Hitzige Diskussion um Beitragserhöhung: Kreissportbund-Geschäftsstelle sorgt für Kosten-Explosion Alexander Grohmann Lübbecke. Kurzzeitig sah es nach einer Abstimmungspleite aus. Am Ende eines aufwühlenden Abends konnte Helmut Schemmann aber aufatmen. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Minden-Lübbecke setzte in der Delegiertenversammlung in der Lübbecker Stadthalle die geplante Beitragserhöhung für die Mitgliedsvereine durch. Die 109 anwesenden Delegierten votierten mit etwa 80 Prozent Ja-Stimmen für die Anhebung der jährlichen Abgaben an den KSB. Vorausgegangen war eine dreistündige Diskussion. In seiner detaillierten Präsentation hatte Schemmann die Notwendigkeit der Beitragserhöhung vor allem mit den gestiegenen Kosten nach dem Umzug der Geschäftsstelle begründet. Ende 2019 hatte der KSB aus der Kampa-Halle ausziehen müssen. Die Mehrkosten für das neue Büro im ehemaligen Jobcenter in Petershagen belaufen sich pro Jahr auf etwa 30.000 Euro. Das Vorhaben des KSB, die Beiträge um 80 Prozent anzuheben, um in absehbarer Zeit nicht in eine finanzielle Schieflage zu geraten, hatte schon im Vorfeld für Unverständnis bei vielen Vereinen gesorgt. „Das ist bei solch einem Thema auch verständlich und menschlich", äußerte der Diplom-Sportlehrer Verständnis für den Unmut. Die Beitragsordnung sah bislang einen jährlichen Grundbetrag von 25 Euro pro Verein sowie eine Abgabe von 50 Cent pro Mitglied bei Klubs mit mehr als 50 Mitgliedern vor. Im Antrag des KSB sollte der Grundbetrag auf 40 Euro und die Abgabe pro Mitglied auf 90 Cent steigen. Das trifft vor allem mitgliederstarke Klubs. Sie müssen tiefer in die Tasche greifen. Bei Großvereinen wie SV 1860 Minden kann das pro Jahr einen Unterschied von 1000 Euro ausmachen. „Wir haben uns den Antrag nicht leicht gemacht. Die Frage war: Was können wir den Vereinen zumuten?", warb Schemmann für Verständnis. Nicht nur das Thema Geschäftsstelle belastet den Etat. Auch der Mitgliederrückgang habe zu sinkenden Einnahmen geführt. „Der Kreis hat uns für 2020 und 2021 jeweils 20.000 Euro zusätzlich bewilligt. Aber mit mehr ist erstmal nicht zu rechnen", ergänzte Schemmann. „Wir lehnen jegliche Beitragserhöhung ab. Der KSB schafft es scheinbar nicht zu sparen", schoss Jens Nickel vom VfB Fabbenstedt in der anschließenden Aussprache die erste Breitseite ab. Der SC Nammen hatte einen Gegenantrag eingereicht, der eine weniger starke Erhöhung zum Ziel hatte. „Der KSB hat sich für die Vereine immer super eingesetzt, das muss man loben. Aber man muss auch Kritik üben dürfen", sagte Klaus-Dieter Vogt (2. Vorsitzender). Ablehnung drückte auch Karl-Heinz Eikenhorst (Union Varl) aus. „Was ich vermisst habe, ist eine Analyse der Einspar-Potenziale. Die Mitglieder als erstes zu melken, ist nicht der richtige Weg", machte der Vorsitzende des Fußballkreises Lübbecke klar. Mit so viel Gegenwind hatte möglicherweise auch Schemmann nicht gerechnet, der sich fast flehentlich an die Delegierten wendete. „Stand jetzt wissen wir nicht, wie wir 2022 bewerkstelligen sollen. Personalkürzungen sind für uns keine Option. Bei einer Ablehnung bringt ihr den KSB in eine Riesen-Notlage", appellierte er. Er verwies nicht nur auf die gute Arbeit, für die der Kreissportbund stehe, sondern auch auf 4,8 Millionen Euro, die seit 2018 aus dem NRW-Topf „Moderne Sportstätten" durch KSB-Vermittlung mehr als 100 Vereinen aus dem Kreis zu Gute gekommen sind. „Von was reden wir also hier?", rief er emotional. „Helmut, so habe ich dich noch nie erlebt", entfuhr es dem auf dem Podium sitzenden KSB-Präsidenten Jens Große. Doch es gab auch Rückhalt. Daniel Lange (Mindener Bogenschützen) sagte: „Für uns als kleiner Verein ist die Erhöhung absolut leistbar. Man muss doch auch sehen, was man vom KSB hat." Reinhard Franke (ESV Minden) gab zu bedenken: „Wenn wir dem Antrag nicht zustimmen, wird es nächstes oder übernächstes Jahr dramatisch." Diese Worte schienen zu wirken: Bei der Abstimmung wurde die Beitragserhöhung mit überwiegender Mehrheit bei nur 16 Nein-Stimmen angenommen. Sieben Delegierte hatten sich enthalten.

Hitzige Diskussion um Beitragserhöhung: Kreissportbund-Geschäftsstelle sorgt für Kosten-Explosion

Hitziger Austausch: KSB-Geschäftsführer Helmut Schemmann konnte die Delegierten in der Stadthalle Lübbecke nach langen Diskussionen überzeugen. © Alexander Grohmann

Lübbecke. Kurzzeitig sah es nach einer Abstimmungspleite aus. Am Ende eines aufwühlenden Abends konnte Helmut Schemmann aber aufatmen. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Minden-Lübbecke setzte in der Delegiertenversammlung in der Lübbecker Stadthalle die geplante Beitragserhöhung für die Mitgliedsvereine durch.

