Kommentar zu Profisport und Corona: An Arroganz nicht zu überbieten Astrid Plaßhenrich Leonie Fiebig saß nach ihrem ersten Weltcupsieg alleine im Hotelzimmer und trank ein Glas Tee. Obwohl sich die Bob-Nationalmannschaften regelmäßig Coronatests unterzogen, mussten sie strenge Auflagen einhalten. Die in Minden geborene Anschieberin durfte nicht mit ihrer Pilotin Stephanie Schneider auf das Siegerpodest, durfte nicht mit ihr nach dem Wettkampf anstoßen. Nicht schön und sicher nicht so, wie man es sich nach einem großen Erfolg wünscht. Aber: Die engmaschigen Regeln zahlten sich aus. Kein einziger Athlet aus dem deutschen Bobteam erkrankte an Covid-19. Jeder einzelne nahm sich zurück, um als Teil des Ganzen die Weltcupsaison ohne Ausfälle durchzuziehen. Es gelang. Auch die Handballer agieren trotz der Coronatest-Routine sehr vorsichtig. Zuletzt isolierte sich die HSG Wetzlar, obwohl es sich im Mannschaftskreis oder im Umfeld nur um einen Verdachts- und nicht um einen bestätigten Fall handelte. Weltklasse-Tennisspieler harren 14 Tage im Hotel aus, um die australische Quarantänevorschriften einzuhalten. Der Sport ist sich seiner besonderen Freiräume in der Pandemie bewusst und versucht die Privilegierung mit der Übernahme von vorbildhafter Verantwortung zu rechtfertigen. Nur der Profifußball nimmt eine Sonderrolle ein. Die Bayern-Spieler drückten ihre verschwitzten Körper bei der Klub-WM-Siegerehrung eng aneinander. Da war längst bekannt, dass Thomas Müller positiv getestet worden war. Der reiste als einziger Passagier mit einem Sanitäts-Flugzeug von Doha zurück nach München und meldete eine Woche später: „Ich bin gesund.“ Wie kann das sein? Währenddessen forderte der inzwischen permanent einen aggressiven Ton anschlagende Karl-Heinz Rummennige, die Bayern-Profis schnellstmöglich zu impfen. Der Vorbildfunktion wegen – ist klar. Vorbilder sind die frisch frisierten Fußballprofis schon lange nicht mehr. Ihre Botschaft an die Fans: Corona ist nicht für alle ein Problem. Denn wenn sich mal ein Profi infiziert, kommt ein Privatjet und alles geht so weiter wie zuvor. Hauptsache der Ball und der Rubel rollen. Das Gehabe ist an Arroganz nicht zu überbieten und färbt auf den gesamten Profifußball ab. Kein Wunder, dass sich Fans und Sympathisanten immer mehr von ihm entfernen. Es passt ins Bild, dass die Stadien leer sind und die Fans vor dem Fernseher sitzen. Deutlicher kann sich die innerlich gewachsene Distanz kaum ausdrücken.

Kommentar zu Profisport und Corona: An Arroganz nicht zu überbieten

© Alex Lehn

Leonie Fiebig saß nach ihrem ersten Weltcupsieg alleine im Hotelzimmer und trank ein Glas Tee. Obwohl sich die Bob-Nationalmannschaften regelmäßig Coronatests unterzogen, mussten sie strenge Auflagen einhalten. Die in Minden geborene Anschieberin durfte nicht mit ihrer Pilotin Stephanie Schneider auf das Siegerpodest, durfte nicht mit ihr nach dem Wettkampf anstoßen. Nicht schön und sicher nicht so, wie man es sich nach einem großen Erfolg wünscht. Aber: Die engmaschigen Regeln zahlten sich aus. Kein einziger Athlet aus dem deutschen Bobteam erkrankte an Covid-19. Jeder einzelne nahm sich zurück, um als Teil des Ganzen die Weltcupsaison ohne Ausfälle durchzuziehen. Es gelang.

Auch die Handballer agieren trotz der Coronatest-Routine sehr vorsichtig. Zuletzt isolierte sich die HSG Wetzlar, obwohl es sich im Mannschaftskreis oder im Umfeld nur um einen Verdachts- und nicht um einen bestätigten Fall handelte. Weltklasse-Tennisspieler harren 14 Tage im Hotel aus, um die australische Quarantänevorschriften einzuhalten. Der Sport ist sich seiner besonderen Freiräume in der Pandemie bewusst und versucht die Privilegierung mit der Übernahme von vorbildhafter Verantwortung zu rechtfertigen.

Nur der Profifußball nimmt eine Sonderrolle ein. Die Bayern-Spieler drückten ihre verschwitzten Körper bei der Klub-WM-Siegerehrung eng aneinander. Da war längst bekannt, dass Thomas Müller positiv getestet worden war. Der reiste als einziger Passagier mit einem Sanitäts-Flugzeug von Doha zurück nach München und meldete eine Woche später: „Ich bin gesund.“ Wie kann das sein? Währenddessen forderte der inzwischen permanent einen aggressiven Ton anschlagende Karl-Heinz Rummennige, die Bayern-Profis schnellstmöglich zu impfen. Der Vorbildfunktion wegen – ist klar.

Vorbilder sind die frisch frisierten Fußballprofis schon lange nicht mehr. Ihre Botschaft an die Fans: Corona ist nicht für alle ein Problem. Denn wenn sich mal ein Profi infiziert, kommt ein Privatjet und alles geht so weiter wie zuvor. Hauptsache der Ball und der Rubel rollen.

Das Gehabe ist an Arroganz nicht zu überbieten und färbt auf den gesamten Profifußball ab. Kein Wunder, dass sich Fans und Sympathisanten immer mehr von ihm entfernen. Es passt ins Bild, dass die Stadien leer sind und die Fans vor dem Fernseher sitzen. Deutlicher kann sich die innerlich gewachsene Distanz kaum ausdrücken.

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