„Football ist für mich Freiheit“: Runningback Jandrik Schlumbohn erklärt Erfolgsrezept der Minden Wolves Sebastian Külbel Rahden/Minden. Die Minden Wolves haben in ihrer ersten Saison eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Das im Februar 2019 ins Leben gerufene American-Football-Team wurde auf Anhieb Meister und lockte in drei Heimspielen insgesamt 4.200 Zuschauer ins Weserstadion. Gründungsmitglied und Runningback Jandrik Schlumbohm blickt im MT-Interview auf den tollen Start zurück und erklärt, was er für das Team bedeutet. Wie haben Sie das Phänomen Minden Wolves wahrgenommen? Wir hatten beim ersten Heimspiel schon mit größerem Interesse und 1.000 Zuschauern gerechnet. Dann waren es sogar mehr und wir waren überrascht. Beim zweiten und dritten kamen wieder so viele, das hat mich dann echt umgehauen. Ein großer Teil dieses Erfolgs ist dem Gesamtkonstrukt zu verdanken. Wir haben die Dinge von Anfang an breit aufgestellt und hatten eine Idee von der Struktur um das Sportliche herum. Wir hatten früh einen Fachmann für Marketing, und nach und nach kamen immer mehr Experten für Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Spielwesen, Jugend, Zusammenarbeit mit der DJK Dom als Dachverein oder auch unser Teamarzt. Auch der sportliche Anspruch war von Anfang an hoch. Unser Ziel war es nicht, der Kasperverein aus der Kreisliga zu sein, sondern ein Team, das irgendwann auch höhere Ligen anstrebt. Wir wollen professionell auftreten und vernünftigen Football spielen. Trotzdem sind 1.5000 Zuschauer für Hobbysportler eher selten. Ich selbst habe das gar nicht so wahrgenommen, weil ich mich im Spiel abschotte, um zwischen meinen Einsätzen runterzufahren. Im ersten Spiel haben wir gesehen, dass man sich auch zu viel pushen kann. Da waren wir übermotiviert und haben nur 3:3 gespielt. Das Gründungsteam der Wolves war vorher bei den Schaumburg Rangers aktiv. Kann man beide Teams vergleichen? Nein, es ist etwas ganz anderes. Unser Ziel war es immer, dass wir professionell auftreten und gewisse Dinge nicht wollen, die damals bei den Rangers passiert sind. Wir haben uns von Anfang an in allen Bereichen breit aufgestellt. Von der ganzen Philosophie her ist es ein himmelweiter Unterschied, seien es der teaminterne Umgang, das Training und auch die Motivation innerhalb der Mannschaft. Der Kader besteht zu 75 Prozent aus Anfängern. Wie bringt man die so schnell auf das nötige Niveau? Das liegt an den Trainern. Wir waren immer gut vorbereitet und haben auch in der Coronazeit viel gearbeitet. Da konnten wir zwar nicht trainieren, haben dafür aber unheimlich viel Theorie gemacht. Da gab es erst Regelkunde und dann sind wir die Spielzüge, also unser Playbook, bis ins Detail durchgegangen. Insgesamt ist Motivation im Team sehr hoch. Wie viele Spielzüge muss man als Angreifer können? Das kommt auf das Playbook an. In der NFL hat das bis zu 700 Seiten. Wir hatten zwei Lauf- und fünf Passspielzüge, die wir aus zwei oder drei Formationen gelaufen sind. Das klingt gar nicht so viel. Ist es auch nicht, und das hat es uns leichter gemacht. Wir haben das System einfach gehalten, um es dann aber umso besser auszuführen. Und wenn man einen Spielzug richtig kann, ist es sehr schwer, ihn zu verteidigen. Coronabedingt fiel die Saison 2020 aus. Haben die zweieinhalb Jahre Training dem Team auch gut getan? Ja, definitiv. Moralisch war die Saisonabsage ein Tiefschlag. Ich zum Beispiel verbinde Football mit Freiheit, ich gehe darin auf. Deshalb hat mich das damals schon getroffen. Aber die, die sich da durchgebissen haben und dabei geblieben sind, sind zu einer festen Mannschaft geworden. Da gibt es jetzt nicht mehr diese Instagram-Footballer, die das alles nur für ein schönes Bild in ihrem Profil machen. Dafür trainiert keiner zweieinhalb Jahre. Für das Teamgefüge hatte die lange Wartezeit also auch positive Seiten. Und wir waren dadurch optimal vorbereitet. Trotzdem hattet auch Ihr mit Verletzungen zu kämpfen, unter anderem gab es vier Kreuzbandrisse. Es ist schon so, dass man ins Spiel geht und nicht weiß, ob man gesund rauskommt. Deswegen sagt unser Headcoach Phil Gamble auch immer: ,Spielt das Spiel so, als ob es euer letztes wäre.’ Football birgt ganz klar auch Gefahren. Aber man ist bereit, diese einzugehen, weil es einfach Spaß macht. Als Runningback tragen Sie den Ball nach vorne. Hält man sich dabei nur an den Spielzug oder ist auch Instinkt erlaubt? Bei den ersten Schritten hält man sich an den Laufweg, und dann setzt der Instinkt ein. Der ist aber trügerisch, weil man manchmal genau dahin laufen muss, wo alle Leute stehen, weil genau da die Blöcke gesetzt werden. Trotzdem ist der Instinkt wichtig, wenn der Spielzug nicht wie geplant funktioniert. Dann ist man auf sich gestellt und muss seine Moves nutzen. Mit Phil Gamble und Mike Davis stehen zwei erfahrene US-Amerikaner im Team, beide spielen als Runningback. Was nehmen Sie von denen mit? Mike war leider nur ein Mal beim Training. Da habe ich in 20 Minuten mehr über das Passblocken gelernt als in all den Jahren zuvor. Diese erfahrenen Spieler sind wahnsinnig wichtig für uns. Das ist schon eine Ehre, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten. Trotz der vielen Neulinge im Team wurden die Wolves auf Anhieb Meister. Wohin kann der Weg noch gehen? Wir wollen einfach in allen Belangen immer besser und besser werden. Das betrifft das Sportliche, die Präsentation der Heimspiele und das ganze Drumherum. Die erfolgreiche Saison hat uns gepusht, weiter zu arbeiten und viel reinzustecken. Sportlich hängt viel an der Jugendarbeit, denn wir werden von Jahr zu Jahr neue Spieler benötigen. Unsere Hoffnung ist, dass wir aufsteigen dürfen, denn wir brauchen diese Herausforderung.

