Heute vor 35 Jahren: Boris Becker holt Wimbledon - Mindener erinnern sich Michael Lorenz Minden. Vor 35 Jahren wurde eine personelle Umschreibung zum Geflügelten Wort: „Der 17-jährige Leimener.“ Als solcher gewann Boris Becker am 7. Juli 1985 das berühmteste Tennisturnier der Welt, die All England Championships von Wimbledon. Das Ereignis war in mancherlei Hinsicht epochal: Becker war und ist bis heute der jüngste Spieler, der Wimbledon gewann, er war der erste Deutsche, dem dieses Kunststück gelang und er war der erste ungesetzte Spieler, der es auf den Thron von Wimbledon schaffte. Das Turnier bewegte auch die Menschen im Mindener Land. Viele Sportfans wissen noch heute, wie und wo sie den Becker-Triumph erlebt haben. „Ich habe ganz genaue Erinnerungen an das Finale, das ich im Wohnzimmer meiner Schwiegereltern verfolgt habe.“, erzählt beispielsweise Thorsten Bülte. Der Mindener Leichtathlet war Anfang der achtziger Jahre großer Tennis-Fan. „Ich habe mit meinen besten Freund Martin Giesder immer Tennis geguckt, und Wimbledon war unser Turnier“, berichtet Bülte, der damals fasziniert war von Männern wie Björn Borg und John McEnroe und deren großen Duellen. Doch das änderte sich im Sommer 1985: „Dass es ein deutscher Jugendlicher ins Finale schafft, war einfach sensationell“, erzählt Bülte und schildert seine noch immer lebendigen Finalerlebnisse: „Ich habe jeden Becker-Ball, der auf der Linie war, gefeiert und jeden, der dahinter war, betrauert. Ich war ultranervös, habe fünf Liter Buttermilch mit Saft getrunken. Das habe ich aber erst hinterher gemerkt.“ Finalgegner war Kevin Curren, zehn Jahre älter als der Rotschopf, hochgewachsen, drahtig, mit einem kanonenartigen Aufschlag ausgestattet, zudem auf dem Zenit seines Könnens. Im Viertelfinale hatte der Südafrikaner, der kurz vor dem Turnier die US-amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, den aufstrebenden schwedischen Serve-and-Volleyspieler Stefan Edberg, danach die Wimbledon-Champs der Jahre zuvor, John McEnroe (1981, 1983 und 1984) sowie Jimmy Connors (1982), glatt in drei Sätzen ausgeschaltet. Doch auch der 17-Jährige war nicht mit ganz leeren Händen nach London gereist. Der unerschrockene junge Mann aus dem badisch-beschaulichen Leimen hatte kurz vor Wimbledon das Rasenturnier im Londoner Queens-Club gewonnen. Der Dützer Fußballer Heiko Eickmeyer blickt zurück: „Ein ehemaliger Studienkollege, der Tennisspieler war, hatte mich frühzeitig auf Boris Becker aufmerksam gemacht, er sagte, dass da eine absolute Granate im Kommen ist. Daher kannte ich ihn eher als viele andere und habe das Wimbledon-Turnier 1985 von Beginn an verfolgt. Das Finale haben wir bei einem Ex-Studienkollegen in Steinfeld bei Vechta geschaut. Wir waren 15 bis 20 Leute und die Stimmung war klasse. Es war erstaunlich, wie Becker mit seinen 17 Jahren dem Druck standgehalten hat.“ Im Finale galt Curren als Favorit. Doch Bum-Bum-Becker ließ sich nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Curren wirkte deutlich verkrampfter als Becker. Dieser kämpfte, fluchte und hechtete wie eh und je, am Ende gewann er 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4. Sport-Deutschland erlebte einen der größten Tage. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Becker avancierte zum bis heute erfolgreichsten deutschen Tennisspieler aller bisherigen Zeiten, er löste mit der noch erfolgreicheren Steffi Graf hierzulande einen Tennisboom aus, der bis zur Jahrtausendwende anhalten sollte. Doch die Zeiten von Tennis als weißem Volkssport sind Geschichte. Als Becker 1996 bei den Australian Open seinen letzten Grand Slam-Titel gewonnen hatte, gehörten den Klubs im Mühlenkreis noch mehr als 8.000 Mitglieder an. Heute – 35 Jahre nach dem Wunder von Wimbledon – sind es noch rund 4.000, womit Tennis immer noch zu den Top-Ten-Sportarten im Mühlenkreis gehört. Die Entwicklung ist auch an anderer Stelle sichtbar: Einst regelmäßig ausgebuchte Mindener Tennishallen wie „Exner“ an der Kutenhauser Straße oder „Falke“ an der Berliner Allee haben schon lange geschlossen, allein bei „Lord Nelson“ an der Stiftsallee läuft noch der Betrieb. Eine nachhaltige und bis heute währende Beziehung zum Becker-Triumph von 1985 hat Ulrike Bolsius. „Natürlich habe ich die Bilder noch im Kopf und war stolz, dass ein Tennisspieler meines Jahrgangs das vollbracht hat“, erzählt Bolsius, die noch heute beim Mindener TK spielt. Ihre Erinnerungen an das Finale sind verblasst: „Was ich damals gedacht und empfunden habe, das weiß ich nicht mehr.“ Ein anderes Erlebnis hält ihr Gedächtnis besetzt: „Ich habe das Jahr 1985 aus einem anderen Grund in Erinnerung: Da nämlich kam ein gewisser Michiel Bolsius aus den Niederlanden in meine Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück. Er wurde mein Tennistrainer, wir wurden später ein Ehepaar und sind es bis heute.“