Die 109 anwesenden Delegierten votierten mit etwa 80 Prozent Ja-Stimmen für die Anhebung der jährlichen Abgaben an den KSB. Vorausgegangen war eine dreistündige Diskussion. In seiner detaillierten Präsentation hatte Schemmann die Notwendigkeit der Beitragserhöhung vor allem mit den gestiegenen Kosten nach dem Umzug der Geschäftsstelle begründet. Ende 2019 hatte der KSB aus der Kampa-Halle ausziehen müssen. Die Mehrkosten für das neue Büro im ehemaligen Jobcenter in Petershagen belaufen sich pro Jahr auf etwa 30.000 Euro.

Die Mehrheit der Delegierten stimmten letztendlich für die Beitragserhöhung. - © Astrid Plaßhenrich
Die Mehrheit der Delegierten stimmten letztendlich für die Beitragserhöhung. - © Astrid Plaßhenrich

Das Vorhaben des KSB, die Beiträge um 80 Prozent anzuheben, um in absehbarer Zeit nicht in eine finanzielle Schieflage zu geraten, hatte schon im Vorfeld für Unverständnis bei vielen Vereinen gesorgt. „Das ist bei solch einem Thema auch verständlich und menschlich", äußerte der Diplom-Sportlehrer Verständnis für den Unmut.

KSB-Präsident Jens Große (rechts) bedankte sich beim Kreissportbeauftragten Fido Gast, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, für die gute Zusammenarbeit. - © Alexander Grohmann
KSB-Präsident Jens Große (rechts) bedankte sich beim Kreissportbeauftragten Fido Gast, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, für die gute Zusammenarbeit. - © Alexander Grohmann

Die Beitragsordnung sah bislang einen jährlichen Grundbetrag von 25 Euro pro Verein sowie eine Abgabe von 50 Cent pro Mitglied bei Klubs mit mehr als 50 Mitgliedern vor. Im Antrag des KSB sollte der Grundbetrag auf 40 Euro und die Abgabe pro Mitglied auf 90 Cent steigen. Das trifft vor allem mitgliederstarke Klubs. Sie müssen tiefer in die Tasche greifen. Bei Großvereinen wie SV 1860 Minden kann das pro Jahr einen Unterschied von 1000 Euro ausmachen.

„Wir haben uns den Antrag nicht leicht gemacht. Die Frage war: Was können wir den Vereinen zumuten?", warb Schemmann für Verständnis. Nicht nur das Thema Geschäftsstelle belastet den Etat. Auch der Mitgliederrückgang habe zu sinkenden Einnahmen geführt. „Der Kreis hat uns für 2020 und 2021 jeweils 20.000 Euro zusätzlich bewilligt. Aber mit mehr ist erstmal nicht zu rechnen", ergänzte Schemmann.

„Wir lehnen jegliche Beitragserhöhung ab. Der KSB schafft es scheinbar nicht zu sparen", schoss Jens Nickel vom VfB Fabbenstedt in der anschließenden Aussprache die erste Breitseite ab. Der SC Nammen hatte einen Gegenantrag eingereicht, der eine weniger starke Erhöhung zum Ziel hatte. „Der KSB hat sich für die Vereine immer super eingesetzt, das muss man loben. Aber man muss auch Kritik üben dürfen", sagte Klaus-Dieter Vogt (2. Vorsitzender). Ablehnung drückte auch Karl-Heinz Eikenhorst (Union Varl) aus. „Was ich vermisst habe, ist eine Analyse der Einspar-Potenziale. Die Mitglieder als erstes zu melken, ist nicht der richtige Weg", machte der Vorsitzende des Fußballkreises Lübbecke klar.

Mit so viel Gegenwind hatte möglicherweise auch Schemmann nicht gerechnet, der sich fast flehentlich an die Delegierten wendete. „Stand jetzt wissen wir nicht, wie wir 2022 bewerkstelligen sollen. Personalkürzungen sind für uns keine Option. Bei einer Ablehnung bringt ihr den KSB in eine Riesen-Notlage", appellierte er.

Er verwies nicht nur auf die gute Arbeit, für die der Kreissportbund stehe, sondern auch auf 4,8 Millionen Euro, die seit 2018 aus dem NRW-Topf „Moderne Sportstätten" durch KSB-Vermittlung mehr als 100 Vereinen aus dem Kreis zu Gute gekommen sind. „Von was reden wir also hier?", rief er emotional. „Helmut, so habe ich dich noch nie erlebt", entfuhr es dem auf dem Podium sitzenden KSB-Präsidenten Jens Große.

Doch es gab auch Rückhalt. Daniel Lange (Mindener Bogenschützen) sagte: „Für uns als kleiner Verein ist die Erhöhung absolut leistbar. Man muss doch auch sehen, was man vom KSB hat." Reinhard Franke (ESV Minden) gab zu bedenken: „Wenn wir dem Antrag nicht zustimmen, wird es nächstes oder übernächstes Jahr dramatisch."

Diese Worte schienen zu wirken: Bei der Abstimmung wurde die Beitragserhöhung mit überwiegender Mehrheit bei nur 16 Nein-Stimmen angenommen. Sieben Delegierte hatten sich enthalten.

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