz sowie dem Ziel im Weserstadion Groß und Klein in seinen Bann. Menschenmassen bei den Zieleinkünften im Stadion, wie man sie lange nicht gesehen hatte, applaudierende Fans in Scharen an der Strecke, die von Minden entlang der Weser nach Porta Westfalica und nach der Wendemarke zurück nach Minden führte, sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre bei Gluthitze oder Dauerregen. Für die Aktiven spielte das Wetter keine Rolle. Sie wollten zeigen, dass sie als Marathonis am Puls der Zeit waren, denn der Hype um die magischen 42,195 Kilometer wurde weltweit immer größer. So war also auch Minden „in“. Im Jahr 2006 verzeichnete man gar 906 glückliche Finisher. Ein Traum für die Szene. Dementsprechend stolz erinnert sich auch Eckhard Wiens, seinerzeit einer der „Macher“ von Eintracht Minden, voller Enthusiasmus an diese Events: „Unser großer Vorteil war, dass 1990 das Mindener Weserstadion für höherklassige Wettkämpfe auf den neuesten Stand gebracht worden war. Wir richteten reihenweise Deutsche Meisterschaften mit allen Disziplinen aus. Nur die Königsdisziplin Marathon hatten wir nicht im Programm, so dass die Idee reifte, ein derartiges Spektakel auch einmal nach Minden zu holen. Das Schöne war: Es wurde nicht lange diskutiert, sondern mit Hilfe der Stadt und der Firma Rose Systemtechnik einfach gemacht“, sagt der Mitorganisator. „Es war ein Event für alle Sportler. Wir waren stolz, im Gegensatz zu anderen Wettbewerben rund um den Globus. keine Antrittsgeber für Stars gezahlt und so eventuell die Freizeitsportler vor den Kopf gestoßen zu haben“, ist Wiens auch heute noch erfreut ob der Welle der Begeisterung und vor allem Hilfsbereitschaft auch von anderen Vereinen. „Entlang der Strecke boten uns Vertreter aus Preußisch Oldendorf, dem TuS Kleinenbremen oder der TG Werste ihre Unterstützung an. Sie wollten aktiv mithelfen, diese Veranstaltung noch weiter mit Leben zu füllen. Das war toll. Man sah, dass Leichtathleten wie eine große Familie sind, die sich unter die Arme greift“, sagt Wiens. Und die sechs Auflagen schrieben herzerfrischende Geschichten. Premieren-Sieger bei den Männern war in 2:43:29 Stunden in Achim Hagemeyer aus Espelkamp immerhin ein Mühlenkreisler, die Bestzeit lief erreichte Marcus Biel von der SV Brackwede in 2:26:32. Schnellste Frau war Anke Kemmener, die 2:50:36 für die Traditions-Distanz benötigte. Doch es waren nicht unbedingt die Sieger allein, denen die Aufmerksamkeit galt. Jeder wurde frenetisch beklatscht und angefeuert. Väter liefen die letzten Meter mit ihren Kindern ins Ziel. Mal liefen Sportler, die sich auf der Strecke lange Zeit beäugt hatten, ohne dass sich einer entscheidend absetzen konnte, kurzerhand Hand in Hand ins Ziel. Neben vielen Obsterfrischungen wurde gern auch mal eine besondere Abkühlung genommen, die hilfreiche Anwohner per Rasensprenger den schwitzenden Athleten spendeten. Und auch das Medienecho war gigantisch. Auf mehreren Seiten wurden im MT neben Stories und Kuriositäten alle Ergebnisse, garniert mit spektakulären Fotos, abgedruckt. Nach einer dreijährigen Pause zog dann der Porta-Marathon mit bis zu 1.800 Startern noch mehr Sportler in seinen Bann – allerdings auf mehrere Distanzen verteilt. 2011 war dann aber auch hier Schluss, der hohe Aufwand war mit Ehrenamtlichkeit einfach nicht mehr zu stemmen. Jetzt wollen ein paar junge Sportler versuchen, zum 20-jährigen Bestehen das Flair des Rose-Marathons wenigstens ein bisschen wiederzubeleben. In Pandemie-Zeiten kein leichtes Unterfangen. „Der Rose-Marathon war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Mein Onkel und meine Mutter sind mitgelaufen, und ich habe als kleiner Junge anfeuernd an der Straße gestanden“, erinnert sich Freeric Meier. Zusammen mit seinem Bruder Bent, Jennifer Schlie und Marcel Roggenkamp hat er eine Challenge ins Leben gerufen, um den Sportlern gerade in Corona-Zeiten einen neuen Anreiz zu bieten. „Wir haben die Originalstrecke in sechs unterschiedlich große Teilstücke aufgeteilt, die jeder Sportler, der teilnehmen möchte, zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni sooft wie möglich ablaufen kann. Die geringste Distanz liegt bei fünf Kilometern, die längste bei etwas mehr als zehn Kilometern, so dass sich jeder an die Herausforderung herantasten kann. Ziel sollte es sein, möglichst alle sechs Abschnitte mindestens einmal gelaufen zu sein. Die jeweils schnellsten Zeiten über die Distanzen werden zusammengerechnet“, erläutert Meier das Reglement. Für die Streckenerfassung und die Zeitmessung wird Strava genutzt, weshalb jeder Teilnehmer ein GPS-fähiges Gerät zur Aufzeichnung der Läufe benötigt und bei Strava angemeldet sein muss. Die Veranstalter haben Segmente für die Teilabschnitte angelegt. Die Zeiten auf diesem Segment bilden die Leistungen der Teilnehmer ab. Sollte das Segment bei einem Lauf nicht „getroffen“ werden, so kann die Wertung näherungsweise manuell erfolgen.

