„Ich will beim Laufen bei mir sein“: Mindens Bürgermeister über große Gefühle, den Rose-Marathon und den Langlauf zur Multihalle Marcus Riechmann Minden. Sich gemeinsam bewegen, etwas gemeinsam bewegen. Der Rose-Marathon war für Michael Jäcke eine besondere Zeit. Das Laufsportfest brachte zum Start in das neue Jahrtausend die Menschen im Mindener Land auf die Straße und machte nicht nur Jäcke zum Ausdauersportler. Seit 2015 ist er Bürgermeister und freie Zeit ist knapp, dabei ist das Laufen umso wichtiger geworden für den 59-Jährigen. Im MT-Interview beschreibt er seine Begeisterung für das Laufen und seine Erinnerungen an den Enthusiasmus von 2001, als der Rose-Marathon Minden Beine machte. Wie sind Sie zum Laufen gekommen? Sie sind von Haus aus ja Handballer. Die laufen bekanntlich nicht gern ohne Ball. Das fußt auf einer Zufallsbekanntschaft im Kindergarten. Nach einem Fest – wir gehörten zu den letzten Gästen – stand ich mit zwei damals flüchtigen Bekannten zusammen. Wir sprachen darüber, dass sich meine Handballzeit dem Ende entgegen neigt. Die beiden haben gesagt: Lauf’ doch einfach mit uns. Das war damals eine kleine Laufgruppe in der Nordstadt. Daraus ist dann eine stabile Freundschaft entstanden. So bin ich Ende der 90er Jahre übergangslos vom Handballer zum Läufer geworden. Damals ging es mit Glacisrunden los. Von Marathon war keine Rede. War der Rose-Marathon Ihr erster Marathon? Ja. Etwa ein halbes Jahr, nachdem mich meine Freunde zum Laufen gebracht hatten, kamen sie mit dieser Idee um die Ecke. Ich hatte eigentlich keine Ambitionen, aber wir sind dann eingestiegen und haben kontinuierlich trainiert. Meinen ersten längeren Wettkampf hatte ich im März 2001, das war mein erster Syltlauf über 33,3 Kilometer. Bei fürchterlichem Wetter mit Nordost-Wind und Schneeschauern war ich im Ziel total erledigt und habe mit Blick auf den Marathon gedacht: Jetzt noch neun Kilometer weiter – das schaffst du nie. Aber mit einem guten Trainings- und Ernährungsplan fühlte ich mich schließlich gut vorbereitet. Das Ziel hieß ankommen, die Zeit war völlig egal. Am Ende habe ich 4:08 Stunden gebraucht. War der Rose-Marathon auch für Minden eine laufsportliche Erweckung? Ich glaube ja. Schon ein Jahr vorher spürte man bei den Volksläufen der Mühlenkreisserie so ein Kribbeln bei vielen Läufern. Viele Gespräche drehten sich um das Thema Marathon. Da war man auf einmal mit Minden in einer Liga mit Berlin oder Hamburg, es entstand schon ein besonderes Gefühl. Nicht nur bei den Sportlern war Vorfreude spürbar. Der Lauf begeisterte auch die Bürger. Total. So hatte ich das noch nie erlebt. Fast an der ganzen Strecke standen Menschen, nur zwischen Dehme und Barkhausen war es ziemlich leer. Überall saßen Leute, frühstückten, feuerten an, machte La Ola. Das war überwältigend. Alle fünf Kilometer standen Trommelgruppen. Das hat mich über die Strecke getragen. Wie oft sind Sie beim Rose-Marathon gelaufen? Alle sechs Läufe. Beim vierten habe ich meine Marathon-Bestzeit aufgestellt: 3:52 Stunden. Dabei war das damals eine echte Hitzeschlacht. Beim Porta-Marathon waren Sie nicht mehr dabei? Nein. Damals fehlte schon die Zeit für eine vernünftige Vorbereitung. 20 Jahre liegt der erste Rose-Marathon zurück. Jetzt wird er wiederbelebt. Was ist der Hintergrund? Wir planen, den Lauf mit kleinen Angeboten auf der Originalstrecke wieder für die heimischen Läufer erlebbar zu machen. Wir wollen das damalige Gefühl zurückholen. Das hat der Läuferszene damals großen Auftrieb gegeben, aber das hat auch die Vereine zusammengebracht. Der Lauf war eine riesen Gemeinschaftsleistung. Man darf sich ruhig mal wieder daran erinnern: Wenn alle mitmachen, kann etwas tolles entstehen. Das fehlt heute manchmal. Ist das ein Wunsch, den Sie für das heutige Minden haben? Mal wieder ein großes Projekt gemeinsam zu realisieren? Ja, das stimmt. Das Projekt schlechthin ist natürlich die Multifunktionshalle. Auch bei diesem Projekt klappt es nur, wenn viele von der guten Idee überzeugt und am Ende auch in der Umsetzung mit dabei sind. Was bringt Ihnen das Laufen – abgesehen von einer Grundfitness? Für mich ist das auch Stressbewältigung geworden. Wenn ich beim Laufen über einen gewissen Punkt