Freiwilliger Rückzug: Eisbergens Korbballerinnen spielen nicht mehr Bundesliga Astrid Plaßhenrich Porta Westfalica. Die Entscheidung fiel schwer – aber sie war unumgänglich. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Korbball-Bundesliga stellt der TuS Eisbergen in dieser Saison keine Mannschaft in Deutschlands höchster Spielklasse. Stattdessen treten die Eisbergerinnen in der Verbandsliga an. „Personalprobleme führten zu dem Entschluss, den freiwilligen Rückzug anzutreten“, sagt die Vereinsvorsitzende Christiane Heyse, „wir wollen aber schnellstmöglich wieder in die Bundesliga zurück.“ Die Korbball-Tradition ist lang in Eisbergen. Schließlich gehörte der TuS seit Gründung der Bundesliga im Jahr 2001 über weite Strecken zu deren Spitze. Die Eisbergerinnen qualifizierte sich regelmäßig für die DM-Endrunde und feierten 2014 und 2015 den Gewinn der Deutsche Meisterschaft. Nur die Bundesligasaison 2003/04 verpasste Eisbergen, stieg als Verbandsligameister aber unmittelbar wieder in die Eliteliga auf. Der Höhepunkt der Eisberger Korbballgeschichte liegt erst zwei Jahre zurück. Der TuS trug im Rahmen seines 100-jährigen Vereins- und 50-jährigen Abteilungsjubiläums die Endrunde der Deutschen Meisterschaft in der Sporthalle in Hausberge aus. Der Verein präsentierte sich als perfekter Gastgeber. Und auch sportlich lief’s: Der TuS kämpfte sich bis in Finale vor, verlor das aber nach einem packenden Spiel mit 4:6 gegen den Titelverteidiger SV Schraudenbach. Bereits damals hatten die Eisbergerinnen eine schwierige Saison hinter sich. Die Spielerinnen lebten aufgrund von Job, Studium und Familie in der Republik verteilt. Gemeinsame Trainingseinheiten waren rar und mussten gut organisiert werden. Die Eisbergerinnen nahmen den zeitlichen Mehraufwand aber gerne in Kauf, um weiterhin in der Eliteklasse aufzulaufen. In Vorbereitung auf diese Spielzeit hatte sich die Situation aber noch einmal entscheidend verändert. In Alina Meier sowie Gina und Milena Luthe haben gleich drei Spielerinnen Nachwuchs bekommen und machen zurzeit eine Babypause. Korbjägerin Janka Meier ist schwanger. Das Quartett war das Korsett des Eisberger Spiels in den vergangenen Jahren gewesen. Dazu haben andere Spielerinnen ihr Studium aufgenommen oder sind aufgrund von Schichtdiensten unflexibel. „Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Gina Luthe, „wir haben haben es immer als absolutes Privileg empfunden, in der Bundesliga spielen zu dürfen. Deshalb wollten wir damit nicht leichtfertig umgehen. Jetzt sehen wir diese Saison als Übergang an. Das Ziel lautet aber, wieder aufzusteigen.“ Bis zur Entscheidungsfindung, nicht mehr in der Bundesliga zu melden, dauerte es mehrere Wochen. Verschiedene Szenarien wurden von den Verantwortlichen durchgespielt. „Wir haben überlegt, ob wir die Bundesligamannschaft mit Nachwuchsspielerinnen auffüllen sollen, uns aber letztendlich dagegen entschieden“, erklärt Heyse. Das aktuelle Team der Altersklasse 16 bis 19 gilt als sehr stark. „Wir wollten die Mädels nicht auseinanderreißen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in ihrer Altersklasse für die DM-Endrunde zu qualifizieren“, sagt die Veeinschefin. Der Nachwuchs soll sich in Ruhe weiterentwickeln anstatt verfrüht in der höchsten Liga zu spielen. „Der Unterschied von der Jugend zu den Frauen ist doch sehr groß“, sagt Gina Luthe, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Milena die U19 trainiert hat. Aktuell leiten Astrid Habecker und Isabell Biesemeier die Übungsstunden. Die Nachwuchsspielerinnen füllen den Verbandsligakader aber immer mal wieder auf. Der Sprung ist nicht ganz so groß wie der in die Bundesliga. Eine weitere Überlegung war, Spielerinnen aus anderen Vereinen anzusprechen, ob sie nach Eisbergen wechseln wollen. Aber auch von der Idee rückten die Entscheidungsträger schnell ab. Die Bundesligasaison ist vergangene Woche dann tatsächlich ohne die Eisbergerinnen gestartet. Der erste Spieltag fand ausgerechnet bei der TuS Helpup (Kreis Lippe) statt. Das war immer die nächste Auswärtsfahrt. „Ich hätte mir gerne die Spiele angeschaut“, sagt Heyse. Doch aufgrund der Coronaregeln und der damit einhergehenden begrenzten Zuschauerkapazität verzichtete sie darauf: „Da haben die Mannschaften mit ihren Fans Vorrang, die dort spielen.“ Sie will dann in der kommenden Saison wieder auf der Tribüne sitzen: Wenn dem TuS die Bundesliga-Rückkehr gelingt.