„Football ist für mich Freiheit“: Runningback Jandrik Schlumbohn erklärt Erfolgsrezept der Minden Wolves

„Football birgt Gefahren, aber man geht sie ein“: Jandrik Schlumbohm gibt alles für seinen Sport, in dem er mit den Minden Wolves eine traumhafte Saison erlebt hat. © Herzensglueck-Fotografie

Rahden/Minden. Die Minden Wolves haben in ihrer ersten Saison eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Das im Februar 2019 ins Leben gerufene American-Football-Team wurde auf Anhieb Meister und lockte in drei Heimspielen insgesamt 4.200 Zuschauer ins Weserstadion. Gründungsmitglied und Runningback Jandrik Schlumbohm blickt im MT-Interview auf den tollen Start zurück und erklärt, was er für das Team bedeutet.

Wie haben Sie das Phänomen Minden Wolves wahrgenommen?

Wir hatten beim ersten Heimspiel schon mit größerem Interesse und 1.000 Zuschauern gerechnet. Dann waren es sogar mehr und wir waren überrascht. Beim zweiten und dritten kamen wieder so viele, das hat mich dann echt umgehauen. Ein großer Teil dieses Erfolgs ist dem Gesamtkonstrukt zu verdanken. Wir haben die Dinge von Anfang an breit aufgestellt und hatten eine Idee von der Struktur um das Sportliche herum. Wir hatten früh einen Fachmann für Marketing, und nach und nach kamen immer mehr Experten für Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Spielwesen, Jugend, Zusammenarbeit mit der DJK Dom als Dachverein oder auch unser Teamarzt.

Auch der sportliche Anspruch war von Anfang an hoch.

Unser Ziel war es nicht, der Kasperverein aus der Kreisliga zu sein, sondern ein Team, das irgendwann auch höhere Ligen anstrebt. Wir wollen professionell auftreten und vernünftigen Football spielen.

Trotzdem sind 1.5000 Zuschauer für Hobbysportler eher selten.

Ich selbst habe das gar nicht so wahrgenommen, weil ich mich im Spiel abschotte, um zwischen meinen Einsätzen runterzufahren. Im ersten Spiel haben wir gesehen, dass man sich auch zu viel pushen kann. Da waren wir übermotiviert und haben nur 3:3 gespielt.

Das Gründungsteam der Wolves war vorher bei den Schaumburg Rangers aktiv. Kann man beide Teams vergleichen?