hinweggekommen bin, kommen mir manchmal Gedanken, die man sitzend am Schreibtisch nicht hat. Man denkt beim Laufen nicht aktiv, aber die Gedanken fliegen. Man verarbeitet vielleicht dabei Dinge, die man auf andere Weise nicht verarbeiten kann. Ich nehme nie Musik mit. Ich will beim Laufen bei mir sein, jedenfalls wenn ich alleine unterwegs bin. Laufen Sie bei schlechtem Wetter auch auf dem Laufband? Ich laufe bei jedem Wetter draußen. Es gab in der Vorbereitung auf zwei Rose-Marathons Winter, da hatten wir teilweise minus zehn oder minus 15 Grad. Da hatte man Eisklümpchen an den Haaren und ist durch zentimeterhohen Schnee auf dem Bergkamm gelaufen. Da waren keine Spuren und man wusste: Heute war vor dir noch niemand hier. Das war schon grandios. Grandioser, als einen Marathon zu finishen? Das kann man nicht vergleichen. Aber als ich 2001 beim Rose-Marathon ins Ziel gekommen bin, war das sicher einer der emotionalsten Momente meines Lebens. Man kommt nach eineinhalb Jahren Vorarbeit an, hält seine beiden Töchter an der Hand und läuft über die Linie. Das war ein unvergleichlich emotionaler Moment. Ein Moment, der Sie heute offenbar noch berührt. Ja. Es gibt ein Foto, da stehen meine Töchter im Ziel neben mir. Vorher standen sie mit meiner Frau an verschieden Stellen an der Strecke. Das war riesig. Die Familie hat das ja alles auch vorher mitgetragen. Wenn man 60 bis 80 Kilometer in der Woche läuft, dann ist man in dieser Zeit ja auch als Vater weg. Ist Laufen viel wichtiger geworden, seit Sie als Bürgermeister tätig sind? Ja. Ich laufe zwar weniger, denn die Zeit, um noch für Marathons zu trainieren, ist einfach nicht da. Aber es ist wichtiger geworden. Laufen ist die beste Medizin, um bei allem Stress mit sich selbst ins Reine zu kommen. Um den Ärger wegzulaufen? Ja, auch das. Es gab mal die Idee, im Glacis eine beleuchtete Laufstrecke herzurichten. Was ist daraus geworden? Es gibt ein Glacis-Entwicklungskonzept, das in sechs jährlichen Bauabschnitten umgesetzt wird. In drei öffentlichen Workshops wurden die Nutzergruppen wie Spaziergänger, Schüler oder auch Läufer beteiligt. Ihre Wünsche fließen in die Gestaltung ein. Den Wunsch nach einer durchgehenden Beleuchtung haben wir aber nicht berücksichtigt, weil das unter dem Stichwort Lichtverschmutzung ökologisch nicht der richtige Weg gewesen wäre. Das Glacis ist ein Multifunktionsraum für viele Menschen. Ich glaube, mit dem Entwicklungsplan ist ein guter Kompromiss gelungen. Wie steht es um die Entwicklung der Multihalle, einem politischen Ultra-Marathon? Ist dort ein Ziel in Sicht? Das Thema besitzt durchaus Ähnlichkeiten mit einem Marathon. Zwischenzeitlich war das Ziel mal in weite Ferne gerückt. Viele Beteiligte, vor allem in der Wirtschaft, wussten nicht mehr, woran sie waren. Ohne die Debatte um die Kampa-Halle wären wir heute sicher weiter. Wir befinden uns immer noch in guten Gesprächen mit der Wirtschaft. Der Kreis hat eine klare Botschaft gesandt, er will bis Ende des Jahres entscheiden, wie er mit der Kampa-Halle verfahren will. Bis dahin will der Kreis ein Konzept haben. Daran arbeiten wir, um das dem Kreis und dem Stadtrat vorlegen. Ist das Dresdner Modell die beste Umsetzung? Die Privatwirtschaft errichtet die Halle und übergibt sie einer Betreibergesellschaft unter Beteiligung der öffentlichen Hand? Nein. Das war mal in der Überlegung, aber wir haben uns gemeinsam wieder auf das andere Modell geeinigt. Das Konzept, das wir verfolgen, sieht vor, dass die Stadt unter Hinzuziehung der Wirtschaft baut. Das Modell halte ich für tragfähig. Die Wirtschaft hat einen riesigen Schritt gemacht mit dem Angebot, den Betrieb für 20 Jahre zu gewährleisten. Das bedeutet natürlich: Der Betreiber als künftiger Nutzer muss beim Bau beteiligt sein. Warum ist die Multihalle so wichtig? Irgendwann werden in der Handball-Bundesliga vier Tribünenseiten eine Voraussetzung sein. Die gibt es weder in der Kampa-Halle noch in Lübbecke. Wenn die Kampa-Halle mit neun oder zehn Millionen Euro saniert wird, dann haben wir über Jahre die Chance vertan, dem Profi-Handball hier eine Zukunft zu geben. Bundesligasport, das muss jedem klar sein, ist für eine Stadt wie Minden keine Selbstverständlichkeit.