Heute vor 35 Jahren: Boris Becker holt Wimbledon - Mindener erinnern sich

Der „Becker-Hecht“ als Moment für die Ewigkeit: Als jüngster Spieler aller Zeiten und als erster Deutscher gewann Boris Becker 1985 das Turnier in Wimbledon. Foto: MT-Archiv © (RÅdiger Schrader

Minden. Vor 35 Jahren wurde eine personelle Umschreibung zum Geflügelten Wort: „Der 17-jährige Leimener.“ Als solcher gewann Boris Becker am 7. Juli 1985 das berühmteste Tennisturnier der Welt, die All England Championships von Wimbledon. Das Ereignis war in mancherlei Hinsicht epochal: Becker war und ist bis heute der jüngste Spieler, der Wimbledon gewann, er war der erste Deutsche, dem dieses Kunststück gelang und er war der erste ungesetzte Spieler, der es auf den Thron von Wimbledon schaffte.

Das Turnier bewegte auch die Menschen im Mindener Land. Viele Sportfans wissen noch heute, wie und wo sie den Becker-Triumph erlebt haben. „Ich habe ganz genaue Erinnerungen an das Finale, das ich im Wohnzimmer meiner Schwiegereltern verfolgt habe.“, erzählt beispielsweise Thorsten Bülte. Der Mindener Leichtathlet war Anfang der achtziger Jahre großer Tennis-Fan. „Ich habe mit meinen besten Freund Martin Giesder immer Tennis geguckt, und Wimbledon war unser Turnier“, berichtet Bülte, der damals fasziniert war von Männern wie Björn Borg und John McEnroe und deren großen Duellen. Doch das änderte sich im Sommer 1985: „Dass es ein deutscher Jugendlicher ins Finale schafft, war einfach sensationell“, erzählt Bülte und schildert seine noch immer lebendigen Finalerlebnisse: „Ich habe jeden Becker-Ball, der auf der Linie war, gefeiert und jeden, der dahinter war, betrauert. Ich war ultranervös, habe fünf Liter Buttermilch mit Saft getrunken. Das habe ich aber erst hinterher gemerkt.“

Über den Tennissport lernte Ulrike Bolsius ihren Mann kennen.
Über den Tennissport lernte Ulrike Bolsius ihren Mann kennen.

