Elektro, Hybrid, Wasserstoff: Vor der 50. Rallye Stemweder Berg wirft der Organisator einen Blick die Zukunft Marcus Riechmann Minden. Das Klima wandelt sich, das Umweltbewusstsein steigt. Ist Motorsport noch zeitgemäß? Darauf hat Frank Wiegmann eine klare Antwort: „Die Begeisterung ist noch da. Aber die Zeiten ändern sich, und auch der Motorsport wandelt sich“, sagt der Mann aus Porta Westfalica. Im vierten Jahr ist der Sportleiter des ADAC Ostwestfalen-Lippe als Organisationschef für die Rallye Stemweder Berg zuständig. Er bedauert, dass ausgerechnet die 50. Auflage der traditionsreichen Rallye am Wochenende ohne Fans stattfinden muss. Doch die Corona-Schutzmaßnahmen lassen zum Start der Rallye-Saison nichts anderes zu, sagt der Neeser. Man könne entlang der Pisten keine Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Deshalb gibt das Organisationsteam auch keine Streckenkarte heraus. Man will verhindern, dass sich Fans unkontrolliert entlang der Strecke durch den Mühlenkreis versammeln. „Ich hoffe sehr, dass das im nächsten Jahr wieder anders wird“, wünscht sich Wiegmann. Protest von Anwohnern, wie er jüngst Porta Westfalica zu einem der beiden Streckenabschnitte in Eisbergen geäußert wurde, sei selten, sagt Wiegmann: „Das ist eher die Ausnahme, aber es kommt vor. Es gibt auch Anwohner, die sich dann direkt an uns wenden. Wir hören uns das an und suchen Lösungen.“ So wie in Eisbergen, wo schließlich ein rund sechs Kilometer langer Streckabschnitt aus dem Programm genommen wurde. Doch der Regelfall sei ein anderer: Meist riefen Leute an, um sich nach der Strecke zu erkundigen oder weil sie sich wünschen, dass die Strecke entlang ihrer Straßen gelegt wird, berichtet Wiegmann, die Faszination des Rallye-Sports sein ungebrochen: „Überall an der Strecke entstehen kleine Feste. Die Menschen feiern entlang der Rallye. Es ist schade, dass das in diesem Jahr nicht möglich ist.“ Vor allem die heimischen Piloten wie der Bad Oeynhauser Niklas Stötefalke oder Dennis Rostek aus Bückeburg nutzten bisher gern die Gelegenheit, sich vor den Fans vor Ort zu präsentieren. Rostek, auch in diesem Jahr im Polo dabei, bedauert es besonders, dass keine Zuschauer an der Strecke stehen dürfen. „Es war immer mein Traum, mal vor den Fans in der Heimat zu fahren“, hatte sich der gebürtige Veltheimer vor allem auf das noch zugelassene zweite Eisberger Teilstück gefreut. „Zum ersten Mal kommt die Rallye auf die andere Weserseite“, meint Rostek: „Dann müssen wir das im nächsten Jahr nachholen.“ Der Blick Wiegmanns, der seit vielen Jahren im Automobil- und Motorradsport zuhause ist, geht weiter als nur bis zur 51. Auflage. Er sieht seinen Sport in einem Transformationsprozess. „Die Formel E ist das prominenteste Beispiel“, sagt er, aber es gebe auch andere neue Rennserien und sogar ein Modellprojekt mit Wasserstoff-Antrieb. Auch bei der Rallye Stemweder Berg gibt es ein Novum: Erstmalig geht der E-Rallye-Cup mit voll elektrischen Autos des Herstellers Opel auf die Strecke. Mit prominenter Besetzung sorgt man zur Weltpremiere für Aufmerksamkeit. So wird einer der rein elektrisch betriebenen Rennwagen vom zweimaligen DTM-Champion Timo Scheider gesteuert. Beifahrer Scheiders wird übrigens der amtierende Rallye-Meister Tobias Braun aus Bückeburg sein. Wie lange noch die Motoren kraftvoll den typischen Sound erzeugen werden, weiß Wiegmann nicht. Es wird nicht so bleiben wie es ist, meint er. Doch der Sportleiter möchte die Rolle des Motorsports beim Umweltschutz ein wenig ins Verhältnis zu anderen Belastungen für Luft und Natur rücken: „Wir sprechen hier am Ende nicht über gewaltige Kilometerleistungen.“ Bereits jetzt nehme man das Thema ernst. Man arbeite mit den Behörden im Rahmen der Genehmigungsprozesse alle Aspekte auf. „Die Zusammenarbeit ist gut und sachlich“, lobt Wiegmann. „Am Ende wird es eine politische Entscheidung sein, ob man das in Zukunft noch haben möchte“, sagt Peter Heermann. Der erfahrene Motorsportjournalist, der die Rallye Stemweder Berg medial begleitet, sieht wie Wiegmann noch große Begeisterung. Doch auch er merkt, wie die Welt ich dreht: „Wenn man sieht, wie in Grönland die Eisberge schmelzen, macht man sich natürlich Gedanken.“ Die Entwicklung gehe auch am Rallye-Sport nicht vorbei. Er betont die tradierte Rolle des Motorsports. Hier werde erprobt, was später in Serienautos zur Anwendung käme. „Diese Rolle muss man wieder stärker wahrnehmen“, weiß Heermann, dass manche wichtigen Entwicklungen in den vergangenen Jahren am Motorsport vorbeigegangen sind. E-Antrieb, Hybrid-Fahrzeuge oder auch Wasserstoff-Motoren könnten im Härtetest des Rallye-Sports ihre Alltagstauglichkeit überprüfen. „Das muss sich wiederfinden“, sagt Heermann, "das ist wichtig, um die Zukunft zu sichern.“

