Fans müssen schweigen, Sportler pausieren - Behörden und Verbände reagieren auf Corona-Lage Marcus Riechmann,Michael Lorenz Minden. Die kleine Freiheit währte nur wenige Wochen. Die Corona-Pandemie ist mit Macht zurück in der Republik, auch der Kreis Minden-Lübbecke ist zum Risikogebiet geworden. Das schlägt auch auf den Sportbetrieb durch. Gestern verkündeten die Krisenstäbe in Kreis- und Rathaus zwar nur geringe und vor allem Zuschauer betreffende Einschränkungen für den Sport, doch in den Verbänden gibt es bereits deutliche Reaktionen auf die wachsenden Infektionszahlen. Behördlich wurde gestern klargestellt, dass sich für Freizeitsportler und im Vereinssport auch mit der der neuen Corona-Lage erstmal keine Veränderungen ergeben. Auch Fitnessstudios dürfen zunächst geöffnet bleiben. Einschränkungen wird es jedoch für die Besuche von Sportveranstaltungen geben. Grundsätzlich bleiben sie erlaubt, aber die Gesamtzahlen sind begrenzt und Hygienekonzepte zur Genehmigung vorzulegen. Außerdem gilt künftig für Zuschauer zu jeder Zeit Maskenpflicht. Darüber hinaus wird den Fans Ruhe verordnet: Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind Fangesänge, Sprechchöre und Unterstützungsrufe nicht zulässig. Die Zuschauerfrage ist auch für den Handball-Bundesligisten GWD Minden von zentraler Bedeutung – nicht nur finanziell, sondern auch wegen der Unterstützung in schweren Spielen. „Man hat am Sonntag gesehen, wie wichtig die Fans und die Atmosphäre für die Mannschaft waren“, sagt GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche, dessen Team im Heimspiel gegen die Füchse Berlin von 582 Fans in Lübbecke lautstark zum ersten Sieg getragen wurde. Auch wenn stimmliche Unterstützung einstweilen nicht mehr erlaubt ist: Kalusche würde mit GWD versuchen, auch bei weiteren zahlenmäßigen Einschränkungen einen Besuch der Spiele irgendwie zu ermöglichen. „Auch wenn Aufwand und finanzieller Ertrag nicht in Verhältnis stehen“, sagt Kalusche, der aber zunächst weitere Entscheidungen der Politik und vor allem die nächste Corona-Schutzverordnung der Landesregierung abwartet. Uneinheitlich ist die Lage in den Sportverbänden. Während in manchen Sportarten bereits am Wochenende Fakten geschaffen wurden, versuchen andere Fachverbände zunächst mit flexiblen Lösungen auf die Situation zu reagieren. Mit einem scharfen Schnitt reagierte der Westdeutsche Tischtennisverband WTTV, der am Sonntag mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb bis zum 31. Dezember aussetzte und damit Klubs und Aktive kalt erwischte. Der Umstand, dass es ausgerechnet Funktionäre der Nicht-Kontaktsportart Tischtennis waren, die in dieser Angelegenheit vorgeprescht sind, bringt viele Akteure auf die Palme. Der Mühlenkreis-Vorsitzende Harald Wiese etwa schrieb an den WTTV: „In der jetzigen Situation ist es völlig anders als im März. Inzwischen haben wir durchdachte Hygienekonzepte, tun alles, um die Vorschriften pingeligst einzuhalten und dann das. Es ist ein völlig falsches Signal, die Hinrunde und alle Meisterschaften abzusagen. Dann können wir die Vereine bald dichtmachen. Kontaktsportarten sind weiterhin erlaubt und unsere nicht?“ Im Volleyball wurde eine Pause mit Spielerlaubnis bis einschließlich 22. November eingeführt. Die Mannschaften dürfen Spiele austragen wenn beide Klubs einverstanden sind. Die Basketballer haben gleich ihren Saisonstart verschoben. Anstatt wie geplant am 31. Oktober zu starten, geht es nun erst im Januar los. Anders reagieren Handball und Fußball. Während einzelne Kreise, wie der Handballverband Lippe, den Spielbetrieb einstellen, sehen die zuständigen Landesverbände von einer Generalabsage ab und halten an den Spielplänen fest. Spiele können jedoch unter Corona-Gesichtspunkten unbürokratisch verlegt werden. Der Handballkreis Minden-Lübbecke will den Klubs ermöglichen, sich zeitweise aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen. „Wir wollen den Vereinen nicht verbieten, was die Politik und die Behörden noch erlauben“, beschreibt Wolfgang Budde, stellvertretenden Vorsitzender im Handballkreis, eine „ganz schwierige Situation“, in der man den Klubs eine gewisse Entscheidungsfreiheit einräumen möchte. ZUM THEMA: Absage im Fußball-Kreispokal Die Reihe der Spielausfälle im Fußball-Kreispokal reißt nicht ab. Am Mittwoch wird die Drittrundenpartie zwischen SV Eidinghausen-Werste und dem B-Kreisligisten SC Hille nicht stattfinden. Grund sind Corona-Infektionen beim Landesligisten SVEW, berichtete Pokalspielleiter Thomas Schickentanz. Eine Neuansetzung werde unter Berücksichtigung des weiteren Infektionsverlaufs bei der SVEW erfolgen. Damit wird am Mittwoch nur die Pokalpartie zwischen den Bezirksligisten SVKT und TuS Lohe ausgetragen (20 Uhr/Kutenhausen).