Freiwilliger Rückzug: Eisbergens Korbballerinnen spielen nicht mehr Bundesliga

Ein Bild von der DM-Endrunde 2019 in Hausberge: Gina Luthe (links) und Janka Meier sind jahrelang wichtige Stützen des Eisberger Korbballteams gewesen. Aktuell pausieren die beiden. MT-Foto: Astrid Plaßhenrich

Porta Westfalica. Die Entscheidung fiel schwer – aber sie war unumgänglich. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Korbball-Bundesliga stellt der TuS Eisbergen in dieser Saison keine Mannschaft in Deutschlands höchster Spielklasse. Stattdessen treten die Eisbergerinnen in der Verbandsliga an. „Personalprobleme führten zu dem Entschluss, den freiwilligen Rückzug anzutreten“, sagt die Vereinsvorsitzende Christiane Heyse, „wir wollen aber schnellstmöglich wieder in die Bundesliga zurück.“

Die Korbball-Tradition ist lang in Eisbergen. Schließlich gehörte der TuS seit Gründung der Bundesliga im Jahr 2001 über weite Strecken zu deren Spitze. Die Eisbergerinnen qualifizierte sich regelmäßig für die DM-Endrunde und feierten 2014 und 2015 den Gewinn der Deutsche Meisterschaft. Nur die Bundesligasaison 2003/04 verpasste Eisbergen, stieg als Verbandsligameister aber unmittelbar wieder in die Eliteliga auf.

Der Höhepunkt der Eisberger Korbballgeschichte liegt erst zwei Jahre zurück. Der TuS trug im Rahmen seines 100-jährigen Vereins- und 50-jährigen Abteilungsjubiläums die Endrunde der Deutschen Meisterschaft in der Sporthalle in Hausberge aus. Der Verein präsentierte sich als perfekter Gastgeber. Und auch sportlich lief’s: Der TuS kämpfte sich bis in Finale vor, verlor das aber nach einem packenden Spiel mit 4:6 gegen den Titelverteidiger SV Schraudenbach.

Bereits damals hatten die Eisbergerinnen eine schwierige Saison hinter sich. Die Spielerinnen lebten aufgrund von Job, Studium und Familie in der Republik verteilt. Gemeinsame Trainingseinheiten waren rar und mussten gut organisiert werden. Die Eisbergerinnen nahmen den zeitlichen Mehraufwand aber gerne in Kauf, um weiterhin in der Eliteklasse aufzulaufen.

In Vorbereitung auf diese Spielzeit hatte sich die Situation aber noch einmal entscheidend verändert. In Alina Meier sowie Gina und Milena Luthe haben gleich drei Spielerinnen Nachwuchs bekommen und machen zurzeit eine Babypause. Korbjägerin Janka Meier ist schwanger. Das Quartett war das Korsett des Eisberger Spiels in den vergangenen Jahren gewesen. Dazu haben andere Spielerinnen ihr Studium aufgenommen oder sind aufgrund von Schichtdiensten unflexibel. „Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Gina Luthe, „wir haben haben es immer als absolutes Privileg empfunden, in der Bundesliga spielen zu dürfen. Deshalb wollten wir damit nicht leichtfertig umgehen. Jetzt sehen wir diese Saison als Übergang an. Das Ziel lautet aber, wieder aufzusteigen.“

Bis zur Entscheidungsfindung, nicht mehr in der Bundesliga zu melden, dauerte es mehrere Wochen. Verschiedene Szenarien wurden von den Verantwortlichen durchgespielt. „Wir haben überlegt, ob wir die Bundesligamannschaft mit Nachwuchsspielerinnen auffüllen sollen, uns aber letztendlich dagegen entschieden“, erklärt Heyse. Das aktuelle Team der Altersklasse 16 bis 19 gilt als sehr stark. „Wir wollten die Mädels nicht auseinanderreißen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in ihrer Altersklasse für die DM-Endrunde zu qualifizieren“, sagt die Veeinschefin. Der Nachwuchs soll sich in Ruhe weiterentwickeln anstatt verfrüht in der höchsten Liga zu spielen. „Der Unterschied von der Jugend zu den Frauen ist doch sehr groß“, sagt Gina Luthe, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Milena die U19 trainiert hat. Aktuell leiten Astrid Habecker und Isabell Biesemeier die Übungsstunden. Die Nachwuchsspielerinnen füllen den Verbandsligakader aber immer mal wieder auf. Der Sprung ist nicht ganz so groß wie der in die Bundesliga. Eine weitere Überlegung war, Spielerinnen aus anderen Vereinen anzusprechen, ob sie nach Eisbergen wechseln wollen. Aber auch von der Idee rückten die Entscheidungsträger schnell ab.

Die Bundesligasaison ist vergangene Woche dann tatsächlich ohne die Eisbergerinnen gestartet. Der erste Spieltag fand ausgerechnet bei der TuS Helpup (Kreis Lippe) statt. Das war immer die nächste Auswärtsfahrt. „Ich hätte mir gerne die Spiele angeschaut“, sagt Heyse. Doch aufgrund der Coronaregeln und der damit einhergehenden begrenzten Zuschauerkapazität verzichtete sie darauf: „Da haben die Mannschaften mit ihren Fans Vorrang, die dort spielen.“ Sie will dann in der kommenden Saison wieder auf der Tribüne sitzen: Wenn dem TuS die Bundesliga-Rückkehr gelingt.

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