Nein, es ist etwas ganz anderes. Unser Ziel war es immer, dass wir professionell auftreten und gewisse Dinge nicht wollen, die damals bei den Rangers passiert sind. Wir haben uns von Anfang an in allen Bereichen breit aufgestellt. Von der ganzen Philosophie her ist es ein himmelweiter Unterschied, seien es der teaminterne Umgang, das Training und auch die Motivation innerhalb der Mannschaft.

Der Kader besteht zu 75 Prozent aus Anfängern. Wie bringt man die so schnell auf das nötige Niveau?

Das liegt an den Trainern. Wir waren immer gut vorbereitet und haben auch in der Coronazeit viel gearbeitet. Da konnten wir zwar nicht trainieren, haben dafür aber unheimlich viel Theorie gemacht. Da gab es erst Regelkunde und dann sind wir die Spielzüge, also unser Playbook, bis ins Detail durchgegangen. Insgesamt ist Motivation im Team sehr hoch.

Wie viele Spielzüge muss man als Angreifer können?

Das kommt auf das Playbook an. In der NFL hat das bis zu 700 Seiten. Wir hatten zwei Lauf- und fünf Passspielzüge, die wir aus zwei oder drei Formationen gelaufen sind.

Das klingt gar nicht so viel.

Ist es auch nicht, und das hat es uns leichter gemacht. Wir haben das System einfach gehalten, um es dann aber umso besser auszuführen. Und wenn man einen Spielzug richtig kann, ist es sehr schwer, ihn zu verteidigen.

Coronabedingt fiel die Saison 2020 aus. Haben die zweieinhalb Jahre Training dem Team auch gut getan?

Ja, definitiv. Moralisch war die Saisonabsage ein Tiefschlag. Ich zum Beispiel verbinde Football mit Freiheit, ich gehe darin auf. Deshalb hat mich das damals schon getroffen. Aber die, die sich da durchgebissen haben und dabei geblieben sind, sind zu einer festen Mannschaft geworden. Da gibt es jetzt nicht mehr diese Instagram-Footballer, die das alles nur für ein schönes Bild in ihrem Profil machen. Dafür trainiert keiner zweieinhalb Jahre. Für das Teamgefüge hatte die lange Wartezeit also auch positive Seiten. Und wir waren dadurch optimal vorbereitet.

Trotzdem hattet auch Ihr mit Verletzungen zu kämpfen, unter anderem gab es vier Kreuzbandrisse.

Es ist schon so, dass man ins Spiel geht und nicht weiß, ob man gesund rauskommt. Deswegen sagt unser Headcoach Phil Gamble auch immer: ,Spielt das Spiel so, als ob es euer letztes wäre.’ Football birgt ganz klar auch Gefahren. Aber man ist bereit, diese einzugehen, weil es einfach Spaß macht.

Als Runningback tragen Sie den Ball nach vorne. Hält man sich dabei nur an den Spielzug oder ist auch Instinkt erlaubt?

Bei den ersten Schritten hält man sich an den Laufweg, und dann setzt der Instinkt ein. Der ist aber trügerisch, weil man manchmal genau dahin laufen muss, wo alle Leute stehen, weil genau da die Blöcke gesetzt werden. Trotzdem ist der Instinkt wichtig, wenn der Spielzug nicht wie geplant funktioniert. Dann ist man auf sich gestellt und muss seine Moves nutzen.

Mit Phil Gamble und Mike Davis stehen zwei erfahrene US-Amerikaner im Team, beide spielen als Runningback. Was nehmen Sie von denen mit?

Mike war leider nur ein Mal beim Training. Da habe ich in 20 Minuten mehr über das Passblocken gelernt als in all den Jahren zuvor. Diese erfahrenen Spieler sind wahnsinnig wichtig für uns. Das ist schon eine Ehre, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten.

Trotz der vielen Neulinge im Team wurden die Wolves auf Anhieb Meister. Wohin kann der Weg noch gehen?

Wir wollen einfach in allen Belangen immer besser und besser werden. Das betrifft das Sportliche, die Präsentation der Heimspiele und das ganze Drumherum. Die erfolgreiche Saison hat uns gepusht, weiter zu arbeiten und viel reinzustecken. Sportlich hängt viel an der Jugendarbeit, denn wir werden von Jahr zu Jahr neue Spieler benötigen. Unsere Hoffnung ist, dass wir aufsteigen dürfen, denn wir brauchen diese Herausforderung.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Sportmix