Leichtathletik: Neue Lauf-Challenge zum 20. Geburtstag des Rose-Marathons

Zieleinlauf mit Kindern im Mindener Weserstadion: Stephan Pelz auf den letzten Metern beim Mindener Rose-Marathon, beklatscht und angefeuert von den Zuschauermassen hinter den Absperrbändern. Foto: MT-Archiv: © mt-archiv

Minden. Die sportliche Seele dürstet nach Bewegung und nach immer neuen Herausforderungen und Kicks. Ein Marathon hat allemal diesen Charakter, entweder mit persönlicher Bestzeit sein Ego zu befriedigen, oder auch nur angekommen zu sein, um seine Willenskraft und die Überwindung des inneren Schweinehundes dokumentiert zu wissen. Ein Marathon ist ein Abenteuer für Leistungs- und Freizeitsportler, aber ebenso für die Organisatoren und die freiwilligen Helfer.

20 Jahre ist es her, dass sich das Unternehmen Rose Systemtechnik und der TuS Eintracht Minden mit seiner Leichtathletik-Abteilung auf dieses Abenteuer einließen, die „Königsdisziplin“ des Laufens nach Minden holten und bei Athleten wie Zuschauern offene Türen einrannten. Sechs Mal von 2001 bis 2006 zog der Rose-Marathon mit dem Start auf der Portastraße und später dem Simeonsplatz sowie dem Ziel im Weserstadion Groß und Klein in seinen Bann. Menschenmassen bei den Zieleinkünften im Stadion, wie man sie lange nicht gesehen hatte, applaudierende Fans in Scharen an der Strecke, die von Minden entlang der Weser nach Porta Westfalica und nach der Wendemarke zurück nach Minden führte, sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre bei Gluthitze oder Dauerregen. Für die Aktiven spielte das Wetter keine Rolle. Sie wollten zeigen, dass sie als Marathonis am Puls der Zeit waren, denn der Hype um die magischen 42,195 Kilometer wurde weltweit immer größer. So war also auch Minden „in“. Im Jahr 2006 verzeichnete man gar 906 glückliche Finisher. Ein Traum für die Szene.

Freeric Meier - © Thomas Kühlmann
Freeric Meier - © Thomas Kühlmann

Dementsprechend stolz erinnert sich auch Eckhard Wiens, seinerzeit einer der „Macher“ von Eintracht Minden, voller Enthusiasmus an diese Events: „Unser großer Vorteil war, dass 1990 das Mindener Weserstadion für höherklassige Wettkämpfe auf den neuesten Stand gebracht worden war. Wir richteten reihenweise Deutsche Meisterschaften mit allen Disziplinen aus. Nur die Königsdisziplin Marathon hatten wir nicht im Programm, so dass die Idee reifte, ein derartiges Spektakel auch einmal nach Minden zu holen. Das Schöne war: Es wurde nicht lange diskutiert, sondern mit Hilfe der Stadt und der Firma Rose Systemtechnik einfach gemacht“, sagt der Mitorganisator.