„Ich will beim Laufen bei mir sein“: Mindens Bürgermeister über große Gefühle, den Rose-Marathon und den Langlauf zur Multihalle

„Man kommt nach eineinhalb Jahren Vorarbeit an.“ Die große innere Freude steht Michael Jäcke nach 42,195 Laufkilometern im Ziel des Rose-Marathons ins Gesicht geschrieben. Foto: MT-Archiv © MT-Archiv

Minden. Sich gemeinsam bewegen, etwas gemeinsam bewegen. Der Rose-Marathon war für Michael Jäcke eine besondere Zeit. Das Laufsportfest brachte zum Start in das neue Jahrtausend die Menschen im Mindener Land auf die Straße und machte nicht nur Jäcke zum Ausdauersportler. Seit 2015 ist er Bürgermeister und freie Zeit ist knapp, dabei ist das Laufen umso wichtiger geworden für den 59-Jährigen. Im MT-Interview beschreibt er seine Begeisterung für das Laufen und seine Erinnerungen an den Enthusiasmus von 2001, als der Rose-Marathon Minden Beine machte.

Wie sind Sie zum Laufen gekommen? Sie sind von Haus aus ja Handballer. Die laufen bekanntlich nicht gern ohne Ball.

Das fußt auf einer Zufallsbekanntschaft im Kindergarten. Nach einem Fest – wir gehörten zu den letzten Gästen – stand ich mit zwei damals flüchtigen Bekannten zusammen. Wir sprachen darüber, dass sich meine Handballzeit dem Ende entgegen neigt. Die beiden haben gesagt: Lauf’ doch einfach mit uns. Das war damals eine kleine Laufgruppe in der Nordstadt. Daraus ist dann eine stabile Freundschaft entstanden. So bin ich Ende der 90er Jahre übergangslos vom Handballer zum Läufer geworden. Damals ging es mit Glacisrunden los. Von Marathon war keine Rede.

War der Rose-Marathon Ihr erster Marathon?

Ja. Etwa ein halbes Jahr, nachdem mich meine Freunde zum Laufen gebracht hatten, kamen sie mit dieser Idee um die Ecke. Ich hatte eigentlich keine Ambitionen, aber wir sind dann eingestiegen und haben kontinuierlich trainiert. Meinen ersten längeren Wettkampf hatte ich im März 2001, das war mein erster Syltlauf über 33,3 Kilometer. Bei fürchterlichem Wetter mit Nordost-Wind und Schneeschauern war ich im Ziel total erledigt und habe mit Blick auf den Marathon gedacht: Jetzt noch neun Kilometer weiter – das schaffst du nie. Aber mit einem guten Trainings- und Ernährungsplan fühlte ich mich schließlich gut vorbereitet. Das Ziel hieß ankommen, die Zeit war völlig egal. Am Ende habe ich 4:08 Stunden gebraucht.