Fans müssen schweigen, Sportler pausieren - Behörden und Verbände reagieren auf Corona-Lage

Mit Maske aber auch mit voller Stimme durften die GWD-Fans am Sonntag noch ihr Team zum Sieg antreiben. Künftig werden sie sich auf Klatschen und Trommeln beschränken müssen – sofern beim nächsten Heimspiel des Handball-Bundesligisten am 12. November überhaupt noch Zuschauer zugelassen sind. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Die kleine Freiheit währte nur wenige Wochen. Die Corona-Pandemie ist mit Macht zurück in der Republik, auch der Kreis Minden-Lübbecke ist zum Risikogebiet geworden. Das schlägt auch auf den Sportbetrieb durch. Gestern verkündeten die Krisenstäbe in Kreis- und Rathaus zwar nur geringe und vor allem Zuschauer betreffende Einschränkungen für den Sport, doch in den Verbänden gibt es bereits deutliche Reaktionen auf die wachsenden Infektionszahlen.

Behördlich wurde gestern klargestellt, dass sich für Freizeitsportler und im Vereinssport auch mit der der neuen Corona-Lage erstmal keine Veränderungen ergeben. Auch Fitnessstudios dürfen zunächst geöffnet bleiben. Einschränkungen wird es jedoch für die Besuche von Sportveranstaltungen geben. Grundsätzlich bleiben sie erlaubt, aber die Gesamtzahlen sind begrenzt und Hygienekonzepte zur Genehmigung vorzulegen. Außerdem gilt künftig für Zuschauer zu jeder Zeit Maskenpflicht. Darüber hinaus wird den Fans Ruhe verordnet: Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind Fangesänge, Sprechchöre und Unterstützungsrufe nicht zulässig.

Die Zuschauerfrage ist auch für den Handball-Bundesligisten GWD Minden von zentraler Bedeutung – nicht nur finanziell, sondern auch wegen der Unterstützung in schweren Spielen. „Man hat am Sonntag gesehen, wie wichtig die Fans und die Atmosphäre für die Mannschaft waren“, sagt GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche, dessen Team im Heimspiel gegen die Füchse Berlin von 582 Fans in Lübbecke lautstark zum ersten Sieg getragen wurde. Auch wenn stimmliche Unterstützung einstweilen nicht mehr erlaubt ist: Kalusche würde mit GWD versuchen, auch bei weiteren zahlenmäßigen Einschränkungen einen Besuch der Spiele irgendwie zu ermöglichen. „Auch wenn Aufwand und finanzieller Ertrag nicht in Verhältnis stehen“, sagt Kalusche, der aber zunächst weitere Entscheidungen der Politik und vor allem die nächste Corona-Schutzverordnung der Landesregierung abwartet.

Uneinheitlich ist die Lage in den Sportverbänden. Während in manchen Sportarten bereits am Wochenende Fakten geschaffen wurden, versuchen andere Fachverbände zunächst mit flexiblen Lösungen auf die Situation zu reagieren.

Mit einem scharfen Schnitt reagierte der Westdeutsche Tischtennisverband WTTV, der am Sonntag mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb bis zum 31. Dezember aussetzte und damit Klubs und Aktive kalt erwischte. Der Umstand, dass es ausgerechnet Funktionäre der Nicht-Kontaktsportart Tischtennis waren, die in dieser Angelegenheit vorgeprescht sind, bringt viele Akteure auf die Palme. Der Mühlenkreis-Vorsitzende Harald Wiese etwa schrieb an den WTTV: „In der jetzigen Situation ist es völlig anders als im März. Inzwischen haben wir durchdachte Hygienekonzepte, tun alles, um die Vorschriften pingeligst einzuhalten und dann das. Es ist ein völlig falsches Signal, die Hinrunde und alle Meisterschaften abzusagen. Dann können wir die Vereine bald dichtmachen. Kontaktsportarten sind weiterhin erlaubt und unsere nicht?“

Im Volleyball wurde eine Pause mit Spielerlaubnis bis einschließlich 22. November eingeführt. Die Mannschaften dürfen Spiele austragen wenn beide Klubs einverstanden sind. Die Basketballer haben gleich ihren Saisonstart verschoben. Anstatt wie geplant am 31. Oktober zu starten, geht es nun erst im Januar los.

Anders reagieren Handball und Fußball. Während einzelne Kreise, wie der Handballverband Lippe, den Spielbetrieb einstellen, sehen die zuständigen Landesverbände von einer Generalabsage ab und halten an den Spielplänen fest. Spiele können jedoch unter Corona-Gesichtspunkten unbürokratisch verlegt werden. Der Handballkreis Minden-Lübbecke will den Klubs ermöglichen, sich zeitweise aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen. „Wir wollen den Vereinen nicht verbieten, was die Politik und die Behörden noch erlauben“, beschreibt Wolfgang Budde, stellvertretenden Vorsitzender im Handballkreis, eine „ganz schwierige Situation“, in der man den Klubs eine gewisse Entscheidungsfreiheit einräumen möchte.

ZUM THEMA: Absage im Fußball-Kreispokal

Die Reihe der Spielausfälle im Fußball-Kreispokal reißt nicht ab. Am Mittwoch wird die Drittrundenpartie zwischen SV Eidinghausen-Werste und dem B-Kreisligisten SC Hille nicht stattfinden. Grund sind Corona-Infektionen beim Landesligisten SVEW, berichtete Pokalspielleiter Thomas Schickentanz. Eine Neuansetzung werde unter Berücksichtigung des weiteren Infektionsverlaufs bei der SVEW erfolgen. Damit wird am Mittwoch nur die Pokalpartie zwischen den Bezirksligisten SVKT und TuS Lohe ausgetragen (20 Uhr/Kutenhausen).

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