„Es war ein Event für alle Sportler. Wir waren stolz, im Gegensatz zu anderen Wettbewerben rund um den Globus. keine Antrittsgeber für Stars gezahlt und so eventuell die Freizeitsportler vor den Kopf gestoßen zu haben“, ist Wiens auch heute noch erfreut ob der Welle der Begeisterung und vor allem Hilfsbereitschaft auch von anderen Vereinen. „Entlang der Strecke boten uns Vertreter aus Preußisch Oldendorf, dem TuS Kleinenbremen oder der TG Werste ihre Unterstützung an. Sie wollten aktiv mithelfen, diese Veranstaltung noch weiter mit Leben zu füllen. Das war toll. Man sah, dass Leichtathleten wie eine große Familie sind, die sich unter die Arme greift“, sagt Wiens.

Und die sechs Auflagen schrieben herzerfrischende Geschichten. Premieren-Sieger bei den Männern war in 2:43:29 Stunden in Achim Hagemeyer aus Espelkamp immerhin ein Mühlenkreisler, die Bestzeit lief erreichte Marcus Biel von der SV Brackwede in 2:26:32. Schnellste Frau war Anke Kemmener, die 2:50:36 für die Traditions-Distanz benötigte. Doch es waren nicht unbedingt die Sieger allein, denen die Aufmerksamkeit galt. Jeder wurde frenetisch beklatscht und angefeuert. Väter liefen die letzten Meter mit ihren Kindern ins Ziel. Mal liefen Sportler, die sich auf der Strecke lange Zeit beäugt hatten, ohne dass sich einer entscheidend absetzen konnte, kurzerhand Hand in Hand ins Ziel. Neben vielen Obsterfrischungen wurde gern auch mal eine besondere Abkühlung genommen, die hilfreiche Anwohner per Rasensprenger den schwitzenden Athleten spendeten. Und auch das Medienecho war gigantisch. Auf mehreren Seiten wurden im MT neben Stories und Kuriositäten alle Ergebnisse, garniert mit spektakulären Fotos, abgedruckt.

Nach einer dreijährigen Pause zog dann der Porta-Marathon mit bis zu 1.800 Startern noch mehr Sportler in seinen Bann – allerdings auf mehrere Distanzen verteilt. 2011 war dann aber auch hier Schluss, der hohe Aufwand war mit Ehrenamtlichkeit einfach nicht mehr zu stemmen.

Jetzt wollen ein paar junge Sportler versuchen, zum 20-jährigen Bestehen das Flair des Rose-Marathons wenigstens ein bisschen wiederzubeleben. In Pandemie-Zeiten kein leichtes Unterfangen. „Der Rose-Marathon war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Mein Onkel und meine Mutter sind mitgelaufen, und ich habe als kleiner Junge anfeuernd an der Straße gestanden“, erinnert sich Freeric Meier. Zusammen mit seinem Bruder Bent, Jennifer Schlie und Marcel Roggenkamp hat er eine Challenge ins Leben gerufen, um den Sportlern gerade in Corona-Zeiten einen neuen Anreiz zu bieten. „Wir haben die Originalstrecke in sechs unterschiedlich große Teilstücke aufgeteilt, die jeder Sportler, der teilnehmen möchte, zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni sooft wie möglich ablaufen kann. Die geringste Distanz liegt bei fünf Kilometern, die längste bei etwas mehr als zehn Kilometern, so dass sich jeder an die Herausforderung herantasten kann. Ziel sollte es sein, möglichst alle sechs Abschnitte mindestens einmal gelaufen zu sein. Die jeweils schnellsten Zeiten über die Distanzen werden zusammengerechnet“, erläutert Meier das Reglement.

Für die Streckenerfassung und die Zeitmessung wird Strava genutzt, weshalb jeder Teilnehmer ein GPS-fähiges Gerät zur Aufzeichnung der Läufe benötigt und bei Strava angemeldet sein muss. Die Veranstalter haben Segmente für die Teilabschnitte angelegt. Die Zeiten auf diesem Segment bilden die Leistungen der Teilnehmer ab. Sollte das Segment bei einem Lauf nicht „getroffen“ werden, so kann die Wertung näherungsweise manuell erfolgen.

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