Elektro, Hybrid, Wasserstoff: Vor der 50. Rallye Stemweder Berg wirft der Organisator einen Blick die Zukunft

Faszination Rallye-Sport: Hier ist Dennis Rostek in einem VW Polo unterwegs. Der Bückeburger Rennfahrer und Motorsport-Manager geht auch bei der Jubiläumsausgabe der Rallye Stemweder Berg an den Start. Foto: MT-Archiv/Doerrenbaecher © MT-Archiv/Doerrenbaecher

Minden. Das Klima wandelt sich, das Umweltbewusstsein steigt. Ist Motorsport noch zeitgemäß? Darauf hat Frank Wiegmann eine klare Antwort: „Die Begeisterung ist noch da. Aber die Zeiten ändern sich, und auch der Motorsport wandelt sich“, sagt der Mann aus Porta Westfalica.

Im vierten Jahr ist der Sportleiter des ADAC Ostwestfalen-Lippe als Organisationschef für die Rallye Stemweder Berg zuständig. Er bedauert, dass ausgerechnet die 50. Auflage der traditionsreichen Rallye am Wochenende ohne Fans stattfinden muss. Doch die Corona-Schutzmaßnahmen lassen zum Start der Rallye-Saison nichts anderes zu, sagt der Neeser. Man könne entlang der Pisten keine Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Deshalb gibt das Organisationsteam auch keine Streckenkarte heraus. Man will verhindern, dass sich Fans unkontrolliert entlang der Strecke durch den Mühlenkreis versammeln. „Ich hoffe sehr, dass das im nächsten Jahr wieder anders wird“, wünscht sich Wiegmann.

Protest von Anwohnern, wie er jüngst Porta Westfalica zu einem der beiden Streckenabschnitte in Eisbergen geäußert wurde, sei selten, sagt Wiegmann: „Das ist eher die Ausnahme, aber es kommt vor. Es gibt auch Anwohner, die sich dann direkt an uns wenden. Wir hören uns das an und suchen Lösungen.“ So wie in Eisbergen, wo schließlich ein rund sechs Kilometer langer Streckabschnitt aus dem Programm genommen wurde.