War der Rose-Marathon auch für Minden eine laufsportliche Erweckung?

Ich glaube ja. Schon ein Jahr vorher spürte man bei den Volksläufen der Mühlenkreisserie so ein Kribbeln bei vielen Läufern. Viele Gespräche drehten sich um das Thema Marathon. Da war man auf einmal mit Minden in einer Liga mit Berlin oder Hamburg, es entstand schon ein besonderes Gefühl.

Nicht nur bei den Sportlern war Vorfreude spürbar. Der Lauf begeisterte auch die Bürger.

Total. So hatte ich das noch nie erlebt. Fast an der ganzen Strecke standen Menschen, nur zwischen Dehme und Barkhausen war es ziemlich leer. Überall saßen Leute, frühstückten, feuerten an, machte La Ola. Das war überwältigend. Alle fünf Kilometer standen Trommelgruppen. Das hat mich über die Strecke getragen.

Wie oft sind Sie beim Rose-Marathon gelaufen?

Alle sechs Läufe. Beim vierten habe ich meine Marathon-Bestzeit aufgestellt: 3:52 Stunden. Dabei war das damals eine echte Hitzeschlacht.

Erinnerungsstück: Michael Jäcke hat das Rose-Marathon Käppi mit dem Motiv des laufenden „Nasenmanns“aufbewahrt. Foto: Marcus Riechmann - © Marcus Riechmann
Erinnerungsstück: Michael Jäcke hat das Rose-Marathon Käppi mit dem Motiv des laufenden „Nasenmanns“aufbewahrt. Foto: Marcus Riechmann - © Marcus Riechmann

Beim Porta-Marathon waren Sie nicht mehr dabei?

Nein. Damals fehlte schon die Zeit für eine vernünftige Vorbereitung.

20 Jahre liegt der erste Rose-Marathon zurück. Jetzt wird er wiederbelebt. Was ist der Hintergrund?

Wir planen, den Lauf mit kleinen Angeboten auf der Originalstrecke wieder für die heimischen Läufer erlebbar zu machen. Wir wollen das damalige Gefühl zurückholen. Das hat der Läuferszene damals großen Auftrieb gegeben, aber das hat auch die Vereine zusammengebracht. Der Lauf war eine riesen Gemeinschaftsleistung. Man darf sich ruhig mal wieder daran erinnern: Wenn alle mitmachen, kann etwas tolles entstehen. Das fehlt heute manchmal.

Ist das ein Wunsch, den Sie für das heutige Minden haben? Mal wieder ein großes Projekt gemeinsam zu realisieren?

Ja, das stimmt. Das Projekt schlechthin ist natürlich die Multifunktionshalle. Auch bei diesem Projekt klappt es nur, wenn viele von der guten Idee überzeugt und am Ende auch in der Umsetzung mit dabei sind.

Was bringt Ihnen das Laufen – abgesehen von einer Grundfitness?

Für mich ist das auch Stressbewältigung geworden. Wenn ich beim Laufen über einen gewissen Punkt hinweggekommen bin, kommen mir manchmal Gedanken, die man sitzend am Schreibtisch nicht hat. Man denkt beim Laufen nicht aktiv, aber die Gedanken fliegen. Man verarbeitet vielleicht dabei Dinge, die man auf andere Weise nicht verarbeiten kann. Ich nehme nie Musik mit. Ich will beim Laufen bei mir sein, jedenfalls wenn ich alleine unterwegs bin.

Laufen Sie bei schlechtem Wetter auch auf dem Laufband?

Ich laufe bei jedem Wetter draußen. Es gab in der Vorbereitung auf zwei Rose-Marathons Winter, da hatten wir teilweise minus zehn oder minus 15 Grad. Da hatte man Eisklümpchen an den Haaren und ist durch zentimeterhohen Schnee auf dem Bergkamm gelaufen. Da waren keine Spuren und man wusste: Heute war vor dir noch niemand hier. Das war schon grandios.