Finalgegner war Kevin Curren, zehn Jahre älter als der Rotschopf, hochgewachsen, drahtig, mit einem kanonenartigen Aufschlag ausgestattet, zudem auf dem Zenit seines Könnens. Im Viertelfinale hatte der Südafrikaner, der kurz vor dem Turnier die US-amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, den aufstrebenden schwedischen Serve-and-Volleyspieler Stefan Edberg, danach die Wimbledon-Champs der Jahre zuvor, John McEnroe (1981, 1983 und 1984) sowie Jimmy Connors (1982), glatt in drei Sätzen ausgeschaltet.

Thorsten Bülte fieberte vor dem Fernseher mit. Fotos: Lorenz (2)
Thorsten Bülte fieberte vor dem Fernseher mit. Fotos: Lorenz (2)

Doch auch der 17-Jährige war nicht mit ganz leeren Händen nach London gereist. Der unerschrockene junge Mann aus dem badisch-beschaulichen Leimen hatte kurz vor Wimbledon das Rasenturnier im Londoner Queens-Club gewonnen.

Der Dützer Fußballer Heiko Eickmeyer blickt zurück: „Ein ehemaliger Studienkollege, der Tennisspieler war, hatte mich frühzeitig auf Boris Becker aufmerksam gemacht, er sagte, dass da eine absolute Granate im Kommen ist. Daher kannte ich ihn eher als viele andere und habe das Wimbledon-Turnier 1985 von Beginn an verfolgt. Das Finale haben wir bei einem Ex-Studienkollegen in Steinfeld bei Vechta geschaut. Wir waren 15 bis 20 Leute und die Stimmung war klasse. Es war erstaunlich, wie Becker mit seinen 17 Jahren dem Druck standgehalten hat.“

Im Finale galt Curren als Favorit. Doch Bum-Bum-Becker ließ sich nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Curren wirkte deutlich verkrampfter als Becker. Dieser kämpfte, fluchte und hechtete wie eh und je, am Ende gewann er 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4. Sport-Deutschland erlebte einen der größten Tage.

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Becker avancierte zum bis heute erfolgreichsten deutschen Tennisspieler aller bisherigen Zeiten, er löste mit der noch erfolgreicheren Steffi Graf hierzulande einen Tennisboom aus, der bis zur Jahrtausendwende anhalten sollte.

Doch die Zeiten von Tennis als weißem Volkssport sind Geschichte. Als Becker 1996 bei den Australian Open seinen letzten Grand Slam-Titel gewonnen hatte, gehörten den Klubs im Mühlenkreis noch mehr als 8.000 Mitglieder an. Heute – 35 Jahre nach dem Wunder von Wimbledon – sind es noch rund 4.000, womit Tennis immer noch zu den Top-Ten-Sportarten im Mühlenkreis gehört. Die Entwicklung ist auch an anderer Stelle sichtbar: Einst regelmäßig ausgebuchte Mindener Tennishallen wie „Exner“ an der Kutenhauser Straße oder „Falke“ an der Berliner Allee haben schon lange geschlossen, allein bei „Lord Nelson“ an der Stiftsallee läuft noch der Betrieb.

Eine nachhaltige und bis heute währende Beziehung zum Becker-Triumph von 1985 hat Ulrike Bolsius. „Natürlich habe ich die Bilder noch im Kopf und war stolz, dass ein Tennisspieler meines Jahrgangs das vollbracht hat“, erzählt Bolsius, die noch heute beim Mindener TK spielt. Ihre Erinnerungen an das Finale sind verblasst: „Was ich damals gedacht und empfunden habe, das weiß ich nicht mehr.“ Ein anderes Erlebnis hält ihr Gedächtnis besetzt: „Ich habe das Jahr 1985 aus einem anderen Grund in Erinnerung: Da nämlich kam ein gewisser Michiel Bolsius aus den Niederlanden in meine Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück. Er wurde mein Tennistrainer, wir wurden später ein Ehepaar und sind es bis heute.“

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