Doch der Regelfall sei ein anderer: Meist riefen Leute an, um sich nach der Strecke zu erkundigen oder weil sie sich wünschen, dass die Strecke entlang ihrer Straßen gelegt wird, berichtet Wiegmann, die Faszination des Rallye-Sports sein ungebrochen: „Überall an der Strecke entstehen kleine Feste. Die Menschen feiern entlang der Rallye. Es ist schade, dass das in diesem Jahr nicht möglich ist.“ Vor allem die heimischen Piloten wie der Bad Oeynhauser Niklas Stötefalke oder Dennis Rostek aus Bückeburg nutzten bisher gern die Gelegenheit, sich vor den Fans vor Ort zu präsentieren.

Rostek, auch in diesem Jahr im Polo dabei, bedauert es besonders, dass keine Zuschauer an der Strecke stehen dürfen. „Es war immer mein Traum, mal vor den Fans in der Heimat zu fahren“, hatte sich der gebürtige Veltheimer vor allem auf das noch zugelassene zweite Eisberger Teilstück gefreut. „Zum ersten Mal kommt die Rallye auf die andere Weserseite“, meint Rostek: „Dann müssen wir das im nächsten Jahr nachholen.“

Der Blick Wiegmanns, der seit vielen Jahren im Automobil- und Motorradsport zuhause ist, geht weiter als nur bis zur 51. Auflage. Er sieht seinen Sport in einem Transformationsprozess. „Die Formel E ist das prominenteste Beispiel“, sagt er, aber es gebe auch andere neue Rennserien und sogar ein Modellprojekt mit Wasserstoff-Antrieb. Auch bei der Rallye Stemweder Berg gibt es ein Novum: Erstmalig geht der E-Rallye-Cup mit voll elektrischen Autos des Herstellers Opel auf die Strecke. Mit prominenter Besetzung sorgt man zur Weltpremiere für Aufmerksamkeit. So wird einer der rein elektrisch betriebenen Rennwagen vom zweimaligen DTM-Champion Timo Scheider gesteuert. Beifahrer Scheiders wird übrigens der amtierende Rallye-Meister Tobias Braun aus Bückeburg sein.

Wie lange noch die Motoren kraftvoll den typischen Sound erzeugen werden, weiß Wiegmann nicht. Es wird nicht so bleiben wie es ist, meint er. Doch der Sportleiter möchte die Rolle des Motorsports beim Umweltschutz ein wenig ins Verhältnis zu anderen Belastungen für Luft und Natur rücken: „Wir sprechen hier am Ende nicht über gewaltige Kilometerleistungen.“ Bereits jetzt nehme man das Thema ernst. Man arbeite mit den Behörden im Rahmen der Genehmigungsprozesse alle Aspekte auf. „Die Zusammenarbeit ist gut und sachlich“, lobt Wiegmann.

„Am Ende wird es eine politische Entscheidung sein, ob man das in Zukunft noch haben möchte“, sagt Peter Heermann. Der erfahrene Motorsportjournalist, der die Rallye Stemweder Berg medial begleitet, sieht wie Wiegmann noch große Begeisterung. Doch auch er merkt, wie die Welt ich dreht: „Wenn man sieht, wie in Grönland die Eisberge schmelzen, macht man sich natürlich Gedanken.“

Die Entwicklung gehe auch am Rallye-Sport nicht vorbei. Er betont die tradierte Rolle des Motorsports. Hier werde erprobt, was später in Serienautos zur Anwendung käme. „Diese Rolle muss man wieder stärker wahrnehmen“, weiß Heermann, dass manche wichtigen Entwicklungen in den vergangenen Jahren am Motorsport vorbeigegangen sind. E-Antrieb, Hybrid-Fahrzeuge oder auch Wasserstoff-Motoren könnten im Härtetest des Rallye-Sports ihre Alltagstauglichkeit überprüfen. „Das muss sich wiederfinden“, sagt Heermann, "das ist wichtig, um die Zukunft zu sichern.“

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