Grandioser, als einen Marathon zu finishen?

Das kann man nicht vergleichen. Aber als ich 2001 beim Rose-Marathon ins Ziel gekommen bin, war das sicher einer der emotionalsten Momente meines Lebens. Man kommt nach eineinhalb Jahren Vorarbeit an, hält seine beiden Töchter an der Hand und läuft über die Linie. Das war ein unvergleichlich emotionaler Moment.

Ein Moment, der Sie heute offenbar noch berührt.

Ja. Es gibt ein Foto, da stehen meine Töchter im Ziel neben mir. Vorher standen sie mit meiner Frau an verschieden Stellen an der Strecke. Das war riesig. Die Familie hat das ja alles auch vorher mitgetragen. Wenn man 60 bis 80 Kilometer in der Woche läuft, dann ist man in dieser Zeit ja auch als Vater weg.

Ist Laufen viel wichtiger geworden, seit Sie als Bürgermeister tätig sind?

Ja. Ich laufe zwar weniger, denn die Zeit, um noch für Marathons zu trainieren, ist einfach nicht da. Aber es ist wichtiger geworden. Laufen ist die beste Medizin, um bei allem Stress mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Um den Ärger wegzulaufen?

Ja, auch das.

Es gab mal die Idee, im Glacis eine beleuchtete Laufstrecke herzurichten. Was ist daraus geworden?

Es gibt ein Glacis-Entwicklungskonzept, das in sechs jährlichen Bauabschnitten umgesetzt wird. In drei öffentlichen Workshops wurden die Nutzergruppen wie Spaziergänger, Schüler oder auch Läufer beteiligt. Ihre Wünsche fließen in die Gestaltung ein. Den Wunsch nach einer durchgehenden Beleuchtung haben wir aber nicht berücksichtigt, weil das unter dem Stichwort Lichtverschmutzung ökologisch nicht der richtige Weg gewesen wäre. Das Glacis ist ein Multifunktionsraum für viele Menschen. Ich glaube, mit dem Entwicklungsplan ist ein guter Kompromiss gelungen.

Wie steht es um die Entwicklung der Multihalle, einem politischen Ultra-Marathon? Ist dort ein Ziel in Sicht?

Das Thema besitzt durchaus Ähnlichkeiten mit einem Marathon. Zwischenzeitlich war das Ziel mal in weite Ferne gerückt. Viele Beteiligte, vor allem in der Wirtschaft, wussten nicht mehr, woran sie waren. Ohne die Debatte um die Kampa-Halle wären wir heute sicher weiter. Wir befinden uns immer noch in guten Gesprächen mit der Wirtschaft. Der Kreis hat eine klare Botschaft gesandt, er will bis Ende des Jahres entscheiden, wie er mit der Kampa-Halle verfahren will. Bis dahin will der Kreis ein Konzept haben. Daran arbeiten wir, um das dem Kreis und dem Stadtrat vorlegen.

Ist das Dresdner Modell die beste Umsetzung? Die Privatwirtschaft errichtet die Halle und übergibt sie einer Betreibergesellschaft unter Beteiligung der öffentlichen Hand?

Nein. Das war mal in der Überlegung, aber wir haben uns gemeinsam wieder auf das andere Modell geeinigt. Das Konzept, das wir verfolgen, sieht vor, dass die Stadt unter Hinzuziehung der Wirtschaft baut. Das Modell halte ich für tragfähig. Die Wirtschaft hat einen riesigen Schritt gemacht mit dem Angebot, den Betrieb für 20 Jahre zu gewährleisten. Das bedeutet natürlich: Der Betreiber als künftiger Nutzer muss beim Bau beteiligt sein.

Warum ist die Multihalle so wichtig?

Irgendwann werden in der Handball-Bundesliga vier Tribünenseiten eine Voraussetzung sein. Die gibt es weder in der Kampa-Halle noch in Lübbecke. Wenn die Kampa-Halle mit neun oder zehn Millionen Euro saniert wird, dann haben wir über Jahre die Chance vertan, dem Profi-Handball hier eine Zukunft zu geben. Bundesligasport, das muss jedem klar sein, ist für eine Stadt wie Minden keine Selbstverständlichkeit.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Sportmix